Die Lewy-Körperchen-Demenz (LKD), auch Lewy-Körper-Demenz oder Lewy-Body-Demenz (LBD) genannt, ist eine Form der neurodegenerativen Demenzen. Sie ist nach dem deutschen Nervenarzt Friedrich H. Lewy benannt, der im Jahr 1912 bestimmte Einschlüsse („Lewy-Körper“) in den Nervenzellen der Großhirnrinde entdeckte. Diese Erkrankung tritt in den meisten Fällen nach dem 60. Lebensjahr auf und kann den Alltag der Betroffenen und deren Angehörige stark beeinflussen. In Deutschland leben schätzungsweise zwischen 90.000 und 180.000 Menschen mit Lewy-Körper-Demenz.
Was sind Lewy-Körperchen?
Lewy-Körperchen sind spezielle Eiweißablagerungen in den Nervenzellen, die bei Parkinson und Lewy-Body-Demenz auftreten - jedoch in verschiedenen Gehirnbereichen. Es handelt sich um Ablagerungen, die einen Eiweißstoff namens Alpha-Synuclein enthalten: Alpha-Synuclein-Moleküle verkleben miteinander und bilden unlösliche Ansammlungen. Diese Proteinreste aus so genanntem Alpha-Synclein werden nicht mehr richtig abgebaut und bilden schädliche Einschlüsse in den Nervenzellen. Diese so genannten Lewy-Körperchen lagern sich im Großhirn, in der so genannten Substantia Nigra, ab und führen dort zum Absterben von Nervenzellen. Wie es zu den Eiweißablagerungen kommt, ist noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass genetische Veränderungen eine Rolle spielen können. Vermutlich führen verschiedene Ursachen zur Erkrankung. Es scheint jedoch einen Zusammenhang mit einer Genvariante namens ApoE4 zu geben. Dieses Gen reguliert das Protein Alpha-Synuclein, das bei der Lewy-Körperchen-Demenz und bei der Parkinson-Demenz zu den schädlichen Verklumpungen im Gehirn führt. ApoE4 ist auch ein Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit.
Symptome und Verlauf
Der Verlauf einer Lewy-Körper-Demenz ist geprägt durch fortschreitende Gedächtnisstörungen sowie starke Schwankungen der geistigen Fähigkeiten, der Aufmerksamkeit und Wachheit im Tagesverlauf. Die Symptome der Lewy-Körperchen-Demenz ähneln denen der Alzheimer- und der Parkinson-Krankheit. Betroffen sind zunächst die Alltagsfähigkeiten, die mit dem Planen, Organisieren und Orientieren zusammenhängen. Insbesondere Aufmerksamkeit und Konzentration sind gestört. Charakteristisch dabei ist, dass die geistige Leistungsfähigkeit im Tagesverlauf sehr stark schwanken kann. Eines der charakteristischen Merkmale der Lewy-Körperchen-Demenz ist eine extrem stark schwankende körperliche und geistige Verfassung. Mal ist der Betroffene unternehmungslustig, mal orientierungslos und verwirrt. Die Zustände können ständig wechseln.
Typischerweise treten bereits zu Beginn der Erkrankung optische Halluzinationen auf (oft werden Menschen oder Tiere gesehen). In der Regel sind diese Sinnestäuschungen optischer Natur und die Betroffenen sehen Menschen, Tiere oder Dinge, die nicht da sind. In seltenen Fällen treten auch akustische Halluzinationen auf. Typisch für das Krankheitsbild sind optische und akustische Halluzinationen. Diese treten schon früh im Krankheitsverlauf auf. Dabei werden häufig Menschen oder Tiere gesehen, die nicht da sind oder Stimmen, Geräusche oder Musik gehört, obwohl keine da sind. Bedingt durch die optischen Halluzinationen leiden die Betroffenen häufig unter Unruhe oder Angst.
Dazu kommen Störungen im Traumschlaf: infolge fehlender motorischer Hemmungen leben die Erkrankten im Schlaf ihre Träume buchstäblich aus. Der Schlaf ist unruhig und oft kommt es zu heftigen Bewegungen. Ebenfalls typisch ist ein gestörter REM-Schlaf (Traumschlaf). Die Erkrankten leben ihre Träume regelrecht aus, was sich durch unruhigen Schlaf, vermehrte Bewegungen und Sprechen im Schlaf bemerkbar macht.
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Weitere Symptome sind hypotone Kreislaufstörungen (niedriger Blutdruck), vorübergehende Bewusstseinsstörungen und Parkinsonsymptome. Zu den Parkinsonsymptomen zählen neben dem Händezittern in Ruhe (Tremor), erhöhte Muskelsteifigkeit (Rigor) Verlagsamung der Bewegungen, auch der Mimik sowie ein kleinschrittiges Gangbild. Wegen der und der Kreislaufstörungen und der Gangveränderungen kann es vermehrt zu Stürzen kommen. Typisch für die Lewy-Körperchen-Demenz sind auch Parkinson-Symptome wie Muskelstarre, Muskelzittern und eine instabile Körperhaltung mit Schwankungs- und Sturzneigung. Die Lewy-Body-Demenz geht oft und früh mit Parkinson-ähnlichen Symptomen (extrapyramidale Bewegungsstörungen) einher, besonders mit Muskelsteifheit (Rigor). Bei Alzheimer treten eher erst später auf. Menschen mit Lewy-Körperchen-Demenz leiden dagegen unter wiederholtem Bewusstseinsverlust und Schlafstörungen (unter anderem mit tatsächlicher Handlung der Trauminhalte).
Im späteren Verlauf nehmen die Gedächtnisstörungen und die Bewusstseinsstörungen zu. Bereits im frühen Krankheitsstadium kann eine Harninkontinenz auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium nehmen die Symptome deutlich zu. Im fortschreitenden Verlauf der Erkrankung verlieren die Betroffenen zunehmend ihre Alltagskompetenz. Die Sprachfähigkeit nimmt ab, Schluckstörungen treten auf. Stürze und kurzzeitige Bewusstlosigkeit häufen sich, die Betroffenen werden immobil und schließlich bettlägerig. Ähnlich wie bei der Chronisch-traumatischen Enzephalopathie gibt es derzeit keine Methode, die eine Lewy-Körperchen-Demenz bei lebenden Menschen eindeutig nachweisen kann. Die Lebenserwartung bei der Lewy-Körperchen-Demenz liegt im Durchschnitt bei sieben bis acht Jahren nach Diagnosestellung. Die Betroffenen verlieren, wie bei anderen Demenzformen, mit der Zeit, die Fähigkeit, sich im alltäglichen Leben zurecht zu finden. Sie werden durch ihre Bewegungseinschränkungen und die Sturzgefahr zunächst immobil, dann bettlägerig. Typisch für das Endstadium sind Schluckbeschwerden.
Die Erkrankung Lewy-Körperchen-Demenz lässt sich in verschiedene Etappen innerhalb des Krankheitsverlaufs unterteilen, wobei sich jede Erkrankung individuell gestaltet:
- Zunächst herrschen die visuellen Beeinträchtigungen vor und es kommt zu häufigen Halluzinationen und Wahnvorstellungen.
- Nach etwa einem Jahr verstärken sich die parkinsonähnlichen Bewegungsstörungen mit Stürzen oder auch Bewusstlosigkeit. Außerdem können die Betroffenen an Inkontinenz leiden.
- Zuletzt treten zusätzlich die psychischen Beeinträchtigungen auf und es kommt zu schnellen Stimmungsschwankungen, Verhaltensänderungen und Aufmerksamkeitsstörungen. Anfangs beeinflussen diese den Alltag und die Organisationsfähigkeiten der Patientinnen und Patienten, später kommen die für die Alzheimererkrankung typischen Gedächtnisstörungen hinzu.
Die Symptome verschlechtern sich zunehmend und viele der Betroffenen werden bettlägerig.
Diagnose
Die Diagnostik bei der Lewy-Körper-Demenz ist komplex wobei bildgebende Verfahren (CT oder MRT) keine charakteristischen Befunde zeigen. Die Diagnose stützt sich deshalb auf die Beobachtung der typischen klinischen Symptome. Da die Lewy-Body-Demenz mit ihren Symptomen anderen Krankheiten wie der Parkinson- oder Alzheimererkrankung ähnelt, ist eine ausführliche Diagnose erforderlich. Diese erfolgt hauptsächlich anhand der klinischen Symptome. Die Lewy-Körperchen an den Nervenzellen im Gehirn können zu Lebzeiten kaum untersucht werden, da hier bildgebende Verfahren nicht greifen. Das Hauptziel der Untersuchung besteht aus diesem Grund darin, andere Erkrankungen auszuschließen und die klinischen Symptome der Lewy-Körper-Demenz nachzuweisen. Eine Diagnosestellung ist schwierig, da viele Symptome auf andere Erkrankungen wie Alzheimer Demenz oder Parkinson hindeuten und die für diese Erkrankung typischen Lewy-Körperchen erst nach dem Tod des Betroffenen nachweisbar sind. Vor allem die typische Symptomatik und der Ausschluss anderer Demenzen sind dabei zielführend. Wichtig ist, die starken Schwankungen der Verfassung des Betroffenen und die psychischen Auffälligkeiten, wie z.B.
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Dazu werden drei Kriterien überprüft:
- Gedächtnisprobleme, die häufigen Schwankungen unterworfen sind
- wiederholt auftretende Halluzinationen
- motorische Störungen
Zeigt ein Patient bzw. eine Patientin zwei der drei Kriterien, gehen Ärztinnen und Ärzte von dem Krankheitsbild Lewy-Körperchen-Demenz aus.
Einige neuropsychologische Tests können Hinweise auf eine Lewy-Körper-Demenz geben. Besonders aufschlussreich sind Verfahren, die sogenannte visuell-konstruktive Fähigkeiten prüfen - also das Zusammenspiel von Sehen, Denken und Motorik. Dabei soll der Patient eine herkömmliche Uhr zeichnen - mit Ziffernblatt und Zeigern. Der Uhrentest kann helfen, frühzeitig Auffälligkeiten zu erkennen - gerade, wenn klassische Demenztests wie der Mini-Mental-Status-Test noch unauffällig bleiben.
FDG-PET und DaT-SPECT sind spezielle bildgebende Verfahren, die dabei helfen, eine Lewy-Body-Demenz von anderen Demenzformen zu unterscheiden. Die FDG-PET zeigt LBD-typische Veränderungen im Hinterkopfbereich. Mit dem DaT-SPECT lassen sich LBD-typische Nervenschädigungen gut erkennen.
Trotzdem werden sie im Rahmen der Diagnostik durchgeführt, um andere Erkrankungen, wie etwa einen Hirntumor, auszuschließen. MRT und CT schließen andere Erkrankungen aus, weisen aber nicht direkt auf Lewy-Körperchen hin.
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Behandlung
Für die Behandlung der LKD gibt es derzeit keine zugelassenen Medikamente. Oft besteht eine hohe Empfindlichkeit bis hin zu einer Unverträglichkeit für Medikamente. Bezüglich der nicht-medikamentösen Therapie gelten die für die Alzheimer-Krankheit genannten Empfehlungen. Wie für andere Demenzerkrankungen wie Alzheimer gibt es derzeit keine Behandlungsmöglichkeiten, die zur vollständigen Heilung der Lewy-Body-Demenz führen würden. Die Lewy-Körperchen-Demenz ist bislang nicht heilbar. Durch medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien können aber die Symptome gelindert werden. Ziel ist es, Symptome zu lindern - mit Medikamenten und nicht-medikamentösen Maßnahmen.
Medikamentöse Behandlung
Bei der medikamentösen Behandlung können Antidementiva und Cholinesterasehemmer eingesetzt werden. Diese sollen die geistige Leistungsfähigkeit und Verwirrtheit verbessern sowie die visuellen Beeinträchtigungen lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Medikamente bringen jedoch ihre Tücken mit sich: Während solche, die auch bei Parkinson eingesetzt werden, die motorischen Einschränkungen verbessern können, verstärken diese häufig die Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Selbes gilt bei Medikamenten, die Psychosen verringern sollen, dafür die Motorik bei Patientinnen und Patienten mit der Lewy-Körper-Demenz verschlechtern.
Derzeit gibt es noch keine Medikamente, die speziell für diese Form der Demenz zugelassen sind. Die medikamentöse Therapie gestaltet sich auch deshalb schwierig, weil die Reaktion auf die Medikamente von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein kann.
Die Alzheimer-Medikamente Rivastigmin oder Donepezil können zur Behandlung der Demenz eingesetzt werden. Bei Lewy-Body-Demenz können sogenannte Cholinesterasehemmer zum Einsatz kommen. Doch bei Menschen mit einer Lewy-Körperchen-Demenz ist Vorsicht geboten: Viele reagieren überempfindlich auf diese Medikamente. Cholinesterase-Hemmer sind die entscheidende Medikation für Patienten mit Lewy-Körperchen-Demenz! Sie sollten in jedem Krankheitsstadium eingesetzt werden. Die Kontraindikationen Bradykardie, floride gastrointestinale Ulzera, Epilepsie und schweres Asthma sind dabei unbedingt zu beachten. Beim Einsatz von Donepezil ist zu beachten: Entgegen den Empfehlungen der Fachinformation sollte die Gabe morgens erfolgen. Hierüber herrscht Einigkeit bei klinisch erfahrenen Behandelnden. Unerwünschte Wirkungen unter Acetylcholinesterase-Hemmern entstehen vor allem durch cholinerge Stimulation. Dazu gehören Bradykardie, erhöhtes Anfallsrisiko, Gewichtsverlust, Inkontinenz, Schwindel, Kopfschmerzen und bei oraler Verabreichung gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit und Diarrhö. Rivastigmin in Pflasterform ist gastrointestinal meist völlig unproblematisch; bei täglichem Wechsel der Applikationsstelle ist auch die Hautverträglichkeit meist gut. Rivastigmin wird rein renal eliminiert. Der Metabolismus wird nicht beeinflusst durch Hemm- oder Induktionseffekte von Komedikationen auf CYP-Enzyme oder durch pharmakogenetische Polymorphismen des CYP-Systems, die nicht selten sind. Bei ein-geschränkter Nierenfunktion ist laut Fachinformation keine Dosisanpassung erforderlich; bei hochgradiger Nierenfunktionsstörung sollte vermehrt auf unerwünschte Wirkungen geachtet werden. Die transdermale Applikation ist, wenn irgend möglich, gegenüber der oralen Gabe zu bevorzugen, da die flache Kinetik die Verträglichkeit erheblich verbessert. Nur bei allergischen Hautreaktionen muss eine Umstellung erfolgen; dabei ist auf vermehrte unerwünschte, vor allem gastrointestinale Wirkungen zu achten. Donepezil führt klinisch etwas häufiger zu Kopfschmerzen und Wadenkrämpfen. Donepezil und Galantamin weisen (im Gegensatz zu Rivastigmin) ein etwas erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer QTc-Zeit-Verlängerung mit nachfolgender Torsade-de-pointes-Tachykardie auf, sodass Vorsicht bei kardial Erkrankten und Kombination mit anderen QTc-Zeit-verlängernden Substanzen geboten ist. Da beide Substanzen hepatisch metabolisiert werden, ist bei Komedikation von CYP2D6- und CYP3A4-Inhibitoren mit erhöhten Spiegeln von Donepezil und Galantamin zu rechnen; dies gilt ebenso für pharmakogenetische Poor-metabolizer des Enzyms CYP2D6.
Die motorischen Symptome können mit dem Parkinson-Medikament Levodopa in niedriger Dosierung verbessert werden. Allerdings ist die Wirkung ist bei der Lewy-Körperchen-Demenz allerdings in der Regel geringer als bei der Parkinson-Krankheit. Als Nebenwirkung können sich Halluzinationen und Wahnvorstellungen verstärken.
Psychotische Störungen können mit Quetiapin behandelt werden. Dabei ist zu beachten, dass sich die motorische Symptome verschlechtern können. Die Überempfindlichkeit gegen Neuroleptika (Mittel gegen Halluzinationen, Wahn, Verwirrung etc.) ist ein weiterer deutlicher Unterschied zwischen Alzheimer und der Demenz mit Lewy-Körperchen: Menschen mit Lewy-Body-Demenz vertragen diese Medikamente schlecht oder gar nicht, da sie schwere motorische Nebenwirkungen wie Rigor, Tremor oder sogar akinetische Krisen auslösen können. Daher sind typische und die meisten atypischen Antipsychotika bei ihnen kontraindiziert. Allerdings sind Antipsychotika bei älteren Menschen mit Demenz generell mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen wie Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Lungenentzündungen verbunden. Gerade zu Beginn der Erkrankung ist eine Behandlung mit Antipsychotika daher nicht zu empfehlen (8). Wie bei der Parkinson-Krankheit kommen ausschließlich die Substanzen Quetiapin und Clozapin infrage (off Label) (8). Clozapin darf nur nach rechtswirksamer Aufklärung mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen eingesetzt werden. So muss 18 Wochen lang einmal wöchentlich das Differenzialblutbild kontrolliert werden, danach im vierwöchentlichen Rhythmus (wegen Agranulozytose-Gefahr). Meist reichen geringe Tagesdosen aus, zum Beispiel Clozapin 6,25 bis 25 mg oder Quetiapin 25 mg. In höherer Dosierung können deren anticholinerge Effekte problematisch werden. Auf Somnolenz, orthostatische Hypotonie, Mundtrockenheit, Obstipation bis zum paralytischen Ileus, Harnverhalt, Tachykardie und potenzielle Blutbildstörungen ist zu achten. Patienten mit Lewy-Körperchen-Demenz sprechen auf dopaminerge Parkinson-Medikamente oft nur mäßig an; diese können die psychotische Symptomatik sogar verstärken. L-Dopa sollte allenfalls niedrig dosiert und es sollten keine Dopaminagonisten eingesetzt werden.
Eine Depression kann mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) oder dualen Substanzen (SSNRI) wie (Des-)Venlafaxin, Duloxetin oder Milnacipran behandelt werden. Gegebenenfalls ist die sedierende Wirkung von Mirtazapin oder Trazodon und die schlafregulierende Wirkung von Agomelatin nutzbar.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Da die medikamentöse Behandlung schwierig ist, kommt der nicht-medikamentösenTherapie bei der Lewy-Körperchen-Demenz eine große Bedeutung zu. Die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten kann verbessert, die geistigen Fähigkeiten möglichst lange erhalten und herausforderndes Verhalten gemildert werden. Bei einer Lewy-Body-Demenz kann die medikamentöse Behandlung komplex sein - besonders, wenn weitere Erkrankungen vorliegen. Ein Medikamentenplan hilft Ihnen dabei, den Überblick über Dosierung, Einnahmezeiten und mögliche Nebenwirkungen zu behalten. Bei der Lewy-Body-Demenz können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen sinnvoll sein. Ziel ist es, die geistigen Fähigkeiten zu fördern, den Alltag zu strukturieren und das Wohlbefinden zu verbessern. Wichtig ist eine nicht-medikamentöse Therapie, u.a. mit kognitivem Training, Bewegung, Sport, gesunde, mediterrane Ernährung, Gedächtnistraining. Dabei muss man darauf achten, übermäßige Sinnenstimulation zu vermeiden, da Menschen mit Lewy-Körperchen-Demenz äußerst sensibel auf ihre Umwelt und v.a. Menschen mit Lewy-Körper-Demenz sind oft sehr empfindlich gegenüber Stress, Lärm oder Reizüberflutung. Die Maßnahmen richten sich nach den individuellen Beschwerden.
Was Angehörige tun können
Der Bedarf an stetiger Zuwendung, Begleitung und Betreuung ist für Angehörige oft sehr zeitintensiv und meist mit einem großen Belastungserleben verbunden. Daher kann es Angehörigen helfen, sich frühzeitig über Entlastungs- und Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren und sich mit anderen Angehörigen auszutauschen. Umso wichtiger ist es, dass Sie als Angehörige gut über das Krankheitsbild informiert sind. Wenn Sie jemanden mit Lewy-Körper-Demenz zuhause pflegen oder betreuen, können Sie im Alltag viel für diese Person tun. Von Tipps zum Umgang bis zur Entlastung für Angehörige. Halten Sie alle Auffälligkeiten möglichst schriftlich fest - zum Beispiel in einem Pflegetagebuch. Hier können Sie dokumentieren, wo die Person im Alltag Unterstützung benötigt. Die Notizen helfen Ihrem Arzt und können bei zunehmendem Unterstützungsbedarf auch im Rahmen einer Pflegebegutachtung zum Einsatz kommen. Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift, wenn Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken. Ein solches Dokument entlastet auch Ihre Angehörigen bei schwierigen Entscheidungen. Menschen mit einer Lewy-Body-Demenz haben unter Umständen Anspruch auf einen Pflegegrad - und damit auf verschiedene Leistungen der Pflegekasse, die den Pflegealltag erleichtern sollen. Menschen mit anerkanntem Pflegegrad, die zuhause gepflegt werden, haben Anspruch auf sogenannte Pflegehilfsmittel zum Verbrauch im Wert von bis zu 42 Euro monatlich. Dazu zählen unter anderem Einmalhandschuhe, Mundschutz und Desinfektionstücher. Viele der Betroffenen ziehen sich obendrein zurück, sind ängstlich oder gereizt.
Unterschiede zur Alzheimer-Krankheit und Parkinson-Demenz
Die Alzheimer-Demenz und die Lewy-Körperchen-Demenz sind sich ebenfalls in vielen Merkmalen ähnlich, weshalb letztere lange Zeit gar nicht als eigenständige Erkrankung galt. Inzwischen ist sie als solche anerkannt, denn es gibt auch Unterschiede zwischen Alzheimer & Demenz mit Lewy-Körperchen.
Die wichtigsten sind:
- Der Zustand von Alzheimer-Patienten verschlechtert sich langsam und mehr oder weniger stetig. Der Verlauf der Lewy-Körperchen-Demenz ist dagegen oft schwankend, vor allem, was die Aufmerksamkeit betrifft.
- Gedächtnisstörungen zeigen sich bei Alzheimer schon früh, bei Lewy-Body-Demenz oft erst spät.
- Visuelle Halluzinationen, wie sie bei der Lewy-Körperchen-Demenz sehr häufig und früh auftreten, sind bei Alzheimer selten frühe Symptome.
- Die Lewy-Body-Demenz geht oft und früh mit Parkinson-ähnlichen Symptomen (extrapyramidale Bewegungsstörungen) einher, besonders mit Muskelsteifheit (Rigor). Bei Alzheimer treten eher erst später auf.
- Menschen mit Lewy-Körperchen-Demenz leiden dagegen unter wiederholtem Bewusstseinsverlust und Schlafstörungen (unter anderem mit tatsächlicher Handlung der Trauminhalte).
- Die Überempfindlichkeit gegen Neuroleptika (Mittel gegen Halluzinationen, Wahn, Verwirrung etc.) ist ein weiterer deutlicher Unterschied zwischen Alzheimer und der Demenz mit Lewy-Körperchen: Menschen mit Lewy-Body-Demenz vertragen diese Medikamente schlecht oder gar nicht, da sie schwere motorische Nebenwirkungen wie Rigor, Tremor oder sogar akinetische Krisen auslösen können. Daher sind typische und die meisten atypischen Antipsychotika bei ihnen kontraindiziert.
In der Praxis ist der Unterschied Alzheimer - Demenz vom Lewy-Body-Typ aber nicht immer so klar. Man hat nämlich inzwischen eine Alzheimer-Variante entdeckt, bei der sich im Gehirn nicht nur Alzheimer-Plaques, sondern auch Lewy-Körperchen bilden. Die Symptomatik kann sich dann überlappen.
Die Lewy-Körperchen-Demenz und die Demenz bei Parkinson sind sich in vielerlei Hinsicht ähnlich. Beide Erkrankungen sind durch kognitive und motorische Störungen gekennzeichnet.
Die beiden Demenzen unterscheiden sich vor allem in zwei Punkten:
- Bei der Lewy-Körperchen-Demenz treten die geistigen und motorischen Einschränkungen in der Regel gleichzeitig auf.
- Bei der Parkinson-Demenz entwickeln sich die kognitiven Störungen typischerweise erst zehn bis 15 Jahre nach Auftreten der ersten motorischen Einschränkungen.
Sowohl bei der Parkinson-Demenz als auch bei der Lewy-Körperchen-Demenz finden sich Lewy-Körperchen im Gehirn.
Forschung
Forschende des DZNE fahnden unter anderem nach den biologischen Mechanismen, die der Lewy-Körperchen-Demenz zugrunde liegen.
Friedrich Jacob Heinrich Lewy
Der Neurologe, Psychiater und Neuropathologe Friedrich Jacob Heinrich Lewy wurde 1885 in Berlin geboren. Er absolvierte nach seinem Abitur ein Medizinstudium in Zürich und Berlin. Lewy arbeitete unter anderem im Labor von Alois Alzheimer, dem er 1912 nach Breslau folgte. Später arbeitete er in der Charité in Berlin, wo es sich im Fachgebiet der Neurologie habilitierte. Lewy wurde 1926 zunächst Chef der neurologischen Abteilung der Charité und 1930 Chef des neurologischen Instituts in Berlin. 1932 gründetet er eine eigenständige neurologische Klinik und Forschungsinstitut. Er konnte dieses jedoch nur bis 1933 leiten - bis ihm die Nationalsozialisten aufgrund seiner jüdischen Herkunft die Lehrerlaubnis entzogen. Lewy wurde bekannt als Entdecker der nach ihm benannten Lewy-Körperchen, die er erstmals 1912 bei Parkinson-Patienten beschrieben hatte. Er hatte die charakteristischen runden Eiweißablagerungen in bestimmten Nervenzellen des Hirnstamms von verstorbenen Patienten entdeckt. Erst 1989 wurde deutlich, dass Lewy-Körperchen auch bei Demenzkranken auftreten, die niemals oder erst spät Parkinson-Symptome zeigen - in Nervenzellen der Großhirnrinde.