Alzheimer Patienten Angehörigengruppe Gießen: Unterstützung und Austausch für Angehörige

Die Diagnose Demenz bei einem Familienmitglied stellt Angehörige vor immense Herausforderungen. Neben der emotionalen Belastung durch den fortschreitenden Verlust der kognitiven Fähigkeiten des Betroffenen, kommen oft noch organisatorische und pflegerische Aufgaben hinzu, die den Alltag stark verändern. Umso wichtiger ist es, dass Angehörige von Demenzkranken Unterstützung und Entlastung finden. Eine wertvolle Möglichkeit hierfür bieten Angehörigengruppen, wie die Alzheimer Patienten Angehörigengruppe Gießen.

Die Belastung der Angehörigen

Die Pflege eines demenzkranken Menschen bringt die meisten Angehörigen an ihre Belastungsgrenze. Oftmals leben nicht nur die Demenzpatienten, sondern auch die Angehörigen sozial isoliert. Dann ist es häufig nicht mehr möglich, sich einfach so mit Freunden zu treffen oder an Veranstaltungen teilzunehmen.

Die Alzheimer Patienten Angehörigengruppe Gießen: Ein sicherer Hafen für Austausch und Unterstützung

Die Gesprächsgruppe für Angehörige von Demenzkranken an der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Gießen wurde auf Initiative von Markus Boss (Oberarzt), Christa Speier (Psychologin) und Yuliya Traum (Sozialdienst) ins Leben gerufen. Sie trifft sich immer am dritten Dienstag im Monat um 18 Uhr im Konferenzraum 1 der Klinik (Neubau/Haus 6, Licher Straße 106, 35394 Gießen).

Ein offenes Ohr und gegenseitiger Austausch

Eine große Hilfe kann hier der Austausch mit anderen Betroffenen sein. Die meisten haben einen sehr großen Redebedarf. Das ist nachvollziehbar. Die Teilnehmer unserer Gruppe bedanken sich jedes Mal für die Möglichkeit, zu uns zu kommen und andere Menschen kennenzulernen. Neue Teilnehmer dürfen natürlich erst einmal ankommen. Sie werden eingeladen, etwas zu sagen oder einfach zuzuhören - ganz wie sie möchten. Keiner wird dazu gedrängt, sofort seine Lebensgeschichte zu erzählen. Interessant ist, dass sich die Themen, über die gesprochen wird, immer von selbst entwickeln. Die Teilnehmer erzählen sich von Alltagssituationen, die schwierig für sie waren und für die sie keine Lösung hatten. Wir springen nicht immer sofort ein, sondern warten ab, ob die Gruppe sich selbst helfen kann.

Die Angehörigengruppe bietet Unterstützung für Familienmitglieder und Freunde, die sich um Demenzkranke kümmern. Sie ermöglicht den Austausch von Erfahrungen, Sorgen und praktischen Tipps im Umgang mit den Herausforderungen der Demenzpflege. Die Teilnehmenden erhalten emotionale Unterstützung, lernen Bewältigungsstrategien und erfahren mehr über die Krankheit und verfügbare Hilfsangebote. Ein Einstieg ist jederzeit möglich. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

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Fachkundige Begleitung und Information

Klar ist: Es gibt viel Nachholbedarf, was die Kenntnisse über die Erkrankung angeht. Wir sind immer zu zweit in der Gruppe - eine Vertreterin aus dem Sozialdienst und eine Psychologin. Manchmal kommen auch Vertreter verschiedener Berufsgruppen aus unserer Klinik dazu: Zum Beispiel unser Oberarzt Markus Boss, der dann Fragen zur Diagnose und Behandlung beantwortet. Angedacht ist auch, dass jemand aus der Pflege vorbeikommt, um den pflegenden Angehörigen Tipps für den Alltag zu geben. Das ist auch mit Ernährungsberatern, Physio- oder Ergotherapeuten möglich. Information ist gut.

Themenvielfalt und offene Gespräche

Unsere Teilnehmer fühlen sich von der Gruppe sehr ernstgenommen in ihrer Belastung und manchmal auch Überforderung. Bei uns dürfen alle Themen angesprochen werden, auch heikle Dinge wie Suizidalität, Alter, Intimität oder Liebe. Es fließen auch Tränen. Wichtig ist aber: Wir sind keine Klagegruppe. Wir lachen sehr viel und vieles wird mit Humor erzählt. Wenn wir als Moderatoren merken, dass die Gruppe in eine negative Schleife gerät, bringen wir sie durch eine neue Frage wieder auf eine positive Bahn. Das schlechte Gewissen ist für alle ein sehr großes Thema. Viele können nicht loslassen und fühlen sich rund um die Uhr verantwortlich. Dabei vergessen sie, dass sie auch auf sich selbst achten müssen. Loslassen zu lernen, ist wichtig und manchmal ein langer Prozess, der durch die Gruppe gefördert werden kann. Die Teilnehmer ermutigen sich gegenseitig, neue Wege zu gehen - zum Beispiel auch mal das Angebot einer Tagespflege anzunehmen - und sich so Raum zum Durchatmen zu verschaffen. Nicht zuletzt erfahren sie, dass auch unsere Klinik mit ihrem stationären Therapieangebot zur Stelle ist, wenn die Situation zu Hause kritisch wird. Das beruhigt.

Empowerment durch Erfahrungsaustausch

Die Gruppe kann vieles: Sie kann Trost spenden. Sie kann zuhören. Und sie kann auch das Selbstbewusstsein stärken. Unsere Gruppenteilnehmer geben sich oft gegenseitig wertvolle Tipps für den Alltag, denn sie sind Experten aus eigener Erfahrung. Viele berichten voller Stolz, wenn sie für eine schwierige Situation eine Lösung gefunden haben. Und davon können auch die anderen profitieren. Wer anderen mit seiner Erfahrung helfen und sich so nützlich machen kann, bekommt dadurch selbst ein positives Gefühl.

Tipps für den Umgang mit Demenzkranken

Sie begleiten, betreuen oder pflegen einen Menschen mit Demenz. Auf dieser Seite finden Sie erste Anregungen und Tipps zum wertschätzenden Umgang mit betroffenen Personen. Diese sollen Ihnen helfen, sich auf die veränderte Situation einzustellen.

Wertschätzung und Respekt

Nehmen Sie den Menschen respektvoll so an, wie er ist. Weisen Sie die erkrankte Person nicht auf Fehler hin. Lassen Sie "richtige" Informationen eher ins Gespräch einfließen. Versuchen Sie nicht die Sichtweise des erkrankten Menschen zu verändern. Gehen Sie auf die Gefühle der betroffenen Person ein.

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Selbstständigkeit fördern und Gefahren minimieren

Menschen mit Demenz möchten ihren Alltag möglichst selbstständig gestalten. Minimieren Sie daher Gefahrenquellen in deren Umgebung. Entfernen Sie Stolperquellen (Teppiche, Schwellen etc.) und vermeiden Sie unsicheres Schuhwerk (z.B. Sichern Sie Elektro- und Gasgeräte (z.B. Auch wenn Essen zerkleinert bzw. Spezielle technische Hilfsmittel können das selbstständige Essen erleichtern. Informationen dazu erhalten Sie z.B. Altbekannte Spiele, wie Halma, Mensch ärgere dich nicht, Rommee, evtl.

Auf sich selbst achten

Auch wenn die Betreuung viel Aufmerksamkeit und Zeit beansprucht, vergessen Sie nicht, auch auf sich selbst zu achten.

Weitere Unterstützungsangebote in der Region Gießen und Umgebung

Neben der Angehörigengruppe in Gießen gibt es zahlreiche weitere Anlaufstellen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in der Region. Hier eine Auswahl:

  • Alzheimer Gesellschaft Mittelhessen e.V.: Bietet Beratung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige. (Herr Dr. H. Licher Str.)
  • Alzheimer Beratung e.V.: Ansprechpartner für Fragen rund um Demenz. (Marktstr.)
  • Alzheimer-Cafe: Treffpunkt für von Demenz betroffene Menschen. (Mercatorstr., Teutoburger Str., Detmolder Str.)
  • Tagespflege: Entlastungsangebot für pflegende Angehörige. (Bahnhofstr.)
  • Beratungsstelle für Menschen mit (und drohenden) Behinderung(en), chronisch Kranke, Angehörige, Institutionen und alle Interessierte: (Tränkestr. 15, 34497 Korbach; Bremerstr. 4, 35066 Frankenberg EderTelefonKorbach: 05631- 5048728 | Frankenberg: 06451-2599950)
  • Das Anonyme Sorgentelefon: Bietet anonyme und vertrauliche Gespräche in Notlagen und Krisensituationen.
  • Die telefonische Pflegeberatung: Unter der gebührenfreien Servicenummer 0800 101 88 00 bundesweit zu erreichen.
  • Allgemeine Lebensberatung: Bietet Hilfe zu sozialrechtlichen Fragen.
  • Sozialpsychiatrischer Dienst im Gesundheitsamt des Kreises Groß-Gerau: Unterstützt Erwachsene in seelischen Krisensituationen, mit psychischen Erkrankungen und mit Abhängigkeitserkrankungen.
  • Ambulanter Hospizdienst: Begleitet Menschen in ihrer letzten Lebensphase sowie deren Angehörige. (MarburgTelefon06421 / 965626)
  • Hospizverein Gießen e.V.: Begleitet schwerstkranke und sterbende Menschen, sowie deren Zugehörige.

Die aktuelle Situation und besondere Herausforderungen

Die aktuelle Situation ist für uns alle eine besondere Herausforderung, sie verunsichert und bedrückt. Für Menschen mit Demenz sind die Auswirkungen häufig jedoch noch belastender, denn sie können nicht verstehen und nachvollziehen, was gerade passiert. Eine Ihnen nahestehende Person hat eine Demenz und muss ins Krankenhaus. Patientinnen und Patienten mit Demenz ihren Bedürfnissen entsprechend zu versorgen, erfordert mehr Zeit als bei anderen. Auch wenn wir es uns anders wünschen, fehlt dem medizinischen und pflegerischen Personal oftmals diese Zeit. Und Sie, als Angehörige, machen sich große Sorgen und haben viele Fragen vor, während und manchmal auch noch nach einem Krankenausaufenthalt. Gleichzeitig sind Sie mehr denn je die wichtigste Bezugsperson für die erkrankte Person.

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