Die Achillessehne, die stärkste Sehne im Körper, verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein und ermöglicht grundlegende Bewegungen wie Gehen, Stehen und Abfedern des Körpergewichts. Verletzungen der Achillessehne sind schmerzhaft und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Diabetes mellitus, eine Stoffwechselstörung mit dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten, kann eine diabetische Neuropathie verursachen und das Risiko für Achillessehnenprobleme erhöhen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Achillessehnenreflex, Diabetes und möglichen Ursachen für Achillessehnenbeschwerden.
Die Bedeutung der Achillessehne
Die Achillessehne ist etwa 15-25 Zentimeter lang und besteht aus robustem, faserigem Bindegewebe. Sie überträgt die Kraft der Wadenmuskulatur auf den Fuß und ermöglicht so das Gehen, Laufen, Springen und Stehen auf den Zehenspitzen. Bei sportlichen Aktivitäten ist die Achillessehne besonders beansprucht, da das Körpergewicht eine hohe Kraft auf die Sehne ausübt. Dies erhöht das Verletzungsrisiko.
Achillessehnenprobleme: Symptome und Ursachen
Eine Verletzung der Achillessehne kann sehr schmerzhaft sein. Die Schmerzen konzentrieren sich meist auf den Bereich direkt über der Ferse und können bis zur Mitte des Unterschenkels ausstrahlen. Bei Belastung nehmen sie zu. Entzündungen der Achillessehne gehen oft mit Schwellungen und einer eingeschränkten Beweglichkeit des Fußgelenks einher.
Typische Verletzungen der Achillessehne sind:
- Achillessehnenentzündung (Achillodynie): Eine schmerzhafte Entzündung, die durch Überbeanspruchung, schlechte Lauftechnik oder ungeeignetes Schuhwerk verursacht werden kann.
- Achillessehnenruptur (Achillessehnenriss): Ein vollständiger Riss der Sehne, der oft durch plötzliche, starke Belastung entsteht.
- Partiale Rupturen (Teilriss der Achillessehne): Teilweise Risse in der Sehne, die chronische Schmerzen und Schwäche verursachen können.
- Achillobursitis: Entzündung des Schleimbeutels zwischen der Achillessehne und der Ferse, oft durch Reibung oder Druck verursacht.
Neben Sportunfällen und unglücklichem Umknicken können auch Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes und Fußfehlstellungen zu Verletzungen der Achillessehne führen. Unzureichendes Aufwärmen, schlechte Trainingsbedingungen und falsches Schuhwerk begünstigen ebenfalls eine Verletzung.
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Diabetes Mellitus und seine Auswirkungen auf die Nerven
Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselstörung, die durch einen dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist. Langfristig kann dies zu Schäden an verschiedenen Organen und Geweben führen, einschließlich der Nerven. Diese Nervenschädigung wird als diabetische Neuropathie bezeichnet.
Die Pathophysiologie der diabetischen Polyneuropathie (DPN) ist komplex und beinhaltet verschiedene Mechanismen:
- Mikroangiopathie der Vasa nervorum: Eine verminderte Blutversorgung der Nerven führt zu Sauerstoffmangel und beeinträchtigt die Nervenfunktion.
- Toxische Stoffwechselprodukte: Beim gestörten Glukosestoffwechsel entstehen toxische Nebenprodukte, die sich in den Nerven ansammeln und diese schädigen.
- Entzündliche Prozesse: Chronische Hyperglykämie führt zur Bildung von Advanced Glycation End-Products (AGE), die durch oxidative Mechanismen Gewebe- und Nervenschäden verursachen.
- Schädigung der Schwann-Zellen: Die Schwann-Zellen, die die Myelinscheide der peripheren Nerven bilden, werden geschädigt, was zu einer Demyelinisierung der Nervenfasern und einem Verlust der Nervenleitungsgeschwindigkeit führt.
Es gibt verschiedene Formen der diabetischen Neuropathie:
- Periphere sensomotorische diabetische Polyneuropathie (DSPN): Die häufigste Form, die vor allem Hände und Füße betrifft. Typische Symptome sind Parästhesien, neurogene Schmerzen sowie eine Verminderung des Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfindens. Reflexe, wie der Achillessehnenreflex (ASR), sind oft abgeschwächt oder fehlen.
- Fokale Neuropathie: Ausfälle einzelner peripherer und radikulärer Nerven.
- Autonome Neuropathie: Schädigung des vegetativen Nervensystems, die zu Störungen der Organfunktionen führen kann.
Zusammenhang zwischen Diabetes, Neuropathie und Achillessehnenproblemen
Die diabetische Neuropathie kann auf verschiedene Weisen zu Achillessehnenproblemen beitragen:
- Verminderte Schmerzwahrnehmung: Durch die Nervenschädigung kann das Schmerzempfinden in den Füßen beeinträchtigt sein. Verletzungen und Überlastungen der Achillessehne werden möglicherweise nicht rechtzeitig bemerkt, was zu chronischen Entzündungen und Schäden führen kann. Nahezu alle DFS-Patienten mit Fußulzera haben eine reduzierte oder fehlende Schmerzempfindung (Nozizeption).
- Muskelschwäche und -atrophie: Die motorische Neuropathie führt zur Atrophie der Fußbinnenmuskeln und zu einem Ungleichgewicht der Unterschenkelmuskulatur. Durch Überwiegen der Wadenmuskeln entstehen Ballen- und Spitzfuß. Die Zehenheber versuchen, den Kraftverlust der Fußhebermuskeln auszugleichen. Es entstehen Hammer- und Krallenzehen. Alle Deformitäten prädestinieren zu Druckulzera.
- Trockene Haut und Risse: Die autonome Neuropathie führt zu verminderter Schweißsekretion, trockener, rissiger Haut mit Hyperkeratosen und übermäßiger Schwielenbildung. Dies erhöht das Risiko für Verletzungen und Infektionen.
- Diabetisches Fußsyndrom (DFS): Ulzera oder Nekrosen entstehen durch lokale Drucküberlastung bei eingeschränkter Schmerzempfindung als Folge der diabetischen Polyneuropathie (PNP). Häufig bestehen gleichzeitig Fuß- und Zehendeformitäten. Das DFS ist eine lebenslange, gefährliche Komplikation des Diabetes mellitus, welche die Mobilität der Betroffenen bedroht und bei verzögerter oder ineffektiver Behandlung zum Verlust der Extremität führen kann.
Diagnose von Achillessehnenproblemen bei Diabetes
Bei akuten Schmerzen und Schwellungen in der Achillessehne sollte zunächst die PECH-Regel angewendet werden (Pause, Eis, Compression, Hochlagern). Auch wenn die Schmerzen nachlassen, sollte die Achillessehne medizinisch untersucht werden. Der Arzt untersucht die Sehne und prüft die Beweglichkeit des Beines und des Fußes. Untersuchungen mit Ultraschall und MRT können helfen, den Grad der Verletzung oder der Entzündung zu bestimmen und andere Ursachen auszuschließen.
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Bei Menschen mit Diabetes ist es wichtig, regelmäßige Fußuntersuchungen durchzuführen, um Anzeichen einer Neuropathie oder Durchblutungsstörungen frühzeitig zu erkennen. Dabei werden das Empfindungsvermögen, die Muskelreflexe und die Durchblutung der Füße überprüft. Ein schwacher Achillessehnenreflex kann auf eine Nervenschädigung hinweisen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Achillessehnenproblemen bei Diabetes zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Entzündung zu reduzieren, die Funktion der Achillessehne wiederherzustellen und Komplikationen zu vermeiden.
Mögliche Behandlungsansätze sind:
- Konservative Behandlung: Ruhigstellung des Fußes mit einem speziellen Schuh, entzündungshemmende Medikamente, Physiotherapie zur Stärkung der Wadenmuskulatur und Verbesserung der Flexibilität. Weich gepolsterte Einlagen und Fersenerhöhungen können den Zug von der Achillessehne nehmen und sie entlasten.
- Operative Behandlung: In schweren Fällen, wenn die Sehne gerissen ist und die Sehnenenden sich nicht mehr berühren, kann eine Operation erforderlich sein, bei der die Sehne genäht wird.
- Optimierung der Blutzuckereinstellung: Eine optimale und stabile Blutzuckerkontrolle ist wichtig, um eine diabetische Neuropathie möglichst lange aufzuhalten und weitere Nervenschäden zu verhindern.
- Fußpflege: Tägliche Inspektion der Füße auf Verletzungen, trockene Haut oder Risse. Regelmäßige Fußpflege durch einen Podologen, um Hornhaut zu entfernen und Verletzungen vorzubeugen.
- Geeignetes Schuhwerk: Schuhe mit guter Dämpfung und ausreichend Platz für die Zehen, um Druckstellen und Verletzungen zu vermeiden. Orthopädische Einlagen können Fußfehlstellungen korrigieren und die Achillessehne entlasten.
- Schmerztherapie: Medikamente zur Linderung von neuropathischen Schmerzen, wie Antidepressiva oder Antiepileptika.
Prävention
Um Achillessehnenproblemen und dem diabetischen Fußsyndrom vorzubeugen, sind folgende Maßnahmen wichtig:
- Gute Blutzuckereinstellung: Eine optimale Blutzuckerkontrolle ist entscheidend, um Nervenschäden und Durchblutungsstörungen zu vermeiden.
- Regelmäßige Fußuntersuchungen: Menschen mit Diabetes sollten ihre Füße täglich auf Verletzungen, Risse oder Druckstellen untersuchen. Regelmäßige Kontrollen beim Arzt oder Podologen sind ebenfalls wichtig.
- Sorgfältige Fußpflege: Die Füße sollten täglich gewaschen und sorgfältig abgetrocknet werden, besonders zwischen den Zehen. Trockene Haut sollte mit feuchtigkeitsspendenden Cremes gepflegt werden.
- Geeignetes Schuhwerk: Schuhe sollten gut passen, ausreichend Platz bieten und eine gute Dämpfung haben. Auf barfußlaufen sollte verzichtet werden, um Verletzungen zu vermeiden.
- Gesunde Lebensweise: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum tragen zur allgemeinen Gesundheit und zur Vorbeugung von Diabetesfolgeerkrankungen bei.
- Vermeidung von Überlastung: Sportliche Aktivitäten sollten langsam gesteigert werden, um die Achillessehne nicht zu überlasten. Regelmäßiges Dehnen der Wadenmuskulatur kann die Flexibilität verbessern und das Risiko von Verletzungen reduzieren.
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