Die Alzheimer-Krankheit, eine der häufigsten Ursachen für Demenz, stellt eine wachsende Herausforderung für unsere alternde Gesellschaft dar. Lange Zeit als unvermeidliches Schicksal im Alter betrachtet, mehren sich jedoch die Anzeichen, dass Alzheimer nicht zwangsläufig ist. Aktuelle Forschungsergebnisse und Expertenmeinungen deuten darauf hin, dass durch gezielte Präventionsmaßnahmen und frühzeitige Interventionen das Risiko einer Erkrankung gesenkt und der Verlauf der Krankheit verlangsamt werden kann.
Hoffnungsschimmer in der Alzheimer-Forschung
"Wir haben Grund zur Hoffnung, dass Alzheimer und andere Demenzen gebremst oder gar verhindert werden können", betont Professor Richard Dodel von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Diese Aussage unterstreicht den Optimismus, der in der aktuellen Forschung vorherrscht. Der Fokus liegt dabei auf der frühzeitigen Identifizierung von Personen mit erhöhtem Demenzrisiko und der Entwicklung von Strategien, um dem kognitiven Verfall entgegenzuwirken, solange die Betroffenen noch keine Symptome zeigen.
Trotz intensiver Forschung gestaltet sich die Suche nach einem Heilmittel für Alzheimer weiterhin schwierig. "Wir treten bei der Behandlung von Patienten im Stadium der Demenz trotz intensiver Forschung auf der Stelle", räumt Professor Dodel ein. Viele vielversprechende Medikamentenstudien haben bisher nicht die gewünschten Ergebnisse erbracht. Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung, da die jüngste Forschung entscheidende neue Erkenntnisse über die Entstehung der Alzheimer-Krankheit hervorgebracht hat.
Risikofaktoren erkennen und gegensteuern
Alzheimer entwickelt sich schleichend über viele Jahre, oft bevor die ersten Symptome für den Patienten spürbar werden. In dieser frühen Phase lassen sich jedoch bereits Risikofaktoren identifizieren, die auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer späteren Erkrankung hindeuten. Dazu gehören Biomarker wie Amyloid und Tau, genetische Mutationen und bekannte Risikofaktoren wie der Fettstoffwechselmarker Apolipoprotein E.
Die Demenzforschung hat daher eine neue Zielgruppe ins Visier genommen: kognitiv gesunde Personen mit einem hohen Risikoprofil. Aktuell laufen insbesondere in den USA Studien, in denen Patienten, die zwar ein Risikoprofil haben, aber noch keinerlei kognitive Einschränkungen aufweisen, gezielt medikamentös behandelt werden. Zu diesen Studien gehören unter anderem die A4 Study (Anti-Amyloid Treatment in Asymptomatic AD), die Alzheimer’s Prevention Initiative (API) und die DIAN-Study, an der auch deutsche Zentren beteiligt sind.
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"Die präsymptomatische Behandlung ist ein vielversprechender Ansatz", betont Dodel. Dies spiegelt sich auch in der finanziellen Unterstützung wider, die die Alzheimerforschung erhält.
Ein gesunder Lebensstil als Schutzschild
Neben der medikamentösen Behandlung spielt ein gesunder und aktiver Lebensstil eine entscheidende Rolle bei der Prävention von Alzheimer. "Wir haben außerdem zuverlässige Daten, die belegen, dass ein gesunder und aktiver Lebensstil vor Alzheimer schützt", betont Professor Dodel. Die neue S3-Leitlinie Demenzen der DGN und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) empfiehlt, insbesondere Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht im Auge zu behalten.
"Als Faustregel gilt: Was für das Herz gut ist, hilft auch dem Gehirn", so Dodel. Dies bedeutet, dass eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf schädliche Substanzen wie Nikotin und übermäßigen Alkoholkonsum das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung senken können.
Veränderbare Risikofaktoren im Fokus
Studien haben gezeigt, dass bestimmte Risikofaktoren für Alzheimer veränderbar sind. Dazu gehören Diabetes mellitus, Übergewicht, niedrige Bildung, Rauchen, mangelnde Bewegung, Depression und Bluthochdruck. "Wenn wir diese Risikofaktoren in den Griff bekommen, könnte sich die Zahl der Alzheimer-Patienten weltweit um eine Million reduzieren", betont Dodel.
Neue Daten bestätigen außerdem den vorbeugenden Effekt von Sport, gesunder Ernährung und kognitivem Training. "Die Chance, bis ins hohe Alter geistig leistungsfähig zu bleiben, steigt, wenn der Mensch aktiv bleibt - sozial, geistig und körperlich", fasst Dodel zusammen.
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Die Rolle der Prävention im Detail
Die "Lancet Commission" hat eine Liste von Risikofaktoren erstellt, die das Demenzrisiko beeinflussen. Viele dieser Faktoren hängen mit unserem Lebensstil zusammen: Ernährung, Bewegung, soziale Kontakte, aber auch Schlaf, Hörvermögen und Bildung spielen eine überraschend große Rolle. Wer Demenz vorbeugen will, muss die komplexen Ursachen verstehen. Die Krankheit entsteht nicht plötzlich - sie entwickelt sich über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg. In dieser langen Phase der sogenannten stillen Veränderung können wir viel tun, um unser Risiko zu senken.
Bildung
Ein aktiver Geist von Kindesbeinen an und der Zugang zu Bildungsmöglichkeiten könnte das Demenz-Risiko laut Lancet-Studie um 60% mindern. Bildung bzw. eben die mangelnde Bildung sei gemäß der Lancet-Kommission der einzige relevante Faktor für Menschen unter 45 Jahren, an einer Demenz zu erkranken. Die Politik solle daher auf die Bildung von Kindern setzen, schreiben die Autoren. Doch auch erwachsene und ältere Menschen sollten sich geistig aktiv halten.
Schwerhörigkeit
Schwerhörigkeit kann zu einer Demenz führen? Tatsächlich ist dies ein Faktor, der allgemein leider unterschätzt wird bzw. relativ unbekannt ist. Gemäß der Forschenden sind ca. 8% aller Demenz-Entstehungen darauf zurückzuführen. Doch bei genauerer Betrachtung werden die Zusammenhänge deutlich: Schwerhörigkeit, die nicht behandelt wird (also meist durch das Tragen eines Hörgerätes) führt zu sozialer Isolation und Kommunikationsproblemen - Risikofaktor 7. Darüber hinaus führt ein Hörverlust wohl auch zu Veränderungen im Gehirn: Durch die starke Konzentration auf das Hören werden andere Hirnfunktionen auf Dauer belastet und vernachlässigt. Vor allem die Hirnrinde und der Hippocampus, also die Schaltstelle zwischen Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis, können davon betroffen sein. Stellt man also Hörverlust fest, sollte man nicht zu lange warten und einen HNO-Arzt aufsuchen.
Hypertonie
Bluthochdruck stellt ein weiteres Risiko dar, an Demenz zu erkranken. Entsprechende Studien weisen darauf hin, dass bereits geringfügig erhöhte Blutdruckwerte das Demenz-Risiko erhöhen können. Ein Blutdruck über 140 mmHg systolisch (Druck beim Herzschlag) im mittleren Alter erhöht das Demenzrisiko den Daten zufolge um 60 Prozent.
Adipositas
Übergewicht kann Auslöser für zahlreiche Erkrankungen sein - so leider auch Demenz. Wer einen Body-Mass-Index von über 30 hat, trägt gemäß Studien ein um 30% höheres Risiko, im Alter an Demenz zu erkranken. Durch die dauerhafte Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe kommt es leichter zu Gefäßerkrankungen und zu Durchblutungsstörungen, auch im Gehirn.
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Rauchen
Rauchen ist gemäß Lancet-Commission ab einem Alter über 65 Jahren der wichtigste Demenzrisikofaktor. Das Risiko, am einer Demenz zu erkranken, erhöht sich hier um dramatische 60 Prozent. Weltweit betrachtet, rauchen rund 27 Prozent der Menschen in diesem Alter, und so sollen 5,2 Prozent aller Demenzerkrankungen auf Tabakkonsum zurückzuführen sein. Rauchen kann zu Arteriosklerose führen und den Hirnstoffwechsel schädigen, was die kognitive Leistung im Alter beeinträchtigen kann. Die Folgen können Alzheimer oder andere Formen der Demenz auslösen.
Depressionen und psychischer Stress
Dauerhafter Druck, Überforderung, Sorgen und Nöte, also psychischer Stress, spielen leider auch beim Risiko an einer Demenz zu erkranken eine Rolle. Auch Depressionen, die sich nicht nur psychisch, sondern auch physisch manifestieren können, zählen dazu. Ca. 8,2 Prozent, das sind 5,2 Millionen Menschen in Deutschland, erkranken mittlerweile im Laufe eines jeden Jahres an einer Depression, schätzt die AOK-Versicherung. Weiter stark vermehrt haben sich diese Leiden übrigens auch durch die COVID-19-Pandemie mit all ihren Belastungen, Einschränkungen, Corona-Erkrankungsfällen und deren Folgeerscheinungen durch Long-Covid- und Post-Covid-Syndromen. Traurigkeit, Stress und depressive Störungen beeinträchtigen die Gehirnfunktionen und gemäß Studie lassen sich insgesamt 3,9 Prozent aller Demenzerkrankungen auf diesen Faktor zurückführen. Es ist deshalb aus psychiatrischer Sicht höchst wichtig, Depressionen frühzeitig zu erkennen und aktiv zu behandeln, um einer möglichen Demenz-Erkrankung vorzubeugen. Im Übrigen sind viele Demenz-Patient:innen ebenfalls von einer Depression betroffen, da beide Erkrankungen einander bedingen können.
Soziale Isolation
Einsamkeit und soziale Isolation sind regelrechtes Gift für den Menschen, denn der Mensch ist - zumeist jedenfalls - ein soziales Wesen, das nur im Miteinander gedeihen kann und andere genauso notwendig braucht wie Nahrung und Licht. Doch Millionen Menschen, zumal Ältere, sind oft einsam und haben kaum oder gar keine sozialen Kontakte. Dies beeinflusst die Gehirnfunktionen deutlich. So assoziieren die Forscher mit sozialer Isolation ein um rund 60 Prozent erhöhtes Demenzrisiko und führen 3,5 Prozent der Erkrankungen allein darauf zurück.
Altersdiabetes
Typ-2-Diabetes, oft auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet, ist die häufigste Diabetesform. Bei dieser Stoffwechselerkrankung können die Körperzellen das Hormon Insulin immer schlechter verwerten und den Zucker aus dem Blut nicht mehr optimal in das Zellinnere schleusen. Dies führt u. a. dazu, dass der natürlich auch im Gehirn gestörte Insulinstoffwechsel die krankmachenden Faktoren einer Demenz-Erkrankung fördert. Gemäß „Lancet“ geht Altersdiabetes mit einem um 50 Prozent erhöhten Demenzrisiko einher und rund 1,1 Prozent aller Demenzerkrankungen weltweit sind darauf zurückzuführen.
Körperliche Inaktivität
Regelmäßige Bewegung und Sport wirken sich positiv auf die kognitiven Fähigkeiten aus und auch wenn bereits eine Demenz-Erkrankung eingetreten ist, kann körperliche Aktivität dazu beitragen, den Verlauf der Erkrankung hinauszuzögern. Bei zumeist inaktiven Menschen, die sich kaum bewegen und keinen Sport treiben, machten die Forscher ein um 40 Prozent erhöhtes Demenz-Risiko aus. Dabei führt Bewegungsfaulheit nicht direkt ins Risiko; vielmehr machen sich Dauersitzen und Bewegungsarmut über die Jahre und vermehrt im höheren Alter in Form von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bemerkbar, die wiederum einer Demenz-Erkrankung Vorschub geben.
Alkoholkonsum
Dass übermäßiger Alkoholkonsum die Nervenzellen schädigt, ist hinlänglich bekannt. Es ist zwar nicht so, dass man durch regelmäßiges Trinken oder gar Alkohol-Delirien alle Gehirnzellen vernichten kann. Aber Alkohol an sich ist ein reines Nervengift und wer es täglich über die Maßen konsumiert, erhöht sein Risiko, mittel- oder langfristig an einer Demenz zu erkranken, um 20 Prozent. Andere hochbeachtete Studien gehen sogar von 39 Prozent aus. Darüber hinaus steigt das Risiko an Bluthochdruck, Diabetes, Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz zu erkranken. Unter übermäßigem Konsum versteht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) derzeit übrigens 60 Gramm Reinalkohol bei Männern, was in etwa 1,5 Litern Bier oder einer Flasche Wein entspricht. Die Frauen sollten noch stärker aufpassen: Hier liegt der empfohlene Grenzwert bei 40 Gramm, der mit einem Liter Bier bzw. einer halben Flasche Wein erreicht wird.
Schädel-Hirn-Traumata
Als Schädel-Hirn-Traumata bezeichnet man Verletzungen des Schädelknochens, die durch Hirnschwellungen und Blutungen zu einer Funktionsstörung des Gehirnes führen können. Häufige Ursachen sind Stürze, Verkehrsunfälle, Sportverletzungen. Je nach Schwere des Traumas treten unterschiedliche Symptome auf. Die Forschung hat Schädel-Hirn-Traumata (SHT) in den vergangenen Jahren zunehmend als Risikofaktor für Demenz-Erkrankungen erkannt und die Lancet-Autoren beziffern die Häufigkeit einer Krankheitsentstehung durch ein SHT mit 3,4 Prozent aller Demenzfälle.
Luftverschmutzung
Der letzte Risiko-Faktor der Lancet-Studie geht mit der Umweltbelastung einher, ist ergo hausgemacht und macht in letzter Konsequenz natürlich auch beim Menschen selbst nicht Halt. Vor allem Feinstaub und Stickoxide zerstören das Gehirn. Lange Zeit dachte man, das Gehirn sei durch die Blut-Hirn-Schranke vor schädlichen Angriffen von außen geschützt, doch da z. B. Feinstaub (mit Giftstoffen befüllte winzige Tröpfchen und Festkörperpartikel, die gerade mal ein Dreißigstel eines menschlichen Haares groß sind) durch die Nase beim Einatmen direkt über den Riechkolben ins Gehirn gelangen kann, nützt diese Schranke in diesem Falle nichts. Die Risikoerhöhung für Demenz-Erkrankungen liegt den aktuellen Daten zufolge zwar - noch - nur bei rund zehn Prozent in belasteten Regionen wie Millionen-Städten und Industriegebieten.
Provokante Thesen und neue Therapieansätze
Der Mediziner und Molekulargenetiker Dr. Michael Nehls vertritt die provokante These, dass Alzheimer heilbar sei. Er betrachtet Alzheimer nicht als unabwendbares Schicksal im Alter, sondern als Mangelerkrankung, die mit einem ganzheitlichen Ansatz im frühen und sogar im mittleren Stadium heilbar sei. Die Rückkehr zu einem natürlichen Lebensstil mit guter Ernährung, Stimulation des Gehirns durch körperliche und geistige Herausforderungen und die Pflege sozialer Kontakte nennt Nehls als Pfeiler der Prävention und gleichzeitig auch der Therapie.
Nehls betont die Bedeutung des Hippocampus, jener "seepferdchenförmige" Sitz unseres "emotionalen Gedächtnisses", für die Archivierung überlebenswichtiger Informationen. Bei einer Alzheimer-Erkrankung funktioniere die Neubildung von Hirnzellen in diesem Bereich nicht mehr. Körpereigene Proteine, die Beta-Amyloide oder "Alzheimer-Toxine", verklebten zu Plaques und ließen Nervenzellen absterben.
Das wichtigste Ziel einer Alzheimertherapie sei es, die Bildung und Vernetzung neuer Hirnzellen wieder zu stimulieren, sagt Nehls. Seine Therapie setzt an vielen Stellen gleichzeitig an:
- Ernährung: Ausreichend Baustoffe für neue Hirnzellen, Fisch statt Fleisch, wenig Zucker, dafür alle Vitamine, Spurenelemente, besonders auch Lithium, und Polyphenole.
- Bewegung und soziale Kontakte: Viel körperliche Bewegung, die Suche nach sinngebender Beschäftigung und soziale Kontakte stimulieren Hormone, die sich auf die Regulierungsmechanismen im Hippocampus auswirken.
- Vermeidung von Giftstoffen: Zu vermeiden sind Giftstoffe wie Alkohol und Nikotin, Transfette und Metalle wie Blei oder Aluminium.
In Nehls' Therapie kommen zudem Antidepressiva zum Einsatz: Johanniskraut, Ginkgo, Lithium und B-Vitamine. Er berichtet von positiven Erfahrungen mit dieser Therapie bei Probanden in den USA und in einer Praxis in Freiburg.
Stoffwechselstörung statt genetisches Schicksal
Noch vor wenigen Jahrzehnten galt Alzheimer als rein genetisch bedingte Krankheit. Heute wissen wir: Es handelt sich um eine multifaktorielle Stoffwechselstörung. Ein zentrales Thema ist der Zusammenhang zwischen Insulin und Amyloid-Abbau. Bei dauerhaft erhöhtem Insulinspiegel, wie er bei Insulinresistenz oder Diabetes häufig vorkommt, wird die Amyloid-Eliminierung behindert. Alzheimer wird deshalb inzwischen auch als "Diabetes Typ 3" bezeichnet.
Bewegung spielt eine entscheidende Rolle, da sie den Stoffwechsel anregt und das Gehirn vor Abbau schützt. Auch Umweltfaktoren wie Mikroplastik und Autoantikörper scheinen beteiligt zu sein. Das Spurenelement Lithium kann als "innere Putzkolonne" wirken und beschädigte Zellbestandteile abbauen.
Immer mehr Studien bestätigen, dass Alzheimer nicht unaufhaltbar ist. In einer aktuellen Untersuchung verbesserten Teilnehmer, die konsequent ein multimodales Programm umsetzten, ihre geistige Leistungsfähigkeit messbar.
Kompetenz statt Demenz: Lebensstilmedizin im Fokus
Das Projekt "Kompetenz statt Demenz" ist eine Initiative der Deutschen Stiftung für Gesundheitsinformation und Prävention (DSGIP). Der Fokus liegt dabei auf lebensstilorientierten Maßnahmen, da die Erkrankung oft eng mit Faktoren wie Ernährung, Bewegung, Schlaf und Umweltgiften verknüpft ist.
Die gute Nachricht: Rückgang der Neuerkrankungen
Entgegen der Befürchtung, dass mit steigender Lebenserwartung auch die Zahl der Alzheimerkranken dramatisch ansteigen würde, sehen wir in den westlichen Industrieländern einen Rückgang der Neuerkrankungen um etwa 25 Prozent bei der Nachkriegsgeneration gegenüber den Generationen zuvor.
Dies hat zwei Ursachen:
- Kognitive Revolution: Demenz ist Verlust erworbenen Wissens - und die Menschen haben heute einfach viel mehr Wissen. Dementsprechend verfügen sie über deutlich mehr Nervenzellkontakte und ein gut vernetztes Gehirn kann Zellverluste besser ausgleichen.
- Kardiovaskuläre Revolution: Dank des medizinischen Fortschritts können wir Infarkte frühzeitig behandeln. Das Herz ist ein sehr wichtiges Organ für ein funktionierendes Gehirn.
In Entwicklungsländern, wo es Ernährungsdefizite gibt und Grundschule noch keine Pflicht ist, sehen wir diesen Rückgang übrigens nicht! Armut ist der größte Risikofaktor für Demenz.
Genetik vs. Lebensführung: Was ist entscheidend?
Alzheimer ist keine Frage der Vererbung. Wir wissen, dass nur 0,1 Prozent von einer bestimmten Genmutation unweigerlich in die Krankheit gezwungen werden. Dann gibt es noch 30 Gene, die bei sieben Prozent der Erkrankungen eine Rolle spielen. Bei 50 Prozent der Alzheimerpatienten ist das Gen für das Cholesterintransportprotein ApoE-e4 verändert, weshalb sie zu viel Cholesterin im Blut haben. Wenn man das senkt und so verhindert, dass es zu Hirnschlägen oder Infarkten kommt, verschwindet das ApoE-e4-Risiko!
Das heißt: Bei 96,1 Prozent der Menschen hängt das Alzheimerrisiko von der Lebensführung ab und ist kein unabwendbares Schicksal.
Was kann man selbst tun?
- Sich viel bewegen: Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns und regt die Neubildung von Nervenzellen an.
- Übergewicht abbauen: Übergewicht erhöht das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die wiederum das Demenzrisiko erhöhen.
- Sich ausgewogen ernähren: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Fisch und wenig Zucker versorgt das Gehirn mit wichtigen Nährstoffen.
- Ausreichend schlafen: Während des Schlafs werden Stoffwechselprodukte aus dem Gehirn abtransportiert und das Gedächtnis konsolidiert.
- Eine "kognitive Reserve" anlegen: Lernen, laufen, lachen. Spiele wie Schach, Backgammon oder Memory spielen, viel lesen, Ballspiele treiben und rege soziale Kontakte pflegen.
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