Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch den Abbau von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dieser Abbau führt zu zunehmenden Einschränkungen der Fähigkeiten der Betroffenen. Obwohl die Alzheimer-Krankheit oft mit Demenz gleichgesetzt wird, ist Demenz ein Oberbegriff für über 50 hirnorganische Erkrankungen, von denen Morbus Alzheimer die häufigste ist. Die Alzheimer-Krankheit ist somit eine der häufigsten Ursachen für Demenz.
Risikofaktoren und Ursachen
Der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer Alzheimer-Krankheit ist das Alter. Je älter man wird, desto größer ist das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Die meisten Betroffenen sind älter als 80 Jahre, nur in seltenen Fällen beginnt die Krankheit vor dem 65. Lebensjahr. Erbliche Formen der Alzheimer-Krankheit sind sehr selten und machen weniger als 3% der Fälle aus. Genetische Faktoren spielen zwar eine Rolle, sind aber selten der alleinige Auslöser.
Kennzeichnend für die Erkrankung ist der langsam fortschreitende Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten. Im Gehirn von Alzheimer-Kranken sind typische Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen) festzustellen. Diese Ablagerungen gelten als mitverantwortlich für den Tod der Nervenzellen. Beta-Amyloid-Proteine verklumpen und sammeln sich zwischen den Nervenzellen an und formieren sich zu Plaques. Diese Ablagerungen führen zu einer entzündlichen Reaktion umgebender Immun- und Gliazellen, die die Krankheitsprozesse vorantreiben. Schließlich kommt es zur Bildung von Tau-Fibrillen in den Nervenzellen, welche die Nervenzellen in ihrer Funktion beeinträchtigen und zu ihrem Zelltod beitragen.
Symptome und Diagnose
Zum Krankheitsbild gehören Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit. Diese Störungen sind bei den Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt und nehmen im Verlauf der Erkrankung zu. Die Alzheimer-Krankheit führt zu einer Schrumpfung bestimmter Bereiche des Gehirns, die mithilfe von MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie) oder CT (Computer-Tomografie) sichtbar gemacht werden kann.
Die Diagnose von Demenzerkrankungen lässt sich bei den meisten Betroffenen mit einfachen Mitteln stellen. Auch die Alzheimer-Krankheit kann mit geringem diagnostischen Aufwand gut erkannt werden. Bei Verdacht auf Alzheimer sollte ein Arzt aufgesucht werden, insbesondere bei Warnsignalen wie Vergesslichkeit für wiederkehrende Ereignisse, Wortfindungsstörungen oder Orientierungseinbußen. Gerade bei leichten, beginnenden Einbußen ist es empfehlenswert, einen Facharzt (Neurologe bzw. Psychiater) oder eine Gedächtnissprechstunde aufzusuchen.
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Verlauf und Stadien der Alzheimer-Krankheit
Der Verlauf der Alzheimer-Krankheit ist bei jedem Menschen individuell, folgt jedoch bestimmten Mustern. Die Erkrankung verläuft schleichend und führt durchschnittlich nach 8 bis 10 Jahren (Spanne 3 bis 20 Jahre) zum Tod. Der Prozess des Abbaus von Nervenzellen im Gehirn beginnt viele Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome. An deren Beginn stehen in den meisten Fällen leichtgradige, aber messbare Einschränkungen von kognitiven Fähigkeiten. Die Krankheit wird in verschiedene Schweregrade eingeteilt, wobei ein häufig genutztes Modell zur Einteilung der Demenz-Stadien die Reisberg-Skala (Global Deterioration Scale, GDS) ist.
Im Allgemeinen lassen sich folgende Stadien unterscheiden:
1. Präklinische Phase
In dieser Phase lassen sich bereits pathophysiologische Veränderungen im Gehirn nachweisen - etwa Beta-Amyloid- und Tau-Ablagerungen, ein reduzierter Glukosemetabolismus (mittels PET) sowie veränderte Tau-Werte im Liquor (CSF) -, obwohl noch keine klinischen Symptome wie Gedächtnisverlust oder kognitive Einschränkungen vorliegen. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Personen mit Alzheimer-typischen Biomarkern im Verlauf Symptome entwickeln.
2. Leichte Kognitive Beeinträchtigung (MCI)
Die leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) stellt ein frühes klinisches Stadium der Alzheimer-Erkrankung dar. Betroffene zeigen erste kognitive Symptome - insbesondere Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, der Wortfindung und der zeitlichen Orientierung - bei weitgehend erhaltener Alltagskompetenz. Parallel dazu lassen sich Alzheimer-typische Biomarkerveränderungen nachweisen.
Diesem Zustand bezeichnet man als "Leichte Kognitive Beeinträchtigung" oder auf Englisch "Mild Cognitive Impairment" (MCI). Hier ist eine leichte Verminderung der Gehirnleistung festzustellen, die allerdings zunächst meist einer bloßen Vergesslichkeit gleichkommt. Dabei handelt es sich, falls dies neurologisch diagnostiziert wird, um das früheste Stadium der Demenz bzw. Alzheimer-Demenz. Der/die Betroffene vergisst z. B. immer wieder Namen oder ihm vertraute Gegenstände. Doch dies können natürlich auch schlicht altersbedingte Veränderungen sein, die mit Alzheimer und Demenz nicht zu tun haben.
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Menschen mit MCI nehmen Veränderungen manchmal selbst wahr, doch oft fällt sie zuerst Angehörigen auf. Die Einschränkungen sind aber noch so gering, dass sie sich nicht auf alltägliche Aufgaben auswirken. Meist ist vor allem das Kurzzeitgedächtnis betroffen.
3. Frühe Alzheimer-Demenz (Leichte Demenz)
Im frühen Stadium der Alzheimer-Demenz sind Betroffene in vielen Lebensbereichen noch weitgehend selbstständig, benötigen jedoch zunehmend Unterstützung bei komplexeren Aufgaben, um ihre Selbstständigkeit zu erhalten und ihre Sicherheit zu gewährleisten. In diesem Stadium lässt insbesondere das Kurzzeitgedächtnis nach. Menschen mit Alzheimer haben Schwierigkeiten, Gesprächen zu folgen. Es kann auch passieren, dass Betroffene mitten im Satz den Faden verlieren oder nach Begriffen suchen - das Sprechen und Denken verlangsamt sich.
Ab dieser Stufe (leichte bzw. frühe Alzheimer-Demenz bzw. Demenz) erkennen auch Angehörige, Freunde oder Kolleg:innen, dass die betroffene Person Auffälligkeiten zeigt, die über eine bloße Vergesslichkeit oder klassische Alterserscheinungen hinausgehen: Der/die Betroffene vergisst kurz zurückliegende Begebenheiten, kann keine komplexeren Rechenaufgaben mehr lösen oder einfach rückwärts zählen, Rechnungen bezahlen, Finanzen verwalten und er/sie vergisst Teile der persönlichen Vergangenheit.
An Alzheimer erkrankte Menschen bemerken in dieser Zeit oft selbst, dass sie vieles vergessen. Gleichzeitig verwirrt und beunruhigt es sie, wenn ihr Gegenüber über Dinge spricht, an die sie sich selbst nicht erinnern. Diese Unsicherheit kann - je nach Persönlichkeit - zu Abwehr, Aggressionen, Depression oder Rückzug führen. Die Betroffenen sind in diesem Stadium bei Alltagsaufgaben weitgehend selbstständig. Lediglich komplizierte Tätigkeiten, beispielsweise das Führen des Bankkontos oder die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, können sie nur mit Hilfe ausführen. Die Fähigkeiten, Urteile zu fällen und Probleme zu lösen, sind eingeschränkt, aber nicht aufgehoben.
Schon im Frühstadium können sich das Verhalten und die Gemütslage verändern. Die krankheitsbedingten Einschränkungen können Angst, Stress, Wut und auch Scham verursachen: Es ist oft peinlich, vergesslich und nicht orientiert zu sein, und es kostet viel Kraft, Strategien zu entwickeln, damit umzugehen. Der innere Antrieb und das Interesse an Hobbys und Freizeitbeschäftigungen können abnehmen. Manche Menschen sind depressiv verstimmt, reizbar und ihre Stimmung schwankt sehr stark.
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4. Mittlere Alzheimer-Demenz (Mäßige Demenz)
Im mittleren Stadium, das häufig die längste Phase der Erkrankung darstellt, nehmen die kognitiven Defizite weiter zu. Gedächtnis- und Sprachprobleme verschärfen sich, Verwirrtheit tritt häufiger auf, und mehrstufige Alltagsaktivitäten wie Körperpflege oder Ankleiden werden zunehmend schwierig. Inkontinenz kann auftreten, ebenso wie Schwierigkeiten, vertraute Personen zu erkennen.
Hier tritt das mittelschwer verminderte Wahrnehmungsvermögen ein, das für eine mäßige bis mittlere Alzheimer-Demenz bzw. Demenz steht. Auffällige Gedächtnis- und Denklücken und die Notwendigkeit der Hilfestellung durch Dritte im Alltag prägen das Bild. Die Person weiß teilweise nicht mehr, an welchem Ort sie sich befindet, sie kennt meist ihre eigene Adresse nicht mehr, sie weiß nicht mehr, welcher Wochentag gerade ist, ob es morgens oder abends oder welche Jahreszeit ist, erkennen Freunde und Verwandte nicht mehr und können sich immer weniger an ihren eigenen Lebensverlauf erinnern. Das Zurückziehen in die eigene innere Welt nimmt zu und kann von den Angehörigen nicht mehr nachvollzogen werden.
Menschen im mittleren Stadium (mittelschwere Alzheimer-Demenz) müssen in der Regel ihr selbstständiges Leben aufgeben. Sie können zwar noch ohne Unterstützung essen, trinken, sich waschen und vielleicht auch einfache Arbeiten im Garten und im Haushalt erledigen, müssen aber erinnert und aufgefordert werden. Kochen, Einkaufen, die Wohnung sauber halten und Spazierengehen sind nur noch mit Hilfe möglich. Das Risiko steigt, sich zu verlaufen, nicht mehr nach Hause zu finden, die Herdplatte brennen zu lassen und sich und andere zu gefährden. Verhaltensweisen wie unruhiges Umherlaufen, scheinbar sinnloses Kramen in Schubladen und Nesteln an der Kleidung werden häufiger. Auch Wutausbrüche, Misstrauen und aggressives Verhalten sind Folgen der Erkrankung, der mit ihr verbundenen Einschränkungen und Wahrnehmungsprobleme. Der Tag-Nacht-Rhythmus ist oft gestört. Sich sprachlich auszudrücken und andere zu verstehen, wird immer schwieriger. Betroffene vermischen auch Gegenwart und Vergangenheit.
5. Späte Alzheimer-Demenz (Schwere Demenz)
Im fortgeschrittenen Stadium ist die verbale Kommunikationsfähigkeit stark eingeschränkt, und die Betroffenen sind in der Regel auf rund-um-die-Uhr-Betreuung angewiesen. Aufgrund der Schädigung motorischer Hirnareale verlieren viele die Fähigkeit zu gehen und verbringen die meiste Zeit im Bett oder im Rollstuhl. Auch das Schluckzentrum im Gehirn kann betroffen sein, was das Essen und Trinken erheblich erschwert. Infolge dessen kann Nahrung in die Luftröhre statt in die Speiseröhre gelangen, was zu einer Aspirationspneumonie führen kann - einer Lungenentzündung, die durch das Eindringen von Nahrungsbestandteilen in die Lunge verursacht wird.
In dieser Phase erfolgt das schwerwiegend verminderte Wahrnehmungsvermögen und damit die mittelschwere bzw. mittlere Alzheimer-Demenz bzw. Demenz. Die Persönlichkeit des Menschen verändert sich auffällig oder gar drastisch, man braucht Hilfe bei nahezu allen alltäglichen Handlungen wie dem An- und Ausziehen und bei Tisch, man kann auch nur ganz kurz zurückliegende Ereignisse nicht mehr im Kopf speichern und abrufen, man erkennt engste Verwandte oder den Partner, die Kinder, die Geschwister nicht mehr. Wahnvorstellungen, Misstrauen, zwanghafte Verhaltensweisen und häufige Stimmungswechsel begleiten den Alltag. Auf der physiologischen Ebene kommt es zum Kontrollverlust über Darm und Blase und verändertem Schlafverhalten.
Im fortgeschrittenen Stadium (schwere Alzheimer-Demenz) sind die Menschen rund um die Uhr auf die Unterstützung anderer angewiesen. Die Probleme mit der Sprache können so groß werden, dass ein Gespräch kaum noch möglich ist. Auch bei einfachen Alltagstätigkeiten und beim Essen und Trinken ist jetzt Hilfe notwendig. Menschen mit fortgeschrittener Demenz sind oft unruhig, haben Halluzinationen oder vermischen Gegenwart und Vergangenheit. Sie erkennen eigentlich vertraute Personen nicht mehr. Die Kontrolle über die Körperfunktionen kann ebenso verloren gehen wie die Fähigkeit zur Koordination von Bewegungsabläufen.
6. Endstadium
Im Endstadium sind die Erkrankten vollständig auf Pflege angewiesen. Typische Veränderungen sind: Verlust der Sprache (nur noch einzelne Wörter oder Laute, keine sinnvolle Kommunikation mehr), das Nicht-Erkennen selbst engster Familienmitglieder, völlige Orientierungslosigkeit, Inkontinenz und Schluckstörungen. Die Anfälligkeit für Infektionen steigt.
Im fortgeschrittenen bzw. Spätstadium der Alzheimer-Krankheit bzw. Demenz zeigt sich ein schwerwiegend gemindertes Wahrnehmungsvermögen und der Mensch ist im Endstadium der Erkrankung angelangt. Er/sie kann sich der Umgebung kaum noch verständlich machen, wobei einzelne Worte oder mitunter noch ganze Sätze gesprochen werden können. Ohne die vollständige Betreuung der Person geht es nicht mehr, denn weder Waschen, noch Toilette, noch Essen oder Trinken können alleine geschehen. Oft kann der Mensch auch nicht mehr alleine sitzen, die Reflexe verkümmern, die Muskeln erstarren, das Schlucken ist beeinträchtigt und schließlich kann der Kopf nicht mehr gehalten werden.
Im Endstadium der Demenz können Erkrankte sich nicht mehr oder kaum noch verständlich machen und verlieren zunehmend die Kontrolle über ihren Körper. Sie leiden im Endstadium der Demenz unter Schluckbeschwerden, verkümmerten Reflexen und können letztlich den Kopf nicht mehr hochhalten. Da es im Endstadium der Demenz zur Nahrungsverweigerung kommen kann, drohen Erkrankte auch zu verhungern. Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung ist in dieser Phase also unverzichtbar. Schließlich geht die Aufmerksamkeit gänzlich verloren und der Geist wird - sofern sich das beurteilen lässt - vollständig nach innen gerichtet.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Alzheimer-Krankheit ist nicht heilbar. Es gibt jedoch Medikamente, die den Verlauf der Krankheit verzögern und die Symptome lindern können. In der Behandlung von Patienten mit Demenzerkrankungen spielen Medikamente eine wichtige Rolle. Sie werden zur Stabilisierung der geistigen Leistungsfähigkeit und der Alltagsbewältigung, zur Milderung von Verhaltensstörungen und in manchen Fällen auch zur Verhinderung weiterer Schädigungen des Gehirns eingesetzt.
Aktuell sind Medikamente in der Entwicklung, die in einem sehr frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit den Krankheitsverlauf verzögern sollen. Zwei dieser Medikamente - Lecanemab (Handelsname "Leqembi") und Donanemab (Handelsname "Kisunla") - sind in der Europäischen Union zugelassen worden und stehen für die Behandlung zur Verfügung. Da beide Wirkstoffe mit starken Nebenwirkungen verbunden sein können, sind für die Behandlung damit strenge Richtlinien erlassen worden.
Neben der medikamentösen ist die nicht-medikamentöse Behandlung von Menschen mit Demenz von großer Bedeutung. Sie kann die geistige Leistungsfähigkeit und Alltagsfähigkeiten fördern, Verhaltensstörungen abschwächen und das Wohlbefinden verbessern. Zur Behandlung gehören auch die geistige und körperliche Aktivierung der Betroffenen, die richtige Weise des Umgangs, die bedarfsgerechte Gestaltung der Wohnung und die Beratung der Angehörigen.