Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz und betrifft Millionen von Menschen weltweit. Um diese fortschreitende Hirnerkrankung ranken sich viele Mythen. Dieser Artikel soll mit einem Faktencheck dazu beitragen, Richtiges von Falschem zu unterscheiden und die wichtigsten Aspekte der Krankheit zu beleuchten.
Was ist Alzheimer? Eine Definition
Alzheimer ist eine chronische, nicht ansteckende Erkrankung des Gehirns, bei der Nervenzellen langsam, aber fortschreitend untergehen. Sie ist die häufigste Ursache für Demenz, die durch einen fortschreitenden Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit gekennzeichnet ist. Im Gehirn von Alzheimerpatienten sterben nach und nach Nervenzellen und deren Verbindungen untereinander ab. Dadurch kann es bis zu 20 Prozent schrumpfen.
Verbreitung und Risikofaktoren
In Deutschland leben etwa 1,6 Millionen Menschen mit Demenz, wobei die Alzheimer-Krankheit mindestens zwei Drittel der Fälle ausmacht. Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, steigt mit dem Alter. Weltweit waren 2019 etwa 55 Millionen Menschen betroffen. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostizieren einen Anstieg um weitere 40 Prozent bis 2030, falls keine wirksame Therapie entwickelt wird.
Symptome und Verlauf
Die Alzheimer-Krankheit verläuft in drei Stadien, die jeweils mit typischen Symptomen einhergehen:
- Frühes Stadium: Vor allem das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen. Betroffene vergessen Namen, Termine oder haben Mühe, Gesprächen zu folgen. Angst, Beschämung, Wut, Frustration und Depressionen können die Folge sein.
- Mittleres Stadium: Auch das Langzeitgedächtnis leidet. Die Sprachäußerungen werden einfacher, das Sprachverständnis lässt nach. Es kann zu aggressivem Verhalten kommen oder zu Rückzug und Verweigerung von Hilfe.
- Spätes Stadium: Die Betroffenen sind vollständig von Betreuung und Pflege abhängig. Die Sprache ist auf wenige Wörter reduziert. Zunehmend verlieren sie die Kontrolle über ihren Körper.
Ursachen und Diagnose
Die genaue Ursache für Alzheimer ist noch ungeklärt. Es wird angenommen, dass mehrere Faktoren zusammenwirken, darunter eine genetische Veranlagung. Bei Alzheimer-Betroffenen kommt es zu Ablagerungen des Eiweißes Amyloid an den Synapsen, welche die Signalübermittlung zwischen den Nervenzellen hemmen.
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Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine Kombination verschiedener Untersuchungen:
- Anamnese: Ausführliches ärztliches Gespräch mit dem Patienten und Angehörigen.
- Neuropsychologische Tests: Zum Beispiel der Mini-Mental-Status-Test (MMST), der Orientierung, Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit und sprachliche Fähigkeiten erfasst.
- Bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zeigen, ob es zum Verlust von Nervengewebe gekommen ist. Auch die Amyloid-PET (Positronen-Emissions-Tomografie) kann bestimmte Proteinbruchstücke, die sogenannten Plaques, im Gehirn schon 15 bis 20 Jahre vor den ersten klinischen Symptomen erkennen.
- Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit (Liquor): Hier können Eiweißstoffe (Amyloide) nachgewiesen werden, aus denen die für Alzheimer typischen Ablagerungen im Gehirn bestehen.
Therapie und Prävention
Alzheimer ist bis heute nicht heilbar. Die Therapie zielt darauf ab, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Symptome zu lindern. Es gibt medikamentöse und nicht-medikamentöse Ansätze:
- Medikamente: Acetylcholinesterasehemmer und Memantin können die geistige Leistungsfähigkeit verbessern und Verhaltensveränderungen reduzieren.
- Nicht-medikamentöse Therapien: Gedächtnistraining, körperliche Aktivität und soziale Interaktion können den Erhalt der Selbstständigkeit unterstützen.
Es gibt Möglichkeiten, das Risiko für die Entstehung von Alzheimer zu senken:
- Gesunde Lebensweise: Ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und soziale Kontakte.
- Geistige Aktivität: Fordern Sie Ihre grauen Zellen heraus durch Lesen, Lernen, Spielen und Hobbys.
- Vermeidung von Risikofaktoren: Übergewicht, Diabetes, Rauchen und hoher Alkoholkonsum.
Alzheimer-Mythen auf dem Prüfstand
Im Folgenden werden einige gängige Mythen über Alzheimer widerlegt:
- Mythos: Gedächtnistraining hilft gegen Alzheimer.
- Fakt: Gedächtnistraining ist nur für geistig gesunde Menschen zu empfehlen. Menschen mit Alzheimer können lediglich noch vorhandenes Wissen und Fähigkeiten bewahren, aber nicht wiederherstellen.
- Mythos: Alzheimer ist eine normale Alterserscheinung.
- Fakt: Alzheimer ist eine Krankheit und keine normale Alterserscheinung.
- Mythos: Alzheimer ist immer erblich.
- Fakt: Alzheimer ist in den meisten Fällen nicht genetisch bedingt.
- Mythos: Alzheimer ist unheilbar und daher unbehandelbar.
- Fakt: Alzheimer ist unheilbar, aber es gibt Behandlungsmöglichkeiten, um den Verlauf zu verlangsamen und die Symptome zu lindern.
- Mythos: Alzheimer-Patienten sterben, weil sie das Atmen vergessen.
- Fakt: Alzheimer-Patienten sterben an Begleiterkrankungen wie Lungenentzündung.
Der Erdnussbutter-Test: Ein umstrittenes Diagnoseverfahren
Eine Studie aus dem Jahr 2013 sorgte für Aufsehen, indem sie vorschlug, Alzheimer mit Erdnussbutter zu diagnostizieren. Dabei muss der Patient abwechselnd mit dem linken und rechten Nasenloch an einem Topf Erdnussbutter riechen. Die Studie deutete darauf hin, dass das Riechvermögen bei Alzheimerpatienten mit dem linken Nasenloch deutlich schlechter ist. Allerdings ist dieses Verfahren umstritten, da die Studie mit zu wenigen Probanden durchgeführt wurde und der Versuchsablauf nicht ausreichend standardisiert ist.
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Die Rolle der Forschung
Die Alzheimer Forschung Initiative e. V. (AIF) und andere Forschungseinrichtungen arbeiten kontinuierlich daran, die Ursachen der Krankheit besser zu verstehen, neue Diagnoseverfahren zu entwickeln und wirksame Therapien zu finden. Ein vielversprechender Ansatz ist die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Alzheimer.
Leben mit Alzheimer: Was Angehörige wissen sollten
Für Angehörige von Alzheimer-Patienten ist die Betreuung oft eine große Belastung. Es ist wichtig, sich über die Krankheit zu informieren, Unterstützung zu suchen und Verständnis für die Situation des Betroffenen zu entwickeln. Verlässlichkeit und Stabilität der Umwelt sind für Menschen mit Alzheimer von großer Bedeutung.
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