Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die Menschen jeden Alters betreffen kann. Sie ist durch eine übermäßige Aktivität im Gehirn oder in bestimmten Hirnbereichen gekennzeichnet, was zu einer Vielzahl von Symptomen führen kann, darunter epileptische Anfälle. In diesem Artikel werden wir die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung von Epilepsie untersuchen und Tipps für den Umgang mit Epilepsie im Alltag geben.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine chronische Erkrankung des Gehirns, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Epileptische Anfälle sind kurze Episoden abnormaler Hirnaktivität, die zu Veränderungen im Bewusstsein, im Verhalten oder in der Bewegung führen können. Bei einer Epilepsie sind einzelne Hirnbereiche oder das gesamte Gehirn übermäßig aktiv, wodurch zu viele Signale abgegeben werden, was die sogenannten epileptischen Anfälle auslösen kann.
Epilepsie kann in jedem Alter auftreten. Manche Menschen haben bereits als Kind ihren ersten Anfall, andere erst in höherem Alter. Zwischen den Anfällen sind meist keine körperlichen Beschwerden spürbar.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Anfall ein Zeichen von Epilepsie ist. Einzelne epileptische Anfälle können auch bei Menschen ohne Epilepsie auftreten. Auslöser dieser Gelegenheitsanfälle sind dann zum Beispiel akute Erkrankungen, Verletzungen oder Fieberkrämpfe bei Kindern. Von Epilepsie spricht man erst dann, wenn mehrfach ohne ersichtlichen Auslöser epileptische Anfälle auftreten. Laut Statistiken kommt dies bei knapp einem von 100 Menschen vor.
Woran erkennt man eine Epilepsie?
Ein epileptischer Anfall kann sich auf verschiedene Arten zeigen. Es kann lediglich ein Arm oder Bein zucken, aber auch der gesamte Körper. Das kann nach wenigen Sekunden vorbei sein oder sogar unbemerkt bleiben. Während des Anfalls können Menschen bei vollem Bewusstsein bleiben oder nur kurz abwesend sein. Manche werden jedoch auch bewusstlos.
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Einige der häufigsten Symptome eines epileptischen Anfalls sind:
- Krampfanfälle: Unkontrollierte Muskelkontraktionen, die zu Zuckungen, Zittern oder Steifheit führen können.
- Bewusstseinsverlust: Ein vorübergehender Verlust des Bewusstseins oder der Aufmerksamkeit.
- Verhaltensänderungen: Plötzliche und unerklärliche Veränderungen im Verhalten, wie z. B. Starren, Schmatzen oder Nesteln.
- Sensorische Symptome: Ungewöhnliche Empfindungen, wie z. B. Kribbeln, Taubheit, Blitze oder Geräusche.
- Kognitive Symptome: Schwierigkeiten beim Denken, Sprechen oder Verstehen.
Ein epileptischer Anfall hält selten lange an. Bei einer Dauer von mehr als fünf Minuten spricht man von einem „Status epilepticus“. Dann handelt es sich um einen Notfall, der zügig mit Medikamenten behandelt werden muss.
Ursachen von Epilepsie
Bestimmte Bereiche des Gehirns steuern Bewegungen, andere die Sprache, Gefühle und individuelle Wahrnehmungen. Hierbei sind Milliarden von Nervenzellen beteiligt. Sie agieren durch elektrische und chemische Signale miteinander. Bei einem epileptischen Anfall ist das Zusammenspiel der Nervenzellen zeitweise gestört. Diese Störung führt dazu, dass einzelne Gehirnbereiche oder das ganze Gehirn übermäßig aktiv werden und die Nervenzellen zu viele Signale senden.
Oft lässt sich keine eindeutige Ursache für die Epilepsie feststellen. Es gibt aber einige mögliche Auslöser, zum Beispiel Verletzungen, Entzündungen der Hirnhaut oder des Gehirns, Schlaganfälle oder Tumoren. Auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen.
Einige der häufigsten Ursachen von Epilepsie sind:
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- Genetische Faktoren: Epilepsie kann in Familien gehäuft auftreten, was darauf hindeutet, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen können.
- Hirnverletzungen: Traumatische Hirnverletzungen, Schlaganfälle oder andere Hirnschäden können das Risiko für Epilepsie erhöhen.
- Infektionen: Infektionen des Gehirns, wie z. B. Meningitis oder Enzephalitis, können zu Epilepsie führen.
- Entwicklungsstörungen: Einige Entwicklungsstörungen, wie z. B. Zerebralparese, können das Risiko für Epilepsie erhöhen.
- Tumoren: Hirntumoren können Epilepsie verursachen, indem sie die normale Hirnaktivität stören.
- Stoffwechselstörungen: Stoffwechselstörungen, wie z. B. Phenylketonurie, können zu Epilepsie führen.
Wie häufig ist Epilepsie?
Von Epilepsie wird erst dann gesprochen, wenn mehrfach ohne ersichtlichen Auslöser epileptische Anfälle auftreten. Laut Statistiken kommt dies bei knapp einem von 100 Menschen vor. Ein erster epileptischer Anfall kann in jedem Alter auftreten. Viele sind noch ein Kind, wenn die Epilepsie beginnt. Etwas seltener tritt im Alter von 40 bis 59 Jahren der erste Anfall auf. Erst danach kommen Neuerkrankungen häufiger vor.
Wie verläuft eine Epilepsie?
Viele Menschen haben nur einmal im Leben einen Anfall oder erkranken nur über wenige Monate oder Jahre an Epilepsie. Andere begleitet die Erkrankung dauerhaft. Nach einem ersten Anfall erleben etwa 50 Prozent der Betroffenen einen zweiten. Danach steigt das Risiko weiter an - etwa 7 von 10 Betroffenen haben nach dem zweiten Anfall innerhalb der nächsten Jahre einen weiteren.
Hierbei handelt es sich jedoch um Durchschnittswerte. Das individuelle Risiko für einen weiteren Anfall ist stark von der Ursache abhängig: Bei bekannter Ursache wie einer Gehirnerkrankung ist das Risiko für einen erneuten Anfall etwa doppelt so hoch wie bei einer unbekannten oder einer genetischen Veranlagung.
Manche Menschen sind durch die Einnahme von Medikamenten über Jahre ohne Anfälle - und bleiben es auch nach Absetzen der Medikamente. Andere verhindern einen Anfall nur solange sie Medikamente nehmen.
Diagnose von Epilepsie
Die Diagnose von Epilepsie basiert in der Regel auf einer Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und neurologischen Tests.
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Meist wird eine Epilepsie diagnostiziert, wenn
- es zu mindestens zwei Anfällen gekommen ist
- zwischen den Anfällen mindestens 24 Stunden vergangen sind
- kein Hinweis auf einen Gelegenheitsanfall besteht
Sie kann auch dann diagnostiziert werden, wenn das Risiko für einen zweiten Anfall deutlich erhöht ist - zum Beispiel bei einer Gehirnerkrankung. Zudem können seltenere spezielle Epilepsie-Formen festgestellt werden, die man als Epilepsie-Syndrom bezeichnet.
Wichtig zu wissen: Für die Diagnose ist vor allem die Vorgeschichte der Betroffenen wichtig: Wann und in welcher Situation ist der Anfall aufgetreten? Wie ist er verlaufen? Oft können sich Betroffene selbst nicht gut an den Anfall erinnern. Dann ist es hilfreich, wenn jemand, der den Anfall miterlebt hat, den Betroffenen zur Untersuchung begleitet. Die Begleitperson kann beschreiben, wie und mit welchen Symptomen der Anfall aufgetreten ist.
Neben der körperlichen und neurologischen Untersuchung wird Blut zur Untersuchung entnommen. Meist werden außerdem mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) die Hirnströme gemessen. Bestimmte Muster deuten hier auf ein erhöhtes Anfallsrisiko hin. Ein EEG allein reicht allerdings nicht aus, um eine Epilepsie festzustellen. In der Regel kommt eine Magnetresonanztomographie (MRT) hinzu. Sie hilft herauszufinden, ob sich im Gehirn Veränderungen zeigen, die die Anfälle auslösen könnten. Falls sinnvoll, wird das Hirnwasser (Liquor) durch eine Spritze im Bereich der Lendenwirbelsäule entnommen und untersucht (Lumbalpunktion).
Einige der häufigsten Tests zur Diagnose von Epilepsie sind:
- Anamnese: Der Arzt wird Sie nach Ihrer Krankengeschichte fragen, einschließlich Ihrer Anfallshistorie, Ihrer Familiengeschichte und aller anderen relevanten medizinischen Informationen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird eine körperliche Untersuchung durchführen, um nach Anzeichen von neurologischen Problemen zu suchen.
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt wird eine neurologische Untersuchung durchführen, um Ihre Reflexe, Ihre Muskelkraft, Ihre Koordination und Ihre sensorische Funktion zu testen.
- EEG: Ein EEG ist ein Test, der die elektrische Aktivität des Gehirns misst. Ein EEG kann helfen, abnormale Hirnaktivität zu identifizieren, die mit Epilepsie verbunden ist.
- MRT: Ein MRT ist ein bildgebendes Verfahren, das detaillierte Bilder des Gehirns erstellt. Ein MRT kann helfen, strukturelle Probleme im Gehirn zu identifizieren, die Epilepsie verursachen könnten.
- CT-Scan: Ein CT-Scan ist ein weiteres bildgebendes Verfahren, das Bilder des Gehirns erstellt. Ein CT-Scan kann helfen, Blutungen, Tumoren oder andere Anomalien im Gehirn zu identifizieren.
Behandlung von Epilepsie
Die Behandlung ist von der Form der Epilepsie und dem Krankheitsverlauf abhängig. Meist werden Betroffene mit Medikamenten behandelt, sogenannten Antiepileptika. Hier gibt es unterschiedliche Medikamente aus verschiedenen Wirkstoffgruppen. Wenn eine niedrige Dosierung keine ausreichende Wirkung zeigt, kann zunächst die Dosis des Medikaments erhöht werden. Stellt sich auch dann kein Erfolg ein, kombiniert man unterschiedliche Wirkstoffe oder testet ein Medikament aus einer anderen Wirkstoffgruppe.
Da oft nur ein einziger Anfall auftritt, ist nicht sofort eine Behandlung erforderlich. Normalerweise fängt man erst nach einem zweiten Anfall mit einer Behandlung an. Ist das Risiko für erneute Anfälle erhöht, wie etwa bei einer Gehirnerkrankung, kann auch nach dem ersten Krampfanfall schon eine Behandlung angebracht sein. Wichtig ist, mit der Ärztin oder dem Arzt die persönliche Situation ausführlich zu besprechen.
Bei einer Behandlung mit Medikamenten werden diese meist mehrere Jahre lang eingenommen. Meist findet ein Teil der Untersuchung und Behandlung im Krankenhaus statt. Einige ambulante Einrichtungen und Kliniken sind auf die Behandlung von Menschen mit Epilepsie spezialisiert.
Kommt es trotz Medikamenten weiter zu Anfällen, ist ein Eingriff eine Alternative. Zu den Möglichkeiten zählen:
- Operation: Wenn sich herausfinden lässt, dass ein bestimmter Teil des Gehirns fokale Anfälle auslöst, kann dieser unter Umständen entfernt werden. Das ist aber nicht immer möglich.
- Vagusnerv-Stimulation: Hier soll die Überaktivität der Nervenzellen gehemmt werden. Ein Schrittmacher wird im Brustbereich unter der Haut eingesetzt und gibt elektrische Impulse ab. Das geschieht über Kontakte am Halsbereich, die mit dem sogenannten Vagusnerv verbunden sind. Für den Nutzen dieser Therapie gibt es bisher nur wenige aussagekräftige Studien.
Außerdem kann eine begleitende Psychotherapie sinnvoll sein. Sie kann dabei helfen, mit der Erkrankung zurechtzukommen und die Lebensqualität zu verbessern.
Einige der häufigsten Behandlungen für Epilepsie sind:
- Medikamente: Antiepileptika sind Medikamente, die helfen, Anfälle zu kontrollieren. Es gibt viele verschiedene Arten von Antiepileptika, und der Arzt wird das beste Medikament für Sie basierend auf Ihrer Anfallsart, Ihrem Alter und anderen Faktoren auswählen.
- Chirurgie: Eine Operation kann eine Option sein, wenn Medikamente Ihre Anfälle nicht kontrollieren können. Es gibt verschiedene Arten von Operationen für Epilepsie, und der Arzt wird die beste Option für Sie basierend auf der Lokalisation Ihrer Anfälle und anderen Faktoren auswählen.
- Vagusnervstimulation: Die Vagusnervstimulation (VNS) ist eine Behandlung, bei der ein Gerät unter die Haut im Brustbereich implantiert wird. Das Gerät sendet elektrische Impulse an den Vagusnerv, der hilft, Anfälle zu kontrollieren.
- Ketogene Diät: Die ketogene Diät ist eine fettreiche, kohlenhydratarme Diät, die helfen kann, Anfälle bei manchen Menschen mit Epilepsie zu kontrollieren.
Was tun, wenn jemand einen epileptischen Anfall hat?
Bei einem epileptischen Anfall ist es am wichtigsten, dass Helferinnen und Helfer Betroffene vor Verletzungen schützen und ruhig bleiben. Hält der Anfall länger als fünf Minuten an oder treten mehrere Anfälle in geringem zeitlichem Abstand auf, sollte der Rettungsdienst (Notruf 112) informiert werden. Bei einem schweren Anfall kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein.
Wenn Sie Zeuge eines epileptischen Anfalls werden, ist es wichtig, ruhig zu bleiben und die folgenden Schritte zu unternehmen:
- Schützen Sie die Person vor Verletzungen: Entfernen Sie alle gefährlichen Gegenstände aus der Umgebung und polstern Sie den Kopf der Person mit einem Kissen oder einer weichen Unterlage ab.
- Lockern Sie enge Kleidung: Lockern Sie alle engen Kleidungsstücke um den Hals der Person, um die Atmung zu erleichtern.
- Drehen Sie die Person auf die Seite: Drehen Sie die Person vorsichtig auf die Seite, um zu verhindern, dass sie an Erbrochenem oder Speichel erstickt.
- Bleiben Sie bei der Person: Bleiben Sie bei der Person, bis der Anfall vorbei ist und sie wieder vollständig wach ist.
- Rufen Sie den Notruf: Rufen Sie den Notruf (112), wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert, wenn die Person Schwierigkeiten hat zu atmen oder wenn sie sich nach dem Anfall nicht erholt.
Was Sie in keinem Fall tun sollten:
- Dieden Betroffenen festhalten oder zu Boden drücken
- der betroffenen Person etwas in den Mund schieben - auch wenn sie sich in die Zunge beißt
Leben mit Epilepsie
Epilepsie kann eine Herausforderung sein, aber mit der richtigen Behandlung und Unterstützung können Menschen mit Epilepsie ein erfülltes und produktives Leben führen.
Hier sind einige Tipps für das Leben mit Epilepsie:
- Nehmen Sie Ihre Medikamente wie verordnet ein: Es ist wichtig, Ihre Medikamente wie verordnet einzunehmen, auch wenn Sie sich gut fühlen. Das Auslassen von Medikamenten kann zu Anfällen führen.
- Vermeiden Sie Anfallsauslöser: Manche Menschen mit Epilepsie haben bestimmte Auslöser, die Anfälle auslösen können. Zu den häufigsten Auslösern gehören Schlafmangel, Stress, Alkohol und bestimmte Medikamente. Wenn Sie Ihre Auslöser kennen, können Sie diese vermeiden und das Risiko von Anfällen verringern.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf: Schlafmangel ist ein häufiger Anfallsauslöser. Versuchen Sie, jede Nacht ausreichend Schlaf zu bekommen.
- Reduzieren Sie Stress: Stress kann auch Anfälle auslösen. Finden Sie gesunde Wege, um Stress abzubauen, wie z. B. Sport, Yoga oder Meditation.
- Trinken Sie keinen Alkohol: Alkohol kann Anfälle auslösen. Wenn Sie Epilepsie haben, sollten Sie Alkohol meiden.
- Informieren Sie sich über Epilepsie: Je mehr Sie über Epilepsie wissen, desto besser können Sie Ihre Erkrankung verstehen und bewältigen. Es gibt viele Ressourcen, die Ihnen helfen können, mehr über Epilepsie zu erfahren, wie z. B. die Deutsche Epilepsievereinigung und die Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE).
- Suchen Sie Unterstützung: Es gibt viele Menschen, die mit Epilepsie leben und verstehen, was Sie durchmachen. Suchen Sie Unterstützung bei Ihrer Familie, Ihren Freunden oder einer Selbsthilfegruppe.