Absence-Epilepsie: Was ist das? Erkennung, Diagnose und Behandlung

Die Absence-Epilepsie, auch bekannt als Absenzen-Epilepsie oder „stille Epilepsie“, ist eine spezielle Form der Epilepsie, die oft unauffällig verläuft und daher leicht übersehen werden kann. Besonders bei Kindern kann sie mit Tagträumerei oder Unkonzentriertheit verwechselt werden. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Absence-Epilepsie, von der Erkennung der Symptome über die Diagnose bis hin zu den Therapiemöglichkeiten.

Was ist Absence-Epilepsie?

Die Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, bei der es zu wiederholten synchronen Entladungen übererregbarer Nervenzellen im Gehirn kommt. Diese Entladungen können sich auf unterschiedliche Weise äußern. Bei der Absence-Epilepsie kommt es zu kurzen Bewusstseinsstörungen, den sogenannten Absencen. Diese dauern meist nur wenige Sekunden und gehen nicht mit den typischen Krämpfen oder Muskelzuckungen einher, die man oft mit Epilepsie in Verbindung bringt.

Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) erklärt, dass ein epileptischer Anfall durch eine vorübergehende, plötzliche Funktionsstörung des Gehirns entsteht, bei der sich Gruppen von Nervenzellen der Großhirnrinde zeitlich begrenzt, unnormal gleichschalten und in sehr schneller Abfolge entladen.

Wie äußert sich eine Absence-Epilepsie?

Die Absence-Epilepsie manifestiert sich typischerweise im Alter zwischen fünf und zehn Jahren, wobei Mädchen häufiger betroffen sind als Jungen. Die Anfälle selbst sind kurz und dauern meist nur fünf bis zehn Sekunden, können aber auch bis zu 20 Sekunden andauern.

Während einer Absence erstarrt der Patient plötzlich und unterbricht seine momentane Tätigkeit spontan. Nach dem Anfall setzt er die Tätigkeit übergangslos fort. Oftmals bemerken die Betroffenen ihre eigene Abwesenheit gar nicht und können sich nicht an das Ereignis erinnern.

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Typische Anzeichen einer Absence-Epilepsie:

  • Plötzliche Bewusstseinsstörungen von kurzer Dauer
  • Starren oder leerer Blick
  • Unterbrechung der aktuellen Tätigkeit (Sprechen, Essen, Schreiben)
  • Keine Reaktion auf äußere Reize oder Ansprache
  • Desorientiertes oder ratloses Aussehen
  • Manchmal: Bewegungen von Mund und Zunge, Augenzwinkern, Fingernesteln
  • Gelegentlich: Erweiterung der Pupillen, Rötung des Gesichts

Da die Absencen mehrmals täglich (bis zu 100 Mal) auftreten können, beeinträchtigen sie bei Kindern oft das Lernen und die Konzentrationsfähigkeit in der Schule. Ansonsten zeigen die Betroffenen in der Regel eine unauffällige und altersgemäße Entwicklung.

Einfache und komplexe Absencen

Je nach Ausprägung werden typische Absencen in zwei Untergruppen unterteilt:

  • Einfache Absencen: Hier ist nur eine Bewusstseinspause zu bemerken. Der Blick ist starr und leer, die Gesichtszüge sind ausdruckslos.
  • Komplexe Absencen: Die Bewusstseinsstörung geht mit Begleiterscheinungen einher, wie z.B. leichten beidseitigen rhythmischen Zuckungen im Gesichtsbereich (Augenlider, Mundwinkel), der Schultern und Arme. Es kann auch zu einer Erschlaffung einzelner Muskelpartien kommen, wodurch der Kopf absinkt oder der Rumpf zusammensackt. In manchen Fällen kommt es zu einer Anspannung der Körpermuskulatur, wobei der Kopf nach hinten gezogen wird und der Blick nach oben gerichtet ist (Sternguckerzeichen).

Atypische Absencen

Atypische Absencen sind durch ausgeprägtere Begleiterscheinungen als typische Absencen gekennzeichnet. Beginn und Ende treten nicht so abrupt auf. Ein besonderes Kennzeichen ist ihre Neigung, immer häufiger hintereinander aufzutreten, bis schließlich ein Anfall in den nächsten übergeht. Dieser gefährliche Zustand wird Absence-Status genannt. Nach einem tagelangen Absence-Status büßen einige der Kinder schon erlernte Fähigkeiten wieder ein.

Diagnose der Absence-Epilepsie

Die Diagnose einer Absence-Epilepsie erfolgt in der Regel durch ein Elektroenzephalogramm (EEG). Dabei werden die elektrischen Aktivitäten des Gehirns gemessen. Bei einem unauffälligen Befund kann eine provozierte Hyperventilation (verstärktes Atmen) einen Anfall auslösen und somit die Krankheit sichtbar machen.

Wenn das EEG trotz Provokationstest ohne Befund bleibt, aber weiterhin Anfälle auftreten, kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt werden, um andere Ursachen auszuschließen.

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Es ist wichtig, derartige Anfälle umfassend von einem Neurologen abklären zu lassen - insbesondere, wenn sie mehrmals auftreten. Von einer Epilepsie spricht man allerdings erst, wenn Anfälle wiederholt und nicht von außen provoziert auftreten. In der Regel erfolgt eine Behandlung dann, wenn mehr als zwei belastende Anfälle pro Jahr auftreten.

Behandlung der Absence-Epilepsie

Die Behandlung der Absence-Epilepsie erfolgt in erster Linie mit Antikonvulsiva, auch Antiepileptika genannt. Diese Medikamente sollen die übermäßige Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn reduzieren und so Anfälle verhindern.

Gängige Medikamente zur Behandlung der Absence-Epilepsie:

  • Ethosuximid
  • Valproinsäure
  • Lamotrigin (als Medikament der zweiten Wahl)

Die Dosis des Medikaments wird so lange gesteigert, bis der Patient anfallsfrei ist. Valproinsäure sollte bei Frauen im gebärfähigen Alter nur in Ausnahmefällen angewendet werden, da sie das Risiko von Fehlbildungen beim Kind erhöhen kann. Schlägt die Behandlung mit einem Medikament nicht an, sollte auf ein anderes Antiepileptikum umgestiegen werden.

In der Regel wird das jeweilige Medikament für drei bis fünf Jahre eingenommen, bevor ein Absetzversuch eingeleitet wird.

Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung können auch Änderungen des Lebensstils helfen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren:

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  • Ausreichend Schlaf
  • Vermeidung von Stress
  • Reduktion des Konsums von Videospielen

Prognose der Absence-Epilepsie

Die Prognose für Absence-Epilepsie ist in der Regel gut. Bei vielen Kindern verschwinden die Anfälle mit der Pubertät vollständig. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind jedoch wichtig, um langfristige kognitive Beeinträchtigungen zu vermeiden.

Andere Anfallsformen

Neben der Absence-Epilepsie gibt es noch viele weitere Anfallsformen, die sich in ihren Symptomen und Ursachen unterscheiden. Einige Beispiele sind:

  • Myoklonische Anfälle: Diese Anfälle äußern sich durch plötzliche, kurze Muskelzuckungen.
  • Tonische Anfälle: Hier kommt es zu einer Versteifung der Muskulatur.
  • Klonische Anfälle: Diese Anfälle sind durch rhythmische Muskelzuckungen gekennzeichnet.
  • Tonisch-klonische Anfälle (Grand-mal-Anfälle): Dies ist die bekannteste Anfallsform, die mit Bewusstseinsverlust, Sturz und krampfenden Extremitäten einhergeht.
  • Atonische Anfälle (Sturzanfälle): Bei diesen Anfällen verliert das Kind plötzlich die Muskelspannung und stürzt zu Boden.
  • Fokale Anfälle: Diese Anfälle gehen von einem bestimmten Bereich des Gehirns aus und können sich unterschiedlich äußern, je nachdem, welcher Bereich betroffen ist.

Was tun bei einem epileptischen Anfall?

Es ist wichtig, zu wissen, wie man sich bei einem epileptischen Anfall verhalten soll. Auch wenn die meisten Anfälle nicht gefährlich sind, kann richtiges Handeln helfen, Verletzungen zu vermeiden.

Allgemeine Maßnahmen bei einem epileptischen Anfall:

  • Ruhe bewahren
  • Den Patienten nicht festhalten oder versuchen, die Zuckungen zu unterdrücken
  • Gegenstände entfernen, an denen sich der Patient verletzen könnte
  • Den Kopf des Patienten schützen, z.B. mit einer weichen Unterlage
  • Die Zeit des Anfalls stoppen
  • Nach dem Anfall den Patienten in eine stabile Seitenlage bringen
  • Bei Bedarf den Notruf wählen (112)

Epilepsie im Alltag

Eine Epilepsie kann den Alltag von Betroffenen und ihren Familien stark beeinflussen. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren und sich Unterstützung zu suchen.

Mögliche Auswirkungen der Epilepsie auf den Alltag:

  • Einschränkungen beim Autofahren oder Bedienen von Maschinen
  • Schwierigkeiten in der Schule oder im Beruf
  • Soziale Isolation
  • Angst vor Anfällen
  • Belastung der Familie

Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Epilepsie und ihre Familien:

  • Selbsthilfegruppen
  • Beratungsstellen
  • Psychologische Betreuung
  • Rehabilitationsmaßnahmen

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