Ein Hirnaneurysma ist eine Ausstülpung einer Hirnarterie, die unterschiedliche Größen aufweisen kann. Diese Ausstülpung entsteht, wenn die Gefäßwand an einer Stelle geschwächt ist und sich nach außen wölbt. Dies kann zu Druck auf umliegende Hirnstrukturen oder, im schlimmsten Fall, zu einer Ruptur und einer Hirnblutung führen. Etwa drei von 100 Erwachsenen sind von einem Hirnaneurysma betroffen.
Erkennung und Symptome
Ein plötzlicher, extrem starker Kopfschmerz, oft beschrieben als "der schlimmste Kopfschmerz meines Lebens", kann auf eine Aneurysmablutung hinweisen. In diesem Fall ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich, um Nachblutungen zu verhindern. Ungeplatzte Aneurysmen bleiben oft unbemerkt und werden als "inzidentelle Aneurysmen" zufällig entdeckt.
Risikofaktoren und Behandlungsentscheidungen
Die Behandlungsstrategie für ein zufällig entdecktes Aneurysma hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Größe und Lage des Aneurysmas sowie das individuelle Blutungsrisiko. Kleine Aneurysmen haben in der Regel ein geringeres Rupturrisiko.
Behandlungsoptionen
Konservative Behandlung
Nicht jedes Aneurysma erfordert eine sofortige Behandlung. Wenn das Risiko einer Ruptur gering ist, kann eine konservative Behandlung ausreichend sein. Diese umfasst:
- Blutdruckkontrolle: Hoher Blutdruck kann das Risiko einer Ruptur erhöhen. Eine Anpassung der Lebensweise durch Gewichtsabnahme, regelmäßige Bewegung und gegebenenfalls Medikamente kann helfen, den Blutdruck zu senken.
- Verzicht auf Nikotin und Alkohol: Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum können die Gefäßwände schwächen und das Risiko einer Ruptur erhöhen.
Interventionelle Verfahren
Wenn ein erhöhtes Rupturrisiko besteht, werden in der Regel interventionelle Verfahren empfohlen, um das Aneurysma zu verschließen.
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Coiling
Das Coiling ist ein minimalinvasives Verfahren, bei dem über einen Katheter, der in der Leistenarterie eingeführt wird, Platinspiralen (Coils) in das Aneurysma eingebracht werden. Diese Spiralen füllen das Aneurysma aus und verhindern, dass Blut eindringen kann.
Vorteile des Coilings:
- Keine offene Operation am Schädel notwendig
- Geringere Belastung für das umliegende Gehirngewebe
- Minimierung des Risikos neurologischer Ausfälle
Ablauf des Coilings:
- Angiographie: Vor dem Eingriff wird eine Angiographie durchgeführt, um die genaue Anatomie und die Gefäßverhältnisse darzustellen. Während des Eingriffs kann eine ICG-Angiographie (Indocyaningrün-Angiographie) verwendet werden, um den Blutfluss in Echtzeit zu überwachen.
- Katheterisierung: Ein Katheter wird über die Leistenarterie bis zum Aneurysma vorgeschoben.
- Einbringen der Coils: Die Platinspiralen werden über den Katheter in das Aneurysma eingebracht und füllen es aus.
- Verschluss des Aneurysmas: Das Blut gerinnt an den Spiralen, wodurch das Aneurysma verschlossen wird.
Risiken des Coilings:
- Allgemeine Operationsrisiken und Narkoserisiken
- Infektionen
- Blutungen
- Verletzungen umgebender Strukturen
- Rekanalisation (Wiedereröffnung) des Aneurysmas in den ersten Wochen oder Monaten nach dem Eingriff
- Ablösung eines Teils des Gerinnsels, was zu einem Schlaganfall führen kann
Nachsorge:
- Regelmäßige angiographische Kontrollen (CT oder MRT) zur Überwachung des Aneurysmas
- MRT-Untersuchungen in mehrjährigen Abständen zur Erkennung potenzieller Zweitaneurysmen
- Verzicht auf sportliche Belastung für mehrere Wochen nach dem Eingriff
Clipping
Das Clipping ist eine offene Operation, bei der das Aneurysma mit einem kleinen Metallclip vom Blutgefäß abgeklemmt wird.
Ablauf des Clippings:
- Kraniotomie: Der Schädel wird geöffnet, um das Aneurysma freizulegen.
- Anbringen des Clips: Das Aneurysma wird mit einem Titanclip vom Blutgefäß isoliert.
- Verschluss des Schädels: Der Schädelknochen wird wieder eingesetzt und die Wunde verschlossen.
Vorteile des Clippings:
- Direkte Sicht auf das Aneurysma während des Eingriffs
- Geringere Notwendigkeit für Kontroll-Angiographien
Nachteile des Clippings:
- Offene Operation am Schädel
- Höheres Risiko für Schädigung des umliegenden Gehirngewebes
Risiken des Clippings:
- Schädigung des Gehirngewebes
- Neurologische Ausfälle (z.B. Lähmungen)
- Blutungen
- Wundinfektionen
- Kreislaufprobleme
Flow Diverter
Flow Diverter sind spezielle Stents, die in das Blutgefäß eingesetzt werden, an dem sich das Aneurysma befindet. Sie lenken den Blutfluss am Aneurysma vorbei und fördern die Bildung eines Blutgerinnsels im Aneurysma, wodurch es verschlossen wird.
Embolisationstherapie bei chronischen Subduralhämatomen (cSDH)
Chronische subdurale Hämatome (cSDH) sind Einblutungen in einen Raum zwischen harter Hirnhaut (Dura) und Gehirn direkt unter dem Schädelknochen. Dabei wird über ein kleines Bohrloch die Blutung entlastet. Allerdings ist das Rezidivrisiko für ein erneutes Subduralhämatom mit ca. 40% sehr hoch, so dass nicht selten eine erneute Operation erforderlich wird.
Mit der Embolisationsbehandlung steht hier eine sehr wirkungsvolle und gleichzeitig technisch einfache und schonende Behandlungsmethode zur Verfügung. Dabei wird von der Leiste aus die mittlere Hirnhautarterie sondiert und mit kleinen Partikeln, Spiralen oder einem flüssigen Embolisat verschlossen (verödet), so dass das subdurale Hämatom quasi „ausgetrocknet“ wird. Das Rezidivrisiko chronischer Subduralhämatome lässt sich damit deutlich reduzieren. Die Dauer dieser minimal-invasiven Behandlungsform beträgt ca. 30 Minuten und ist vielfach ohne Narkose möglich.
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Interventionelle Therapie von arteriovenösen Gefäßmalformationen
Zerebrovaskuläre Gefäßmalformationen (Durafistel, AV-Malformation) sind seltene Erkrankungen des Gehirns oder Rückenmarks und können erworben oder angeboren sein. Es handelt es sich hierbei um pathologische Verbindungen zwischen dem arteriellen und venösen Gefäßsystem. Eine endovaskuläre Therapie kann nötig werden, wenn klinische Beschwerden (z.B. epileptische Anfälle, pulssynchrones Ohrgeräusch, etc.) aufgetreten sind. Auch bei Zufallsbefunden, kann eine präventive Behandlung sinnvoll sein, um bei Gefäßmalformationen mit erhöhtem Risikoprofil mögliche sekundäre Komplikationen - hier insbesondere eine Hirnblutung - zu verhindern.
Das endovaskuläre Behandlungsspektrum bei arteriovenösen Gefäßmalformationen ist bezüglich Materialien und Methoden umfangreich und teilweise komplex. Überwiegend kommen dabei endovaskuläre Flüssigembolisate (spezielle Gewebekleber), im Einzelfall kombiniert mit Coils oder partikulären Embolisaten, zum Einsatz. Häufig kann damit als alleinige Therapie ein vollständiger Verschluss der Malformation erreicht werden (kurativer Ansatz).
Nicht immer ist mit der Embolisation allein ein vollständiger Verschluss zu erzielen. Eine Teilembolisation kann aber häufig eine nachfolgende Operation erleichtern oder die Effektivität einer Bestrahlungstherapie erhöhen. Daher kooperiert die Neuroradiologie eng mit Neurochirurgie, Strahlentherapie, Neurologie und Anästhesie, um jeweils interdisziplinär allen Patientinnen bzw. Patienten das Beste (multimodale) Behandlungskonzept anbieten zu können.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die Entscheidung für die beste Behandlungsstrategie sollte immer in enger Zusammenarbeit zwischen Neuroradiologen, Neurochirurgen und Neurologen getroffen werden. Dabei werden die individuellen Risiken und Vorteile der verschiedenen Verfahren sorgfältig abgewogen.
Spezialisten und Kliniken
Für die Behandlung eines Hirnaneurysmas ist die Expertise von Neuroradiologen und Neurochirurgen erforderlich. Es ist ratsam, sich an eine Klinik zu wenden, die über eine spezialisierte Abteilung für neurovaskuläre Erkrankungen verfügt.
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