Demenz, insbesondere die Alzheimer-Krankheit, stellt eine wachsende Herausforderung für unsere Gesellschaft dar. In der Region Bernkastel-Kues und dem Landkreis Bernkastel-Wittlich gibt es jedoch zahlreiche Initiativen, Angebote und Unterstützungssysteme, die Betroffenen und ihren Angehörigen zur Seite stehen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Demenz in dieser Region, von der Sensibilisierung und Aufklärung bis hin zu konkreten Hilfsangeboten und Urlaubsmöglichkeiten.
Sensibilisierung und Aufklärung: Ein wichtiger Schritt
Die Abteilung für Altersmedizin/Akutgeriatrie am Cusanus Krankenhaus in Bernkastel-Kues engagiert sich seit Jahren stark für die öffentliche Sensibilisierung für die speziellen Anforderungen demenziell veränderter Menschen. Jährlich finden Informationstage oder Präsentationen anlässlich des Weltalzheimertages statt. Das "Demenznetzwerk Bernkastel-Wittlich" organisiert im Landkreis Bernkastel-Wittlich anlässlich des Welt-Alzheimertages und der Woche der Demenz Veranstaltungen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten.
Ein bemerkenswertes Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Kunstlehrer Uwe Klaus Lehofer und seinen Schülern durchgeführt. Sie fertigten Büsten an, die sich künstlerisch mit dem Spannungsfeld von Persönlichkeit, Identität und dem erkrankungsbedingten Vergessen eigener Erinnerungen beschäftigen. Diese Büsten wurden dem Cusanus Krankenhaus als Schenkung übergeben.
Workshops und Schulungen für einen besseren Umgang
Um den Umgang mit Menschen mit Demenz zu verbessern, wurden spezielle Workshops angeboten. So fand beispielsweise ein Workshop unter dem Titel „Mein Kunde hat Demenz: Was muss ich wissen?“ in der Güterhalle in Bernkastel-Kues statt. Das Team um Chefarzt Volker Pickan von der Fachabteilung für Altersmedizin am Cusanus Krankenhaus hatte zu dieser Veranstaltung speziell Mitarbeiter von Verwaltungen, Bankinstituten, Polizei sowie Gewerbetreibende und Auszubildende eingeladen. Ergotherapeut Andreas Höcker, der Geriater Volker Pickan und Emmerich Berg, Lehrer für Gesundheitsfachberufe, erläuterten den Teilnehmern die Erkrankungshintergründe und gaben Tipps zur angepassten Kommunikation mit Betroffenen.
Die Rolle des Demenznetzwerks Bernkastel-Wittlich
Als Sprecher des Demenznetzwerks Bernkastel-Wittlich macht Andreas Höcker auf dem Welt-Alzheimertag auf die Krankheit aufmerksam. Er betont, wie wichtig es ist, den Erkrankten einen Ort zu geben, wo sie sich wohl- und wertgeschätzt fühlen, und sie so anzunehmen, wie sie sind. Es gehe darum, Leichtigkeit und Beschwingtheit zu vermitteln und im Hier und Jetzt zu leben. Hektik im Umgang mit den Betroffenen sei Gift, sie bräuchten Zeit.
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Beratungs- und Koordinierungsstelle Demenz (BeKo Demenz)
Die Beratungs- und Koordinierungsstelle der Caritas (BeKo Demenz) hat die Aufgabe, die Alltagssituation von dementiell erkrankten Menschen zu verbessern. Ulrike Jung-Ristic von der BeKo Demenz erklärt, dass die Aufgaben die Beratung für Betroffene und Angehörige von Menschen mit Demenz sowie die Organisation und Durchführung von Schulungen für Angehörige, Ehrenamtliche und sonstige Gruppen umfassen. Sie gibt auch einen Überblick über die entlastenden Angebote im Landkreis, die von ehrenamtlichen Betreuungsgruppen und Besuchsdiensten bis hin zu Sportangeboten und einem Demenz-Café reichen.
Aktuelle Situation und zukünftige Entwicklung im Landkreis
Ulrike Jung-Ristic schätzt, dass im Jahr 2020 im Landkreis Bernkastel-Wittlich etwa 2.300 Menschen über 65 Jahre von Demenz betroffen sein könnten. Im Jahr 2040 könnte diese Zahl auf etwa 3.000 ansteigen. Sie betont, dass die Hilfsangebote noch ausbaufähig sind, insbesondere an den Wochenenden.
Herausforderungen und Bedürfnisse von Betroffenen und Angehörigen
Sowohl Betroffene als auch Angehörige haben oft Schwierigkeiten, bei den ersten Anzeichen ärztlichen Rat einzuholen bzw. mit der Diagnose an die Öffentlichkeit zu gehen. Es besteht großer Gesprächsbedarf, und die Planung von Veranstaltungen ist aktuell schwierig.
Unterstützung für pflegende Angehörige
Die Pflege und das Verständnis für das besondere Verhalten von Menschen mit Demenz/Alzheimer erfordert von den Angehörigen ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen. Dabei kommen die Pflegenden oft an ihre emotionalen und körperlichen Grenzen. Es gibt verschiedene Selbsthilfegruppen und Gesprächskreise für pflegende Angehörige, die eine wichtige Unterstützung bieten. Diese Gruppen ermöglichen es, Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig Mut zu machen und eigene Wege im Umgang mit herausfordernden Situationen zu finden.
Einige Beispiele für Selbsthilfegruppen und Gesprächskreise in der Region sind:
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- Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige und Betroffene in Mendig
- Angehörigenabend der Alzheimer Gesellschaft nördliches RlP in Mayen
- Gesprächskreis pflegender Angehöriger im Seniorenbüro in Trier
- Gesprächskreis von Angehörigen der Tagespflegegäste in Bitburg
- Alzheimer Selbsthilfegruppe Idar-Oberstein
Urlaubsmöglichkeiten für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen
Es gibt spezielle Urlaubsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, die eine Auszeit vom Pflegealltag ermöglichen. Diese Angebote bieten sowohl Betreuung für die Erkrankten als auch Erholung für die Pflegenden.
Einige Beispiele für solche Urlaubsangebote sind:
- Demenzbildungsfreizeit im Alb-Donau-Kreis
- Urlaub für Gäste mit Demenz und ihre Angehörigen in Rottenburg am Neckar
- Auszeit von der Pflege im Schwarzwald (Bad Peterstal)
- Urlaub für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in Neuerburg (Eifel)
Diese Urlaubsangebote ermöglichen es den Angehörigen, sich zu erholen und neue Kraft zu tanken, während die Erkrankten professionell betreut werden.
Weitere Initiativen und Angebote
Neben den bereits genannten Angeboten gibt es noch weitere Initiativen und Organisationen, die sich für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen engagieren. Dazu gehören:
- Alzheimer Gesellschaft RLP e.V.
- Demenzzentrum e.V. in Trier
- Kirchliche Sozialstation Baumholder/Birkenfeld e.V.
- Nestwärme e.V. Deutschland
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