Innere Unruhe ist ein weit verbreitetes Phänomen, das sich individuell sehr unterschiedlich äußert. Die Intensität der Symptome kann variieren, und während manche Menschen die Unruhe als ständigen Begleiter erleben, tritt sie bei anderen nur situationsbedingt auf. Gemeinsam ist jedoch allen Betroffenen die Unfähigkeit, sich richtig zu entspannen. Besonders in den Wechseljahren, ab etwa 45 Jahren, kann innere Unruhe für Frauen ein wiederkehrendes Problem darstellen.
Symptome der inneren Unruhe
Innere Unruhe äußert sich sowohl auf psychischer als auch auf körperlicher Ebene. Zu den wichtigsten Symptomen gehören:
Psychische und emotionale Symptome:
- Schlechte Stimmung und Stimmungsschwankungen
- Ständiges Grübeln und ein Gedankenkarussell
- Ängste und ständige innere Anspannung
- Ruhelosigkeit und das Gefühl, ständig unter Druck zu stehen
- Schlechte Impulskontrolle und emotionale Ausbrüche
- Ungeduld und ständige Überreiztheit
- Fehlende Gelassenheit im Alltag
- Schlafschwierigkeiten und Konzentrationsschwierigkeiten
- Verminderte Leistungsfähigkeit
Körperliche Symptome:
- Nervosität und starker Bewegungsdrang
- Unbewusste, auffällige Bewegungen
- Herzklopfen, Herzrasen und Zittern
- Benommenheit und Schwindelgefühle
- Schweißausbrüche und Schwächegefühle
- Beklemmungsgefühle und Atemprobleme
- Übelkeit
Diese Symptome werden oft durch das vegetative Nervensystem gesteuert, ohne dass wir bewusst Einfluss darauf nehmen können. Innere Unruhe kann als unangenehm oder sogar bedrohlich erlebt werden, was wiederum neue Ängste und Nervosität auslösen kann - ein Teufelskreis.
Innere Unruhe in den Wechseljahren
Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, sind ein besonderer Lebensabschnitt für Frauen ab etwa 45 Jahren. In dieser Zeit verliert der weibliche Körper langsam seine Fruchtbarkeit, was zu einer biochemischen Revolution führt. Bis zu 80 Prozent der Frauen leiden unter Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Erschöpfung. Die Wahrscheinlichkeit für psychische Labilität, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen steigt um das Fünffache. Auch kognitive Fähigkeiten können nachlassen, wobei bis zu 60 Prozent der Frauen über Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit und mangelnde Aufmerksamkeit klagen.
Hormonelle Veränderungen als Ursache
Die Hauptursache für die innere Unruhe in den Wechseljahren sind hormonelle Veränderungen. Insbesondere die Östrogene spielen eine wichtige Rolle. Vor den Wechseljahren regulieren diese Botenstoffe die körperliche Reifung, Fruchtbarkeit und Sexualität. Sie wirken aber auch auf das Gehirn, indem sie die Aktivität bestimmter Gene regulieren und Nervenzellen schützen.
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In den Wechseljahren stellen die Eierstöcke ihre Funktion ein, wodurch die Östrogenproduktion um etwa 90 Prozent sinkt. Diese Hormonschwankungen führen im Gehirn zu Verwirrung. Typische Hitzewallungen entstehen durch eine unregelmäßige Aktivierung des Hypothalamus, der die Körpertemperatur beeinflusst. Auch Hirnregionen, die für Gedächtnis, Gefühlsempfinden und Stressregulierung zuständig sind, sind betroffen.
Der rapide Hormonentzug hat langfristige Auswirkungen auf das Gehirn, da der schützende Effekt der Östrogene entfällt und die Lebensdauer vieler Nervenzellen sinkt. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Demenz-Erkrankung. Tatsächlich sind mehr als zwei Drittel der Alzheimer-Patienten weiblich, und die Krankheit schreitet bei ihnen oft schneller voran.
Nervenzusammenbruch oder Belastungsreaktion
Ein Nervenzusammenbruch ist ein Begriff aus der Alltagssprache, der in der Fachsprache als akute Belastungsreaktion bezeichnet wird. Es handelt sich um eine vorübergehende, aber extreme Reaktion auf ein extremes Ereignis. Diese Reaktion tritt meist wenige Minuten nach dem Auslöser ein und ist ein natürlicher Bestandteil des Bewältigungsprozesses unseres Körpers.
Die Ursachen für eine Belastungsreaktion sind vielfältig und können traumatische Erlebnisse wie Unfälle, Gewalt, Krieg oder Naturkatastrophen umfassen. Auch chronischer Stress und seelische Überforderung können zu einem Nervenzusammenbruch führen.
Die Symptome einer Belastungsreaktion sind vielfältig und können Sprachlosigkeit, veränderte Wahrnehmung, Einengung des Bewusstseins, Nacherleben der Situation, Lücken in der Erinnerung, Überreizung, Stimmungsschwankungen und körperliche Reaktionen wie Schweißausbrüche, Herzrasen und Übelkeit umfassen.
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Was tun gegen innere Unruhe?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, innere Unruhe zu lindern und das Gleichgewicht wiederherzustellen.
Hormontherapie
Eine Hormonersatztherapie kann in Betracht gezogen werden, um den Hormonspiegel wiederherzustellen und akute Beschwerden der Wechseljahre zu lindern. Allerdings sollte die Hormondosis so gering wie möglich gehalten und der Östrogenanteil über die Haut verabreicht werden, um Komplikationen zu vermeiden. Frauen mit einer Neigung zu Blutgerinnseln oder einer Krebserkrankung sollten auf eine Hormontherapie verzichten.
Studien deuten darauf hin, dass ein „kritisches Zeitfenster“ für den Beginn der Behandlung besteht, das sich über fünf Jahre nach der letzten Menstruation erstreckt.
Natürliche Mittel und Entspannungstechniken
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training oder Meditation können helfen, die Symptome zu lindern.
- Pflanzliche Mittel: Viele Hersteller bieten Hormone auf Pflanzenbasis an, sogenannte Isoflavone, die eine ähnliche Struktur wie Östrogen aufweisen, aber gesundheitlich verträglicher sein sollen.
- SERMs: Pharmakologen experimentieren mit SERMs (selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren), einer weiteren hochwirksamen Gruppe von Substanzen.
- Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren (fetter Fisch, Leinsamen) und magnesiumreichen Lebensmitteln (Nüsse, Samen, Blattgemüse) kann zur Verringerung von Entzündungen, zur Förderung der Gehirngesundheit und zur Muskelentspannung beitragen.
- Sport und Bewegung: Regelmäßige Bewegung, insbesondere an der frischen Luft, kann Stress abbauen und die innere Balance erhalten.
- Schlafhygiene: Achten Sie auf ausreichend Schlaf (ca. 7,5 Stunden pro Nacht) und lüften Sie Ihr Schlafzimmer gut durch.
- Koffein vermeiden: Meiden Sie ab dem frühen Nachmittag koffeinhaltige Getränke.
- Bewusstes Abschalten: Versuchen Sie am Abend bewusst abzuschalten, z.B. mit entspannender Musik oder Naturgeräuschen.
Stressbewältigung
Stress ist ein wichtiger Faktor bei der Entstehung innerer Unruhe. Daher ist es wichtig, Stressoren zu identifizieren und Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln.
- Stressfaktoren reduzieren: Identifizieren Sie Stressfaktoren im beruflichen und privaten Umfeld und versuchen Sie, diese zu reduzieren.
- Pausen einlegen: Planen Sie regelmäßig Pausen ein, um sich zu erholen und neue Energie zu tanken.
- "Nein" sagen lernen: Lernen Sie, "Nein" zu sagen und übernehmen Sie nicht jede zusätzliche Aufgabe.
- Soziale Kontakte pflegen: Pflegen Sie Freundschaften und tauschen Sie sich mit anderen aus.
- Selbstfürsorge: Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst und tun Sie Dinge, die Ihnen guttun.
Vitamine und Mineralstoffe für starke Nerven
Eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig für die Gesundheit der Nerven.
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- B-Vitamine: Insbesondere Vitamin B12 ist wichtig für die Funktion des Nervensystems und des Energiestoffwechsels. Es wird auch bei Depressionen eingesetzt, da es ein Baustein des Glückshormons Serotonin ist.
- Magnesium: Magnesium ist unabdingbar für eine gesunde Muskel- und Nervenfunktion und beugt Müdigkeit vor.
- Kalzium: Kalzium ist nicht nur für gesunde Knochen verantwortlich, sondern auch am Energiestoffwechsel beteiligt.
- Kalium: Kalium reguliert den Blutdruck und ist wichtig für die Weiterleitung von Muskel- und Nervenreizen.
- Zink und Kupfer: Die Spurenelemente Zink und Kupfer schützen die Nervenzellen vor oxidativem Stress.
- Nahrungsergänzungsmittel: In manchen Fällen kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin B12, Folsäure und Uridin-Mono-Phosphat sinnvoll sein, um die Nerven zu stärken.
Weitere Tipps für die Nervengesundheit
- Nüsse: Nüsse sind reich an Vitamin E, B-Komplex-Vitaminen und Magnesium und somit ausgezeichnete Nervennahrung.
- Dunkle Schokolade: Dunkle Schokolade enthält Tryptophan, das der Körper in Serotonin umwandelt.
- Bananen: Bananen enthalten Magnesium, Kalium und Vitamin B6.
- Avocados: Avocados enthalten Vitamin B1, Magnesium und Kalium.
- Mutterkraut: Der Wirkstoff Parthenolid im Mutterkraut soll geschädigte Nervenzellen regenerieren können.
- Teufelskralle: Die Teufelskralle wirkt entzündungshemmend und kann bei eingeklemmten Nerven und Arthrose Schmerzen lindern.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn die innere Unruhe über einen längeren Zeitraum anhält oder mit anderen Symptomen wie Schlafstörungen, Angstzuständen oder Depressionen einhergeht. Der Arzt kann die Ursache der Unruhe abklären und eine geeignete Behandlung empfehlen.
Auch bei einem Nervenzusammenbruch ist es wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Anlaufstellen sind psychiatrische Praxen oder Kliniken, der bundesweite Bereitschaftsdienst, die Telefonseelsorge oder die Nummer gegen Kummer für Jugendliche und Kinder.