Der Zusammenhang zwischen Fruktose und Alzheimer: Eine neue Perspektive auf die Entstehung der Krankheit

Fruchtzucker, auch Fruktose genannt, hat lange Zeit den Ruf eines gesunden Süßungsmittels genossen. Er wurde sogar Diabetikern empfohlen, da er den Blutzuckerspiegel kaum beeinflusst. Doch neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Fruktose möglicherweise gesundheitsschädlicher ist als bisher angenommen, insbesondere im Hinblick auf die Entstehung von Alzheimer.

Die Fruktose-Falle: Wie der Körper Fruchtzucker verarbeitet

Fruktose ist ein Einfachzucker, der vom Körper anders verstoffwechselt wird als Glukose. Während Glukose mithilfe von Insulin in jede Körperzelle gelangt, wird Fruktose fast ausschließlich in der Leber abgebaut. Im Gegensatz zu Glukose kann Fruktose nicht in Form von Glykogen gespeichert werden, weshalb ein Großteil davon in Fett umgewandelt wird. Geringe Mengen Fruktose stellen für die Leber kein Problem dar, aber ein Übermaß kann zu Leberverfettung, Fettstoffwechselstörungen und Übergewicht führen. Im schlimmsten Fall entwickelt sich ein Diabetes mellitus und das metabolische Syndrom.

Das Überlebensprogramm: Fruktose als evolutionärer Mechanismus

Um zu verstehen, warum der Körper scheinbar keinen Mechanismus entwickelt hat, um mit einem Überangebot an Fruktose umzugehen, lohnt sich ein Blick ins Tierreich. Bären fressen vor dem Winterschlaf massenhaft Beeren, um sich ein Fettpolster anzufressen. Dabei entwickeln sie eine Art metabolisches Syndrom, das sich jedoch nach dem Winterschlaf wieder zurückbildet.

US-Wissenschaftler vermuten, dass der Stoffwechsel dieser Tiere sehr wohl auf zu viel Fruktose eingestellt ist, aber anders als gedacht. Fruktose könnte einen "Survival-Modus" aktivieren, der den Körper auf Nahrungsknappheit vorbereitet. Dieser Modus steigert die Kalorienaufnahme, indem er Hungergefühle verstärkt und das Sättigungsgefühl ausschaltet. Gleichzeitig arbeitet der Körper auf Sparflamme und speichert überschüssige Kalorien als Fettreserven ein.

Das fehlende "Verschwender-Gen": Warum Menschen besonders anfällig sind

Forscher vermuten, dass Menschen aufgrund einer Genmutation besonders anfällig für die metabolischen Effekte von Fruktose sind. Eine Deletion des harnsäureabbauenden Uricasegens führte zu einer Verdoppelung der Harnsäurekonzentration im Körper und aktivierte den "Survival-Modus" schneller. Dadurch setzten unsere Vorfahren bevorzugt Fett an, um für Hungerperioden gewappnet zu sein.

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Fruktose und Alzheimer: Ein möglicher Zusammenhang

Neueste Studien deuten darauf hin, dass übermäßiger Fruktosekonsum nicht nur den Stoffwechsel beeinträchtigen, sondern auch für die Zunahme an Krebs- und Alzheimer-Fällen verantwortlich sein könnte. Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2023 hat ein überraschendes Bindeglied zwischen der Nahrungssuche in der Urzeit und der Alzheimererkrankung gefunden: die Fruktose. In der Urzeit war die Produktion von Fruktose eine Art Überlebensprogramm des menschlichen Organismus, um bei Ressourcenknappheit die Gehirnareale gezielt zu beeinflussen, so dass dem Menschen ein fokussierter und somit effektiver Beutefang möglich war. Heute dagegen leben wir in einer Zeit, in der zumindest in der westlichen Welt ein großer Überfluss an Ressourcen besteht und die Fruktose wird exzessiv verzehrt, insbesondere durch industriell gesüßte Lebensmittel, Getränke und Lifestyleprodukte. Allerdings erkennt der Fruktosestoffwechsel keinen Unterschied: der „Überlebensmechanismus“ bleibt bei hohem Fruktosekonsum ständig eingeschaltet und schlimmer noch: Dies führt wiederum zu einem übermäßigen Verzehr von fett-, zucker- und salzhaltigen Lebensmitteln, was eine zusätzliche Fruktoseproduktion im Körper auslöst und ein Teufelskreis beginnt.

Wissenschaftler vermuten, dass der durch den heutigen Lebensstil ständig eingeschaltete Fruktose-Stoffwechsel, der eine energetische zelluläre Minderversorgung, eine mitochondriale Dysfunktion und den damit verbundenen oxidativen Stress zur Folge hat, zur neuronalen Entzündung (Neuroinflammation) und zur zerebralen Insulin-Resistenz führen kann. Dies wäre für die Alzheimer-sensiblen Hirnareale, wie für den Hippokampus, äußerst fatal und könnte zum fortschreitenden Absterben der Neuronen (Nervenzellen) und zur Gehirnatrophie (Schrumpfen der Hirnmasse) mit allen Merkmalen der Alzheimer Erkrankung führen. Die Autoren ziehen daraus die Schlussfolgerung, dass die Alzheimer-Erkrankung eine schädliche Anpassung an diesen evolutionären Fruktose-vermittelten Überlebensweg sein könnte.

Kritik und alternative Erklärungen

Es gibt auch Kritik an der Hypothese, dass Fruktose eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Alzheimer spielt. Einige Forscher argumentieren, dass Fruktose vor allem sehr lecker sei, kaum sättige und uns deswegen übergewichtig werden lasse. Süßreize fördern die Aufnahme des nächsten Süßreizes, einfach weil sie gut schmecken.

Maßnahmen zur Reduzierung des Fruktosekonsums

Um die schädlichen Effekte des übermäßigen Fruktosekonsums zu begrenzen, gibt es verschiedene Maßnahmen:

  • Vermeiden Sie industriell hergestellte Lebensmittel: Diese sind oft "übersüßt" und enthalten große Mengen an Fruktose-Glukose-Sirup. Achten Sie auf versteckte Namen wie "Fruchtzucker", "Fruktosesirup", "Glukose-Fruktosesirup", "Fruchtsüße", "Maissirup" oder "Isoglukose".
  • Verzichten Sie auf Haushaltszucker: Dieser besteht zu 50 % aus Fruktose.
  • Trinken Sie möglichst keine unverdünnten Fruchtsäfte oder konzentrierte Fruchtschorlen: Diese enthalten hohe Mengen an Fruktose, die schnell resorbiert werden.
  • Essen Sie Obst in Maßen: Der natürlich vorkommende Fruchtzucker in Obst ist in der Regel unproblematisch, solange keine gesundheitlichen Vorschädigungen vorliegen. Bevorzugen Sie Bio-Qualität und essen Sie die Schale mit.
  • Vermeiden Sie Agavendicksaft: Dieser enthält deutlich höhere Fruktosemengen als Haushaltszucker.
  • Begrenzen Sie Ihre tägliche Fruktoseaufnahme auf 25 g: Um die körpereigene Fruktoseproduktion nicht in Gang zu setzen, meiden Sie Alkoholkonsum, den Verzehr von leeren Kohlenhydraten (wie z.B. Weißbrot) und den Verzehr von stark gesalzenen Lebensmitteln.
  • Politische Maßnahmen: Einführung von Werbeverboten für zuckerhaltige Produkte und Steuern auf Softdrinks.

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