Die Alzheimer-Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung, die nicht nur das Gedächtnis, sondern auch die Kommunikationsfähigkeit der Betroffenen beeinträchtigt. Eine einfühlsame Kommunikation ist daher von entscheidender Bedeutung, um den Betroffenen Halt zu geben, ihre Lebensqualität zu verbessern und die Beziehung zwischen ihnen und ihren Angehörigen zu stärken. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte der Kommunikation bei Alzheimer-Demenz, von der Diagnosemitteilung bis hin zu spezifischen Kommunikationstechniken und Strategien für den Umgang mit herausforderndem Verhalten.
Die Bedeutung einer frühen und akkuraten Diagnose
Eine frühzeitige und genaue Diagnose der Alzheimer-Krankheit ist entscheidend für ein optimales Krankheitsmanagement und ermöglicht es den Betroffenen, wertvolle Zeit zu gewinnen, um die nächsten Schritte zu planen und sich aktiv in den Entscheidungsprozess einzubringen.
Die Rolle von Biomarkern
Die Genauigkeit einer Diagnose, die auf klinischen Methoden wie Anamnese und neuropsychologischen Tests basiert, liegt bei etwa 75 %. Durch den Einsatz von Biomarkern kann die Diagnosegenauigkeit auf rund 92 % erhöht werden. Komplementäre Diagnoseverfahren wie die Lumbalpunktion oder die Amyloid-Positronen-Emissions-Tomografie (Amyloid-PET) ermöglichen den Nachweis von Amyloid-β- und Tau-Pathologien. Ein evidenzbasierter Einsatz dieser Verfahren ist besonders in Frühstadien der Alzheimer-Krankheit wichtig, um die Entscheidung für das weitere Vorgehen zu unterstützen.
Das Diagnosegespräch: Achtsamkeit und Empathie
Im Diagnosegespräch ist eine achtsame und empathische Gesprächsführung entscheidend. Eine klare und direkte Diagnosemitteilung ist die Voraussetzung für eine Kommunikation auf Augenhöhe. Es ist wichtig, den Betroffenen Zeit und Raum für ihre Reaktionen zu geben und aktiv zuzuhören. Eine ausführliche Erklärung der Untersuchungsergebnisse mit visuellen Hilfsmitteln wie Diagrammen oder Modell-Gehirnen kann das Verständnis der Erkrankung erleichtern. Eine sorgfältige Dokumentation der Untersuchungen, die Veranschaulichung des Leistungsprofils im Vergleich zu kognitiv Gesunden sowie das Erinnern an individuelle kognitive Schwierigkeiten können dazu beitragen, dass die Betroffenen ihre Diagnose besser akzeptieren.
Die Rolle der eingeschränkten Krankheitseinsicht
Die Krankheitseinsicht nimmt in der Regel mit zunehmendem Schweregrad der Erkrankung ab. Eine eingeschränkte oder fehlende Krankheitseinsicht kann weitreichende Folgen für die Betroffenen und ihr Umfeld haben. So können die Patientinnen und Patienten ihre Fähigkeiten überschätzen, was zu Fehlentscheidungen im Alltag führen kann. Zugleich nehmen die Belastungen für die Angehörigen und das medizinische Personal zu. Es ist sinnvoll, auch Angehörige zum Diagnosegespräch einzuladen, weil sie die Hauptlast der Erkrankung tragen. Außerdem haben die Betroffenen selbst häufig Schwierigkeiten die Gesprächsinhalte zu verstehen oder zeigen mitunter kein Interesse an den ärztlichen Ausführungen und Empfehlungen. Es kann hilfreich sein, den Angehörigen das Phänomen der eingeschränkten Krankheitseinsicht zu erklären. So können sie besser verstehen, warum sich die Betroffenen möglicherweise befremdlich verhalten. Wichtig ist zudem, den Angehörigen deutlich zu machen, dass die Alzheimer-Krankheit das veränderte Verhalten verursacht und die Betroffenen selbst „nichts dafürkönnen“. Diese Klarstellung kann zu mehr Toleranz gegenüber den Patientinnen und Patienten beitragen, was sich wiederum positiv auf deren Lebensqualität auswirken kann.
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Grundlagen der Kommunikation mit Demenzkranken
Im Laufe der Erkrankung wird die Kommunikation mit Demenzkranken immer schwieriger, da sich das Gehirn verändert, abbaut und demenzkranke Personen ihre Umgebung und sich selbst verzerrt wahrnehmen. Ohne eine einfühlsame Kommunikation kann sich die Beziehung verschlechtern und dem Betroffenen fehlt der zwischenmenschliche Halt. In Gesprächen müssen Angehörige den Betroffenen mit viel Geduld, Empathie und auf Augenhöhe begegnen. Demenz ist eine Erkrankung, die das Verhalten und die Persönlichkeit verändern kann. Als Angehöriger sollte man daher in die neue Welt des Betroffenen eintauchen und versuchen, dessen Gedankengänge und Verhalten nachzuvollziehen. Trotzdem ist es wichtig, den Demenzerkrankten als eigenständigen Menschen mit Wünschen und Bedürfnissen wahrzunehmen. Es ist wichtig, die Person als eigenständigen Menschen anzusehen und die Demenzerkrankung nicht zu stark in den Vordergrund rücken zu lassen. Der Angehörige oder Freund ist weitaus mehr als ein Patient mit einer Erkrankung und dieses Gefühl muss vermittelt werden. Für Kitewood steht der Mensch im Mittelpunkt, der ein Bedürfnis nach Liebe hat. Die Krankheit ist Teil des Menschen, aber sie definiert ihn nicht. Um sich geliebt zu fühlen, bedarf es Trost, Bindung, Einbeziehung, Beschäftigung und Identität. Die Identität soll durch Erinnerungen weiterhin aufrechterhalten werden. Ermuntern Sie den Demenzkranken, an den Gesprächen in der Familie teilzuhaben und vermeiden Sie unnötige Diskussionen.
Verbale Kommunikation
Im Gespräch mit Demenzerkrankten sollte Augenhöhe und Blickkontakt gewahrt werden. Dies zeigt sich sowohl in der inneren Haltung, als auch in der Körpersprache. Bei sitzenden Menschen daher ebenfalls hinsetzen oder in die Hocke gehen. Außerdem soll Wertschätzung vermittelt werden und Anerkennung gezeigt werden: Zuhören, bekräftigen, das Gesagte zusammenzufassen und nachfragen. Am besten laut und deutlich in klaren und kurzen Sätzen sprechen. Freundliche Gestik und Mimik unterstützt das eigene Anliegen. Auch wenn eine Demenzerkrankung anstrengend sein kann, muss der Umgang höflich erfolgen. Sich bedanken und auf die Fragen des Gegenübers eingehen, zeigt Interesse und Respekt. Trotz ihrer kognitiven Einschränkungen sind Menschen mit Demenz vollwertige und gleichberechtigte Individuen. Während einer Unterhaltung muss dem Gegenüber Zeit für seine Antworten gelassen werden. Das Gehirn braucht bei dementieller Erkrankung häufig länger, um sprachliche Informationen zu verarbeiten. Authentizität und ein Bewusstsein für die Erkrankung des Gegenübers helfen, besser zu kommunizieren. Der Demenzerkrankte reagiert stark auf die Gefühle und Emotionen seines Gegenübers. Die Kommunikation findet stärker auf der Beziehungsebene, als auf der Sachebene statt. Als Kommunizierender daran denken, dass mich der Mensch mit Demenz “durchschaut”. Wenn meine Worte freundlich sind und ich ein Lächeln im Gesicht habe, im Innern aber genervt oder ungeduldig bin, wird er das sehr wahrscheinlich spüren. Menschen mit Demenz sind durch ihre Erkrankung Spezialisten für Gefühle und Intentionen und reagieren direkt auf diese.
Nonverbale Kommunikation
Nonverbale Kommunikation spielt eine entscheidende Rolle bei der Interaktion mit Menschen mit Demenz. Da ihre sprachlichen Fähigkeiten beeinträchtigt sein können, können nonverbale Signale oft besser verstanden werden und eine tiefere Verbindung herstellen. Die nonverbale Kommunikation ist ein wertvolles Instrument für pflegende Angehörige, um eine Verbindung mit Demenzkranken herzustellen und ihnen das Gefühl von Verständnis und Unterstützung zu vermitteln. Die Körperhaltung und Mimik senden starke Botschaften an den Demenzkranken. Eine aufrechte und offene Haltung kann dem Erkrankten zeigen, dass man ihm gegenüber aufmerksam und interessiert ist. Ein freundliches Lächeln kann Wärme und Wertschätzung vermitteln. Der Blickkontakt ist ein wichtiger Aspekt der nonverbalen Kommunikation. Er kann dazu beitragen, dass sich der Demenzkranke gesehen und verstanden fühlt. Durch den Blickkontakt signalisiert man Interesse und Aufmerksamkeit. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass manche Menschen mit Demenz den direkten Augenkontakt als bedrohlich oder überfordernd empfinden können. Berührungen sind ein kraftvolles Mittel der nonverbalen Kommunikation. Eine sanfte Berührung, wie das Halten der Hand oder eine Umarmung, kann dem Demenzkranken Zuneigung und Sicherheit vermitteln. Berührungen können auch beruhigend wirken und Ängste oder Unruhe lindern. Es ist jedoch wichtig, die Reaktionen des Erkrankten zu beachten und seine individuellen Grenzen und Vorlieben zu respektieren. Die bewusste Nutzung von Gestik und Körperbewegungen kann eine effektive Möglichkeit sein, Informationen zu vermitteln und den Demenzkranken zu unterstützen. Durch das Zeigen auf Objekte oder das Nachahmen von Bewegungen kann man dem Erkrankten helfen, bestimmte Handlungen zu verstehen und nachzuahmen. Gesten können auch verwendet werden, um dem Demenzkranken zu signalisieren, dass man ihn versteht und dass man für ihn da ist.
Empathie und Validierung
Empathie ist eine grundlegende Voraussetzung für die Kommunikation mit Demenzkranken. Trauer ernst nehmen und ihn bestätigen: “Ich sehe du bist traurig? Kannst du mir sagen warum? ergänzen. schwierig. seien Sie dafür dankbar” möglichst vermeiden. Antworten darauf erstaunen immer wieder! um eine nicht ausgelebte Emotion aus der Vergangenheit. ertragen sind als Rückzug und Resignation. weil die Vernunft nachlässt. oft Gefühle von Unsicherheit und mangelnder Zugehörigkeit. Vertrautheit und Sicherheit. können? bin da für dich”. Unruhe lässt sich dadurch häufig verringern. sollte man den Betroffenen Entscheidungsspielraum geben. Darf ich dich bitten … ?Darf ich dir helfen … ?Kannst du dir vorstellen … ?Bitte kommen doch mit, ich würde dir gerne etwas zeigen … ?Welchen Pulli möchtest du heute anziehen? Sie, die Sichtweise Ihres Gegenübers einzunehmen! Aussagen erschließen sich oft über den Kontext der Biographie. Begegnen Sie Menschen mit Demenz immer wertschätzend. wie er ist, mit seinen Stärken und Schwächen. auch wenn dies einen starken inneren Widerspruch auslöst. Gegenüber und nicht als Symptomträger wahrzunehmen. Verhaltens. feinfühlig sind und ihre Gefühle ehrlich mit dem Gegenüber teilen. verhindert werden. eigenen Schwächen konfrontiert und resigniert nicht. Offenheit bei. Essen, sodass es dir besser schmecken würde?”. provozieren. fortgeschrittenen Stadium der Demenz eingesetzt werden kann. Gerüche, Berührungen, optische Reize, Vibration oder Musik kann die Wahrnehmung aktiviert und die Sinne stimuliert werden. Dies soll Kompetenzen erhalten und non-verbale Kommunikation fördern. einer Demenz können verschiedene Stadien unterschieden werden. vermeiden. unterschieden werden. Als verbale Kommunikation wird das Verständigen durch Sprache verstanden. Terminen mit Freunden und Familie. ohne Hilfe absolviert werden. langsam wirken. zu nehmen. und sprechen gegeben werden. um dem Gesagten Ausdruck zu verleihen. Verknüpfung hergestellt werden. weitaus mehr eingeschränkt. gerechtfertigt sind. nachvollziehen. Der Lärm von Nachbarn stört mich daheim auch total. Gesprächspartners. bewirken. Vergangenheit. Verlauf der Krankheit einwirken. letzten Stadium der Demenz ist Kommunikation kaum noch möglich. ist für die Betroffenen nahezu unmöglich. Daher wird die nonverbale Kommunikation immer relevanter. Durch die Körpersprache kann der Betroffene Wünsche und Gefühle äußern und sich verständigen. Die basale Stimulation eignet sich hier besonders gut, da sie eine Vielfalt non-verbaler Praktiken abdeckt. Mann schon vor vielen Jahren verstorben ist? Gehirn zurückentwickelt. eigenständig zu beantworten. stressfördernd wirken. Selbstwertgefühl. Demenzerkrankte Sachen oder Gegenstände einbilden. ernsthaft und verständnisvoll auf die Situation eingegangen werden. wie fühlst du dich dabei?” helfen zu dem Betroffenen durchzudringen. fragen, wann sie endlich wieder heim können. obwohl sie längst zuhause sind. Betroffenen an Sicherheit. des Problems herauszufinden.
Praktische Tipps für die verbale Kommunikation
- Kurze und einfache Sätze: Verwenden Sie kurze und prägnante Sätze sowie einfache Wörter. Komplexe und lange Sätze können für Menschen mit Demenz verwirrend sein und ihre Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten, beeinträchtigen.
- Informationen in kleinen Portionen: Versuchen Sie, Informationen in kleinen Portionen zu vermitteln und wichtige Punkte klar und deutlich zu formulieren.
- Gemächliches Tempo: Sprich in einem gemächlichen Tempo und gib dem Demenzkranken ausreichend Zeit, um deine Worte zu verarbeiten und zu verstehen. Vermeide es, dich zu beeilen oder zu drängen.
- Deutliche Aussprache: Achte darauf, deine Worte deutlich und gut verständlich auszusprechen.
- Wiederholungen: Wiederhole wichtige Informationen, Fragen oder Anweisungen, um sicherzustellen, dass der Demenzkranke dich verstanden hat. Wiederholungen können helfen, das Gedächtnis zu stimulieren und Informationen besser zu verankern.
- Bestätigung und Validierung: Darüber hinaus ist es wichtig, die Aussagen des Demenzkranken zu bestätigen und zu validieren.
- Nicht überfordern: Achte darauf, den Demenzkranken nicht mit zu vielen Informationen auf einmal zu überfordern. Beschränke die Anzahl der Fragen oder Anweisungen und gib ihm ausreichend Zeit, um zu antworten oder eine Handlung auszuführen. Vermeide auch mehrdeutige Fragen oder zu viele Auswahlmöglichkeiten, da dies die Verwirrung verstärken kann.
- Aufmerksames Zuhören: Neben dem eigenen Sprechen ist es wichtig, aufmerksam zuzuhören und die nonverbalen Signale des Demenzkranken zu beachten. Achte auf seine Mimik, Gestik und Körperhaltung, um seine Bedürfnisse, Gefühle oder etwaige Unwohlsein besser zu erkennen.
Herausforderndes Verhalten und Strategien für den Umgang
Herausforderndes Verhalten bei Demenzkranken umfasst ein breites Spektrum von Verhaltensweisen wie Aggressionen, Verwirrtheit, Widerstand gegen Pflegemaßnahmen, Unruhe oder Rastlosigkeit. Es ist wichtig, die Ursachen von herausforderndem Verhalten bei Demenzkranken zu verstehen, um angemessen darauf reagieren und geeignete Strategien anwenden zu können. Indem pflegende Angehörige die möglichen Ursachen für herausforderndes Verhalten verstehen, können sie gezielt Maßnahmen ergreifen, um diese zu minimieren oder zu vermeiden. Eine umfassende Beurteilung der individuellen Bedürfnisse und Situation des Demenzkranken ist wichtig, um eine angemessene Betreuung und Unterstützung zu gewährleisten.
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Ursachen für herausforderndes Verhalten
- Degeneration des Gehirns: Die Degeneration des Gehirns bei Demenz führt zu einer Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen und kann Veränderungen im Verhalten hervorrufen. Die betroffenen Gehirnregionen beeinflussen die Emotionsregulation, das Gedächtnis, die Informationsverarbeitung und das Problemlösungsverhalten.
- Kommunikationsschwierigkeiten: Menschen mit Demenz haben oft Schwierigkeiten, ihre Bedürfnisse, Gefühle und Wünsche verbal auszudrücken. Ihre Fähigkeit, komplexe Informationen zu verarbeiten und zu kommunizieren, kann beeinträchtigt sein. Dies führt häufig zu Frustration und Verwirrung, die sich in herausforderndem Verhalten äußern können.
- Körperliche Beschwerden: Demenzkranken fällt es oft schwer, körperliche Beschwerden oder Schmerzen zu kommunizieren. Unbehandelte körperliche Beschwerden können zu Verwirrung, Aggressionen oder Widerstand gegen Pflegemaßnahmen führen.
- Überforderung und Reizüberflutung: Ungewohnte oder überfordernde Situationen in der Umgebung können zu Verwirrung und Angst bei Demenzkranken führen. Lärm, übermäßige Reizüberflutung, eine unruhige oder unstrukturierte Umgebung können Veränderungen im Verhalten auslösen.
- Mangelnde Stimulation: Demenzkranken fehlt oft die angemessene Stimulation, sei es körperlich, geistig oder sozial. Langeweile und Unterforderung können zu Unruhe, Frustration und aggressivem Verhalten führen.
Strategien zur Vermeidung und Deeskalation
- Sichere und strukturierte Umgebung: Um herausforderndes Verhalten zu vermeiden, ist es wichtig, eine sichere und strukturierte Umgebung zu schaffen. Routinen und bekannte Abläufe können Sicherheit und Orientierung bieten. Eine ruhige und entspannte Atmosphäre kann Stress und Angst reduzieren.
- Ruhige und beruhigende Maßnahmen: Bei auftretendem herausforderndem Verhalten sollten ruhige und beruhigende Maßnahmen ergriffen werden, um die Situation zu deeskalieren. Es kann hilfreich sein, die Umgebung zu verändern, indem man Ablenkungen beseitigt oder für eine angenehme Stimulation sorgt.
- Professionelle Hilfe: In einigen Fällen kann es notwendig sein, professionelle Hilfe hinzuzuziehen. Es gibt spezialisierte Einrichtungen und Fachkräfte, die über Erfahrung und Wissen im Umgang mit herausforderndem Verhalten bei Demenz verfügen.
Umgang mit Aggressionen und Verwirrtheit
Aggressionen und Verwirrtheit können bei Menschen mit Demenz auftreten und sind oft Ausdruck von Frustration oder Überforderung. In solchen Momenten ist es wichtig, ruhig zu bleiben und nicht persönlich zu nehmen. Es kann hilfreich sein, eine sichere Distanz zu wahren und körperlichen Kontakt zu vermeiden, wenn die betroffene Person aggressiv reagiert. Man sollte versuchen, die Ursachen hinter dem Verhalten zu identifizieren und angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation zu beruhigen.
Validierung als Kommunikationsansatz
Die Validation ist eine Kommunikationsmethode, die sich auf die Beziehungsebene konzentriert und die Gefühle von Demenzerkrankten anerkennt und akzeptiert. Die grundlegende Annahme der Methode der Validation: Dementiell erkrankte Menschen sind überaus feinfühlig und äußern ihre Gefühle sehr authentisch. Bei der Validation geht man auf diese aktuelle Gefühlslage des Betroffenen ein anstatt die Person zu korrigieren und ins „Hier und Jetzt“ zurückholen zu wollen. Versucht werden soll, die Perspektive des Demenzerkrankten einzunehmen und Verständnis für dessen aktuelle emotionale Lage aufzubringen. Ziel dabei ist es, Stress zu reduzieren, Unruhe und Aggressionen bei Demenz entgegenzuwirken, den Einsatz von Beruhigungsmitteln zu vermeiden und die Kommunikations- und Wahrnehmungsfähigkeiten des dementiell Erkrankten zu erhalten. Das Selbstwertgefühl der Betroffenen soll durch Validation gesteigert werden - indem man vermittelt, dass Ihnen zugehört und auf Ihre Gefühle eingegangen wird. Ein schwieriges Gefühl anzuerkennen, kann die Last nehmen, die das negative Gefühl auslöst. Im besten Fall können Belastungen auf ein Minimum reduziert werden.
Schritte der Validierung
- Gefühle erkennen: Analysieren Sie als Pflege- oder Betreuungskraft die Gefühle des demenziell Erkrankten. Welche Gefühle bewirken seine Handlungen und Handlungsimpulse? Beispiele: Der Erkrankte ist aufgeregt, hilflos, fühlt sich einsam, traurig, sorgenvoll, ist pflichtbewusst.
- Gefühle ausformulieren: Die wahrgenommenen Gefühle und Antriebe werden von Ihnen mit kleinen Sätzen, die dem Sprachgebrauch des Erkrankten angepasst sind, formuliert, angenommen, akzeptiert, wertgeschätzt und zugelassen. Beispiel: Sie sind gerade ganz aufgeregt; Sie fühlen sich hilflos; das macht Sie traurig; Sie fühlen sich sehr einsam; Sie sorgen sich; Sie wollen schließlich Ihre Pflicht erfüllen.
- Gefühle bestätigen: Wichtig ist nun, dass Sie dem Demenzkranken zeigen, dass sein Innenleben „in Ordnung“ ist, dass das, was er sagt, tut und fühlt, völlig normal und akzeptiert ist. Da bei alten Menschen Sprichwörter, Volksweisheiten, Redewendungen, Lieder, etc. tief im Gedächtnis eingegraben sind, ist es am einfachsten, ihre Erinnerung daran wachzurufen: Hier findet der demente Patient die Bestätigung, Bekräftigung seiner Gefühle und Gedanken.
Beispielhafte Anwendung der Validation
Ihr dementiell erkrankter Angehöriger räumt persönliche Gegenstände ständig hin und her und will nicht damit aufhören. Als verbale Validation sagen Sie in dieser Situation zum Beispiel: „Ordnung ist das halbe Leben“ oder „Du bist immer sehr ordentlich“. Ihr Angehöriger möchte die längst verstorbene Mutter am Bahnhof abholen und wird aus Angst, den Termin zu verpassen, unruhig. Sie valideren „Du bist gerne pünktlich. Auf dich ist Verlass“ oder auch „Pünktlichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“. Anstatt zu korrigieren und auf die Fehler hinzuweisen, erkennen Sie mit der Methode der Validation bei Demenzerkrankten die Gefühle der Situation an und bestätigen, dass diese gerechtfertigt sind und Sie zugehört haben. Dadurch vermitteln Sie Ihrem Gegenüber Wertschätzung und das Gefühl, verstanden worden zu sein. Sie tauchen in seine Welt ein und begeben sich auf die gleiche Ebene.
Personzentrierte Pflege nach Tom Kitwood
Die personzentrierte Pflege nach Tom Kitwood ist ein Kommunikationskonzept, welches ursprünglich für die professionelle Pflege und Kommunikation mit Demenzerkrankten konzipiert worden ist. Das zentrale Element der personzentrierten Pflege nach Kitwood: Sie stellt den Mensch in den Mittelpunkt und nicht die Krankheit. Erhalt und Förderung des Personseins ist der Kern bei dieser Art der Kommunikation. Wie bei der basalen Stimulation kann durch Körpersprache Sicherheit und Geborgenheit vermittelt werden. Das kann eine Umarmung, das Streicheln der Hand oder des Armes oder einfach ein verständnisvolles Nicken sein. Die Bedürfnisse, die jeder Menschen braucht, um sich wahrgenommen, wertgeschätzt und als Person zu fühlen, können nach Tom Kitwood in einer Blumenform illustriert werden. Kern der Blüte ist das Bedürfnis nach Liebe, an welches sich die „Blütenblätter“ Trost, Bindung, Einbeziehung, Beschäftigung und Identität anknüpfen. Liebe: Liebe ist für alle Menschen, aber besonders für Demenzerkrankte, ein elementares Bedürfnis. Demenzerkrankte sind meist sehr feinfühlig und brauchen viel Zuneigung. Zeigen Sie Ihren Angehörigen also Ihre Liebe und lassen Sie Nähe zu. Einbeziehung: Beziehen Sie Ihren Angehörigen in alltägliche Aktivitäten mit ein. So kann sich dieser wahrgenommen und als Teil des Ganzen fühlen. Beschäftigung: In vielen Fällen fühlen sich Demenzerkrankte bedeutungslos. Langeweile kann im schlechten …
Weitere Strategien und Hilfestellungen
- Basale Stimulation: Im fortgeschrittenen Stadium der Demenz kann die basale Stimulation eingesetzt werden. Gerüche, Berührungen, optische Reize, Vibration oder Musik kann die Wahrnehmung aktiviert und die Sinne stimuliert werden. Dies soll Kompetenzen erhalten und non-verbale Kommunikation fördern.
- Biographiearbeit: Versuchen Sie mit Biographiearbeit das Identitätsempfinden Ihres Angehörigen möglichst lange zu erhalten: Zeigen Sie Ihrem Angehörigen beispielsweise Fotos aus einem Abschnitt seines Lebens, wie der Schulzeit, dem Studium und frühen Arbeitsleben oder der Hochzeit, den kleinen Kindern.
- Schulungen und Selbsthilfegruppen: Um mit den Herausforderungen umzugehen, gibt es im Internet und die Suche nach der geeigneten Betreuungsform. Personen in gleichen Situationen auszutauschen, gibt es Selbsthilfegruppen für Angehörige. durch fachliche Expertise ein besserer Durchblick geschaffen werden. Fachkräfte weiterhelfen, die geeignete Form der Demenzbetreuung zu finden.
- Patientenverfügung: Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken. Dieses Dokument entlastet zudem Ihre Angehörigen von schwierigen Entscheidungen, vermeidet Missverständnisse und schützt vor unerwünschter Über- oder Unterbehandlung.
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