Der Herbst mit seinen vielfältigen Farben und Stimmungen bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Aktivierung von Menschen mit Demenz. Ziel ist es, durch gezielte Angebote das Wohlbefinden zu steigern, Erinnerungen zu wecken und die kognitiven sowie motorischen Fähigkeiten zu fördern. Dabei ist es wichtig, auf die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben der Betroffenen einzugehen und die Aktivitäten an das jeweilige Stadium der Demenz anzupassen.
Kurzaktivierungen im Alltag
Kurzaktivierungen sind kleine, alltagsnahe Übungen, die sich leicht in den Tagesablauf integrieren lassen. Sie können sowohl in der Einzelbetreuung als auch in der Gruppe durchgeführt werden und dienen dazu, die Aufmerksamkeit zu fördern und das Gedächtnis anzuregen.
- Sichtung von Materialien: Herbstliche Naturmaterialien wie Äpfel, Kastanien, Eicheln und bunte Blätter werden von den Teilnehmern in die Hände genommen und nach Möglichkeit benannt. Dies fördert die sensorische Wahrnehmung und weckt Erinnerungen an frühere Herbstaktivitäten.
- Biografieorientierte Fragen: Durch gezielte Fragen zum Thema Herbst werden Assoziationen und Geschichten aus dem Leben der Teilnehmer angeregt. Beispiele hierfür sind: "Mögen Sie gern Obst? Welches ist Ihr Lieblingsobst?" oder "Mögen Sie gern Gemüse?".
Sinnesanregungen in der Natur
Der Herbst spricht alle Sinne an und bietet somit eine ideale Grundlage für aktivierende Spaziergänge. Betreuer können die Teilnehmenden gezielt auf Natureindrücke aufmerksam machen:
- Düfte: Der Duft von gemähtem Gras, feuchtem Waldboden oder reifen Äpfeln kann Erinnerungen wecken und die Stimmung heben.
- Farben: Die leuchtenden Farben der Baumkronen und die tiefroten Hagebutten bieten visuelle Reize und regen die Fantasie an.
- Oberflächen: Das Spüren unterschiedlicher Oberflächen von Rinde oder Blättern fördert die taktile Wahrnehmung.
- Wetter: Auch das Spüren von Windhauch oder wärmenden Sonnenstrahlen bietet wertvolle Sinnesreize.
Kreative Beschäftigungen mit Naturmaterialien
Naturmaterialien eignen sich hervorragend für kreative Beschäftigungen, die die Feinmotorik und die Fantasie anregen:
- Collagen: Mit Blättern, Früchten und Zweigen lassen sich Collagen kleben, die als herbstliche Dekoration dienen können.
- Mandalas: Das Legen von Mandalas mit Naturmaterialien fördert die Konzentration und die innere Ruhe.
- Fensterbilder: Bunte Blätter und andere Naturmaterialien können zu Fensterbildern gestaltet werden, die das Zimmer herbstlich schmücken.
- Kürbisse bemalen: Kürbisse können bemalt werden - eine gute Alternative zum Schnitzen, die weniger Verletzungsrisiko birgt.
Kognitive und sensorische Stimulation
Neben den kreativen Beschäftigungen gibt es weitere Möglichkeiten, die kognitiven und sensorischen Fähigkeiten von Menschen mit Demenz im Herbst zu stimulieren:
Lesen Sie auch: Förderung bei Demenzerkrankung
- Erzählrunden zur Brauchtumspflege: Geschichten und Bräuche rund um den Herbst werden erzählt und diskutiert, um Erinnerungen zu wecken und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.
- Spielrunden mit Bildern und Düften: Bilder und Düfte, die typisch für den Herbst sind, werden eingesetzt, um Assoziationen und Gespräche anzuregen.
- Fühlboxen: In Fühlboxen werden verschiedene Gegenstände versteckt, die ertastet und erraten werden müssen. Dies fördert die taktile Wahrnehmung und die Konzentration.
- Kulinarische Aktivitäten: Gemeinsames Kochen von Apfelmus oder Kürbissuppe, Zwiebelkuchen backen oder Teeverkostungen fördern die Gemeinschaft und wecken Erinnerungen an frühere Herbstfeste.
Spielerische Übungen mit Naturmaterialien
Mitgebrachte Naturmaterialien wie Äpfel, Kastanien, Eicheln und bunte Blätter laden zu gezielten Übungen ein, die die Feinmotorik und die Konzentration fördern:
- Fingerlauf mit Früchten: Verschiedene Fruchtpaare werden vor die gespreizten Finger gelegt. Auf Ansage heben die Teilnehmenden die jeweiligen Finger kurz an.
- Kastanien kreisen lassen: Rosskastanien werden zwischen den Handflächen gerollt, von einer Hand in die andere gekullert oder wie Qigong-Kugeln umeinander kreisen gelassen.
- Kastanien-Boccia: Für spielerische Wettkämpfe eignet sich Kastanien-Boccia, bei dem die Früchte in Richtung eines Ziels gerollt werden.
Erinnerungspflege und Biografiearbeit
Die Erinnerungspflege und Biografiearbeit spielen eine wichtige Rolle bei der Aktivierung von Menschen mit Demenz. Indem der alte Mensch Interesse an seiner Lebensgeschichte erfährt und aus seinem Leben berichten kann, wird ganz nebenbei das Gedächtnis trainiert.
- Gesprächsfragen: Ausgearbeitete Themen bieten viele Gesprächsfragen, passende Gedichte, Lieder, Mitmach-Geschichten, Ideen für Bewegungs-Einheiten, Quiz-Ideen und vieles mehr.
- Erinnerungen wecken: Im Herbst werden Erinnerungen an Erntezeit und Waldspaziergänge lebendig. Im Winter erinnert man sich an schöne Winterwanderungen usw.
Themen für die Erinnerungsarbeit im Herbst
Es gibt zahlreiche Themen, die sich für die Erinnerungsarbeit im Herbst eignen:
- Erntezeit: Erinnerungen an die Erntezeit, das Einmachen von Obst und Gemüse und die Vorbereitung auf den Winter werden wach.
- Waldspaziergänge: Geschichten über Waldspaziergänge, das Sammeln von Pilzen und Kastanien und die Beobachtung der Natur im Herbst werden erzählt.
- Herbstfeste: Erinnerungen an Herbstfeste, Erntedankfeste und andere traditionelle Veranstaltungen werden ausgetauscht.
- Kochen und Backen: Rezepte für herbstliche Gerichte wie Apfelkuchen, Kürbissuppe oder Zwiebelkuchen werden ausgetauscht und gemeinsam zubereitet.
- Basteln mit Naturmaterialien: Ideen für das Basteln mit Naturmaterialien wie Blättern, Kastanien und Kürbissen werden gesammelt und umgesetzt.
Weitere Ideen für die Aktivierung im Herbst
Neben den bereits genannten Aktivitäten gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, Menschen mit Demenz im Herbst zu aktivieren:
- Herbstfeste feiern: Mit Zwiebelkuchen, Tanzen, Federweißer, Schunkeln, Trauben, Herbstliedern und frisch gebackenem Pflaumenkuchen kann man die goldene Herbstzeit gut und stimmungsvoll einläuten.
- Gedächtnisspiele spielen: Zu dem Thema Herbst sind zahlreiche Gedächtnisspiele erschienen, die spielerisch das Gedächtnis trainieren.
- Basteln mit Kastanien: Kastanien sind wohl die schönsten und natürlichsten Bastelmaterialien im Herbst. Das Basteln mit Kastanien ist außerdem zeitlos und bereitet Jung und Alt viel Freude.
- Bewegungsgeschichten mit Tüchern: Bewegungsgeschichten bringen eine schöne Abwechslung in die Sitzgymnastik mit Senioren. Bewegungsgeschichten, bei denen die Teilnehmenden den Text mit bunten Tüchern untermalen, machen besonders viel Freude und bringen Schwung in die Beschäftigungsangebote.
- Gemeinsam Backen: Die wohlbekannten Düfte, das Teig kneten und das Verlesen von Obst oder Gemüse wecken wundervolle Erinnerungen, die wir mit dem jeweiligen Erlebnis verbinden. Diese machen aus dem Angebot, gemeinsam zu Backen, eine Wahrnehmungsreise mit allen Sinnen.
- Bekannte Liedtexte singen: Die Texte von Herbstliedern sind den heutigen Senioren wohlbekannt. Zudem machen Lieder und Musik erfahrungsgemäß alle Beschäftigungsangebote für Senioren zu einem schönen Erlebnis - für die Senioren, deren Angehörige und die Betreuenden.
- Spaziergänge an der frischen Luft: Spaziergänge an der frischen Luft sorgen für Bewegung, eine bessere Durchblutung des Gehirns, regen die Sinne an und steigern das Wohlbefinden.
- Impulsgestützte Kurzaktivierungen: Auch mit Hilfe von impulsgestützten Kurzaktivierungen können Erinnerungen wach werden. Kurze Geschichten und Materialien zum Fühlen, Schmecken und Riechen machen vergangene Momente wieder erlebbar. Im Herbst bieten sich hier Themen wie Herbstfrüchte, Gemüsesorten, Kastanien sammeln, Laternen laufen, Drachen steigen, Waldspaziergänge, Kartoffelsuppe, Apfel- oder Pflaumenkuchen, Quittengelee und, und, und… an.
Wichtige Aspekte bei der Aktivierung von Menschen mit Demenz
Bei der Aktivierung von Menschen mit Demenz sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:
Lesen Sie auch: Mehr Lebensqualität durch Aktivierung
- Beachten Sie das Stadium der Demenz: Überforderung bewirkt negative Reaktionen.
- Gehen Sie auf persönliche Vorlieben und Abneigungen ein: Die Beschäftigung sollte Spaß machen.
- Respektieren Sie die Entscheidung des Demenzerkrankten: Lassen Sie es zu, wenn der Erkrankte nicht selbst aktiv werden möchte, sondern lieber beobachtet.
- Tolerieren Sie „Fehler“: Schimpfen Sie auf keinen Fall, wenn etwas nicht funktioniert.
- Schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre: Chaotische, laute Umgebungen sind ungeeignet, weil sie zu Verwirrung und Stress führen.
- Bieten Sie Sicherheit und Geborgenheit: Menschen mit Demenz brauchen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, um sich wohlzufühlen und sich auf die Aktivitäten einzulassen.
- Seien Sie geduldig und einfühlsam: Menschen mit Demenz brauchen Zeit und Geduld, um sich an neue Situationen zu gewöhnen und Aufgaben zu bewältigen.
- Feiern Sie Erfolge: Loben Sie die Teilnehmer für ihre Bemühungen und Erfolge, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken.
Lesen Sie auch: Lebensqualität bei Demenz fördern
tags: #aktivierung #demenz #herbst