Amantadin bei Epilepsie: Anwendungsgebiete, Wirkung und wichtige Hinweise

Amantadin ist ein vielseitiges Medikament, das in verschiedenen Bereichen der Medizin Anwendung findet. Ursprünglich als Mittel gegen die Influenza-A-Grippe entwickelt, wird es heute auch zur Behandlung der Parkinson-Krankheit und zur Verbesserung der Vigilanz bei postkomatösen Zuständen eingesetzt. Obwohl Amantadin nicht primär zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt wird, ist es wichtig, seine Wirkungsweise, Anwendungsgebiete und potenziellen Nebenwirkungen zu verstehen, um Wechselwirkungen mit Antiepileptika zu erkennen und mögliche Vorteile oder Risiken im Zusammenhang mit Epilepsiepatienten zu berücksichtigen.

Anwendungsgebiete von Amantadin

Amantadin wird hauptsächlich in folgenden Bereichen eingesetzt:

  • Parkinson-Krankheit: Zur Linderung von Symptomen wie Rigor, Tremor und Hypo-/Akinese.
  • Vigilanzminderungen verschiedener Genese: In der Therapie von Vigilanzminderungen bei postkomatösen Zuständen verschiedener Ursachen unter stationären Bedingungen.
  • Influenza-A-Infektionen: Als Prophylaxe und Behandlung.

Wirkungsweise von Amantadin

Die Wirkungsweise von Amantadin ist komplex und variiert je nach Anwendungsgebiet:

  • Als Antiparkinsonmittel: Wirkt Amantadin als indirekter Agonist am striatalen Dopaminrezeptor. Es verstärkt die Dopaminausschüttung und blockiert gleichzeitig die Rückaufnahme des Neurotransmitters in die präsynaptischen Neuronen. Darüber hinaus inhibiert Amantadin bei therapeutischen Konzentrationen die durch NMDA-Rezeptoren vermittelte Acetylcholinfreisetzung, was zu anticholinergen Effekten führt. In Kombination mit L-Dopa zeigt Amantadin synergistische Effekte.
  • In der Chemoprophylaxe und -therapie von Influenza A: Unterdrückt Amantadin die Aktivität des M2-Proteins bei Influenza-A-Viren. Dieser H+-selektive Ionenkanal, der in der äußeren Lipidhülle lokalisiert ist, ermöglicht den Einfluss von H+-Ionen aus dem Endosom in die virale Umhüllung. Die darauffolgende Säuerung des Virusinneren ist essenziell für das Auseinanderfallen des Virus, da die Ansäuerung das Kapsid zerstören lässt. Zudem hat das M2-Protein eine Schlüsselfunktion in der Zusammenfügung des Virions: Es entsteht im endoplasmatischen Retikulum und entwickelt sich weiter entlang des sekretorischen Weges. Im Golgi-Apparat verhindert das M2-Protein als Protonenkanal die Säuerung der Vesikel, was sonst das Hämagglutinin inaktivieren würde.

Amantadin und Epilepsie: Eine potenzielle Verbindung

Obwohl Amantadin nicht als primäres Antiepileptikum eingesetzt wird, gibt es theoretische Überlegungen und begrenzte Forschungsergebnisse, die eine mögliche Verbindung zwischen Amantadin und Epilepsie nahelegen.

NMDA-Rezeptor-Antagonismus

Amantadin wirkt als NMDA-Rezeptor-Antagonist. NMDA-Rezeptoren spielen eine wichtige Rolle bei der neuronalen Erregung und können bei übermäßiger Aktivierung zu epileptischen Anfällen beitragen. Durch die Blockade dieser Rezeptoren könnte Amantadin potenziell eine antiepileptische Wirkung haben.

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Fallberichte und Studien

Es gibt vereinzelte Fallberichte und kleine Studien, die eine mögliche positive Wirkung von Amantadin bei bestimmten Formen von Epilepsie nahelegen. Diese Ergebnisse sind jedoch nicht ausreichend, um Amantadin alsStandardtherapie für Epilepsie zu empfehlen.

Potenzielle Risiken

Es ist wichtig zu beachten, dass Amantadin auch potenzielle Risiken für Epilepsiepatienten bergen kann. In seltenen Fällen wurde über das Auftreten von Krampfanfällen im Zusammenhang mit der Einnahme von Amantadin berichtet. Darüber hinaus kann Amantadin Wechselwirkungen mit Antiepileptika eingehen und deren Wirkung beeinflussen.

Dosierung und Anwendung

Amantadin wird in der Regel als Filmtablette morgens und nachmittags mit etwas Flüssigkeit eingenommen. Die letzte Einnahme sollte nicht nach 16 Uhr erfolgen. Als Infusionslösung wird Amantadin intravenös verabreicht. Dabei sollte die Infusion mit einer langsamen Geschwindigkeit erfolgen.

Die Dosierung von Amantadin variiert je nach Anwendungsgebiet undPatienten. Es ist wichtig, die Anweisungen des Arztes genau zu befolgen.

  • Parkinson-Krankheit: Die Einnahme zur Linderung der Parkinson-Symptome muss einschleichend erfolgen. Das heißt es wird mit einer niedrigen Dosierung begonnen, die dann schrittweise bis zur optimalen Wirksamkeit gesteigert wird. Auch das Beenden der Therapie muss schrittweise erfolgen, also ausschleichend, da sich sonst die behandelten Symptome plötzlich stark verschlechtern können.
  • Influenza-A-Infektionen: Beginn möglichst vor oder innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn, für 10 Tage fortführen.

Nebenwirkungen von Amantadin

Die Einnahme von Amantadin kann unerwünschte Arzneimittelwirkungen zur Folge haben. Bei einem von zehn bis hundert Behandelten treten Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, Unruhe, Harnverhalt und die Hauterkrankung „Livedo reticularis“ („marmorierte Haut“) auf.

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Besonders bei älteren Patienten, die zusätzlich zu Amantadin mit weiteren Anti-Parkinson-Medikamenten behandelt werden, können sich Psychosen entwickeln.

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Trockener Mund
  • Niedriger Blutdruck beim Aufstehen aus sitzender oder liegender Position
  • Einschränkungen der Sehschärfe
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Magenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Magersucht
  • Vorübergehender Verlust des Sehvermögens
  • Erhöhte Lichtempfindlichkeit der Augen
  • Auslösung eines epileptischen Anfalls
  • Muskelkrämpfe
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzrasen
  • Nervenerkrankungen

Kontraindikationen

Amantadin darf nicht eingenommen werden bei:

  • Schwerer Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Herzerkrankungen (wie AV-Block Grad II und III, Herzmuskelentzündung)
  • Niedriger Herzfrequenz (kleiner 55 Schläge pro Minute)
  • Bekanntem angeborenen oder erworbenen verlängertes QT-Intervall
  • Niedrigen Kalium- oder Magnesiumsspiegel im Blut
  • Gleichzeitiger Therapie mit Budipin (Parkinson-Medikament)
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance unter zehn Milliliter/Minute)

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Amantadin kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen. Besondere Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Einnahme von:

  • Medikamenten, die das QT-Intervall verlängern: Wirkstoffe gegen Herzrhythmusstörungen, Depressionen, Antibiotika.
  • Anticholinergika: Benzatropin, Scopolamin, Trihexyphenidyl, Biperiden oder Orphenadrin.
  • Neuroleptika: Bei plötzlichem Absetzen nach kombinierter Anwendung kann es zu einer lebensbedrohlichen Verschlechterung der Krankheit kommen.
  • Entwässerungsmittel (Diuretika): Triamteren und Hydrochlorothiazid (HCT) können die Ausscheidung von Amantadin stören.
  • Alkohol: Amantadin kann die Alkoholtoleranz senken.

Wichtige Hinweise

  • Bei der Therapie mit Amantadin sind Beeinträchtigungen der Wachsamkeit und der Sehanpassung, insbesondere in Kombination mit anderen Medikamenten zur Behandlung des Parkinson-Syndroms, möglich.
  • Ein abruptes Beenden der Einnahme von Amantadin kann bei Parkinson-Patienten eine erhebliche Verschlechterung der Bewegungsstörungen bis hin zur akinetischen Krise bewirken.
  • Patienten sind regelmäßig auf die Entwicklung von Impulskontrollstörungen zu überwachen.
  • Die Anwendung sollte in der Schwangerschaft nur unter strenger Abwägung von Nutzen und Risiko erfolgen, da eine schädigende Wirkung auf das ungeborene Kind nicht ausgeschlossen werden kann.
  • Amantadin geht in die Muttermilch über. Bei erforderlicher Therapie der stillenden Mutter sollte zuvor abgestillt werden.
  • Die Anwendung von Amantadin ist bei Kindern ab fünf Jahren nur zur Vorbeugung und Behandlung der Virusgrippe Typ A vorgesehen.

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