Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die Gedächtnis, Kognition und Persönlichkeit beeinträchtigt. Sie stellt eine immense Herausforderung für Betroffene, Angehörige und die Gesellschaft dar. Angesichts der steigenden Zahl von Demenzerkrankungen, zu denen Alzheimer zählt, ist die Forschung nach wirksamen Therapien und Präventionsstrategien von entscheidender Bedeutung. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung der Alzheimer-Forschung, aktuelle Forschungsansätze und Karrieremöglichkeiten in diesem wichtigen Feld.
Die Dringlichkeit der Alzheimer-Forschung
Mehr als 50 Krankheiten werden unter dem Begriff „Demenz“ zusammengefasst. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz und zerstört nach und nach Gedächtnis, Bewusstsein und Persönlichkeit. Für Menschen mit Alzheimer und ihre Familien ist dies oft ein sehr schmerzhafter und belastender Prozess. Mit zunehmendem Alter werden wir vergesslicher. Doch was unterscheidet altersbedingte Vergesslichkeit von einer Demenz wie Alzheimer?
Die Ursachen für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer sind noch weitgehend unbekannt. Umso wichtiger ist es, die Mechanismen der Krankheitsentstehung zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln. Nur Forschung bringt Heilung! Seit über 25 Jahren engagieren sich Organisationen durch unabhängige Forschungsförderung dafür, dass Alzheimer heilbar wird.
Forschungsförderung und Initiativen
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) gehört zu den Organisationen, die sich satzungsgemäß der Unterstützung der wissenschaftlichen Forschung verschrieben haben. Die DAlzG unterstützt deshalb regelmäßig Forschungsvorhaben im Bereich Demenz. Die DAlzG schreibt alle zwei Jahre eine Forschungsförderung im Bereich der Versorgungsforschung aus. Für die aktuelle Forschungsförderung 2026 ist eine Bewerbung bis zum 6. Januar 2026 möglich. Alle Informationen zur Bewerbung und zur Förderung finden Sie unter Forschungsförderung.
Die DAlzG unterstützt Forschungsprojekte auch praktisch, beispielsweise indem sie ihr Expertenwissen in Projektbeiräten zur Verfügung stellt. Regelmäßig gehen Bitten ein, Projektanträge beim Forschungsministerium oder anderen Stellen durch einen sogenannten Letter of Intend zu unterstützen. Für solche Anfragen hat die DAlzG ein festgelegtes Verfahren. Anfragende Projekte werden außerdem gebeten, alle wichtigen Angaben in ein Formblatt einzutragen und an info[at]deutsche-alzheimer.de zu schicken.
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Die Einbeziehung von Betroffenen in die Forschung
Menschen mit Demenz wollen mitreden und wollen gehört werden. Insbesondere dann, wenn es um ihre eigenen Belange geht. Dies gilt auch für die Forschung. Wenn in Forschungsprojekten Menschen mit Demenz im Fokus stehen, dann sollte die Forschung auch die Gedanken, Erfahrungen und das Wissen von Menschen mit Demenz einbeziehen. Im Rahmen des Projektes PraWiDem, wurde 2022 eine Arbeitsgruppe Demenz und Forschung aufgebaut. Sie hat das Projekt kontinuierlich begleitet und einmal im Monat aktuelle Forschungsfragen diskutiert. Am 31.12.2024 endete das Projekt PraWidem. Doch die gemeinsame Arbeit in der AG Demenz und Forschung sollte weitergehen, damit die wertvollen Erfahrungen nicht verloren gehen. Daher entschied sich die AG - gemeinsam mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft - die Arbeit fortzuführen.
Forschungsschwerpunkte und aktuelle Ansätze
Die Alzheimer-Forschung umfasst ein breites Spektrum an Themen, von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Entwicklung neuer Therapien. Zu den wichtigsten Forschungsbereichen gehören:
- Pathogenese der Alzheimer-Krankheit: Erforschung der molekularen und zellulären Mechanismen, die zur Entstehung und Progression der Krankheit führen. Dies beinhaltet die Untersuchung von Amyloid-Plaques, Tau-Fibrillen, Entzündungsprozessen und genetischen Risikofaktoren.
- Früherkennung und Diagnostik: Entwicklung von Biomarkern und bildgebenden Verfahren, die eine frühzeitige Diagnose der Alzheimer-Krankheit ermöglichen, idealerweise bevor irreversible Schäden im Gehirn entstanden sind.
- Therapeutische Interventionen: Entwicklung und Erprobung von Medikamenten und nicht-medikamentösen Therapien, die den Krankheitsverlauf verlangsamen, Symptome lindern oder die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen beeinflussen. Dies umfasst die Entwicklung von Antikörpern gegen Amyloid und Tau, die Erforschung von Entzündungshemmern und die Entwicklung von Ansätzen zur Verbesserung der kognitiven Funktion.
- Prävention: Identifizierung von Risikofaktoren und Entwicklung von Präventionsstrategien, die das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, verringern können. Dies beinhaltet die Untersuchung des Einflusses von Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Bewegung und kognitiver Aktivität.
Karrieremöglichkeiten in der Alzheimer-Forschung
Die Alzheimer-Forschung bietet vielfältige Karrieremöglichkeiten für Wissenschaftler, Ärzte und andere Fachkräfte. Zu den typischen Tätigkeitsfeldern gehören:
- Grundlagenforschung: Durchführung von Laborstudien zur Erforschung der molekularen und zellulären Grundlagen der Alzheimer-Krankheit.
- Klinische Forschung: Durchführung von klinischen Studien zur Erprobung neuer Therapien und Diagnostika.
- Translationale Forschung: Übertragung von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung.
- Versorgungsforschung: Untersuchung der Versorgung von Menschen mit Demenz und Entwicklung von Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität.
Beispiele für aktuelle Stellenangebote
Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) ist eine führende Forschungseinrichtung im Bereich der neurodegenerativen Erkrankungen. Das DZNE bietet ein internationales Umfeld und vielfältige Karrieremöglichkeiten für Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen. Das DZNE unterstützt Vielfalt durch unterschiedlichste Maßnahmen, wie z. B. durch Sprachkurse oder ein Welcome Office, dass internationale Kolleginnen und Kollegen bei der Ankunft in Deutschland und notwendigen Formalitäten unterstützt. Die Vergütung und Sozialleistungen richten sich nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst. Darüber hinaus unterstützt das DZNE darin, berufliche Ziele und ein ausgeglichenes Privatleben miteinander zu vereinbaren. Das DZNE ist Mitglied im Netzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ und hat als familienbewusstes Forschungsinstitut zielgerichtet Instrumente bzw.
An der Abteilung Neurologie mit interdisziplinärem Schwerpunkt Neuroonkologie (FG Tabatabai) werden Clinician Scientists (m/w/d) im Else Kröner Forschungskolleg Tübingen „Therapieresistenz solider Tumore“ gesucht.
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An der Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt neurodegenerative Erkrankungen (FG Brockmann) werden Clinician Scientists (m/w/d) für Parkinson Syndrome gesucht. Der Fokus liegt auf der molekularen Stratifizierung anhand von genetischen und Biomarker Signaturen in Blut und Liquor mit dem Ziel Ursachen-gerichteter Therapien.
Weitere Stellenangebote für Clinician Scientists (m/w/d) gibt es in den Forschungsgruppen Gasser (zur Mitarbeit an der Initiative „DefeatPD“), Schöls (in der Sektion „Klinische Neurogenetik“) und Synofzik (Translationale Genomik neurodegenerativer Erkrankungen). Die Arbeitsschwerpunkte der Gruppe Synofzik sind: Translationale Pipeline von Gen zu gezielter mechanistischer Therapie, mit folgenden Core-Clustern: Next-Generation Sequencing Genomik (WES, WGS, RNAseq), Fluid Biomarker in Liquor und Blut, Sensorbasierte digital-motorische Outcomes, Klinische Outcome-Parameter und Natural History Studies.
Anforderungen und Qualifikationen
Für eine Karriere in der Alzheimer-Forschung sind in der Regel folgende Qualifikationen erforderlich:
- Abgeschlossenes Hochschulstudium: Ein abgeschlossenes Studium der Medizin, Biologie, Biochemie, Neurowissenschaften oder einer verwandten Disziplin ist in der Regel Voraussetzung.
- Promotion: Für eine wissenschaftliche Karriere ist in der Regel eine Promotion erforderlich.
- Erfahrung in der Forschung: Erfahrung in der Durchführung von Forschungsprojekten, idealerweise im Bereich der Neurodegeneration oder Alzheimer-Krankheit, ist von Vorteil.
- Kenntnisse in relevanten Methoden: Kenntnisse in molekularbiologischen, zellbiologischen, biochemischen, neurobiologischen oder klinischen Forschungsmethoden sind erforderlich, abhängig vom jeweiligen Tätigkeitsfeld.
- Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit: Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams und zur Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse ist unerlässlich.
- Englischkenntnisse: Gute Englischkenntnisse sind für die Kommunikation mit internationalen Kollegen und die Publikation von Forschungsergebnissen erforderlich.
Bedeutung der Vielfalt in der Forschung
Ein internationales Umfeld und Vielfalt sind wesentliche Erfolgsfaktoren für innovative Forschung. Denn durch Vielfalt entstehen unterschiedliche Perspektiven, aus denen dann neuartige Forschungsansätze entstehen können.
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