Einführung
Absinthium, gewonnen aus der Wermutpflanze (Artemisia absinthium), ist sowohl in der Pflanzenheilkunde als auch in der Homöopathie von Bedeutung. Die Pflanze hat eine lange Geschichte, die bis ins alte Ägypten zurückreicht, und wurde traditionell zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Wirkungen von Absinthium, insbesondere auf das Nervensystem und die Muskeln, und betrachtet sowohl die traditionellen Anwendungen als auch die modernen Erkenntnisse.
Die Wermutpflanze (Artemisia absinthium)
Die Wermutpflanze (Artemisia absinthium) ist in Europa heimisch und wird in Gärten kultiviert. Sie ist ein ausdauernder Busch von 60 bis 100 cm Höhe, der im Juni bis September kugelige gelbe Blüten trägt. Es besteht eine Verwechselungsgefahr mit der Heilpflanze Beifuß. Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Pflanze sind seine Bitterstoffe, daneben enthält er Gerbstoffe und ätherische Öle. Der Wermut trägt auch die volkstümlichen Namen Heilbitter, Magenkraut, Bitterer Beifuß oder Wurmkraut.
Historische Bedeutung
Die erste Erwähnung des Wermuts ist bei den Ägyptern im Papyrus Ebers mit der Bezeichnung Saam um 1600 v. Chr. zu finden. Im alten Rom wurde dem Sieger eines Wagenrennens als Auszeichnung ein Gläschen Wermut kredenzt. Im 19. Jahrhundert war Absinthlikör zu einem wahren Modegetränk geworden.
Inhaltsstoffe und ihre Bedeutung
Wermut enthält Bitterstoffe, Flavonoide, ätherische Öle und Gerbstoffe. Besonders hervorzuheben ist das bittere Absinthin. Das ätherische Öl enthält Thujon, welches in hohen Dosen neurotoxisch wirken kann.
Traditionelle Anwendungen von Wermut
In der Pflanzenheilkunde wird der sehr bittere Wermut-Tee als Mittel zur Anregung des Appetits und als Arznei bei Magen-, Darm-, und Gallenbeschwerden eingesetzt. Seine Anwendungsgebiete sind Verdauungsschwäche, Völlegefühl, Blähungen und mangelnde Produktion oder Absonderung von Gallensaft. Daneben wurde Wermut in der Volksheilkunde auch als Mittel gegen Würmer, bei Rheuma und krampfartigen Beschwerden während der Regelblutung empfohlen.
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Wermut bei Verdauungsbeschwerden
Wermut wird traditionell bei einer Vielzahl von Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Die Bitterstoffe regen die Speichel- und Magensaftproduktion an, was die Verdauung fördert. Er wird bei Appetitlosigkeit, Magendruck, Völlegefühl und Blähungen verwendet. Auch bei Problemen mit der Leber und vor allem der Galle findet Wermut Anwendung.
Weitere traditionelle Anwendungen
Neben der Anwendung bei Verdauungsbeschwerden wurde Wermut auch bei anderen Leiden eingesetzt. Dazu gehören:
- Würmer: Wermut wurde traditionell zur Bekämpfung von Darmparasiten eingesetzt.
- Rheuma: Einige Anwendungen umfassen die Behandlung von rheumatischen Beschwerden.
- Menstruationsbeschwerden: Wermut wurde auch bei krampfartigen Beschwerden während der Regelblutung eingesetzt.
Absinthium in der Homöopathie
Das homöopathische Arzneimittel Absinthium Globuli wird aus der Tinktur der Wermutpflanze (Artemisia absinthium) hergestellt. Die in Europa heimische Pflanze hat eine ausgeprägte Wirkung auf die Verdauungsorgane und das Nervensystem. Viele der Einsatzgebiete der homöopathischen Arznei Absinthium leiten sich aus den giftigen Wirkungen des Wermut-Schnaps (Absinth) hervor.
Anwendungsgebiete in der Homöopathie
Absinthium Globuli können angezeigt sein bei Menschen, die an Folgen von Alkoholmissbrauch, Schwindel, Zittern, nervöser Erregung und Schlaflosigkeit leiden. Nach den Angaben der klassischen Homöopathie kann die hier beschriebene Arznei bei all jenen Betroffenen hilfreich sein, die mindestens zwei der folgenden körperlichen Beschwerden aufweisen. Diese müssen in Verbindung mit mindestens einem der genannten Umstände stehen, unter welchen sich die Beschwerden verschlechtern. Je mehr der aufgeführten Punkte auf den Betroffenen zutreffen, desto sicherer wird die Wahl der beschriebenen Arznei.
Verschlechterung der Symptome
Die Beschwerden können sich verschlechtern durch:
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- Alkoholmissbrauch
- Halluzinationen und schreckliche Visionen
- Verlust des Gedächtnisses
- Allgemeine Verwirrung
Geistige und emotionale Symptome
In der Homöopathie wird Absinthium auch bei psychischen Symptomen eingesetzt. Dazu gehören:
- Halluzinationen
- Schreckliche Visionen
- Verlust des Gedächtnisses
- Allgemeine Verwirrung
- Reizbarkeit
- Angst vor der Ermordung
- Geschwätzigkeit
- Allgemeine psychische Inkohärenz
Körperliche Symptome
Die körperlichen Symptome, bei denen Absinthium in der Homöopathie eingesetzt wird, sind vielfältig und umfassen:
- Schwindel mit Schwäche und Ohnmacht
- Dumpfer Hinterkopfschmerz
- Krampfartiges Zucken der Gesichtsmuskeln
- Unwillkürliches Grimassenschneiden
- Trübsichtigkeit, Schmerz und Jucken in den Augen
- Morgendliche Übelkeit und Erbrechen
- Beklemmung und Kältegefühl im Magen
- Ständiger Harndrang
- Lähmungsartige Beschwerden
- Epileptische Anfälle
- Nervöse Erregung und Schlaflosigkeit
- Nächtliche Ruhelosigkeit mit beunruhigenden Träumen
Dosierung und Anwendung in der Homöopathie
Für die Selbstbehandlung werden meist die Potenzen D6 - D12 empfohlen. Ein Säugling (bis 12 Monate) bekommt 1 Kügelchen, ein Baby ab dem zweiten bis zum dritten Jahr darf 2 Globuli einnehmen. Größere Kinder bekommen 3 Globuli. Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen ist- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen. Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden.
Wirkung auf Nerven und Muskeln
Die Wirkung von Absinthium auf Nerven und Muskeln ist komplex und hängt von der Dosierung und der Art der Anwendung ab. In hohen Dosen, wie sie im Absinth-Schnaps vorkommen, können die ätherischen Öle zu einer giftigen Wirkung führen. Zittern, Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Muskelkrämpfe und Bewußtlosigkeit können die Folge der Vergiftung mit Absinth sein. In der Homöopathie werden jedoch verdünnte Zubereitungen eingesetzt, die eine andere Wirkung haben können.
Nervensystem
Absinthium kann sowohl anregende als auch beruhigende Wirkungen auf das Nervensystem haben. In hohen Dosen kann der Wirkstoff Thujon zu einer erhöhten Erregbarkeit des Nervensystems führen, was sich in Halluzinationen, Unruhe, Angstzuständen bis hin zu Krampfanfällen äußern kann. In niedrigen Dosen kann Absinthium jedoch beruhigend wirken und bei nervöser Erregung und Schlaflosigkeit helfen.
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Muskeln
Auf die Muskeln kann Absinthium sowohl entspannend als auch krampflösend wirken. Bei Muskelkrämpfen, insbesondere im Zusammenhang mit nervösen Beschwerden, kann Absinthium Linderung verschaffen. In hohen Dosen kann es jedoch auch zu Muskelkrämpfen kommen.
Epileptische Anfälle
In der Homöopathie wird Absinthium auch gegen epileptische Anfälle eingesetzt. Es kann bei Anfällen helfen, die mit Zittern, Zuckungen und Bewusstseinsverlust einhergehen.
Studienlage und wissenschaftliche Erkenntnisse
Obwohl Absinthium traditionell für verschiedene Zwecke verwendet wird, ist die wissenschaftliche Forschung zu seinen spezifischen Wirkungen auf Nerven und Muskeln begrenzt. Einige Studien deuten jedoch auf potenzielle Vorteile hin:
- Antimikrobielle Eigenschaften: Studien haben gezeigt, dass die ätherischen Öle des Wermutkrauts antimikrobielle Eigenschaften besitzen und das Wachstum von Bakterien und Pilzen hemmen können.
- Antioxidative Eigenschaften: Das ätherische Wermutöl zeigte auch antioxidative Eigenschaften.
- Wirkung bei SIBO: Eine Studie deutet darauf hin, dass pflanzliche Therapie mit Wermut bei der Behandlung von Small Intestinal Bacterial Overgrowth (SIBO) wirksam sein kann.
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Studien oft in vitro oder an kleinen Patientengruppen durchgeführt wurden. Weitere Forschung ist erforderlich, um die Wirkungen von Absinthium auf Nerven und Muskeln vollständig zu verstehen.
Risiken und Nebenwirkungen
Übermäßiger Genuß von Wermut ist wegen seiner starken Bitterkeit selten. Eine Überdosierung des Tees oder anderer nicht-homöopathischer Zubereitungen kann in der Schwangerschaft das Risiko von Fehlgeburten erhöhen. Im Wermut-Schnaps (Absinth) führen die ätherischen Öle zu einer giftigen Wirkung.
Thujon und seine Auswirkungen
Der Wirkstoff Thujon, der in Wermut enthalten ist, kann in hohen Dosen neurotoxisch sein. Zu hohe Mengen Thujon können psychoaktive Wirkungen hervorrufen, die sich in Halluzinationen, Unruhe, Angstzuständen bis hin zu Krampfanfällen äußern können. Diese Effekte treten jedoch nur bei stark überdosierten oder unverdünnten Zubereitungen auf.
Warnhinweise und Kontraindikationen
Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Wermut in keiner Form eingenommen werden. Personen, die an Porphyrie leiden, sollten wissen, dass das im Wermutöl enthaltene Thujon die körpereigene Produktion von Chemikalien (Porphyrine genannt) erhöhen kann. Epilepsiepatienten oder Personen mit ähnlichen Erkrankungen sollten vor der Einnahme mit Ihrem Arzt Rücksprache halten. Auch Patienten mit Nierenproblemen sollten die Einnahme von Wermutkraut vermeiden. Das Öl kann zu Nierenversagen führen. Von der Verwendung des ätherischen Öls in der Aromatherapie wird grundsätzlich abgeraten, da es eine extrem hohe Menge an Thujon enthält, das nervenschädigend wirkt.
Wichtiger Hinweis
Wermut-Tee oder andere Wermut Produkte sollten nur unter fachkundiger Aufsicht eingenommen werden. Die Einnahme sollte immer in kleinen Dosen nach Anweisung und nicht länger als vier Wochen am Stück erfolgen. Achten Sie darauf, die empfohlene Dosierung nicht zu überschreiten, da ein übermäßiger Konsum hochgiftig sein kann. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA stuft Wermut aufgrund der Toxizität des Thujonöls als unsicher für die innere Anwendung ein.
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