Alzheimer, Tattoos und Farbe: Ein komplexes Zusammenspiel

Tätowierungen erfreuen sich seit Jahrzehnten großer Beliebtheit. Doch was viele nicht wissen: Die Farben, die unter die Haut gelangen, können Auswirkungen auf den Körper haben. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Risiken von Tätowierfarben, insbesondere im Hinblick auf Aluminium, mögliche Verbindungen zu Alzheimer und die Sicherheit von MRT-Untersuchungen bei Tätowierten.

Tätowierungen: Ein Trend mit potenziellen Risiken

Knapp die Hälfte der deutschen Bevölkerung hält Tätowierungen für gesundheitlich wenig riskant, wie eine Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ergab. Unter den bereits Tätowierten sind es sogar fast 90 Prozent. Doch diese Einschätzung ist nicht unbegründet.

Wandernde Farbpigmente und Stoffwechselprodukte

„Es gibt jedoch wissenschaftliche Belege dafür, dass Farbpigmente aus den Tattoos in das Lymphsystem wandern können“, erklärte BfR-Präsident Andreas Hensel. Wenn die Pigmente in andere Organe transportiert werden, können Stoffwechselprodukte mit eigenen gesundheitsgefährdenden Eigenschaften entstehen.

Unzureichende Überprüfung von Tattoofarben

Ein Problem, das viele Mediziner beschäftigt, ist die unzureichende Überprüfung der Tattoofarben. Zwar sind einige bekanntermaßen gefährliche Farbstoffe inzwischen durch die Tätowiermittel-Verordnung verboten, doch stetig kommen neue Farben auf den Markt, die nur selten auf ihre gesundheitlichen Auswirkungen überprüft werden.

Aluminium in Tätowierfarben

Das Chemische Untersuchungsamt in Münster hat in Tätowierfarbe kleine Mengen von Aluminium gefunden. Christophe Goldbeck, zuständig für Kosmetika und Bedarfsgegenstände, fand Gehalte bis fast 10.000 Milligramm pro Kilogramm in einzelnen Tätowiermitteln. Wer sich ein Tattoo stechen lässt, ahnt also nichts davon, dass mit der Farbe unter Umständen auch Aluminium direkt unter die Haut gespritzt wird.

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Das Problem: Verlust der Barrierefunktion der Haut

„Nun muss man aber auch wissen, dass bei der Tätowierung die natürliche Schutzfunktion der Haut, die Barrierefunktion, komplett verlorengeht", erklärt Goldbeck.

Zusammenhang mit Schelllack

Laut Goldbeck enthielten die Tattoo-Farben mit den höchsten Aluminium-Gehalten auch immer Schelllack, das man von Schallplatten kennt.

Risiken beim Entfernen von Tattoos per Laser

Auch das Entfernen von Tätowierungen per Laser ist nach Einschätzung von Experten riskant. In Deutschland dürfen generell künftig nur noch Ärzte per Laser Tätowierungen entfernen.

Aluminium und Alzheimer: Eine mögliche Verbindung?

Welche Schäden Aluminium dem menschlichen Körper zufügt, ist noch nicht klar. Einige Studien bringen Brustkrebs und Alzheimer in Verbindung mit dem Leichtmetall. Immer wieder wurde der Zusammenhang zwischen Kupfer und der Entstehung der Alzheimer-Krankheit diskutiert. Eine neue Studie zeigt, dass Kupfer sich bei langfristiger hoher Zufuhr in den Hirnkapillaren ablagert und dort die Blut-Hirn-Schranke schädigen kann.

Forschungsbedarf besteht

„Das entscheidende Fazit ist: Es besteht noch Forschungsbedarf", so Goldbeck.

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Tattoos im MRT: Was ist zu beachten?

Wenn Menschen mit Tattoos im Magnetresonanztomographen (MRT) untersucht werden sollen, tritt häufig die Frage auf, wie riskant das für sie wirklich ist.

Bisher keine systematische Studie

Bisher gab es noch keine systematische prospektive und damit vorausschauende Studie dazu, wie sicher es ist, sich mit Tattoos im MRT-Scanner durchleuchten zu lassen.

Mögliche Reaktionen

Es kann vorkommen, dass die Farbe in den Tattoos mit dem statischen Magnetfeld im Tomographen interagiert. Denn Farben in Tattoos können Pigmente enthalten, die eisenhaltig sind und somit magnetisch - durch die starken Magnetfelder im MRT können diese kleinen Teilchen angezogen werden, was wiederum dazu führen kann, dass Probanden einen Zug an der tätowierten Haut spüren.

Eine andere Interaktion, die von einzelnen Betroffenen beschrieben worden ist, stellt aber aus Sicht der Experten ein größeres Gefahrenpotenzial dar: Viele der Farbpigmente sind leitfähig. Bei der MR-Tomographie werden sogenannte Hochfrequenzfelder verwendet, um Bilder zu erzeugen. Protonen-Spins werden angeregt, um ihre Signale aufzeichnen zu können. „Das Hochfrequenzfeld hat üblicherweise eine Frequenz von ein paar hundert Megahertz - damit kommt man in die Resonanzlängen von leitenden Strukturen, die ungefähr auch der Länge eines Tattoos entsprechen. In diesem Fall nimmt das Tattoo viel von der Energie des Hochfrequenzfeldes auf, die sich normalerweise weiträumiger verteilen würde. Dann kann es passieren, dass sich das Tattoo erwärmt.

Ergebnisse einer Studie

Nikolaus Weiskopf hat mit seinen Kooperationspartnern 330 Probanden vor und nach dem MRT-Scan untersucht und insgesamt 932 Tätowierungen getestet. „Unsere Studie untermauert, dass die Mehrzahl der Probanden mit Tattoos keinerlei Nebenwirkungen bemerkt haben.“, sagt Nikolaus Weiskopf. „Es gab einen einzigen Fall, bei dem der Studienarzt festgestellt hat, dass die Nebenwirkungen - nämlich ein Prickeln auf der Haut - mit dem Scannen zusammenhingen.

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Wichtig: Abwägung des Risikos

Die schon bestehenden Empfehlungen, wie man Menschen mit Tattoos in Kliniken scannen soll, beruhen außerdem immer auf einer Abwägung des Risikos gegenüber dem tatsächlichen Nutzen für die Diagnose einer Krankheit.

Tattoos für diagnostische Zwecke?

Tätowieren könnte auch diagnostisch interessant werden. Ein Wissenschaftlerteam aus Deutschland hat Tattoos entwickelt, die eigentlich krankheitsanzeigende Sensoren sind. Die Forscher injizierten sie anstelle von Tattoofarbe eine Lösung aus chemischen Sensoren in die Haut.

Funktionsweise der Sensortattoos

Als Sensoren identifizierten die Forscher drei chemische Formulierungen, die auf einen Biomarker durch Farbänderung reagieren, und passten sie für ihren Zweck an. Der erste Sensor war eine Kombination aus den pH-Indikatoren Methylrot, Bromthymolblau und Phenolphthalein. Injiziert in eine Modellhaut - ein Stück Schweinehaut -, reagierte das resultierende Tattoo auf einen pH-Wert-Anstieg mit einer Farbveränderung von gelb nach blau.

Die beiden anderen Sensoren zeigten die Glucose- bzw. Albuminkonzentration an. Ein hoher Glucosespiegel kann auf Diabetes hinweisen, sinkende Albuminwerte können Leber- oder Nierenversagen bedeuten.

Potenzial für die Zukunft

Nach Aussage der Autoren könnten solche Sensortattoos eine permanente Überwachung von Patienten ermöglichen, und das mit einer einfachen und kostengünstigen Technik. Mit den geeigneten farbverändernden Sensoren könnten die Forscher die Technik auf die Messung von Elektrolyten, Krankheitskeimen oder den Dehydrierungszustand von Patienten ausweiten.

Verbleib der Tätowiermittel im Körper

In einer neuen, klinischen Studie haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) erstmals den Weg und den Stoffwechsel der flüssigen Bestandteile von Tätowiermitteln im Körper verfolgt. Die Studie zeigt, dass geringere Mengen der Mittel im Organismus verbleiben als bisher angenommen.

Ergebnisse der Studie

Die Stoffwechselprodukte waren schon in der ersten Blutprobe kurz nach Beginn des Tätowierens nachweisbar. Dabei zeigte sich auch, dass der Stoffwechsel bei der Aufnahme über die Haut während einer Tätowierung teilweise anders funktioniert als erwartet. So wurde eine der verwendeten Marker-Substanzen im Körper häufiger in andere Stoffwechselprodukte umgewandelt als bei der oralen Aufnahme über die Nahrung.

Im Durchschnitt landete nur circa ein Fünftel der verwendeten Farbe tatsächlich in der Haut. Ein Großteil davon wurde danach über die verheilende Wunde wieder ausgeschieden.

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