Der Hämatokritwert, der den Anteil der festen Bestandteile im Blut angibt, ist ein wichtiger Indikator für die Fließeigenschaften des Blutes. Ein erhöhter Hämatokritwert kann auf verschiedene Gesundheitsprobleme hinweisen, darunter auch auf eine mögliche Verbindung zu neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Auswirkungen eines erhöhten Hämatokrits, insbesondere im Zusammenhang mit Alzheimer, und stellt mögliche Behandlungsansätze vor.
Was ist der Hämatokritwert?
Der Hämatokrit (Hkt) ist ein Blutwert, der den prozentualen Anteil der Blutzellen am Gesamtblutvolumen angibt. Die Blutzellen bestehen hauptsächlich aus roten Blutkörperchen (Erythrozyten), weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten). Da die Erythrozyten den größten Anteil der Blutzellen ausmachen, kann der Hämatokritwert als alternativer Indikator für den Hämoglobinwert herangezogen werden, dem roten Blutfarbstoff in den Erythrozyten.
Normalwerte des Hämatokrits liegen bei Männern zwischen 42 und 50 Prozent und bei Frauen zwischen 37 und 45 Prozent. Diese Werte können jedoch je nach Alter, Geschlecht und Labor variieren. Ein erhöhter Hämatokritwert bedeutet, dass das Blut mehr feste Bestandteile enthält und somit dickflüssiger ist als normal.
Ursachen für einen erhöhten Hämatokritwert
Ein erhöhter Hämatokritwert kann verschiedene Ursachen haben, die in zwei Hauptkategorien unterteilt werden können: absolute und relative Polyglobulie.
Absolute Polyglobulie
Bei der absoluten Polyglobulie liegt eine tatsächliche Vermehrung der roten Blutkörperchen vor. Dies kann durch folgende Erkrankungen verursacht werden:
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- Polycythaemia vera (PV): Eine myeloproliferative Erkrankung, bei der das Knochenmark unkontrolliert Blutzellen produziert, insbesondere rote Blutkörperchen.
- Sekundäre Formen: Chronischer Sauerstoffmangel aufgrund von Lungenerkrankungen, Herzfehlern oder Aufenthalten in großer Höhe kann ebenfalls zu einer Vermehrung der roten Blutkörperchen führen.
Relative Polyglobulie
Bei der relativen Polyglobulie ist die Anzahl der Blutzellen normal, aber das Plasmavolumen ist reduziert. Dies kann durch folgende Faktoren verursacht werden:
- Dehydration: Ein Mangel an Flüssigkeit im Körper führt zu einer Konzentration der Blutzellen und somit zu einem erhöhten Hämatokritwert.
- Verbrennungen: Schwere Verbrennungen können zu einem Flüssigkeitsverlust und somit zu einer relativen Polyglobulie führen.
- Diuretika: Die Einnahme von entwässernden Medikamenten kann ebenfalls das Plasmavolumen reduzieren und den Hämatokritwert erhöhen.
Auswirkungen eines erhöhten Hämatokritwertes
Ein erhöhter Hämatokritwert führt zu einer Zunahme der Blutviskosität, wodurch der Strömungswiderstand in den Gefäßen steigt. Das Herz muss mehr Kraft aufwenden, um das zähflüssige Blut durch den Kreislauf zu pumpen. Dies kann zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen führen, darunter:
- Kopfschmerzen und Schwindel: Die verminderte Durchblutung des Gehirns kann zu Kopfschmerzen, Schwindel und Konzentrationsstörungen führen.
- Müdigkeit: Der erhöhte Aufwand für das Herz kann zu Müdigkeit und Erschöpfung führen.
- Thrombosen: Das dickflüssige Blut erhöht das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen), die zu Schlaganfällen, Herzinfarkten oder Lungenembolien führen können.
Erhöhter Hämatokrit und Alzheimer: Gibt es eine Verbindung?
Obwohl die Forschung noch nicht abgeschlossen ist, gibt es Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen einem erhöhten Hämatokritwert und neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer.
Einige Studien haben gezeigt, dass Patienten mit Alzheimer häufiger einen erhöhten Hämatokritwert aufweisen als gesunde Kontrollpersonen. Es wird vermutet, dass die erhöhte Blutviskosität die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen und somit die Entstehung und das Fortschreiten von Alzheimer begünstigen könnte.
Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass ein erhöhter Hämatokritwert die Blut-Hirn-Schranke schädigen könnte. Die Blut-Hirn-Schranke ist eine wichtige Barriere, die das Gehirn vor schädlichen Substanzen im Blut schützt. Eine Schädigung dieser Schranke könnte dazu führen, dass schädliche Stoffe ins Gehirn gelangen und dort Entzündungen und Schäden verursachen, die zur Entstehung von Alzheimer beitragen könnten.
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Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass es sich hierbei um vorläufige Forschungsergebnisse handelt und weitere Studien erforderlich sind, um den genauen Zusammenhang zwischen einem erhöhten Hämatokritwert und Alzheimer zu verstehen.
Diagnose und Behandlung eines erhöhten Hämatokritwertes
Die Diagnose eines erhöhten Hämatokritwertes erfolgt in der Regel im Rahmen einer Blutuntersuchung. Wenn ein erhöhter Wert festgestellt wird, sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die Ursache zu ermitteln.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des erhöhten Hämatokritwertes. Bei Dehydration steht die Flüssigkeitszufuhr im Vordergrund. Bei der Polycythaemia vera bildet der therapeutische Aderlass die Basis der Behandlung, um den Hämatokrit auf unter 45% bei Männern und unter 42% bei Frauen zu senken. Ergänzend wird niedrig dosierte Acetylsalicylsäure zur Thromboseprophylaxe eingesetzt.
In einigen Fällen können auch Medikamente eingesetzt werden, um die Produktion von Blutzellen zu reduzieren oder die Blutviskosität zu senken.
Präventive Maßnahmen
Es gibt einige Maßnahmen, die dazu beitragen können, einem erhöhten Hämatokritwert vorzubeugen:
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- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser, um Dehydration zu vermeiden.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann dazu beitragen, die Blutgesundheit zu fördern.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Durchblutung verbessern und das Risiko für Thrombosen senken.
- Vermeidung von Risikofaktoren: Vermeiden Sie Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Rauchen, Übergewicht und Bluthochdruck.
Das Leben mit Polycythaemia vera: Erfahrungen von Betroffenen
Die Diagnose Polycythaemia vera (PV) stellt das Leben von Betroffenen und Angehörigen oft auf den Kopf. Ilona Beyer und ihr Mann Peter Beyer sowie die PV-Patientin Inge Bäumle haben dies selbst erlebt.
Ilona Beyer wurde vor 15 Jahren mit einem erhöhten Hämatokritwert von über 60 Prozent diagnostiziert. Nach einer Knochenmarkpunktion wurde die Diagnose Polycythaemia vera bestätigt. Die ersten Behandlungsschritte umfassten Aderlässe, um das Blut zu verdünnen. Später wurde sie mit Hydroxyurea und Acetylsalicylsäure behandelt. Aufgrund von Nebenwirkungen wie Fatigue und Kopfschmerzen wurde die Therapie umgestellt, was zu einer deutlichen Verbesserung ihres Zustands führte.
Peter Beyer, Ilonas Ehemann, begleitet seine Frau seit 2013 in ihrem Alltag mit der Polycythaemia vera. Er erinnert sich an die Belastungen durch die Erkrankung, insbesondere die Fatigue und die Nebenwirkungen der Medikamente. Durch die Teilnahme an MPN-Patient*innentagen konnte er die Erkrankung besser verstehen und seine Frau besser unterstützen.
Inge Bäumle erhielt die Diagnose Polycythaemia vera im Jahr 2014, nachdem sie unter starken Rückenschmerzen gelitten hatte. Sie betont, wie wichtig es ist, von Ärzten ernst genommen zu werden und sich selbst intensiv über die Krankheit zu informieren. Sie versucht nun, sich mit anderen Betroffenen zu vernetzen, um sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.
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