Amitriptylin 25 mg: Wirkung und Anwendung bei Migräne

Amitriptylin ist ein Medikament, das zur Gruppe der trizyklischen Antidepressiva gehört. Es wird häufig zur Behandlung von Depressionen eingesetzt, insbesondere wenn eine beruhigende und angstlösende Wirkung erwünscht ist. Aufgrund seiner nachgewiesenen Wirksamkeit gilt Amitriptylin auch als Mittel der ersten oder zweiten Wahl bei der Migräneprophylaxe.

Was ist Amitriptylin und wie wirkt es?

Amitriptylin ist eine psychotrope Substanz mit einer ausgeprägten sedierenden und schmerzlindernden Wirkung. Akut hemmt es die neuronale Aufnahme der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin, wodurch die Konzentration dieser beiden Botenstoffe im synaptischen Spalt erhöht wird. Es beeinflusst auch den Acetylcholin-Kreislauf im Gehirn. Die schmerzlindernde Wirkung wird auf den Einfluss auf die Serotonin-Konzentration zurückgeführt.

Pharmakokinetik: Aufnahme, Verteilung und Abbau

Nach der Einnahme wird Amitriptylin langsam, aber vollständig resorbiert. Maximale Plasmakonzentrationen werden nach 1-5 (-8) Stunden erreicht. Die systemische Bioverfügbarkeit beträgt etwa 50 % im Vergleich zur intravenösen Verabreichung. Aufgrund seiner Lipophilie verteilt sich der Wirkstoff im gesamten Organismus und wird überwiegend an Gewebs- und Plasma-Eiweiße gebunden. Die Metabolisierung erfolgt hauptsächlich in der Leber durch N-Demethylierung (CYP3A4) und Hydroxylierung. Die Metabolite werden sowohl in freier als auch in konjugierter Form ausgeschieden. Die Plasmahalbwertszeit nach oraler Gabe beträgt ca. 10-28 Stunden.

Anwendungsgebiete von Amitriptylin

Amitriptylin wird als Hydrochlorid vor allem zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Weitere Indikationen sind:

  • Neuropathische Schmerzen
  • Prophylaxe von Migräne
  • Chronische Spannungskopfschmerzen (hier hat es die beste Datenlage von den trizyklischen Antidepressiva)
  • Off-Label-Anwendung als Hypnotikum bei Schlafstörungen
  • Reizdarmsyndrom
  • Fibromyalgie

Amitriptylin zur Migräneprophylaxe

Amitriptylin ist ein wirksames Mittel zur Vorbeugung von Migräne. Es reduziert die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken und chronischen Spannungskopfschmerzen. Die Wirkung der Trizyklika nimmt mit der Dauer der Einnahme zu.

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Dosierung und Anwendung

Amitriptylin ist als Tabletten (teils mit verzögerter Wirkstofffreisetzung), Tropfen und Injektionslösung verfügbar. Die Dosierung erfolgt einschleichend und ausschleichend.

  • Depressionen: Anwendung zweimal täglich. Im ambulanten Bereich wird mit einer Tagesdosis von 25 mg zweimal täglich begonnen. Im Abstand von 2 Tagen darf die Dosis um 25 mg steigen, bis zu einer Höchstdosis von 75 mg 2-mal täglich.. Mit einer antidepressiven Wirkung ist in der Regel nach zwei bis vier Wochen zu rechnen.
  • Neuropathische Schmerzen und Migräneprophylaxe: Einmal täglich oder aufgeteilt auf zwei Teildosen. Anfangsdosis: 10 bis 25 mg am Abend. Einzeldosen von mehr als 75 mg werden nicht empfohlen.
  • Bettnässen bei Kindern: Kinder von sechs bis zehn Jahren: 10 mg bis 20 mg täglich, eine bis anderthalb Stunden vor dem Schlafengehen. Kinder ab elf Jahren: 25 mg bis 50 mg.

Die Tabletten und Retardtabletten werden im Ganzen mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen.

Gegenanzeigen und Warnhinweise

Amitriptylin darf nicht angewendet werden bei:

  • Kürzlich erlittenem Herzinfarkt
  • Herzrhythmusstörungen
  • Durchblutungsstörungen des Herzmuskels
  • Schwerer Lebererkrankung
  • Gleichzeitiger Anwendung von MAO-Hemmern (wegen des Risikos eines Serotonin-Syndroms)
  • Allergie gegen Amitriptylin

Besondere Vorsichtshinweise

  • Herzprobleme: Herzrhythmusstörungen und niedriger Blutdruck können auftreten, insbesondere bei hoher Dosierung oder vorbestehender Herzerkrankung. Ein EKG sollte vor Behandlungsbeginn durchgeführt werden, um ein Long-QT-Syndrom auszuschließen.
  • Suizidgedanken: Bei Depressionen können Suizidgedanken verstärkt auftreten, besonders zu Beginn der Behandlung.
  • Manische Episoden: Bei bipolarer Störung kann eine manische Phase ausgelöst werden.
  • Diabetes: Möglicherweise muss die Diabetesbehandlung angepasst werden.
  • Schwerwiegende Hautreaktionen: Bei Auftreten von Symptomen wie Hautausschlag, Fieber, Lymphknotenschwellung oder grippeähnlichen Symptomen ist sofort ein Arzt aufzusuchen.
  • Ältere Patienten: Erhöhtes Risiko für bestimmte Nebenwirkungen wie Schwindel beim Aufstehen.
  • Kinder und Jugendliche: Amitriptylin sollte bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren zur Behandlung von Depressionen, neuropathischen Schmerzen, Vorbeugung von chronischen Spannungskopfschmerzen und Migräne nicht angewendet werden, da Sicherheit und Wirksamkeit in dieser Altersgruppe nicht nachgewiesen wurden.

Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Amitriptylin zählen:

  • Mundtrockenheit
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Verlust an sexueller Lust oder Potenz
  • Herzrhythmusstörungen
  • Benommenheit
  • Sprachstörungen
  • Tremor
  • Verstopfte Nase
  • Obstipation
  • Schwitzen
  • Hypotonie
  • Orthostatische Dysregulation
  • Gewichtszunahme
  • Passageres Ansteigen der Leberenzymaktivität
  • Aggression
  • Akkommodationsstörungen
  • Erhöhtes Kariesrisiko bei Kindern

Diese Nebenwirkungen treten vor allem zu Beginn der Behandlung auf und lassen im Verlauf nach.

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Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Amitriptylin kann die Wirkung verschiedener Wirkstoffe und Substanzklassen beeinflussen:

  • Antihypertensiva: Amitriptylin kann die Wirkung von blutdrucksenkenden Mitteln verstärken.
  • MAO-Hemmer: Irreversible MAO-Hemmer müssen mindestens 14 Tage, reversible MAO-Hemmer mindestens 1 Tag vor Beginn der Therapie mit Amitriptylin abgesetzt werden, da sonst schwere Nebenwirkungen auftreten können.
  • Cumarin-Derivate: Amitriptylin kann Einfluss auf die Wirkung von Cumarin-Derivaten (z.B. Phenprocoumon) nehmen.
  • QT-Intervall-verlängernde Medikamente: Die gleichzeitige Gabe von Arzneistoffen, die ebenfalls das QT-Intervall verlängern, sollte vermieden werden.
  • Serotonerge Arzneimittel: Die gleichzeitige Anwendung von Amitriptylin mit anderen serotonergen Arzneimitteln wie Buprenorphin (ein Schmerzmittel) kann zu einem Serotoninsyndrom, einer potentiell lebensbedrohlichen Erkrankung, führen.
  • Sympathomimetika: Amitriptylin kann die Wirkung von Adrenalin, Ephedrin und Phenylephrin (Sympathomimetika) auf das Herz verstärken.
  • Anticholinergika: Amitriptylin verstärkt die Wirkung von Anticholinergika (z.B. Tolterodin, Oxybutynin).
  • Alkohol und zentral dämpfende Arzneimittel: Verstärken die sedierende Wirkung von Amitriptylin.

Es ist wichtig, den Arzt oder Apotheker über alle eingenommenen Medikamente zu informieren, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Amitriptylin sollte während der Schwangerschaft, insbesondere im ersten und letzten Trimenon, nur bei zwingender Notwendigkeit und nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden. Es liegen jedoch Studien vor, die keine Hinweise auf eine fruchtschädigende Wirkung von Amitriptylin erbracht haben. Amitriptylin geht in die Muttermilch über und sollte daher während der Stillzeit nicht eingenommen werden, es sei denn, es ist unbedingt erforderlich.

Wichtige Hinweise zur Einnahme

  • Die Behandlung mit Amitriptylin sollte nicht plötzlich abgebrochen werden, da dies zu Entzugserscheinungen wie Übelkeit, Schlaflosigkeit, Unruhe oder Angst führen kann.
  • Während der Behandlung mit Amitriptylin sollte auf Alkohol verzichtet werden, da dieser die dämpfende Wirkung des Medikaments verstärken kann.
  • Die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen können durch Amitriptylin beeinträchtigt sein, insbesondere zu Beginn der Behandlung.
  • Bei Kindern besteht ein erhöhtes Risiko für Karies. Es wird geraten, verstärkt auf die tägliche Zahnpflege zu achten.

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