Krisenmanagement der Alzheimer Gesellschaft: Unterstützung und Strategien für Betroffene und Angehörige

Die Alzheimer Gesellschaften spielen eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihren Familien. Krisenmanagement in diesem Kontext umfasst ein breites Spektrum an Maßnahmen, von der Bewältigung alltäglicher Herausforderungen bis hin zur Reaktion auf außergewöhnliche Ereignisse wie die Corona-Pandemie. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Krisenmanagements der Alzheimer Gesellschaft, insbesondere am Beispiel der Alzheimer Gesellschaft München e.V., und gibt Einblicke in ihre Angebote und Strategien.

Die Alzheimer Gesellschaft München e.V.: 30 Jahre Engagement

Die Alzheimer Gesellschaft München e.V. wurde am 15. Dezember 1986 gegründet und war die erste von fast 140 bundesweit aktiven Gruppen. Der Impuls zur Gründung kam von Prof. Dr. Hans Lauter, der die Idee einer Vereinigung pflegender Angehöriger von Alzheimer-Erkrankten aus den USA nach Deutschland brachte. Die Gesellschaft feierte ihr 30-jähriges Jubiläum am 7. Oktober 2016 mit einer Festveranstaltung, bei der Prof. Lauter die Ehrenmitgliedschaft verliehen wurde.

Angebote und Projekte der Alzheimer Gesellschaft München

Die Alzheimer Gesellschaft München initiiert und führt seit vielen Jahren erfolgreich Projekte durch, die auf die Verbesserung der Situation von Menschen mit Demenz und ihren Familien sowie auf die Sensibilisierung der Gesellschaft für das Thema Demenz abzielen. Zu den Angeboten und Projekten gehören:

"TrotzDemenz"-Seminar

Das Seminar "TrotzDemenz" ist ein zentrales Angebot für Menschen im frühen Stadium einer Demenz und ihre Angehörigen. Es bietet die Möglichkeit, sich in einem geschützten Rahmen mit anderen über den Umgang mit der Diagnose zu informieren und auszutauschen. In der Gruppe werden Symptome, Therapiemöglichkeiten, Bewältigungsstrategien und rechtliche Vorsorgemöglichkeiten besprochen. Die Teilnehmer können sich gegenseitig Mut und Zuversicht schenken und gemeinsam Ideen entwickeln, wie man mit der Demenz gut leben kann. Zudem wird das „Train The Trainer Seminar“ angeboten, das sich an Personen richtet, die Menschen im frühen Stadium einer Demenz und ihre Angehörigen beraten, begleiten und Gruppenangebote leiten oder aufbauen möchten.

Projekt „Frühe Diagnose“

Seit 2007 wandten sich vermehrt Menschen mit nur geringen Einschränkungen im Alltag an die Beratungsstelle der Alzheimer Gesellschaft München. Betroffene im frühen Stadium der Erkrankung, welche teilweise auch noch jünger als 65 Jahre waren, passten nicht in die vorhandenen Unterstützungssysteme. Daher wurde das Projekt „Frühe Diagnose“ ins Leben gerufen, um Betroffene und Angehörige im Verlauf der Erkrankung zu unterstützen und zu befähigen, mit der Diagnose zu leben.

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"EinBlickDemenz"

"EinBlickDemenz" ist ein Projekt, das wissenschaftliche Forschungsergebnisse verständlich formuliert und für jedermann zugänglich macht. In Kooperation mit Munich Cluster for Systems Neurology (SyNergy) und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) fungiert die Alzheimer Gesellschaft München als Netzwerkpartner, um soziales Fachpersonal, Wissenschaftler, klinisches Personal, Betroffene und interessierte Bürger miteinander zu verknüpfen. Ziel ist es, Informationen zu aktuellen Forschungs- und medizinischen Fachthemen verständlich aufzubereiten und somit den Zugang zum Wissen über die Erkrankung zu erleichtern.

Musik- und Tanzcafé

Das Musik- und Tanzcafé findet seit mehr als 12 Jahren am letzten Freitag des Monats statt und bietet eine Atmosphäre zum Wohlfühlen, in der sich partnerschaftliches Miteinander, Können, Erinnerungen, Begegnung mit anderen, Austausch, Freude und Genuss verbinden.

Gesprächsgruppen

Je nach Alter können sich Menschen mit Demenz und Angehörige einer Gesprächsgruppe anschließen. Die selbsthilfeorientierten Gruppen werden regelmäßig in den Räumen der Alzheimer Gesellschaft München fachlich begleitet. Menschen mit Demenz im frühen Stadium der Erkrankung treffen sich zeitgleich mit den Angehörigen in getrennten Räumen. Es gibt Gruppen für jüngere Menschen (DemiL - Demenz mitten im Leben) und für ältere Menschen (TD - TrotzDemenz).

Fachstelle für pflegende Angehörige

Die Fachstelle für pflegende Angehörige informiert über Hilfs- und Entlastungsmöglichkeiten und berät zu Problemen und Fragen rund um die Themen Demenz und Pflege. Ziel der Fachstelle ist es, die Angehörigen durch Beratung und Begleitung zu stärken, zu unterstützen und einen individuellen Lösungsweg für Schwierigkeiten zu finden. Gemeinsam mit den Angehörigen wird ein Unterstützungsnetzwerk aufgebaut, um die häusliche Situation zu verbessern, damit die zu betreuende Person so lange wie gewünscht und möglich in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung bleiben kann.

Reisen für Menschen mit Demenz und deren Angehörige

Die Alzheimer Gesellschaft München organisiert in Kooperation mit France Alzheimer Vaucluse Reisen für Menschen mit Demenz und deren Angehörige, um den deutsch-französischen Austausch zu fördern und den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, Natur und Kultur aktiv zu erleben.

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Sportliche Aktivitäten

Die Alzheimer Gesellschaft München nimmt regelmäßig am B2RUN im Münchner Olympiapark teil und organisiert Lauftreffs, um die allgemeine Fitness zu fördern.

Zentraler Anlaufpunkt für Selbsthilfe und Information

Die Alzheimer Gesellschaft München arbeitet daran, ihr bestehendes Beratungsangebot um ein niederschwelliges Betreuungsangebot für Menschen im frühen Krankheitsstadium der Demenz zu erweitern und daran angebunden einen öffentlichen Cafébetrieb anzubieten, bei dem die Erkrankten aktiv mitarbeiten können. Hier sollen sich die Menschen künftig treffen, austauschen und einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen.

Krisenmanagement im Krankenhaus

Ein Krankenhausaufenthalt stellt für Menschen mit Demenz eine besondere Herausforderung dar, da er häufig eine schwere Krise auslöst. Die Alzheimer Gesellschaft München bietet seit Jahren Schulungen und Informationsveranstaltungen für Mitarbeiter von Krankenhäusern an, um das Verständnis für die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz zu verbessern und die Umsetzung von Demenzkonzepten zu fördern. Das Klinikum Augustinum setzt beispielsweise geschulte, ehrenamtliche Demenzhelfer ein, die die Patienten besuchen und mit ihnen einen Teil des langen Krankenhaustages verbringen.

Krisenmanagement in der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie stellte Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen vor besondere Herausforderungen. Die Alzheimer Gesellschaften reagierten mit verschiedenen Maßnahmen, um die Auswirkungen der Pandemie zu mildern:

  • Informationen zum Corona-Virus: Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat ein Informationsblatt erstellt, mit dem Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen die wichtigsten Informationen zum Umgang mit der aktuellen Corona-Krise erhalten. Damit soll der Verunsicherung entgegengewirkt werden.
  • Umgang mit Angst und Unruhe: Angehörige und Pflegefachpersonen sollten darauf achten, dass die Rahmenbedingungen bestmöglich eingehalten werden und den Patienten plausible Erklärungen geben, warum beispielsweise Abstand gehalten werden soll oder Mundschutzmasken getragen werden müssen.
  • Notfallpläne: Pflegende Angehörige sollten einen Notfallplan erstellen, für den Fall, dass sie die pflegende Person wegen einer Infektion nicht mehr betreuen können.
  • Alternativen zur persönlichen Begegnung: Für Patienten, die im Pflegeheim wohnen und dem Besuchsverbot unterliegen, könnten Videoanrufe oder Briefe etwas das Vermissen lindern.
  • Begleitung in der Krise: Für Angehörige, die in der Häuslichkeit auf extreme Weise belastet sind, bieten die Alzheimer Gesellschaften eine Begleitung in der Krise an.

Forschungsförderung

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) unterstützt die wissenschaftliche Forschung zur Verbesserung der Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen. Sie schreibt regelmäßig Fördermittel für Projekte im Bereich der Versorgungsforschung und der Grundlagenforschung aus. Gefördert werden beispielsweise Projekte zur Früherkennung von Demenz, zur Entwicklung neuer Therapien und zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz.

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Beratung und Unterstützung vor Ort

Die Alzheimer Gesellschaften bieten vor Ort Beratung und Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen an. Die Beratungsstellen haben ein offenes Ohr für die aktuelle Situation der Betroffenen und suchen gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten für ihre Probleme. Sie unterstützen im Alltag, begleiten in Krisen und vermitteln pflegerische, hauswirtschaftliche, ärztliche oder andere Unterstützung. Das Angebot ist in der Regel kostenfrei.

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