Amalgamfüllungen sind seit langem ein fester Bestandteil der Zahnmedizin. Sie sind bekannt für ihre Haltbarkeit und Kosteneffizienz. Dennoch gibt es Bedenken hinsichtlich ihrer Sicherheit, insbesondere im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken von Amalgamfüllungen, insbesondere im Hinblick auf Epilepsie, und stellt alternative Füllmaterialien vor.
Zahnärztliche Versorgung von Risikopatienten
In zahnärztlichen Praxen werden Patienten mit besonderen Bedürfnissen oft besonders betreut. Dazu gehören Angstpatienten, Risikopatienten, Kinder, Menschen mit Behinderungen, Patienten mit Infektionsrisiko, Medikamenteneinnahme, psychischen Störungen, neurologischen Erkrankungen (z. B. Epilepsie) und Spastik, Altersgebrechlichkeit/Multimorbidität und Demenz. Gerade in Problemfällen, in denen eine normale zahnärztliche Versorgung unmöglich scheint, möchten Zahnärzte kompetente Ansprechpartner sein. Eine ruhige und entspannte Atmosphäre ist der erste Schritt in Richtung angstfreie Behandlung. In vielen Fällen wird so eine Behandlung sogar in Lokalanästhesie ermöglicht.
Was ist Amalgam?
Amalgam ist ein Füllungsmaterial, das seit etwa 150 Jahren in der Zahnmedizin verwendet wird. Es besteht aus einer Mischung von Metallen, darunter Quecksilber (ca. 50 Prozent), Silber, Zinn und Kupfer. Das Material ist kostengünstig, einfach zu verarbeiten und sehr langlebig. Es kann den Kaukräften gut standhalten, vor allem im Backenzahnbereich. Amalgam lässt sich sehr gut durch Druck in das gefräste Zahnloch (Kavität) einbringen, sodass der gesamte Hohlraum ohne Zwischenräume ausgefüllt wird. Das Amalgam ist nach dem Anrühren weich und gut formbar und härtet danach sehr schnell aus, ohne dabei zu schrumpfen.
Risiken von Amalgamfüllungen
Trotz seiner Vorteile gibt es Bedenken hinsichtlich der Verwendung von Amalgamfüllungen, vor allem wegen des Quecksilbergehalts.
Quecksilberfreisetzung
Amalgamfüllungen können im Laufe der Zeit geringe Mengen Quecksilber freisetzen. Dieses Quecksilber kann über die Mundschleimhaut in den Körper gelangen und sich dort anreichern. Es gibt zwar keine eindeutigen Beweise dafür, dass diese geringen Mengen gesundheitsschädlich sind, dennoch wird die Verwendung von Amalgam heutzutage zurückhaltender betrachtet.
Lesen Sie auch: Ursachen und Risikofaktoren für Schlaganfälle bei Katzen
Amalgamvergiftung
Unter dem Begriff Amalgamvergiftung werden Vergiftungserscheinungen zusammengefasst, die mit dem Schwermetallgemisch Amalgam in engem Zusammenhang stehen. Amalgamfüllungen lösen sich im Laufe der Zeit zunehmend auf. Die in der Plombe verarbeiteten Schwermetalle gelangen über die Mundschleimhaut in den Körper und führen dort unter Umständen zu einer Amalgamunverträglichkeit. Beim Entfernen von Karies unter einer bestehenden Amalgamfüllung werden ebenfalls Spuren von Amalgam freigesetzt. Häufig betrifft eine Vergiftung mit Amalgam Kinder und Frauen. Jüngere Menschen reagieren im Allgemeinen empfindlicher auf Giftmetalle als ältere.
Symptome einer Amalgamvergiftung
Erste Symptome einer Vergiftung treten häufig erst etliche Jahre nach dem Einbringen der Zahnfüllungen auf. Die recht unspezifischen Beschwerden wie eine verstärkte Infektanfälligkeit werden von den Betroffenen nur selten mit dem Amalgam in Verbindung gebracht. Zu Beginn äußert sich die Vergiftung zum Beispiel in Form von Beschwerden wie Kopfschmerzen oder einer erhöhten Anfälligkeit für Erkältungskrankheiten. Hohe Schwermetallbelastungen können mit enormen Erschöpfungszuständen, Dämmerzuständen, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel und Atemproblemen einhergehen. Akute oder chronische Hyperventilation, Muskelzittern und Krämpfe gehören ebenso zu den Anzeichen einer schweren Vergiftung mit Amalgam wie Gefühlsstörungen, Metallgeschmack im Mund, chronische Durchfälle, Sehstörungen und Muskelschmerzen. Auch Gewichtsverlust, Gelenkschmerzen, allgemeine Unruhe und Angstzustände lassen sich häufig auf eine Vergiftung mit Amalgam zurückführen.
Diagnose einer Amalgamvergiftung
Zu einer klaren Diagnose kommt es bei einer Amalgamvergiftung aufgrund der nicht eindeutigen Symptome oftmals erst vergleichsweise spät. Eine Verdachtsdiagnose lässt sich beispielsweise anhand vorhandener Amalgamfüllungen bei zeitgleichem Auftreten charakteristischer Krankheitsbilder erstellen. Zur Überprüfung dieses Verdachts kann es ratsam sein, die Füllungen auszutauschen und zu schauen, ob sich dies auf die bestehenden Symptome auswirkt. Klarheit verschaffen kann ein Provokationstest mithilfe des Komplexbildners DMPS (2,3-Dimercapto-1-Propansolfonsäure), der dem Patienten intravenös injiziert wird. Er löst das Schwermetall aus Leber und Nieren heraus, sodass diese Metalle für eine gewisse Zeit im Urin nachweisbar sind. Eine weitere Möglichkeit, Quecksilber nachzuweisen, bietet ein Speicheltest. Der Quecksilbergehalt im Speichel wird hierzu vor und nach dem Kauen von Kaugummi ermittelt. Der Speicheltest gibt außerdem einen Hinweis auf die Qualität der Füllungen. Ob ein Patient grundsätzlich allergisch auf Amalgam reagiert, lässt sich beispielsweise mit einem Epikutantest feststellen. Dafür werden ihm Pflaster mit Amalgam und diversen Quecksilberverbindungen auf den Rücken geklebt. Sofern eine Allergie auf den jeweiligen Stoff besteht, rötet sich nach einigen Tagen die Haut unter den Pflastern.
Behandlung einer Amalgamvergiftung
Üblicherweise beginnt die Behandlung einer mit der Amalgamentfernung aus dem Körper. Das heißt, die Amalgamfüllungen werden durch andere Füllstoffe ersetzt. Eine Therapie der Symptome ist zwar auch mit Medikamenten möglich, die Ursache der Toxizität wird hierdurch jedoch ebenso wenig behoben wie die Anreicherung der Quecksilberbelastung in den Organen. Daher ist der Behandlungserfolg ausschließlich medikamentöser Heilverfahren in den meisten Fällen nur von kurzer Dauer. Nach dem Entfernen der Amalgamfüllungen sind mehrheitlich noch weitere Behandlungsschritte für die Entgiftung des Körpers notwendig. Hierfür haben sich unterschiedliche Behandlungskonzepte etabliert, die sowohl schulmedizinische als auch alternativmedizinische Verfahren einschließen. Der Therapieerfolg einer Amalgamentfernung lässt sich nicht durch nur eine Behandlung erreichen. Für gewöhnlich sind mehrere Behandlungsphasen erforderlich.
Allergische Reaktionen
Bei wenigen Patienten wurde festgestellt, dass sie allergisch auf die Verwendung von Amalgam reagieren. Man spricht von einer psychogenen Amalgamintoleranz. Ob ein Patient grundsätzlich allergisch auf Amalgam reagiert, lässt sich beispielsweise mit einem Epikutantest feststellen. Dafür werden ihm Pflaster mit Amalgam und diversen Quecksilberverbindungen auf den Rücken geklebt. Sofern eine Allergie auf den jeweiligen Stoff besteht, rötet sich nach einigen Tagen die Haut unter den Pflastern.
Lesen Sie auch: Umgang mit Demenz im Arzttermin
Auswirkungen auf das Nervensystem
Quecksilber ist ein bekanntes Neurotoxin, das heißt, es kann das Nervensystem schädigen. Dies kann zu einer Vielzahl von neurologischen Symptomen führen, darunter Nervosität, Schlafstörungen, Depressionen, Kopfschmerzen und Müdigkeit.
Amalgam und Epilepsie
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle werden durch eine übermäßige elektrische Aktivität im Gehirn verursacht. Es gibt Hinweise darauf, dass Zahnentzündungen direkten Einfluss auf die Häufigkeit, Schwere und Dauer epileptischer Anfälle nehmen können.
Mögliche Zusammenhänge
Obwohl die genauen Mechanismen noch nicht vollständig verstanden sind, gibt es verschiedene Theorien, wie Amalgamfüllungen Epilepsie beeinflussen könnten:
- Quecksilbertoxizität: Wie bereits erwähnt, kann Quecksilber das Nervensystem schädigen. Es ist möglich, dass Quecksilber aus Amalgamfüllungen bei manchen Menschen mit Epilepsie die Anfallshäufigkeit oder -schwere verstärken kann.
- Entzündungen: Amalgamfüllungen können in manchen Fällen Entzündungen im Mundraum verursachen. Diese Entzündungen könnten sich auf das Nervensystem auswirken und epileptische Anfälle begünstigen.
Zahnärztliche Behandlung von Epilepsiepatienten
Epileptische Anfälle sind der dritthäufigste Zwischenfall in einer Zahnarztpraxis. Ein offenes Gespräch sollte daher sowohl im Interesse des Betroffenen als auch des Zahnarztes liegen. Fast jeder Mensch hat Angst vor einer Behandlung beim Zahnarzt, bei Menschen mit Epilepsie kann dieser Stress einen Anfall auslösen. Um dies zu verhindern, ist ein vertrauensvolles Gespräch mit dem behandelnden Zahnarzt notwendig. Dabei sollte der Arzt über mögliche Auslöser von Anfällen informieren werden. Ist beispielsweise Licht ein Auslöser, kann der Zahnarzt dies besonders berücksichtigen. Erscheint das Risiko eines epileptischen Anfalls zu groß, kann eine Behandlung unter Sedierung stattfinden. Das bedeutet, dass die Behandlung unter Gabe eines Beruhigungsmedikamentes (z.B. Benzodiazepin) durchgeführt wird. Dieses Medikament wird ebenso zur Behandlung ängstlicher und unruhiger Patienten eingesetzt. Auf diese Weise werden auch größere chirurgische Maßnahmen, wie zum Beispiel das Setzen von Implantaten, ermöglicht. Eine Alternative bieten Zahnkliniken, die auch ambulante Behandlungen offerieren. Ein Problem für den Epilepsiepatienten ist die Lokalanästhesie. Die zur Schmerzausschaltung und damit zu einer schmerzfreien Behandlung notwendige Anästhesie (Betäubung) kann einen Anfall auslösen und Wechselwirkungen mit den epileptischen Medikamenten haben. Einige Antiepileptika haben auch zahnmedizinische Nebenwirkungen. Zum Beispiel kann durch die Einnahme von Phenytoin bei 50 bis 60% der Patienten dosis- und altersunabhängig eine Gingivahyperplasie entstehen. Dabei schwillt das Zahnfleisch (Gingiva) auf und wird voluminöser (hyperplastisch). Unbehandelt kann die schmerzlose „Zahnfleischschwellung“ zu Zahnbewegungen führen. Verantwortlich hierfür ist die Verschiebung des Immunsystems in der Mundflora. In den durch die Anschwellung entstandenen Taschen sammelt sich Plaque (Belag). Dieser Belag kann nicht durch Zähneputzen oder anderen Hilfsmittel entfernt werden. Eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung) ist die Folge. Schlimmstenfalls kann es zu einem Knochenabbau und damit zu einer Parodontitis aufgrund der Verschiebung des Immunsystems kommen. Menschen mit Epilepsie haben ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Durch einen Anfall kann es zu Zahnfrakturen bis zum Herausfallen des Zahnes kommen. Herausnehmbarer Zahnersatz bei Epilepsieerkrankten ist bei einem Anfall problematisch. Teile könnten verschluckt werden und der Zahnersatz wird häufig beschädigt. Alternativen bieten festsitzende Lösungen.
Alternativen zu Amalgamfüllungen
Aufgrund der Bedenken hinsichtlich Quecksilber gibt es heute eine Reihe von alternativen Füllmaterialien, die in der Zahnmedizin verwendet werden:
Lesen Sie auch: Gehirn-Zusammenarbeit
- Komposit: Kompositfüllungen bestehen aus Kunststoff und Keramikpartikeln. Sie sind zahnfarben, ästhetisch ansprechend und enthalten kein Quecksilber.
- Keramik: Keramikfüllungen sind sehr haltbar, biokompatibel und ebenfalls zahnfarben. Sie sind jedoch in der Regel teurer als Kompositfüllungen.
- Gold: Goldfüllungen sind sehr langlebig und widerstandsfähig. Sie sind jedoch nicht zahnfarben und daher weniger ästhetisch.
Zahnersatz aus Keramik
Keramik ist ein biokompatibles Material, das sich ideal für Zahnersatz eignet. Es ermöglicht eine natürliche Ästhetik und ist gut verträglich.
Titanimplantate
Titan ist ein weiteres biokompatibles Material, das häufig für Zahnimplantate verwendet wird. Es ist sehr stabil und haltbar.
Vorbeugung einer Quecksilbervergiftung
Die beste Vorbeugungsmaßnahme gegen eine Quecksilbervergiftung besteht in einem Verzicht auf entsprechende Zahnfüllungen. Alternativ können Füllungen wie Keramik, Kunststoff oder Gold zur Anwendung kommen. Das frühzeitige Ersetzen bestehender Amalgamfüllungen im Rahmen einer sogenannten Amalgamentfernung kann das Entstehen oder Fortschreiten einer Toxizität durch Amalgam bzw. die darin enthaltenen Schwermetalle verhindern.
tags: #amalgamfullung #nicht #gut #fur #epileptiker