Alois Alzheimer: Namensgeber einer Krankheit des Vergessens

Die Alzheimer-Krankheit, oder Morbus Alzheimer, ist eine der bekanntesten neurodegenerativen Erkrankungen und eine Form der Demenz. Sie ist nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer benannt, der 1906 erstmals die Symptome und pathologischen Veränderungen im Gehirn einer Patientin beschrieb.

Was ist die Alzheimer-Krankheit?

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die zu einem Verlust von kognitiven Fähigkeiten führt, darunter Gedächtnis, Denken, Sprache und Orientierung. Im Gehirn von Alzheimer-Patienten bilden sich Neurofibrillen und Plaques, was zum Absterben von Nervenzellen führt.

Umgangssprachlich werden die Begriffe Alzheimer und Demenz oft synonym verwendet. Tatsächlich handelt es sich bei der Demenz jedoch um einen Oberbegriff, der eine Vielzahl von Erkrankungen des Gehirns umfasst. Bei diesen Erkrankungen besteht immer ein Verlust von kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten. Die Alzheimer-Demenz ist eine Sonderform der Demenz, betrifft jedoch mindestens 60% bis 80% aller Demenz-Patient:innen und zählt zu den primären Demenzen. Die primäre Demenz ist direkt auf Veränderungen im Gehirn zurückzuführen. Bei anderen (sekundären) Demenzen handelt es sich um Folgeerkrankungen, die beispielsweise aus Vergiftungen (z.B. sehr starker Alkoholkonsum, Medikamentenmissbrauch), Verletzungen oder Mangelerscheinungen hervorgehen. Manche Patient:innen leiden an einer Mischform aus Alzheimer- und vaskulärer Demenz (Durchblutungsstörung). Bei einigen sekundären Demenzen sind Schäden zum Teil reversibel. Die Schäden der Alzheimer-Erkrankung und anderer primärer Demenzen (wie beispielsweise Lewy-Body-Demenz, vaskuläre Demenz) sind nicht reversibel.

Alois Alzheimer: Ein Leben für die Forschung

Alois Alzheimer wurde am 14. Juni 1864 in Marktbreit, Unterfranken, geboren. Nach seinem Medizinstudium an den Universitäten Berlin, Tübingen und Würzburg arbeitete er zunächst als Assistenzarzt an der Städtischen Anstalt für Irre und Epileptische in Frankfurt am Main. Dort traf er 1901 auf die Patientin Auguste Deter, deren Fall seine wissenschaftliche Karriere entscheidend prägen sollte.

Alzheimer beobachtete bei Auguste Deter eine rasch zunehmende Gedächtnisschwäche, Desorientierung, Verwirrtheit und Halluzinationen. Ihr Verhalten war von Ratlosigkeit geprägt, und sie schrie oft stundenlang. Alzheimer dokumentierte ihre Symptome akribisch und vermutete eine biologische Ursache für ihren geistigen Verfall.

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Nach ihrem Tod im Jahr 1906 untersuchte Alzheimer das Gehirn von Auguste Deter und entdeckte auffällige Veränderungen: Die Hirnrinde war dünner als üblich, und es fanden sich Eiweißablagerungen in Form von Plaques sowie ungewöhnliche Bündel von Neurofibrillen. Er veröffentlichte seine Erkenntnisse 1907 in der Schrift „Über eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“.

Die Entdeckung der Alzheimer-Krankheit

Am 3. November 1906 präsentierte Alois Alzheimer auf der 37. Versammlung Südwestdeutscher Irrenärzte in Tübingen seine Forschungsergebnisse zu Auguste Deter. Er beschrieb ein bis dahin unbekanntes Krankheitsbild, das er als „eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“ bezeichnete.

Zu seiner Enttäuschung wurden seine Erkenntnisse zunächst nicht ernst genommen. Damals ging man noch davon aus, dass „Altersblödsinn“ keine biologischen Ursachen habe, sondern auf einen unzüchtigen Lebenswandel zurückzuführen sei.

Erst 1910 nahm Alzheimers Vorgesetzter, Emil Kraepelin, die Krankengeschichte von Auguste Deter in einem Lehrbuch auf und nannte sie die „Alzheimersche Krankheit“. Damit würdigte er Alzheimers bahnbrechende Entdeckung und trug dazu bei, dass die Krankheit in der medizinischen Fachwelt bekannt wurde.

Die Patientin Auguste Deter

Auguste Deter wurde am 16. Mai 1850 geboren und starb am 8. April 1906 im Alter von 55 Jahren. Sie war die erste Patientin, bei der Alois Alzheimer die später nach ihm benannte Krankheit diagnostizierte.

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Als Auguste Deter 1901 in die Städtische Anstalt für Irre und Epileptische in Frankfurt am Main eingeliefert wurde, zeigte sie deutliche Symptome von Demenz. Sie hatte Gedächtnisprobleme, war desorientiert, misstrauisch, aggressiv und weinerlich. Sie fand sich in ihrer Wohnung nicht mehr zurecht, versteckte Gegenstände und glaubte, man wolle sie umbringen.

In Gesprächen mit Alois Alzheimer zeigte Auguste Deter immer wieder Momente der Verwirrung, aber auch des Bewusstseins für ihr Leiden. Auf die Frage, wie sie heiße, antwortete sie: „Auguste.“ Auf die Frage nach ihrem Familiennamen antwortete sie ebenfalls: „Auguste.“ Und auf die Frage nach dem Namen ihres Mannes sagte sie: „Ich glaube… Auguste.“ Sie selbst sagte zu ihrem Arzt: „Ich habe mich sozusagen verloren.“

Ursachen und Risikofaktoren der Alzheimer-Krankheit

Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch eine Reihe von Faktoren, die das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, erhöhen können.

Genetische Faktoren: In seltenen Fällen (weniger als 1 Prozent) ist die Alzheimer-Krankheit erblich bedingt. Bei etwa 5 bis 10% der erkrankten Menschen tritt eine familiäre Häufung auf. Der Großteil davon wird durch eine Mutation in den Genen APP, PSEN1 und PSEN2 verursacht:

  • Amyloid-Precursor-Protein (APP) auf Chromosom 21
  • Presenilin 1 (PSEN1) auf Chromosom 14
  • Presenilin 2 (PSEN2) auf Chromosom 1

Ein Kind, dessen leiblicher Elternteil eine genetische Variante für eines dieser drei Gene trägt, hat eine 50:50-Chance, diese veränderte Version des Gens zu erben. Wenn die Variante vererbt wird, hat das Kind eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, vor dem 65. Lebensjahr und manchmal sogar viel früher an Alzheimer zu erkranken.

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Ein bekanntes Gen, das das Alzheimer-Risiko beeinflusst, ist das Gen APOE, das für das Apolipoprotein E (ApoE) kodiert. APOE gibt es in verschiedenen Formen (Allele), deren Häufigkeit abhängig von der Ethnie, dem Geschlecht und verschiedenen Umweltfaktoren ist.APOE ε3, das häufigste Allel, hat vermutlich einen neutralen Einfluss auf die Krankheit - es verringert oder erhöht das Alzheimer-Risiko nicht, während APOE ε2 einen gewissen Schutz vor der Krankheit bieten kann. APOE ε4 erhöht das Alzheimer-Risiko und ist mit einem früheren Krankheitsbeginn verbunden.

Weitere Risikofaktoren:

  • Hohes Alter
  • Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Erhöhter Cholesterinspiegel
  • Rauchen
  • Geringe Bildung oder geringe geistige Forderung
  • Kopfverletzungen
  • Bewegungsmangel
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Soziale Isolation/Einsamkeit
  • Schwerhörigkeit

Was passiert im Gehirn von Alzheimer-Patienten?

Im Gehirn von Alzheimer-Patienten kommt es zu zwei wesentlichen Veränderungen:

  • Beta-Amyloid-Plaques: Ablagerungen von Beta-Amyloid-Proteinen zwischen den Nervenzellen. Diese Plaques stören die Kommunikation zwischen den Nervenzellen und lösen Entzündungsreaktionen aus.
  • Tau-Fibrillen: Verknäuelungen von Tau-Proteinen innerhalb der Nervenzellen. Diese Fibrillen beeinträchtigen die Funktion der Nervenzellen und führen zu ihrem Absterben.

Der Verlust von Nervenzellen führt zu einer Schrumpfung des Gehirns und zu den typischen Symptomen der Alzheimer-Krankheit.

Symptome und Verlauf der Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit verläuft in der Regel in mehreren Stadien, wobei sich die Symptome im Laufe der Zeit verschlimmern.

1. Leichte kognitive Störung (MCI): Im Frühstadium der Erkrankung treten leichte Gedächtnisprobleme auf, die oft von den Betroffenen selbst oder ihrem Umfeld nicht wahrgenommen werden.

2. Morbus Alzheimer im Frühstadium: In der frühen Phase der Alzheimer-Demenz treten Störungen im Kurzzeitgedächtnis auf. Betroffene erinnern sich nicht an neue Informationen. Ein typisches Symptom ist außerdem, dass es für Betroffene zunehmend schwieriger wird, Gesprächen zu folgen. Vor allem in größeren Gruppen, verlieren sie den Anschluss an Diskussionen. Es treten außerdem Wortfindungsstörungen auf, die durch unpassende Füllwörter erkannt werden können. In diesem Stadium sind die Erkrankten durchaus fähig, einfache Alltagsaufgaben wie Kochen, Putzen oder die Erhaltung der Körperhygiene auszuführen. Es können jedoch bei komplexeren Aufgaben wie Vertragsabschlüssen, Überweisungen bei der Bank, etc. Probleme auftreten. In diesem Stadium merken Erkrankte, dass „etwas nicht stimmt“. Aus Scham versuchen sie ihre Symptome zu vertuschen. Oft halten sich Betroffene vermehrt zu Hause auf und vermeiden neue Situationen, in denen sie Schwierigkeiten haben könnten, sich zu orientieren. Das führt in vielen Fällen zu Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und auch zu Depressionen.

3. Morbus Alzheimer im mittleren Krankheitsstadium: Im mittleren Krankheitsstadium verschlimmern sich die Symptome. Neben Störungen des Kurzzeitgedächtnisses ist auch das Langzeitgedächtnis betroffen. Alzheimer-Patient:innen erinnern sich teilweise an Ereignisse ihrer Kindheit und Jugend, wissen aber häufig nicht mehr, ob sie Kinder oder einen Ehepartner haben oder in welchem Beruf sie gearbeitet haben. Betroffene haben Schwierigkeiten sich räumlich und zeitlich zu orientieren. Die geistige Leistungsfähigkeit und kognitive Fähigkeiten nehmen weiter ab; eine selbstständige Lebensführung ist nicht mehr möglich. Für pflegende Angehörige ist dieser Zustand meist eine große Belastung, da die Betroffenen auch an starken Veränderungen ihres Verhaltens und ihrer Persönlichkeit leiden. Auch für die Patient:innen selbst ist dieser Zustand schwer zu handhaben. Häufig verspüren Betroffene Unruhe und Nervosität und laufen ständig in der Wohnung herum. Das gestörte Zeitgefühl führt dazu, dass der Schlaf-Wach-Rhythmus durcheinander gerät. Bei den Betroffenen verschiebt sich zum Teil der Tag-Nacht-Rhythmus, was wiederum zu einer gesteigerten Gereiztheit, Nervosität, Misstrauen und aggressiven Ausbrüchen führt.

4. Morbus Alzheimer im Spätstadium: Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung sind die Patient:innen meist bettlägerig. Die körperlichen Funktionen nehmen immer weiter ab. Die kognitive Verschlechterung und die Abnahme geistiger Funktionen schreiten weiter voran. Sie sind in diesem Zustand kaum noch fähig zu sprechen. Ihre kommunikativen Fähigkeiten begrenzen sich auf einzelne Wörter. Das Kauen, Schlucken und Atmen fällt zunehmend schwerer. Wenn Blase und Darm nicht mehr kontrollierbar sind, treten Harn- und Stuhlinkontinenz auf. Es kann außerdem zu Krampfanfällen und Versteifung von Gliedmaßen kommen. Die Patient:innen sind vollständig pflegebedürftig. Ihr Immunsystem ist stark geschwächt, wodurch viele Patient:innen an Infektionskrankheiten leiden und häufig in Folge dessen versterben.

Diagnose der Alzheimer-Krankheit

Die Diagnose der Alzheimer-Krankheit wird in der Regel anhand einer Kombination aus verschiedenen Untersuchungen gestellt:

  • Gespräch mit dem Patienten und seinen Angehörigen: Erhebung der Krankengeschichte und Beurteilung der Symptome.
  • Psychometrische Tests: Überprüfung der kognitiven Fähigkeiten, wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Sprache.
  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung der körperlichen Funktionen und des Nervensystems.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) des Gehirns, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen und Veränderungen im Gehirn zu erkennen.
  • Liquoruntersuchung: Analyse des Nervenwassers, um bestimmte Biomarker für die Alzheimer-Krankheit zu bestimmen.

Behandlung der Alzheimer-Krankheit

Bisher ist die Alzheimer-Krankheit nicht heilbar. Es gibt jedoch Medikamente und nicht-medikamentöse Therapien, die den Krankheitsverlauf verlangsamen und die Symptome lindern können.

Medikamentöse Therapie:

  • Cholinesterasehemmer: Medikamente, die den Abbau von Acetylcholin im Gehirn hemmen und so die Gedächtnisleistung verbessern können.
  • Memantin: Ein Medikament, das die Wirkung von Glutamat im Gehirn reduziert und so die Nervenzellen vor Schäden schützen kann.

Nicht-medikamentöse Therapien:

  • Ergotherapie: Verbesserung derAlltagsfähigkeiten und derSelbstständigkeit.
  • Physiotherapie: Erhaltung der körperlichen Beweglichkeit undFunktion.
  • Logopädie: Verbesserung derSprach- undKommunikationsfähigkeit.
  • Psychotherapie: Unterstützung bei derBewältigung der Erkrankung und der damit verbundenenBelastungen.
  • Musiktherapie: Förderung des Wohlbefindens und derKommunikation.
  • Kunsttherapie: Ausdruck von Gefühlen undErinnerungen.

Leben mit der Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit ist eine große Herausforderung für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Es ist wichtig, sich frühzeitig über die Erkrankung zu informieren und sich Unterstützung zu suchen. Es gibt zahlreiche Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die Betroffenen und ihren Familien helfen können, mit der Krankheit umzugehen.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Gestaltung desAlltags. Es ist wichtig, den Betroffenen so lange wie möglich inaktivitäten einzubeziehen und ihreSelbstständigkeit zu fördern. Gleichzeitig ist es wichtig, sie vorÜberforderung zu schützen und ihnen Sicherheit und Geborgenheit zu geben.

Die Alzheimer-Forschung heute

Die Alzheimer-Forschung hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten weltweit an der Entwicklung neuer Therapien, die die Ursachen der Erkrankung bekämpfen und den Krankheitsverlauf aufhalten oder sogar umkehren können.

Ein vielversprechender Ansatz ist die Entwicklung von Medikamenten, die die Bildung von Beta-Amyloid-Plaques verhindern oder abbauen können. Auch die Forschung an Impfstoffen gegen Beta-Amyloid und Tau-Proteine ist vielversprechend.

Darüber hinaus werden neue Biomarker entwickelt, die eine frühere und genauere Diagnose der Alzheimer-Krankheit ermöglichen sollen. Dies ist wichtig, um die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und mit der Behandlung zu beginnen, bevor irreparable Schäden im Gehirn entstanden sind.

Fazit

Die Alzheimer-Krankheit ist eine komplexe und herausfordernde Erkrankung, die das Leben von Millionen Menschen weltweit beeinträchtigt. Dank derEntdeckung von Alois Alzheimer vor mehr als 100 Jahren und der intensiven Forschung in den letzten Jahren haben wir heute ein besseresVerständnis der Ursachen und Mechanismen der Erkrankung.

Obwohl die Alzheimer-Krankheit noch nicht heilbar ist, gibt esMedikamente und nicht-medikamentöse Therapien, die den Krankheitsverlauf verlangsamen und die Symptome lindern können. Darüber hinaus gibt es zahlreicheUnterstützungsangebote für Betroffene und ihre Angehörigen.

Die Alzheimer-Forschung macht weiterhin Fortschritte, und es besteht Hoffnung, dass in Zukunft neue Therapien entwickelt werden, die die Erkrankung aufhalten oder sogar heilen können. Bis dahin ist es wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, sichUnterstützung zu suchen und den Betroffenen ein würdevolles und erfülltes Leben zu ermöglichen.

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