Angst vor Arztbesuch bei Migräne: Ursachen, Diagnose und Therapie

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden in unserer Gesellschaft, wobei Migräne eine besonders beeinträchtigende Form darstellt. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Migräne, von der Diagnose bis zu modernen Therapieansätzen, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis der Erkrankung zu vermitteln und die Angst vor dem Arztbesuch zu nehmen.

Primäre und sekundäre Kopfschmerzen

Grundsätzlich werden Kopfschmerzen in primäre und sekundäre Formen unterteilt. Primäre Kopfschmerzen sind eigenständige neurologische Erkrankungen, bei denen der Kopfschmerz selbst die Erkrankung darstellt, ohne dass eine andere Grunderkrankung vorliegt. Dazu gehören Spannungskopfschmerzen, die häufigste Form, und Clusterkopfschmerzen, die seltener auftreten. Sekundäre Kopfschmerzen hingegen sind Symptome anderer Erkrankungen, wie z.B. nach einem Sturz, bei Fieber, Hirnhautentzündungen oder Krebserkrankungen.

Migräne: Eine Volkskrankheit mit genetischer Veranlagung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die auch genetisch bedingt sein kann. Es gibt genetische Dispositionen, die durch bestimmte Genveränderungen zu dieser Erkrankung führen können. Migräne ist seit 6000 Jahren bekannt und hat sich zu einer Volkskrankheit entwickelt. Weltweit leiden 13 % aller Menschen unter Migräne, wobei Frauen häufiger betroffen sind (Verhältnis Frauen zu Männern beträgt 3:1).

Symptome der Migräne

Die Migräne ist, wie der Name schon sagt, mit Kopfschmerzen verbunden, die oft das Hauptsymptom sind. Der Kopfschmerz ist meist einseitig, aber nicht zwingend, und wird als pochend-pulsierend beschrieben. Er verstärkt sich typischerweise bei körperlicher Belastung und ist im Gegensatz zum Spannungskopfschmerz nicht ablenkbar. Die Intensität ist stärker und wird oft als massiv beschrieben. Gemäß den Kriterien der internationalen Kopfschmerzgesellschaft ist die Migräne immer mit anderen Symptomen verbunden, wie Übelkeit, Erbrechen und Licht- oder Lärmempfindlichkeit.

Vorboten und Nachwirkungen: Die Phasen einer Migräneattacke

Vorboten-Symptome sind unspezifisch und können bis zu zwei Tage vor dem Kopfschmerz auftreten. Dazu gehören Harnflut, Gereiztheit, Konzentrationsschwierigkeiten oder Heißhunger, insbesondere auf Kohlenhydrate. Nach dem Abklingen der Kopfschmerzphase, die unbehandelt 4 bis 72 Stunden dauert, folgt die Postdromalphase mit katerähnlichen Symptomen wie Abgeschlagenheit und Niedergeschlagenheit. Viele Patienten fühlen sich in dieser Phase depressiv und sind weniger aktiv.

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Migräne mit und ohne Aura

Es gibt zwei Formen der Migräne: die häufigere Form ohne Aura und die Migräne mit Aura. Einige Patienten erleben sowohl Attacken ohne Aura als auch solche mit Aura. Die Aura umfasst neurologische Symptome, hauptsächlich Sehstörungen wie Zickzacklinien oder Gesichtsfeldausfälle. Diese Symptome sind typischerweise wandernd. Komplexere Auren können Sprach- oder Sprechstörungen, Schluckstörungen oder halbseitige Lähmungen umfassen. Eine Sonderform ist die familiäre, hemiplegische Migräne, bei der starke Symptome auftreten und die genetisch bedingt ist. Die Symptome der Aura werden durch eine wandernde Depolarisationswelle im Gehirn verursacht.

Diagnosestellung der Migräne

Beim ersten Auftreten von Kopfschmerzen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Zur Diagnosestellung einer Migräne sind fünf Attacken erforderlich, die die Kriterien der internationalen Kopfschmerzklassifikation erfüllen. Beim Auftreten von Auren müssen mindestens zwei Attacken durch eine Aura eingeleitet worden sein. In der Regel ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle, der einen Kopfschmerzkalender aushändigen kann, um die Häufigkeit der Attacken zu dokumentieren. Bei Bedenken kann der Hausarzt eine Überweisung in ein Akutspital oder zu einer Bildgebung des Gehirns (MRT) veranlassen. Auch Schmerzmittel können verordnet werden. Bei wiederholten und beeinträchtigenden Beschwerden sollte ein Neurologe aufgesucht werden.

Das Arztgespräch: Vorbereitung ist entscheidend

Eine gute Vorbereitung auf das Arztgespräch ist wichtig. Der Arzt benötigt Informationen über die Häufigkeit, den Charakter, die Lokalisation und die Dauer der Kopfschmerzen, sowie über auslösende Situationen, bisherige Therapien, Begleiterkrankungen und durchgeführte Diagnostik. Auch Informationen über den individuellen Lebensstil, wie Schlafverhalten, Schichtdienst und Ernährungsgewohnheiten, sind relevant. Es ist wichtig, sekundäre Kopfschmerzerkrankungen auszuschließen. Dazu benötigt der Arzt Informationen über Krebserkrankungen in der Vorgeschichte, Sturzanamnesen, Fieber, Sehstörungen, Dauerschnupfen oder allergische Situationen. Die Informationen sollten bestmöglich griffbereit sein. Es ist hilfreich, den Kopfschmerzcharakter genau zu beschreiben (Druck, Pochen, einseitig oder beidseitig), sowie die Auswirkungen von Bewegung, frischer Luft oder Ruhe. Auch Lebensstilauslöser, wie Wochenendmigräne als Zeichen einer Entspannungsmigräne, sollten beachtet werden.

Diagnostik: Anamnese und neurologische Untersuchung

Für die Diagnosestellung einer Migräne mit und ohne Aura reichen in der Regel ein ausführliches Anamnesegespräch und eine unauffällige klinisch-neurologische Untersuchung aus. Nur bei Zweifeln oder zur Beruhigung des Patienten kann eine Bildgebung des Gehirns (MRT) durchgeführt werden.

Therapie der Migräne

Die Migränetherapie umfasst die Akuttherapie zur Behandlung einer Attacke und die prophylaktische Therapie zur Reduktion der Häufigkeit und Intensität der Attacken. Ziel ist es, eine episodische Migräne nicht in eine chronische Form übergehen zu lassen oder eine chronische Migräne wieder in eine episodische Form zurückzuführen. Die nicht-medikamentöse Therapie ist eine wichtige Säule in der Behandlung der Migräne.

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Akuttherapie

In der Akuttherapie werden unspezifische Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Triptane eingesetzt, um die Kopfschmerzen zu lindern. Triptane sollten frühzeitig in der Kopfschmerzphase eingenommen werden. Bei Übelkeit können Antiemetika eingesetzt werden. Ein übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln kann jedoch zu arzneimittelbedingten Kopfschmerzen führen.

Prophylaktische Therapie

Eine prophylaktische Therapie sollte in Betracht gezogen werden, wenn die Migräneattacken die Lebensqualität beeinträchtigen oder zu häufig auftreten (mehr als drei Tage pro Monat). Ziel ist es, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken zu reduzieren.

Nicht-medikamentöse Therapie

Die nicht-medikamentöse Therapie umfasst verschiedene Ansätze, wie Entspannungsverfahren, Verhaltenstherapie, Ausdauersport und die Vermeidung persönlicher Trigger. Entspannungsverfahren helfen, besser mit Stress umzugehen, der eine Migräneattacke auslösen kann. Regelmäßiger Ausdauersport kann ähnlich migränevorbeugend wirken wie Medikamente.

Medikamentöse Prophylaxe

In der medikamentösen Migräneprophylaxe werden verschiedene Substanzen eingesetzt, die ursprünglich für andere Therapiezwecke entwickelt wurden, wie Betablocker, Antiepileptika oder Psychopharmaka. Die neueste Klasse der Migräneprophylaktika sind spezifisch entwickelte Antikörper gegen das CGRP-Protein im Gehirn.

Stress und Migräne

Stress wird von vielen Patienten als Auslöser von Migräne genannt. Dabei tritt die Migräneattacke oft erst in der Entspannungsphase nach dem Stress auf (Wochenendmigräne). Schwankungen im Cortisol-Spiegel und ein unregelmäßiger Schlafrhythmus können dabei eine Rolle spielen. Es ist wichtig, die individuellen Stressfaktoren zu identifizieren und Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln.

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Angst vor Migräne

Die ständige Angst vor einer Migräneattacke kann die Psyche belasten und selbst zum Trigger werden. Es ist wichtig, sich nicht von der Angst kontrollieren zu lassen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn die Angst übermäßige Ausmaße annimmt. Psycho- und Verhaltenstherapien oder Medikamente können helfen. Auch Sport, Entspannungsübungen und der Umgang mit Triggern können die Angst reduzieren.

Migräne bei Kindern

Auch Kinder können an Migräne leiden. Stress in der Schule, mit Freunden oder in der Familie sowie der Umgang mit Smartphones können die Fallzahlen erhöhen. Eine interdisziplinäre Therapie mit Physiotherapie, Verhaltenstherapie und Entspannungsverfahren kann helfen, die Muskeln zu entspannen und die Furcht vor der nächsten Attacke zu nehmen.

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