In Deutschland steigt die Zahl der Menschen, die an Demenz erkranken, stetig an. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form. Während Vergesslichkeit im Alter normal ist, gibt es bestimmte Anzeichen, bei denen man genauer hinsehen sollte. Es ist wichtig, diese frühen Anzeichen zu erkennen und ernst zu nehmen, um frühzeitig Maßnahmen ergreifen zu können.
Die Zunehmende Verbreitung von Demenz
In Deutschland leben derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Laut dem Bundesfamilienministerium wird diese Zahl bis zum Jahr 2050 voraussichtlich auf 2,8 Millionen ansteigen. Dies ist vor allem auf die alternde Gesellschaft zurückzuführen, da das Alter der Hauptrisikofaktor für Demenz ist, insbesondere für die Alzheimer-Krankheit, die 79 Prozent aller Fälle ausmacht.
Der Schleichende Beginn der Erkrankung
Die Deutsche Hirnstiftung betont, dass die Erkrankung meist schleichend beginnt. Erste Symptome können schon viele Jahre, oft sogar Jahrzehnte vor dem eigentlichen Ausbruch der Krankheit auftreten. Im weiteren Verlauf kommt es zum Verlust kognitiver Fähigkeiten, wodurch auch Alltagssituationen schwerer zu bewältigen sind.
Warum Früherkennung Wichtig Ist
Obwohl Demenz derzeit nicht heilbar ist, kann eine frühzeitige Diagnose entscheidend sein. Einzelne Symptome können behandelt und das Fortschreiten der Erkrankung durch Medikamente verlangsamt werden.
Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung, erklärt: „Eine frühzeitige Sensibilisierung für Frühsymptome gewinnt gerade im Hinblick auf die neuen Alzheimer-Medikamente an Bedeutung, denn die neuen Antikörper sind vor allem in den frühen Erkrankungsstadien wirksam.“ Präventionsmaßnahmen sind zudem umso wirkungsvoller, je früher und regelmäßiger sie umgesetzt werden.
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Fünf Typische Anzeichen Einer Demenz
Die Deutsche Hirnstiftung informiert über fünf häufige erste Anzeichen, die auf eine Demenzerkrankung hindeuten können:
1. Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis
Jeder vergisst mal einen Namen oder eine Verabredung. Vergesslichkeit ist bis zu einem gewissen Grad normal und nimmt mit dem Alter zu.
Wann Sie stutzig werden sollten: Wenn Sie regelmäßig Dinge vergessen, die erst kurze Zeit zurückliegen. Wenn Sie oft einen Raum betreten und nicht mehr wissen, was Sie dort wollten, oder wenn Ihnen nicht mehr einfällt, warum Sie jemanden angerufen haben. „Unser Gehirn arbeitet hoch ökonomisch, gerade unter Stress sortiert es vermeintlich unwichtige Dinge aus. Vergessen wir aber regelhaft Dinge, die erst kurze Zeit zurückliegen, ist das ein Warnsignal“, so die Deutsche Hirnstiftung.
2. Verlegen von Dingen
Es kann jedem passieren, dass man den Autoschlüssel oder das Handy verlegt. Die meisten können sich jedoch herleiten, wo sie sein könnten.
Wann Sie stutzig werden sollten: Wenn der Autoschlüssel ständig verschwunden ist oder Sie verlorene Gegenstände an ungewöhnlichen Orten wiederfinden, z.B. im Kühlschrank oder unter dem Kopfkissen. „Natürlich kann das jedem einmal passieren, dass man nicht mehr weiß, wo der Autoschlüssel liegt. Aber die meisten können sich zumindest herleiten, wo er liegen könnte - ich habe ihn zuletzt auf dem Schreibtisch liegen sehen, also schaue ich da mal nach“. Ist der Autoschlüssel aber ständig weg und findet man ihn dann an ‚sonderbaren‘ Orte wieder, z. B. im Kühlschrank oder im Bett unterm Kopfkissen, kann das ein Anzeichen für eine Demenz sein.“
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3. Wortfindungsstörungen
Ein weiteres Anzeichen für eine beginnende Demenzerkrankung sind Wortfindungsstörungen.
Wann Sie stutzig werden sollten: Wenn Ihnen oft das richtige Wort nicht einfällt, selbst wenn es sich um Alltagsgegenstände handelt, oder wenn Sie falsche Begriffe verwenden, z.B. „Schienenbus“ statt „Bahn“. Betroffene brechen oft Sätze ab, weil sie den Faden verloren haben. „Ein weiteres Zeichen einer beginnenden Demenzerkrankung sind Wortfindungsstörungen. Betroffenen fällt oft nicht das richtige Wort ein, obwohl es sich um Alltagsgegenstände handelt, oder sie benutzen falsche Begriffe (z. B. Schienenbus statt Bahn). Oft brechen sie auch einen Satz in der Mitte ab, weil sie den Faden verloren haben.“
4. Schwierigkeiten bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben
Wenn plötzlich Probleme bei normalen Alltagsaktivitäten auftreten, kann dies ebenfalls ein Warnzeichen sein.
Wann Sie stutzig werden sollten: Wenn Sie Schwierigkeiten beim Schreiben eines Einkaufszettels, beim Nachkochen eines bekannten Rezepts oder beim Regeln Ihrer finanziellen Angelegenheiten haben. „Wenn plötzlich Probleme bei den normalen Aktivitäten des Alltags auftreten, sei es beim Schreiben eines Einkaufszettels, Nachkochen eines altbekannten Rezepts oder dem Regeln der eigenen finanziellen Angelegenheiten, kann das auf eine Demenzerkrankung hindeuten.“
5. Veränderung der Stimmung und des Verhaltens
Negative Veränderungen der Stimmung gelten ebenfalls als Warnzeichen.
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Wann Sie stutzig werden sollten: Lustlosigkeit und Teilnahmslosigkeit (Apathie), Angststörungen, Niedergestimmtheit (Depression) sowie sozialer Rückzug können Vorboten einer Demenzerkrankung sein. „Lustlosigkeit und Teilnahmslosigkeit, beides wird unter dem Fachbegriff Apathie verstanden, aber auch Angststörungen und Niedergestimmtheit (Depression) sowie sozialer Rückzug können Vorboten einer Demenzerkrankung sein.“
Verdacht Auf Demenz? Wann Sie Zum Arzt Sollten
„Treten eines oder mehrere dieser Symptome öfter auf, sollte man zunächst hausärztlichen Rat einholen“, betont Erbguth. „Besteht ein Verdacht auf eine kognitive Störung oder eine Demenz, stehen der Hausärztin oder dem Hausarzt kognitive Kurztests zur Verfügung, um eine valide Ersteinschätzung vornehmen zu können."
Durch Untersuchungen können auch andere Ursachen, wie Stoffwechselstörungen oder Vitaminmangel, ausgeschlossen werden. „Betroffene sollten sich nicht schämen und ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt frühzeitig ins Vertrauen ziehen“, so Erbguth. „Denn wenn sich die Demenzdiagnose bestätigt, lässt sich der Verlauf der Erkrankung durch eine frühzeitige, fachärztliche Mitbetreuung positiv beeinflussen.“
Demenz - Präventivmaßnahmen
Obwohl nicht alle Ursachen der Demenzerkrankung vollständig geklärt sind, gibt es bestimmte Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung erhöhen. Einige dieser Faktoren, wie Alter oder genetische Veranlagung, sind unvermeidbar, während andere verhindert werden können. Studien zeigen, dass bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen durch einen gesunden Lebensstil und die gezielte Beeinflussung von 14 Risikofaktoren verhindert oder hinausgezögert werden können.
- Gesunde, ausgewogene Ernährung: Eine mediterrane Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Fisch, Olivenöl und Vollkornbrot scheint vor Alzheimer und anderen Formen der Demenz zu schützen. Schweinefleisch und Milchprodukte wie fetter Käse und Butter sollten nur in Maßen konsumiert werden.
- Regelmäßige Bewegung: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Erwachsene eine wöchentliche moderate körperliche Aktivität von rund 150 Minuten. Menschen über 65 Jahre sollten zudem Übungen einbauen, die Gleichgewicht, Koordination und Kraft fördern.
- Geistige Aktivität: Wer geistig aktiv ist, kann die Leistungsfähigkeit seines Gehirns verbessern. Anregung der Nervenzellen kann die Vernetzung verbessern und Verbindungen festigen. Statt Kreuzworträtsel, die nur bereits bekanntes Wissen abfragen, sind Aktivitäten, die interessieren und Freude bereiten, wie Musik hören oder machen, Bücher oder Zeitungen lesen, Karten- oder Gesellschaftsspiele spielen oder das Erlernen einer Fremdsprache oder Sportart, besser geeignet. Je komplexer die Tätigkeit, desto anregender ist sie für das Gehirn.
- Soziale Kontakte pflegen: Einsamkeit kann das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, verdoppeln. Pflegen Sie soziale Kontakte durch ein Ehrenamt, Engagement im Sportverein, Chor oder Gruppenreisen.
Stadien der Alzheimer-Krankheit
Der Verlauf der Alzheimer-Krankheit ist individuell, folgt aber bestimmten Mustern.
- Frühe Phase: Leichte Beeinträchtigungen des Denkens und Erinnerns, die im Alltag kaum einschränken.
- Mittlere Phase: Zunehmende Vergesslichkeit im Alltag, insbesondere was das Kurzzeitgedächtnis betrifft. Schwierigkeiten, neue Informationen zu behalten, Gespräche sind anstrengender, Gegenstände werden häufiger verlegt. Erste Probleme mit der Orientierung in Raum und Zeit. Viele Menschen mit Demenz merken, dass etwas nicht stimmt und versuchen, ihre Schwierigkeiten zu verstecken.
- Fortgeschrittene Phase: Deutliche Beeinträchtigung des Kurzzeit- und Langzeitgedächtnisses. Orientierungsprobleme, auch in vertrauter Umgebung. Bekannte Gesichter werden nicht mehr erkannt. Tiefgreifende Veränderungen im Verhalten und im Wesen. Unruhe, Reizbarkeit, Nervosität und aggressive Ausbrüche. Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus. Selbstständige Lebensführung ist nicht mehr möglich.
- Endstadium: Vollständige Pflegeabhängigkeit. Verlust der Sprache, keine sinnvolle Kommunikation mehr. Selbst engste Familienmitglieder werden nicht mehr erkannt. Völlige Orientierungslosigkeit, Inkontinenz, Schluckstörungen, geschwächtes Immunsystem.
Demenz-Tests und Diagnose
Es gibt verschiedene psychometrische Tests, die Hinweise auf eine Demenz geben können, wie den DemTect, den Mini-Mental-Status-Test (MMST), den MoCa-Test und den Uhrentest. Diese Tests können jedoch nur Hinweise liefern und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.
Die Diagnose Demenz sollte immer von einem Arzt gestellt werden, idealerweise einem Neurologen oder Psychiater. Der Hausarzt ist eine gute erste Anlaufstelle, um Symptome abzuklären und gegebenenfalls an einen Spezialisten zu überweisen.
Unterstützung und Anlaufstellen
Eine drohende Demenz-Erkrankung belastet Betroffene, Angehörige und Freunde. Unterstützung von außen und Aufklärung sind wichtig. Es gibt viele regionale Anlaufstellen für das Thema Demenz, die Sie mit Ihren Fragen und Sorgen kontaktieren können. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet eine gute Übersicht über Beratungsstellen, Gedächtnissprechstunden und Memory-Kliniken.