Bluthochdruck, auch arterielle Hypertonie genannt, ist eine weit verbreitete Erkrankung des Gefäßsystems, bei der die Blutdruckwerte dauerhaft zu hoch sind. Etwa jeder dritte Deutsche leidet an Bluthochdruck, oft ohne es zu wissen. Unbehandelter Bluthochdruck kann verheerende Folgen für die Gesundheit haben, sowohl langfristig als auch kurzfristig. Ein erhöhtes Risiko für Hirnblutungen oder einen Schlaganfall besteht aber auch bei akut steigendem Blutdruck. Dieser Artikel beleuchtet, ab welchem Blutdruck ein Risiko für einen Schlaganfall besteht, welche Faktoren das Risiko beeinflussen und was man dagegen tun kann.
Was ist Bluthochdruck?
Bei Bluthochdruck sind die Blutdruckwerte dauerhaft zu hoch. In 90 Prozent der Fälle ist keine organische Ursache erkennbar. Ein chronisch hoher Blutdruck schädigt die Gefäßwände und fördert die Entstehung von Arteriosklerose (Arterienverkalkung). Betroffene bemerken die Erkrankung oft nicht, weshalb regelmäßige Selbstmessungen zu Hause wichtig sind. Die Behandlung der Hypertonie orientiert sich an der Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) Hypertonie, die von medizinischen Fachgesellschaften und Organisationen erarbeitet und 2023 erstmals veröffentlicht wurde.
Der Blutdruck wird in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) gemessen und besteht aus zwei Werten:
- Systolischer Blutdruck: Der Druck, wenn das Herz Blut in die Gefäße pumpt (Anspannungsphase des Herzens).
- Diastolischer Blutdruck: Der Druck in den Gefäßen während der Entspannungsphase des Herzens.
Ab wann wird Bluthochdruck gefährlich?
Die Europäischen Gesellschaft für Hypertonie (ESH) definiert Blutdruckwerte bis 129/84 mmHg als normal. Ab 140/90 mmHg spricht man von Bluthochdruck, und eine medikamentöse Therapie wird empfohlen. Für Frauen liegt der Grenzwert etwas niedriger. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) legt jedoch nahe, dass bereits geringere Werte gesundheitliche Folgen haben können.
Jeder Blutdruckanstieg, auch innerhalb vermeintlich normaler Bereiche, bedeutet eine zusätzliche Belastung für die Gefäße und erhöht das Erkrankungsrisiko. Besonders kritisch wird es, wenn der systolische Blutdruck auf mindestens 180 und der diastolische Blutdruck auf 120 mmHg ansteigen. Dies wird als hypertensive Krise bezeichnet, die eine zeitnahe ärztliche Konsultation erfordert.
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Ein hypertensiver Notfall liegt vor, wenn zusätzlich zu hohen Blutdruckwerten (über 180/120 mmHg) Beschwerden wie starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, Luftnot, Schwindel oder Verwirrtheit auftreten oder bereits akute Organschäden vorliegen. Extreme Blutdruckspitzen können lebensgefährlich sein, da sie Gehirn, Herz und Nieren schädigen können.
Allerdings kann auch ein niedrigerer Blutdruck im Einzelfall lebensgefährlich sein, besonders bei Menschen mit chronischem Bluthochdruck, deren Körper sich an höhere Werte gewöhnt hat. Wenn der Körper den Blutdruck nicht mehr regulieren kann, können auch bei niedrigeren Werten Notfälle wie Hirnblutungen, Schlaganfall oder ein Einreißen der Hauptschlagader auftreten.
Bluthochdruck als Risikofaktor für Schlaganfall
Bluthochdruck ist der Hauptrisikofaktor für einen Schlaganfall. Ein dauerhaft zu hoher Druck im Blutgefäßsystem belastet die Gefäßwände und kann zu mikroskopisch kleinen Verletzungen führen, an denen sich Cholesterin ablagern kann. Die Gefäßwand verhärtet zunehmend, was weitere Ablagerungen begünstigt und den Blutdruck weiter erhöht.
Jedes Jahr erleiden rund 200.000 Menschen in Deutschland erstmalig einen Schlaganfall. Viele Schlaganfälle wären durch das eigene Verhalten vermeidbar. Patienten, die einen Schlaganfall überleben, leiden oftmals unter Einschränkungen, die die Lebensqualität mindern. Ein Schlaganfall kann zu sehr unterschiedlichen Einschränkungen führen. Je nachdem welcher Gehirnbereich betroffen ist, leiden die Patienten teilweise unter schweren Behinderungen und benötigen oftmals pflegerische Unterstützung.
Weitere Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind:
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- Nikotin: Verengt die Blutgefäße und erhöht den Blutdruck.
- Übergewicht: Führt zu Bluthochdruck und belastet Knochen und Gelenke.
- Übermäßiger Alkoholkonsum: Erhöht das Schlaganfallrisiko.
- Bewegungsmangel: Erhöht das Risiko für Bluthochdruck und Arteriosklerose.
- Herzerkrankungen: Insbesondere Vorhofflimmern erhöht das Schlaganfallrisiko.
- Diabetes: Schädigt die Wände der Blutgefäße.
- Dauerstress: Kann den Blutdruck erhöhen.
- Migräne: Bei Personen unter 35 Jahren ein großer Risikofaktor für einen Schlaganfall.
Nächtlicher Bluthochdruck
In der Nacht sinkt der Blutdruck normalerweise deutlich ab. Bei manchen Menschen bleiben die Blutdruckwerte jedoch auch nachts erhöht. Dies kann über Jahre unentdeckt bleiben und Schäden verursachen.
Mögliche Symptome für nächtlichen Bluthochdruck sind:
- Schlafstörungen, besonders Durchschlafstörungen mit mehrmaligem Aufwachen in der Nacht
- Nachtschweiß
- Herzrasen
- Kopfschmerzen am Morgen
- Tagesmüdigkeit und Erschöpfung
- Atemaussetzer in der Nacht
Ursachen für nächtlichen Bluthochdruck können Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz oder schlafbezogene Atemstörungen wie Schlafapnoe sein. Bei Verdacht auf nächtlichen Bluthochdruck wird eine Langzeitmessung über 24 Stunden durchgeführt.
Was tun gegen Bluthochdruck?
Betroffene können selbst viel tun, um ihren Blutdruck zu senken. Bereits bei leicht erhöhten Werten sollte eine Lebensstilveränderung der erste Schritt sein. In manchen Fällen kann damit bereits ein Blutdruck mit Normalwerten erreicht werden. Ist eine medikamentöse Therapie notwendig, so sollte auch diese durch eine gesunde Lebensweise unterstützt und ergänzt werden.
Maßnahmen zur Senkung des Bluthochdrucks:
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- Bewegung: Regelmäßige Ausdauersportarten wie Schwimmen, Laufen oder Radfahren (3-4 Mal pro Woche, 30 Minuten).
- Gewichtskontrolle und ausgewogene Ernährung: Viel Gemüse, Obst, Salat und Hülsenfrüchte, wenig "dunkles" Fleisch, mehr Geflügel und Fisch, hochwertige Öle wie Oliven- und Rapsöl, Vollkornprodukte, fettreduzierte Milchprodukte und ausreichend Flüssigkeit (1,5-2 Liter Wasser, ungesüßter Tee oder Saftschorle).
- Rauchstopp: Die bedeutendste Einzelmaßnahme zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Moderater Alkoholkonsum: Weniger als ein alkoholisches Getränk pro Tag und nicht mehr als sieben alkoholische Getränke in der Woche.
- Regelmäßige Blutdruckmessung: Zur Kontrolle des Blutdrucks und der Wirksamkeit der Therapie.
Eine medikamentöse Behandlung ist angeraten, wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen allein nicht ausreichen, der Ausgangsblutdruck bereits sehr hoch ist oder ein sehr hohes Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegt. Bei der Auswahl der geeigneten Therapie und Medikation wird der Arzt immer individuelle Faktoren des Patienten berücksichtigen.
Blutdrucksenkung zur Demenzprävention
Studien zeigen, dass ein unbehandelter Bluthochdruck auch das Risiko für Demenz begünstigen kann. Durch chronisch hohen Blutdruck kommt es vermutlich zu strukturellen Veränderungen und zu einer Volumenreduktion im Gehirn. Die betroffenen Regionen sind mitverantwortlich für die kognitive Leistung.
Eine Auswertung von fünf Studien mit über 28.000 Patienten ergab, dass bereits das medikamentöse Absenken des Blutdrucks um 10 mmHg systolisch und 4 mmHg diastolisch das Demenzrisiko um über zehn Prozent verringern kann. Je ausgeprägter die Blutdrucksenkung war, desto mehr wurde das Risiko einer Demenz vermindert.
Als optimale Blutdruckzielwerte gelten aktuell für jüngere Patienten bis zum Alter von 65 Jahren weniger als 130 mmHg systolisch, sofern sie es vertragen. Patienten über 65 sollten auf systolische Werte unter 140 mmHg kommen, um Nebenwirkungen zu vermeiden. Die genannten Werte gelten auch für Patienten mit Nebenerkrankungen wie Diabetes, koronare Herzkrankheit (KHK) und nach einem Schlaganfall.
Neue Erkenntnisse zur Blutdrucksenkung nach Schlaganfall
Die ESPRIT-Studie ("Effects of Intensive Systolic Blood Pressure Lowering Treatment in Reducing Risk of Vascular Events") verglich die Wirksamkeit und Sicherheit einer intensiven Blutdrucksenkung (Zielwert unter 120 mmHg) mit der Standardbehandlung (Zielwert unter 140 mmHg) bei Menschen mit hohem kardiovaskulärem Risiko, darunter Personen mit Diabetes mellitus, mit früherem Schlaganfall oder mit anderen kardiovaskulären Risikofaktoren.
Die Studie ergab, dass eine intensivere systolische Blutdrucksenkung auf Werte unter 120 mmHg bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko, darunter auch Menschen, die einen Schlaganfall erlitten hatten, das Risiko für das Eintreten von Ereignissen wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Klinikaufenthalt wegen Herzinsuffizienz oder kardiovaskulärer Tod um 12% reduzierte.
Die aktuellen Studienergebnisse legen nahe, dass Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko, darunter auch Menschen, die einen Schlaganfall erlitten hatten, von einer intensiveren systolischen Blutdrucksenkung auf Werte unter 120 mmHg profitieren. Dieses Studienergebnis wird die derzeit gängige Praxis der Nachsorge von Schlaganfallpatienten nachhaltig ändern und dafür sorgen, dass eine ambitioniertere Blutdrucksenkung als bisher angestrebt wird.
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