Demenz ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen, die mit einem fortschreitenden Verlust der geistigen Fähigkeiten einhergehen. Dabei sterben nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab, was zu Gedächtnisproblemen, Orientierungsschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten führen kann. Es gibt verschiedene Formen von Demenz, die sich in ihren Ursachen und Symptomen unterscheiden. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die häufigsten Demenzformen, ihre Ursachen und Risikofaktoren sowie Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung.
Alzheimer-Demenz: Die häufigste Form
Die Alzheimer-Krankheit, auch Morbus Alzheimer genannt, ist die häufigste Form der Demenz. Sie ist durch schädliche Proteinablagerungen zwischen den Gehirnzellen gekennzeichnet. Diese Ablagerungen bestehen aus Amyloid-beta-Proteinen, die sich zu Plaques zusammenlagern und die Kommunikation zwischen den Zellen stören. Im weiteren Verlauf der Erkrankung bilden sich Fibrillen aus Tau-Proteinen, die die innere Zellstruktur zerstören.
Ursachen und Risikofaktoren der Alzheimer-Demenz
Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, darunter:
- Genetische Faktoren: In weniger als zwei Prozent der Fälle ist die Alzheimer-Krankheit auf genetische Ursachen zurückzuführen. Es gibt jedoch einen genetischen Risikofaktor: Varianten im Gen für ein Eiweiß namens Apo-Lipoprotein E (ApoE).
- Alter: Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter deutlich an.
- Weitere Risikofaktoren: Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Diabetes, schwere Kopfverletzungen, Infektionen, Depression, chronischer Stress sowie das Vorliegen einer Hör- oder Sehminderung und erhöhte Cholesterinwerte können das Risiko ebenfalls erhöhen.
Symptome der Alzheimer-Demenz
Ein typisches Frühsymptom der Alzheimer-Krankheit sind Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis. Betroffene können sich an kurz zurückliegende Ereignisse nicht mehr erinnern. Weitere Symptome sind:
- Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen
- Probleme, Dinge zu planen und zu organisieren
- Orientierungsprobleme
- Verhaltensauffälligkeiten
- Sprachschwierigkeiten
Diagnose und Behandlung der Alzheimer-Demenz
Die Diagnose der Alzheimer-Krankheit erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung, neuropsychologischen Tests und bildgebenden Verfahren.
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Bislang ist die Alzheimer-Demenz nicht heilbar. Es gibt jedoch Medikamente, die die Symptome lindern und den Krankheitsverlauf verlangsamen können. Dazu gehören Cholinesterasehemmer und Memantin. Darüber hinaus können nicht-medikamentöse Therapien wie Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie helfen, die kognitiven Fähigkeiten und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Vaskuläre Demenz: Durchblutungsstörungen als Ursache
Die vaskuläre Demenz ist die zweithäufigste Form der Demenz. Sie entsteht aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn. Ursachen hierfür können Ablagerungen in Blutgefäßen, Blutgerinnsel oder Hirnblutungen sein. Diese können dazu führen, dass Bereiche des Gehirns mit zu wenig Sauerstoff versorgt werden, wodurch Hirnzellen geschädigt werden oder absterben.
Ursachen und Risikofaktoren der vaskulären Demenz
Zu den typischen Ursachen einer vaskulären Demenz gehören:
- Schlaganfälle: Schlaganfälle, die eine Hirnarterie verschließen, können eine vaskuläre Demenz verursachen. Auch stille Schlaganfälle, die ohne spürbare Symptome verlaufen, erhöhen das Demenzrisiko.
- Arteriosklerose: Arterienverkalkung (Arteriosklerose) kann die Blutgefäße verengen und die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen.
- Bluthochdruck: Bluthochdruck schädigt die Blutgefäße und erhöht das Risiko für Schlaganfälle und andere Durchblutungsstörungen.
- Weitere Risikofaktoren: Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel können ebenfalls zur Entstehung einer vaskulären Demenz beitragen.
Symptome der vaskulären Demenz
Bei der vaskulären Demenz können die Symptome sehr unterschiedlich sein, je nachdem, welche Bereiche des Gehirns von der Durchblutungsstörung betroffen sind. Zu Beginn können vor allem Probleme mit Aufmerksamkeit, verlangsamtem Denken sowie Persönlichkeitsveränderungen auftreten. Dazu können Gangstörungen oder Kontrollverluste der Blase sowie Probleme mit der Sprache kommen. Auch Gedächtnisstörungen können auftreten, stehen aber zu Beginn nicht immer im Vordergrund.
Weitere mögliche Symptome sind:
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- Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörung
- Verlangsamung von Denkprozessen
- Vergesslichkeit
- Erschwerte Umsetzung von Alltagsaufgaben
- Antriebsstörung bis hin zu Teilnahmslosigkeit (Apathie)
- Rasche geistige und körperliche Erschöpfung
- Schluckbeschwerden
- Schwindelgefühl
Diagnose und Behandlung der vaskulären Demenz
Um festzustellen, ob eine vaskuläre Demenz vorliegt, werden zunächst die Symptome und deren Verlauf erfasst. Anschließend werden das Herz-Kreislauf-System sowie neurologische Funktionen untersucht. Blutuntersuchungen können Hinweise auf Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen geben. Bildgebende Verfahren wie CT oder MRT können Veränderungen im Gehirn darstellen.
Eine vaskuläre Demenz ist nicht heilbar. Ziel der Therapie ist es, weiteren Schäden vorzubeugen und eine Verschlimmerung der Beschwerden aufzuhalten bzw. zu verlangsamen. Durchblutungsstörungen im Gehirn können mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt werden. Auch Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel und erhöhter Blutzucker können medikamentös behandelt werden.
Darüber hinaus können nicht-medikamentöse Therapien wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie helfen, die kognitiven Fähigkeiten und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Auch Musiktherapie, Erinnerungsarbeit und Krankengymnastik können hilfreich sein.
Frontotemporale Demenz (FTD)
Die frontotemporale Demenz (FTD) ist eine eher seltene Form der Demenz, die durch das Absterben von Nervenzellen in den Schläfenlappen (Temporallappen) sowie im Stirnlappen (Frontallappen) gekennzeichnet ist. Es werden drei Unterformen unterschieden, die oft schon ab ca. 50 Jahren beginnen.
Symptome der frontotemporalen Demenz
Die Symptome der FTD können je nach betroffenem Bereich des Gehirns variieren. Häufig treten jedoch folgende Symptome auf:
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- Verhaltensänderungen
- Persönlichkeitsveränderungen
- Sprachstörungen
- Schwierigkeiten, Worte richtig auszusprechen
Diagnose und Behandlung der frontotemporalen Demenz
Die Diagnose der FTD erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung, neuropsychologischen Tests und bildgebenden Verfahren.
Bislang ist die FTD nicht heilbar. Es gibt jedoch Medikamente, die die Symptome lindern können. Darüber hinaus können nicht-medikamentöse Therapien wie Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie helfen, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Lewy-Körperchen-Demenz
Die Lewy-Körperchen-Demenz ist eine weitere Form der Demenz, die durch das Vorhandensein von Lewy-Körperchen in den Nervenzellen des Gehirns gekennzeichnet ist.
Symptome der Lewy-Körperchen-Demenz
Charakteristisch für die Lewy-Körperchen-Demenz sind:
- Bewegungsstörungen im Sinne von Parkinson-Symptomen
- Eine deutlich schwankende geistige Leistungsfähigkeit
- Das frühe Auftreten visueller Halluzinationen
- Eine ausgeprägte Überempfindlichkeit gegenüber Medikamenten, die gegen die Halluzinationen eingesetzt werden
- Häufig treten Stürze, kurzzeitige Bewusstlosigkeit und Störungen der vegetativen Funktionen mit niedrigem Blutdruck und Inkontinenz auf.
Diagnose und Behandlung der Lewy-Körperchen-Demenz
Die Diagnose der Lewy-Körperchen-Demenz erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung, neuropsychologischen Tests und bildgebenden Verfahren.
Bislang ist die Lewy-Körperchen-Demenz nicht heilbar. Es gibt jedoch Medikamente, die die Symptome lindern können. Darüber hinaus können nicht-medikamentöse Therapien wie Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie helfen, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Gemischte Demenz
Eine gemischte Demenz ist die Kombination einer Alzheimer-Erkrankung mit einer anderen Demenzart. In den meisten Fällen ist eine gemischte Demenz die Überlagerung von Alzheimer- und vaskulärer Demenz.
Diagnose und Behandlung der gemischten Demenz
Die Diagnose der gemischten Demenz erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung, neuropsychologischen Tests und bildgebenden Verfahren.
Die Behandlung der gemischten Demenz richtet sich nach den vorliegenden Demenzformen und ihren jeweiligen Symptomen.
Vorbeugung von Demenz
Auch wenn nicht alle Demenzformen verhindert werden können, gibt es einige Maßnahmen, die das Risiko einer Erkrankung verringern können:
- Gesunder Lebensstil: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, der Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum sowie die Vermeidung von Übergewicht können das Demenzrisiko senken.
- Geistige Aktivität: Geistige Aktivität wie Lesen, Kreuzworträtsel lösen oder das Erlernen neuer Fähigkeiten kann die geistige Leistungsfähigkeit erhalten und das Demenzrisiko verringern.
- Soziale Kontakte: Soziale Kontakte und ein aktives soziales Leben können ebenfalls das Demenzrisiko senken.
- Behandlung von Risikofaktoren: Die Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und erhöhten Cholesterinwerten kann das Risiko für vaskuläre Demenz verringern.
- Omega-3-Fettsäuren: Eine Meta-Studie hat gezeigt, dass Omega-3-Fettsäuren das Erkrankungsrisiko für Morbus Alzheimer um bis zu 65 Prozent senken können.
- Schrittzahl: Britische Forscher:innen analysierten, wie sich die tägliche Schrittzahl auf das individuelle Demenzrisiko auswirkt. Personen, die täglich etwa 10.000 Schritte gehen, können ihr Erkrankungsrisiko demnach um 50 Prozent senken. Laufen sie mit einem Tempo von mehr als 40 Schritten pro Minute, sind es sogar 57 Prozent.
Leben mit Demenz: Unterstützung für Betroffene und Angehörige
Eine Demenzdiagnose ist für Betroffene und Angehörige eine große Belastung. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, das Leben mit Demenz zu erleichtern:
- Erinnerungshilfen: Kalender, Notizen, Handy-Funktionen und abwischbare Tafeln können helfen, den Alltag zu strukturieren und wichtige Informationen zu speichern.
- Sichere Umgebung: Eine sichere und demenzangepasste Wohnung kann Stürze und andere Unfälle verhindern.
- Feste Tagesstruktur: Eine feste Tagesstruktur mit wiederkehrenden Abläufen kann Sicherheit und Orientierung geben.
- Hobbys und Freizeitaktivitäten: Hobbys und Freizeitaktivitäten können die Lebensqualität verbessern und die geistige Leistungsfähigkeit erhalten.
- Selbsthilfegruppen: Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen und Angehörigen auszutauschen und Unterstützung zu finden.
- Professionelle Hilfe: Professionelle Hilfe durch Ärzte, Therapeuten, Pflegekräfte und Sozialarbeiter kann Betroffenen und Angehörigen helfen, mit der Erkrankung umzugehen und die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.
- Vorsorge: Frühzeitig an Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung denken, um die eigenen Wünsche für die Zukunft festzulegen.
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