Innovative Behandlungen bei Nervenschäden, Inkontinenz und chronischen Schmerzen

Dieser Artikel beleuchtet innovative Therapieansätze und etablierte Methoden zur Behandlung von Nervenschäden, insbesondere im Zusammenhang mit Bandscheibenvorfällen, der überaktiven Blase und chronischen Schmerzen. Dabei werden sowohl konservative als auch interventionelle Verfahren betrachtet, um ein umfassendes Bild der aktuellen Behandlungsmöglichkeiten zu vermitteln.

Bandscheibenvorfall: Konservative und operative Therapieansätze

Ein Bandscheibenvorfall kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen, wie das Beispiel von Uwe T. zeigt. Der 34-Jährige verlor durch einen Bandscheibenvorfall Job, Gesundheit und Lebensfreude. Seine Nerven wurden durch den Druck der Bandscheiben so geschädigt, dass Blase und Darm nicht mehr richtig funktionieren und das rechte Bein lahm ist.

Dr. Thorsten Dolla, Orthopäde und Sportarzt, betont die Wichtigkeit der richtigen klinischen Diagnostik und setzt auf konservative Behandlungen wie Krankengymnastik oder spezielles Krafttraining. Er weist darauf hin, dass 80 Prozent der Menschen sich zu wenig bewegen und eine zu schwache Rumpfmuskulatur haben.

Professor Dr. Jürgen Kiwit, Chefarzt der Neurochirurgie Berlin-Buch, verfolgt das Prinzip, so wenig wie möglich zu operieren, aber wenn, dann mit Schlüsselloch-Prinzip. Er erklärt, dass kaputte Bandscheiben durch Titan-Chips ersetzt werden können und besonders wichtig ist, dass die eingeklemmten Nerven wieder freigelegt werden. Viele Rückenschmerzen lassen sich konservativ behandeln. Beste Vorbeuge ist eine ständige Gewichtskontrolle, regelmäßige leichte körperliche Aktivität.

Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer setzt auf einen stufenweisen Ansatz: Zuerst Ruhe und Hochlagern der Beine, dann lokale Maßnahmen wie Lokalanästhesie oder Akupunktur zur Muskelentspannung. Wenn der Schmerz sich weiterentwickelt, kommt eine Kernspinntomographie und mikrotherapeutische Vorgehensweise zum Einsatz. Dabei wird Kochsalz und Cortison zum Abschwellen gespritzt.

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Dr. med. Jianping Wang vom Zentrum für Chinesische Medizin und Naturheilverfahren setzt auf Akupunktur, um Schmerzen zu lindern. Durch die Stimulation der Nadeln kann der Zentralnerv reagieren und die Schmerzen werden gelindert. Durch die Einstiche in dem Weichteil- oder Muskel-Gewebe wird die Schwellung an der lokale Stelle reduziert.

Die überaktive Blase: Ursachen, Symptome und moderne Therapien

Die überaktive Blase (ÜAB) ist ein Krankheitsbild, das durch häufigen Harndrang, sowohl tagsüber als auch nachts, gekennzeichnet ist. Betroffene verspüren einen starken Harndrang und müssen vermehrt eine Toilette aufsuchen. Anders als bei einer Blasenentzündung wird die überaktive Blase nicht durch Bakterien verursacht. Vielmehr findet auch bei nicht voller Blase eine erhöhte Kontraktion der Blasenmuskulatur statt, welche den vermehrten, plötzlichen Harndrang hervorruft. Betroffene müssen sofort eine Toilette aufsuchen, sonst droht unkontrollierter Abgang des Urins (Inkontinenz).

Symptome der überaktiven Blase

Die Symptome der überaktiven Blase sind vielfältig und nicht immer leicht von denen anderer Krankheiten unterscheidbar. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Häufiges Wasserlassen (mehr als 8x innerhalb von 24 Stunden) = Pollakisurie
  • Nächtliches Wasserlassen (mind. 2x pro Nacht) = Nykturie
  • Plötzlicher, starker Harndrang (imperativer Harndrang)
  • Unkontrollierter Urinverlust (Dranginkontinenz)

Ursachen der überaktiven Blase

Die genauen Ursachen für den verstärkten Harndrang konnten bislang noch nicht geklärt werden. Festgestellt wurde jedoch, dass es bei der überaktiven Blase zu einem Ungleichgewicht der Nervenimpulse am Blasenmuskel (Detrusor) kommt. Generell sind sowohl Frauen als auch Männer von einer überaktiven Blase betroffen. Dabei verschiebt sich das Verhältnis mit dem Alter. Unter ca. 60 Jahren betrifft es eher Frauen, über ca. 60 Jahren Männer und Frauen gleichermaßen.

Es ist ratsam, bei Verdacht auf eine überaktive Blase einen Arzt aufzusuchen, um andere Krankheiten auszuschließen und eine passende Therapie zu finden.

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Therapiemöglichkeiten der überaktiven Blase

Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten, die individuell auf den Lebenswandel des Patienten abgestimmt sein müssen:

  • Verhaltenstherapie: Veränderung des Lebensstils und insbesondere des Ess- und Trinkverhaltens. Hierbei hilft ein Trink- und Miktionsprotokoll. Ergänzend dazu sollte mit konsequentem Blasentraining begonnen werden.
  • Medikamentöse Therapie: Medikamente in Tabletten- oder Kapselform oder Medikamente, die regelmäßig unter lokaler Betäubung in den Blasenmuskel gespritzt werden. Die Wirkung der Spritze hält ca. 24 Wochen an und kann nach frühestens 3 Monaten wiederholt werden.
  • Blasenschrittmacher (Neuromodulator): Durch das kleine Gerät, das minimalinvasiv eingesetzt wird, werden die Nerven an der Blase durch elektrische Impulse stimuliert und die ständigen ungewollten Kontraktionen werden verhindert. Der ständige Harndrang lässt nach.
  • Operationen: Nur in besonders schweren Fällen kommen größere Operationen an der Blase in Betracht. Zunächst wird versucht, mit einer Blasenerweiterung (Zystoplastik) Linderung zu schaffen.
  • Botulinumtherapie: Bei der „overactive bladder“ oder Urgeinkontinenz werden vermehrt und unkoordiniert Nervenimpulse auf den Harnblasenmuskel übertragen, die eine unkontrollierte und häufige Muskelkontraktion der Harnblase auslösen. Botulinumtoxin Typ A, welches in medizinisch genutzten Dosierungen für den Organismus ungiftig ist und die vermehrte Signalübertragung von Nervenzellen teilweise blockiert. Infolge der therapeutischen Botulinumtoxin-Verabreichung (Applikation) in den Harnblasenmuskel entspannt sich dieser. Die Harnblase ist somit wieder in der Lage, ein ausreichendes Urinvolumen zu speichern und die Häufigkeit von störenden und ungelegenen Toilettengängen (Miktionsfrequenz) nimmt signifikant ab. Auch der unangenehme Harndrang (Urge) - also das Gefühl, häufig auf die Toilette gehen zu müssen - wird infolge einer kontrollierteren Nervenimpulsstimulation der Blasenmuskulatur durch Botulinumtoxin nachhaltig verbessert. In der Folge ist zum Beispiel ein Durchschlafen in der Nacht aufgrund fehlender Nykturie (nächtliches Urinieren) wieder möglich und die Fähigkeit, den Urin wieder halten zu können (Kontinenzvermögen), macht das Tragen von Windeleinlagen meist nicht mehr erforderlich.

Medikamentöse Therapie bei Dranginkontinenz

Falls die oben genannten nicht-medikamentösen Therapien keine ausreichende Besserung erzielen, können zur Behandlung der Urgeinkontinenz verschiedene Medikamente gegen Dranginkontinenz die Beschwerden lindern. Hier haben sich vor allem urologische Spasmolytika bewährt. Das sind Medikamente aus der Gruppe der Anticholinergika. Hilfsmittel halten Feuchtigkeit und mögliche unangenehme Gerüche zuverlässig zurück. Liegt ein Rezept Ihres Arztes vor, übernimmt die Krankenkasse unter gewissen Voraussetzungen die Kosten für Inkontinenzmaterial. Darüber hinaus stehen Ihnen mit anerkanntem Pflegegrad monatliche Pflegehilfsmittel zum Verbrauch im Wert bis zu 42 Euro zu. Neben den Medikamenten der klassischen Schulmedizin können bei einer Dranginkontinenz unterstützend auch homöopathische Mittel zum Einsatz kommen. Petrosilinum kann dabei unterstützen, die überaktive Blase zu beruhigen und plötzlichen Harndrang zu lindern. Die homöopathischen Globuli werden mithilfe frischer Petersilie hergestellt und sind in der Apotheke in unterschiedlichen Potenzen (Verdünnungsgrade) erhältlich. Für die Selbstbehandlung werden meist die Potenzen D6 bis D12 empfohlen.

Kortison-Therapie: Anwendungsgebiete und Wirkungsweise

Kortison-Medikamente (synthetische Glukokortikosteroide) werden bei verschiedenen Erkrankungen und Symptomen eingesetzt. Häufige Anwendungsgebiete sind:

  • Mangel an natürlichem Kortison wie bei Morbus Addison
  • Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale und COPD
  • Allergische Reaktionen
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Nephrotisches Syndrom
  • Diverse Krebserkrankungen
  • Drohende Frühgeburt
  • Akuter Tinnitus
  • Nach Transplantationen

Kortison-Medikamente wirken entzündungshemmend, antiallergisch und immunsuppressiv. Sie verstärken die Wirkung von Stresshormonen und beeinflussen den Fett- und Zuckerstoffwechsel.

Die Wirkdauer der Kortison-Präparate unterscheidet sich je nach Wirkstoff. Demnach unterscheidet man:

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  • Kurzwirksame Kortison-Präparate: Wirkdauer acht bis zwölf Stunden
  • Mittellang-wirksame Kortison-Präparate: Wirkdauer 12 bis 36 Stunden
  • Langwirksame Kortison-Präparate: Wirkdauer 36 bis 72 Stunden

Die Leber verstoffwechselt das Kortison: Sie baut die Wirkstoffe mithilfe bestimmter Enzyme ab. Die Abbauprodukte scheidet der Körper über die Nieren mit dem Urin aus.

Nebenwirkungen und Anwendungshinweise

Welche Nebenwirkungen in welcher Häufigkeit und in welchem Ausmaß auftreten, unterscheidet sich je nach Darreichungsform, Anwendungsdauer und Dosierung der Kortison-Präparate. In der Regel ist eine kurzzeitige Kortison-Anwendung unbedenklich und nicht schädlich für den Körper. Starke Nebenwirkungen treten meist nach lang andauernder und hoch dosierter Therapie auf.

Es ist wichtig, sich bei der Kortison-Anwendung genau an die ärztlichen Anweisungen zu halten, etwa hinsichtlich Dosierung und Anwendungsdauer. Sonst steigt das Risiko für Nebenwirkungen.

Gentherapie bei spinaler Muskelatrophie (SMA)

Mit Zolgensma werden sehr kleine Kinder wie die drei Monate alte Ainsley Cardente behandelt. So soll verhindert werden, dass Schäden an den Motoneuronen auftreten. Es ist zur Behandlung von Patienten mit 5q-assoziierter spinaler Muskelatrophie (SMA) bestimmt. Zolgensma stellt dagegen einen Ersatz des defekten SMN1-Gens dar, das mithilfe eines Vektors (ein nicht replizierendes rekombinantes Adeno-assoziiertes Virus vom Serotyp 9, AAV9) in die Zellen eingeschleust wird. Dort liegt die DNA dann als Episom vor, also als autonom replizierendes, ringförmiges DNA-Molekül im Zellkern, das nicht in die zelleigene DNA integriert wird. Die Schädigung der Motoneuronen bei SMA ist nicht reversibel. Bereits verloren gegangene Fähigkeiten lassen sich also mit einer Zolgensma-Therapie nicht wiederherstellen. Um den Schaden möglichst gering zu halten, werden Patienten daher bereits im Alter von wenigen Monaten mit Zolgensma behandelt.

Nuklearmedizinische Diagnostik

Die Nuklearmedizin bietet hochspezialisierte Verfahren zur Diagnostik verschiedener Erkrankungen. Dazu gehören die Positronen-Emissions-Tomografie (PET), die PSMA-PET-CT zur Abklärung von Prostatakrebs, die Nierenszintigrafie bei Kindern und die Knochenszintigrafie.

Positronen-Emissions-Tomografie (PET)

Die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) ist ein hochspezialisiertes Verfahren der nuklearmedizinischen Diagnostik. Stoffwechselvorgänge können früher und genauer im Körper sichtbar gemacht werden als mit jedem anderen Verfahren. Das Prinzip der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) beruht darauf, dass der Patientin / dem Patienten eine schwach radioaktiv markierte Zuckerverbindung (z. B. Fluorodesoxyglucose = FDG) in die Vene gespritzt wird. Diese Substanz verteilt sich mit dem Blutfluss im Körper und wird von Zellen aufgenommen. Bösartige Tumoren wachsen schneller als gutartige Zellen und verbrauchen daher auch mehr Energie. Mit der PET-CT-Untersuchung kann der radioaktive Zucker in den Zellen bildlich dargestellt werden. So wird eine Aufnahme des gesamten Körpers angefertigt. Das PET-CT ist die genaueste Untersuchungsmethode in der Ausbreitungsdiagnostik bei Lungenkrebs.

Prostata-Spezifisches-Membran-Antigen-PET-CT (PSMA-PET-CT)

Das Prostata-Spezifisches-Membran-Antigen-PET-CT (PSMA-PET-CT) ist eines der modernsten nuklearmedizinischen Verfahren zur Abklärung von Prostatakrebs. Dabei injizieren wir als Nuklearmedizinerinnen und -mediziner eine schwach radioaktive Substanz in die Vene, die auf das Prostata-Spezifisches-Membran-Antigen (PSMA) zielt. Auf diese Weise können Prostatakrebs-Zellen sichtbar gemacht werden. Die Untersuchung eignet sich bei Hochrisikopatienten zur Lokalisierung des Prostatakarzinoms. Außerdem hilft sie dabei festzustellen, ob sich das Prostatakarzinom bereits weiter im Körper ausgebreitet hat.

Nierenszintigrafie bei Kindern

Die Nierenszintigrafie wird häufig bei Kindern durchgeführt. Es wird eine schwach radioaktive Substanz ins Blut gespritzt, die von den Nieren sehr schnell aus dem Blut herausgefiltert und in die Harnblase ausgeschieden wird. Unmittelbar nach der Injektion der Substanz in eine Armvene werden die Aufnahmen mit der Kamera gestartet. Die Nierenszintigrafie dauert ungefähr 45 Minuten.

Knochenszintigrafie

Mit der Knochenszintigrafie können wir den Knochenstoffwechsel sichtbar machen. Hierzu spritzen wir Ihnen eine schwach radioaktive Substanz in eine Vene, die sich an der Knochenoberfläche anlagert. Der Knochenstoffwechsel kann sowohl bei gutartigen Erkrankungen (z. B. Rheuma , Arthrose) als auch bei bösartigen Erkrankungen (z. B. Knochenmetastasen) verändert sein.

Hirnszintigrafie (DAT-Scan)

Eine Hirnszintigrafie (DAT-Scan) ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, um die Funktionsfähigkeit bestimmter Nervenverbindungen im Gehirn zu überprüfen. Es handelt sich um Hirnrezeptoren, sogenannte Dopamin-Transporter. Diese werden bildlich dargestellt. Je mehr dieser Hirnrezeptoren vorhanden sind, desto mehr von dieser Substanz reichert sich im Gehirn an. So führen wir im Rahmen der Parkinson-Diagnostik eine spezielle Szintigrafie (Bildgebung) des Gehirns durch.

Herzszintigrafie

Mit der Herzszintigrafie können die Durchblutung des Herzens untersucht und die Pumpleistung präzise gemessen werden. Diese Informationen helfen Ihrer Kardiologin / Ihrem Kardiologen zu entscheiden, wie das Herz am besten behandelt werden kann.

Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerztherapie

Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel bietet spezielle Therapien für Migräne, Kopfschmerzen, Nervenschmerzen, Rückenschmerzen und andere chronische Schmerzerkrankungen. Zur Planung eines Aufnahmetermins ist eine Verordnung von Krankenhausbehandlung durch den behandelnden Arzt erforderlich.

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