Ottfried Fischer, eine bayerische Kultfigur, Kabarettist und Schauspieler, erfreute sich in den 90er-Jahren großer Beliebtheit. Bekannt wurde er vor allem durch seine Rolle als Hauptkommissar Benno Berghammer in der Serie "Der Bulle von Tölz". Doch im Februar 2008 erhielt Fischer eine niederschmetternde Diagnose: Parkinson. Diese Diagnose veränderte sein Leben grundlegend. Eine Dokumentation beleuchtet nun seinen Alltag und seinen Umgang mit der Krankheit.
Die Diagnose und ihre Folgen
Die Parkinson-Diagnose im Jahr 2008 war ein Wendepunkt in Ottfried Fischers Leben. Er selbst äußerte sich gegenüber der "Fernsehwoche" dahingehend, dass seitdem die Jobangebote weniger geworden seien und sich auch der Freundeskreis verkleinert habe. Er nehme es seinen Freunden jedoch nicht übel, da er davon ausgehe, dass gesunde Menschen eben ihre eigenen Verpflichtungen hätten.
Trotz der Herausforderungen, die die Krankheit mit sich bringt, verlor Fischer seinen Humor nicht. Bei seinem ersten Auftritt nach der Diagnose beruhigte er sein Publikum mit den Worten: "Keine Angst, ich mache jetzt keine Schüttelreime".
Berufliche Veränderungen und späte Erfolge
Fischers letzte Rolle spielte er 2019 in dem Doku-Spielfilm "Otto Neururer - Hoffnungsvolle Finsternis", wo er den Pfarrer Anton verkörperte. Zuvor moderierte er im Bayerischen Fernsehen die Kabarettsendung "Ottis Schlachthof" in 173 Folgen von 1995 bis 2012. Einem noch breiteren Publikum wurde er durch seine Rolle als Kriminalhauptkommissar Benno Berghammer in der Serie "Der Bulle von Tölz" bekannt, wo er von 1995 bis 2009 in und um Bad Tölz Mordfälle auf unkonventionelle Art löste. Von 2003 bis 2014 begeisterte Fischer die ARD-Zuschauer in der Serie "Pfarrer Braun".
Im Herbst 2013 stand Ottfried Fischer zum letzten Mal als „Pfarrer Braun“ vor der Kamera. Die langen Drehtage fielen ihm sichtlich schwer, immer wieder drohte die Müdigkeit ihn zu überwältigen. Wegen seiner Parkinson-Erkrankung wurde die Erfolgsserie eingestellt, genau wie ein Jahr zuvor die Kabarettsendung „Ottis Schlachthof“.
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2014 feierte er mit „Ottis Aquarium“ sein Comeback auf dem Pay-TV-Sender Heimatkanal.
"Lebenslinien: Ottfried Fischer und Herr Parkinson" - Eine Dokumentation
Die Dokumentarfilmerin Manuela Roppert begleitete Ottfried Fischer bei seinem Alltag mit der Parkinson-Erkrankung. In der Reportage "Lebenslinien: Ottfried Fischer und Herr Parkinson" zeigt sie, wie Fischer und seine Frau Simone mit dieser unheilbaren Krankheit umgehen. Der Beitrag wurde am Ostermontag im BR Fernsehen ausgestrahlt.
Die Dokumentation weicht der Realität der Krankheit nicht aus, sondern fängt Licht und Schatten ein.
Ottfried Fischer und sein Humor
Schon als Kind auf dem elterlichen Bauernhof im Bayerischen Wald fiel Ottfried Fischer durch seine humorvolle Art auf. Er schaffte es, sich mit seiner kecken Art um das tägliche Melken zu drücken. Die außerordentliche Gabe, andere Menschen zum Lachen zu bringen, half ihm zeitlebens, schwierige Situationen zu meistern.
Dieter Hildebrandt und Peter Kraus hätten seinerzeit im Publikum gesessen - und sein Vater habe die Veranstaltung "sensationell" gefunden.
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Simone Brandlmeier - Eine Stütze in schweren Zeiten
In schweren Zeiten kann sich Ottfried Fischer auf seine Ehefrau Simone Brandlmeier verlassen. Die beiden sind seit fast 20 Jahren ein Paar und haben sich im Juli 2020 das Jawort gegeben. Fischer sagte einst, er habe schon immer gewusst, dass er Simone heiraten wolle.
Simone ist ihm eine große Stütze und begleitet ihn durch die schweren Zeiten, die die Krankheit mit sich bringt. Sie gibt ihm das Gefühl, dass da schon noch etwas Lebenswertes sei, wie Fischer selbst betont. Simone berichtet, dass es für sie am Anfang nicht leicht gewesen sei, weil sie von manchen Menschen angefeindet worden sei.
Ein paar Jahre später versicherte Frau Simone gegenüber "bild.de": "Oti ist in Rente und bleibt das auch. Und er ist gar nicht so unglücklich damit."
Fischers Kindheit und Jugend
Fischer wuchs in den 1950er-Jahren auf einem Einödhof im Bayerischen Wald auf. Die Filmemacherin berichtet, dass Fischer gern aufs Internat gegangen sei. Dort habe er gemerkt, dass es der Humor war, mit dem er Erfolg bei anderen hatte.
Die wenigsten Menschen wüssten, dass Fischer bereits sein erster großer Erfolg auf den Leib geschrieben worden war, erzählt Roppert weiter: die Rolle des Jungbauern Sir Quickly in der Kultserie "Irgendwie und Sowieso".
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Sein Vater wünschte sich eine akademische Laufbahn für den Ältesten und schickte den Bub aufs Internat bei Passau. Dort bemerkte Otti, dass es der Humor ist, mit dem er Erfolg hat.
Privates und Umzug nach Passau
Über das Privatleben des Kabarettisten ist weniger bekannt. 1990 heiratete er seine erste Frau Renate, mit der er zwei gemeinsame Töchter hat.
2017 zogen die Fischers von München in das Haus seiner Großeltern in der Passauer Altstadt, wo er schon seine Grundschulzeit verbracht hatte. Das Ehepaar Fischer fühlt sich in Passau offenbar heimisch. Das Kamerateam begleitet beide beim Einkauf auf dem Wochenmarkt und zeigt, dass Passanten sich freuen, sie zu sehen. Die Szenen zeigen eine Idylle.
Der Umgang mit der Krankheit
Ottfried Fischer geht offen mit seiner Parkinson-Erkrankung um. Er will der Krankheit so wenig Raum wie möglich in seinem Leben einräumen. Je mehr die Krankheit fortschreitet, desto schwieriger wird dies natürlich. Aber bis jetzt kann er, auch dank seiner Frau Simone, dem Leben noch viele schöne Momente abtrotzen. Mich fasziniert daran vor allem, dass er immer noch die Energie aufbringt, ständig Witze zu machen und dabei auch vor seiner Krankheit nicht haltmacht.
Er ignoriert ihn. Ohne Fernsehen kann er leben, aber nicht ohne die Bühne und sein Publikum. Kaum hat er sich von den Dreharbeiten erholt, geht er mit einem neuen Bühnenprogramm auf Tour. Humor und Intelligenz sind seine Waffen gegen die Krankheit, die ihm körperlich immer mehr zusetzt. Seit mehr als zehn Jahren weiß Fischer, dass mit seinem Körper etwas nicht stimmt, hielt die Krankheit aber lange geheim. Heute bereut er es nicht, an die Öffentlichkeit gegangen zu sein: Endlich fließt nicht mehr ein Großteil seiner Energie in das Verstecken der Symptome, sondern wieder in seine Kreativität.
Er besucht Mutter und Bruder im gemeinsamen Elternhaus und erinnert sich an seine Kindheit auf dem Bauernhof. Schon als kleiner Bub wollte er von der Stallarbeit nichts wissen, sondern parodierte lieber den Pfarrer und predigte aus dem Kuhstallfenster. Von der Robustheit seiner bäurischen Herkunft zehrt Ottfried Fischer bis heute.
Unterstützung und Therapie
Er hat mittlerweile einen Pfleger und dreimal pro Woche steht Physiotherapie an.
"37°"-Reportage: Ottfried Fischer und sein Freund Parkinson
Die 37 Grad-Reportage Ottfried Fischer und sein Freund Parkinson, die Andrea Schramm und Jana Matthes gedreht haben, bemüht sich um die Innenschau, einen Blick hinter die Fassade des scharfzüngigen Entertainers. Da gibt es altbekannte Witze und Anekdoten, die der Kabarettist gern zum Besten gibt, weil er seit zehn Jahren versucht, der Krankheit mit Humor zu begegnen. Da gibt es aber auch Momente der Wut, in denen Fischer seinen Parkinson als „feige Sau“ und „Arschgesicht“ beschimpft und verspricht, „dass er sich von der Krankheit nicht k. o. schlagen lässt“.
Täglich steigt er mit seinem ständigen Wegbegleiter in den Ring. Unterstützt von Managerin Regina Weber und seinem besten Freund Robert Müller. Sie halten Fischer an schlechten Tagen den Rücken frei und erinnern ihn an den guten, dass er auch mal einen Gang zurückschalten und sich ausruhen muss. Entschleunigung, sagt Otti Fischer, sei vielleicht das einzig gute am Parkinson. „Davor rennst du ohne Unterbrechung im Hamsterrad. Laufen, laufen, laufen, und am Ende produzierst du nicht mal Strom“, schmunzelt der 61-Jährige.
Sein Credo für die kommenden Jahre: Das zu tun, was mir gefällt. Schreiben, singen, spielen, auf der Bühne stehen - soweit es der Parkinson ihm erlaubt.
Fischers Lebensmut
Seinen Lebensmut lässt sich Ottfried Fischer nicht nehmen. Er sei sich bewusst, dass gewisse Dinge nicht mehr möglich sind, so Fischer. "Aber den Rest vom Leben möchte ich dazu verwenden, möglichst weit zu kommen", wird er im Magazin "Focus" zitiert.
Zusammen würden die beiden aber das Beste daraus machen. "Aufgeben kommt für uns nicht infrage", sagt Simone mit Nachdruck.