Die komplexe Beziehung zwischen Angst, Panik und dem Nervensystem ist ein vielschichtiges Thema, das sowohl körperliche als auch psychische Aspekte umfasst. Stress, Angst und Panikattacken sind eng mit der Funktionsweise unseres Nervensystems verbunden. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Angststörungen, Panikattacken und dem Nervensystem, um ein umfassendes Verständnis dieser Thematik zu ermöglichen.
Die Stressreaktion und ihre Auslöser
Die Stressreaktion ist ein fundamentaler Mechanismus, der im Gehirn entsteht und durch die Bewertung äußerer Reize ausgelöst wird. Der Begründer des Stresskonzepts, Prof. Hans Selye, beschrieb diese Reaktion erstmals. Er setzte Versuchstiere unterschiedlichen Extrembelastungen aus, darunter Infektionen, Vergiftungen, Traumata, nervöse Beanspruchung, Hitze, Kälte, Muskelanstrengung und Röntgenstrahlung. Bei Aktivierung versetzt das Nerven- und Hormonsystem den Organismus "bis zur letzten Zelle" in einen Alarmzustand.
Stress entsteht im Gehirn, wenn die vorhandenen Bewältigungsmechanismen subjektiv nicht der anstehenden Herausforderung entsprechen. Ein und derselbe Reiz kann für eine Person eine angenehme Herausforderung darstellen, für eine andere jedoch eine Bedrohung. So kann ein fremdsprachiger Vortrag vor einem Fachpublikum bei vielen Menschen Angst und Stress auslösen, während er für andere keine relevante Belastung darstellt.
Auswirkungen von Stress auf Körper und Psyche
Stress ist ein Ganzkörperphänomen, das verschiedenste körperliche und psychische Prozesse beeinflusst. Auf psychischer Ebene führt Stress zu typischen Symptomen und Verhaltensänderungen. Auf körperlicher Ebene beeinflusst Stress vorwiegend das Hormonsystem, das vegetative Nervensystem und das Immunsystem. Über die Beeinflussung dieser Systeme kann Stress zu unterschiedlichsten körperlichen und psychischen Symptomen führen. Oft wird der Zusammenhang zu Stress übersehen, was zu keiner oder nur symptomatischer Behandlung führt. Unbehandelter Stress kann auf Dauer zu verschiedenen körperlichen und psychischen Erkrankungen führen.
Auf körperlicher Ebene kann Stress bei entsprechender Anlage zu Magengeschwüren, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit führen. Das vegetative Nervensystem, das den ganzen Körper durchzieht und verschiedene Organe wie Herz, Darm und Haut beeinflusst, ist durch den Willen nicht beeinflussbar und wird deshalb auch "autonomes Nervensystem" genannt. Es besteht aus zwei Komponenten: dem Sympathikus, der für Anspannung sorgt, und dem Parasympathikus, der für Entspannung zuständig ist. Stress führt zu Anspannung, und bei dauerhafter Anspannung kann das vegetative Nervensystem in einen Modus der Überaktivierung des Sympathikus "kippen". Dies führt zu Herzrasen, Blutdruckanstieg, beschleunigter Atmung, gereiztem Magen oder Durchfall.
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Auf psychischer Ebene geht ein solcher Erregungszustand mit einer Fokussierung der Aufmerksamkeit, einer erhöhten Reizbarkeit und Wachheit einher. Dies ist die Vorbereitung für einen bevorstehenden Kampf oder eine Flucht. Diese übermäßige Aktivierung ist für Körper und Psyche nur kurzfristig ohne Schaden. Auf Dauer führt die Überaktivierung zu verschiedensten körperlichen und psychischen Symptomen und Erkrankungen. In der Evolution war eine Stresssituation aber üblicherweise nur vorübergehend und hierdurch auch nicht schädlich. Heute halten Stresssituationen oft an. So kann sich eine Arbeitsplatzbelastung oder ein Beziehungskonflikt jeden Tag wiederholen.
Messung der Herzschlagvariabilität
Früher konnten Ärzte auf die Aktivierung des vegetativen Nervensystems nur anhand der Symptome schließen. Seit wenigen Jahren ist es mit Hilfe der Bestimmung der Herzschlagvariabilität möglich, den Aktivierungsgrad des vegetativen Nervensystems direkt zu messen. Die Ableitung muss immer mit mehreren Elektroden erfolgen, da nur ein einzelner falsch gemessener Herzschlag (Artefakt) das Ergebnis um 450 % verändert.
Auswirkungen von Stress auf das Hormonsystem
Stress hat erhebliche Auswirkungen auf das Hormonsystem. Über einen komplexen Regelmechanismus des Gehirns führt Stress zu einer Ausschüttung von Cortisol aus der Nebennierenrinde. Unter hoher Stressbelastung kommt es zunächst zu einer vermehrten Freisetzung von Cortisol aus der Nebennierenrinde. Cortisol führt als Hormon zu zahlreichen körperlichen und psychischen Veränderungen wie Gewichtszunahme, Anstieg des Blutzuckers, Schlafstörungen und Reizbarkeit. Bei längerer Erhöhung von Cortisol kann es zu einer eingeschränkten Empfindlichkeit der Cortisol-Rezeptoren im ganzen Körper kommen. Zudem ist es möglich, dass die Nebennierenrinden nur eingeschränkt Cortisol produzieren. Dies nennt man Nebenniereninsuffizienz oder Morbus Addison.
Neben der HPA-Achse beeinflusst Stress auch Wachstums- und Geschlechtshormone. So sinkt bei Affen im Tierversuch bei zunehmendem Stress durch zu hohe Dichte im Käfig das Testosteron mit resultierender Einschränkung der Fruchtbarkeit. Dies ist evolutionär ja für die Gruppe auch sinnvoll da bei zu hoher Populationsdichte zusätzliche Nachkommen für Knappheit und zusätzlichen Stress sorgen würden. Bei Frauen verschiebt oder verändert sich bei Stress oft die Regelblutung. Bei extremer Stressbelastung kann die Regelblutung auch ganz ausbleiben. Auch bei der Frau sinkt unter Stress die Fruchtbarkeit.
Auswirkungen von Stress auf das Immunsystem
Die Auswirkungen von Stress auf das Immunsystem sind erheblich. Nicht umsonst setzt man das Stresshormon Cortisol in Form von Cortison medizinisch zur Unterdrückung des Immunsystems ein. Die Zusammenhänge zwischen Stress und Immunsystem wurden Jahrzehnte von der Medizin gar nicht gesehen. Erst in den letzten 10 Jahren hat sich hier ein erhebliches Wissen angesammelt und sich das neue Spezialgebiet der Psychoneuroimmunologie entwickelt. Unter Berücksichtigung der heutigen Forschungsergebnisse sind Nervensystem und Immunsystem eigentlich gar nicht voneinander zu trennen. Das Immunsystem reagiert bei psychischen Veränderungen unmittelbar mit. So untererdrückt das Immunsystem unter Belastung üblicherweise die Immunantwort auf Krankheitserreger wie Viren und Bakterien. Es ist ja auch nicht sinnvoll unter Fieber und Krankheitsgefühl zu leiden während man mit einem Säbelzahntiger kämpft. Die Immunantwort kommt erst nach Ende der Stressbelastung in der Phase der Erholung. So wundern sich zahlreiche Patienten, dass sie nicht während der Stressbelastung, sondern erst im anschließenden Urlaub krank wurden. Dauerhafter Stress kann aber noch deutlich bedrohlichere Folgen haben als Infektionskrankheiten in Phasen der Erholung. Auf Dauer kann Stress zu einer übermäßigen Immunantwort oder einer fehlerhaften Immunantwort führen. So kann Stress bei entsprechender Anlage zu Autoimmunkrankheiten, Allergien und Krebserkrankungen führen.
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Heilung und Behandlung von Stress-bedingten Symptomen
Bereits eingetretene körperliche Erkrankungen wie ein manifester Bluthochdruck oder eine Zuckerkrankheit lassen sich oft nicht mehr im Sinne einer Heilung beeinflussen. Hier besteht die Zielsetzung das Fortschreiten der Erkrankung und das Auftreten von anderen Erkrankungen zu verhindern. Auch bei Allergien und Autoimmunerkrankungen gibt es nicht wirklich „einen Rückwärtsgang“. Symptome wie Herzrasen, Atemnot, Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen bilden sich jedoch regelhaft nach erfolgreichem Stressabbau auch tatsächlich vollständig zurück. Eine Heilung ist also am ehesten möglich so lange es sich noch um Symptome und nicht um Erkrankungen handelt. Ähnlich verhält es sich mit den mit Stress in Verbindung stehenden psychischen Erkrankungen. So heilt ein durch Stress verursachter Erschöpfungszustand nach erfolgreichem Stressabbau meist folgenlos aus. Eine durch Stress ausgelöste Depression ist hingegen deutlich schwerer und langwieriger zu behandeln. Bei stressbedingten Symptomen und Erkrankungen sollte deshalb möglichst früh und möglichst ursächlich in den Krankheitsprozess eingegriffen werden.
Angststörungen: Wenn Angst zur Belastung wird
Angst ist eine gesunde und überlebenswichtige Emotion, die uns vor Bedrohungen und potenziell gefährlichen Entscheidungen warnt. Bei Menschen mit einer Angststörung wird dieser Schutzmechanismus jedoch zur Belastung. Immer wieder erleben sie Angstzustände, die einer Situation nicht angemessen sind - zum Beispiel in einem vollen Fahrstuhl, beim Anblick einer Spinne oder ganz ohne erkennbaren Auslöser.
Angststörungen äußern sich einerseits durch wiederkehrende Gedanken und Befürchtungen, oft aber auch durch körperliche Symptome wie Herzrasen, Kurzatmigkeit, Schwitzen, Zittern und Schwindel. Mittel- und langfristig verändern viele Betroffene ihr Verhalten und ihre Gewohnheiten, um potenziell angstauslösende Situationen zu vermeiden (Vermeidungsverhalten). Welche das sind, hängt von der jeweiligen Form der Angststörung ab. Dabei sind die Grenzen nicht immer trennscharf und auf manche Menschen treffen auch mehrere Ausprägungen von Angsterkrankungen zu.
Formen von Angststörungen
- Generalisierte Angststörung: Innere Angstzustände können jederzeit ohne konkreten Auslöser entstehen. Damit sind häufig beängstigende Gedanken verbunden, z.B. über mögliche Autounfälle, Brände oder schwere Erkrankungen. Die Ängste sind stark übersteigert und gehen oft mit Grübeln, innerer Unruhe und Schlafstörungen einher.
- Panikattacken: Plötzliche Angstattacken, die mit Atemnot bis hin zu Erstickungsgefühlen einhergehen. Viele sind davon überzeugt, dass sie in Ohnmacht fallen werden oder einen Herzinfarkt erleiden.
- Soziale Angststörung: Angst vor Situationen, in denen man sich von anderen Menschen beobachtet oder bewertet fühlt. Typisch ist zum Beispiel eine überwältigende Angst davor, einen Vortrag vor einer Gruppe zu halten.
- Spezifische Phobien: Ängste mit einem konkreten Auslöser, wie Angst vor engen Räumen (Klaustrophobie), Flugangst (Aviophobie) oder Furcht vor Spinnen (Arachnophobie).
Ursachen von Angststörungen
Bei Menschen mit einer Angststörung reagiert das Nervensystem übersensibel auf bestimmte Reize oder die bloße Vorstellung einer Bedrohung. Ein möglicher Erklärungsansatz sind ungünstig verlaufende Lernprozesse. Hat eine Situation einmal eine unangenehme körperliche Reaktion hervorgerufen (z.B. ein "normales" Unbehagen auf dem Zahnarztstuhl oder bei einem Vortrag), speichern Betroffene dies unbewusst als bedrohliche Erfahrung ab.
Weitere mögliche Ursachen sind:
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- Belastende Kindheitserfahrungen (z.B. Missbrauch oder Vernachlässigung)
- Akute Stressbelastungen und Lebenskrisen (z.B. Verlust des Arbeitsplatzes oder eines nahestehenden Menschen)
- Ungünstige Erziehungsmaßnahmen (z.B. ängstlich-überbehütende oder abweisende Eltern)
- Familiäre Veranlagung
Diagnose und Therapie von Angststörungen
Viele Menschen mit einer Angststörung nehmen nicht die Angst selbst, sondern körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen, Schwindel, Herzrasen oder Atemnot als behandlungsbedürftig wahr. Entsprechend wichtig ist es, körperliche Ursachen wie Herz-, Lungen- oder Schilddrüsenerkrankungen zunächst auszuschließen.
Zur Diagnostik gehören:
- Eine körperliche Untersuchung
- Ein Blutbild inklusive Blutzucker- und Schilddrüsenwerten
- Eine Ableitung der Herzströme mittels Elektrokardiografie (EKG)
- Eventuell weitere Untersuchungen (z.B. Lungenfunktionstest)
Ziel der Therapie ist es, die Angstsymptome und auch das Vermeidungsverhalten zu lindern.
Psychotherapeutische Ansätze:
- Kognitive Verhaltenstherapie: Hier lernen die Betroffenen ihre Gedanken und Emotionen zu differenzieren und gezielt zu beeinflussen.
- Psychodynamische Therapieformen: Diese kommen als Alternative infrage, um innere Ursachen aufzuarbeiten, z.B. aus der Kindheit.
Medikamente:
Viele Menschen mit Angststörungen profitieren von einer medikamentösen Unterstützung, auch begleitend zu einer Psychotherapie. Zum Einsatz kommen verschiedene Wirkstoffe, die auf unterschiedliche Weise ins Nervensystem eingreifen, unter anderem bestimmte Antidepressiva.
Unterstützende Maßnahmen:
- Sport treiben
- Entspannungsverfahren praktizieren
- Einer Selbsthilfegruppe anschließen
Panikattacken: Wenn die Angst plötzlich kommt
Eine Panikattacke ist eine plötzliche und intensive Welle von Angst oder Unruhe, die oft von körperlichen Symptomen wie Herzklopfen, Schwindel und Atemnot begleitet wird. Panikattacken sind zwar unangenehm und beängstigend, aber nicht gefährlich. Jährlich leidet jeder Zehnte hierzulande unter einer Panikattacke. Die Panikstörung ist eine Art von Angststörung, bei der wiederholt Panikattacken auftreten. Betroffene haben anhaltende Sorgen oder Ängste vor zukünftigen Attacken (die „Angst vor der Angst“).
Symptome einer Panikattacke
- Herzklopfen
- Zittern
- Atemnot
- Schwindel
- Gefühl der Unwirklichkeit
Ursachen von Panikattacken
Die genaue Ursache von Panikattacken ist oft nicht eindeutig feststellbar, da sie durch eine Kombination von genetischen, neurobiologischen, psychologischen und Umweltfaktoren beeinflusst werden können.
- Genetische Veranlagung
- Neurobiologische Faktoren (Ungleichgewichte bei bestimmten Neurotransmittern im Gehirn)
- Stress und intensive Lebensereignisse
- Hormonelle Veränderungen
Was tun bei einer Panikattacke?
In einer akuten Panikattacke ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und eingeübte Strategien zur Bewältigung anzuwenden. Tiefes und langsames Ein- und Ausatmen hilft, die Atmung zu beruhigen. Um die Gedanken von der Panikattacke abzulenken, kann es hilfreich sein, sich auf etwas anderes zu konzentrieren, indem man sich zum Beispiel bewusst die Umgebung anschaut oder sich auf ein bestimmtes Objekt konzentriert. Wer Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Meditation beherrscht, kann auf diesem Weg seine körperliche und geistige Entspannung fördern. Die Unterstützung vertrauter Personen kann sinnvoll sein, soweit diese über die Panikattacken informiert sind.
Langfristig kann ein ganzheitlicher Ansatz dabei helfen, Panikattacken zu bewältigen. Dazu gehören verschiedene Maßnahmen, die sowohl auf körperlicher als auch auf psychischer Ebene ansetzen. Ein wichtiger Aspekt ist das Stressmanagement. Regelmäßige körperliche Aktivität und Sport tragen ebenfalls dazu bei, Stress abzubauen und die Stimmung zu verbessern. Durch regelmäßige Bewegung werden mehr Endorphine freigesetzt, die das Wohlbefinden steigern und Angstsymptome reduzieren können. Wer regelmäßig unter Panikattacken leidet und wenn diese die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen, sollte professionelle Hilfe von einem Psychologen oder Psychiater in Anspruch nehmen. Durch eine Therapie, wie beispielsweise eine kognitive Verhaltenstherapie, können Betroffene lernen, ihre Gedanken und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern, die zur Entstehung von Panikattacken beitragen.
Das Nervensystem beruhigen: Strategien für mehr Entspannung
Viele Menschen erleben in ihrem Leben phasenweise Ängste oder sogar Panikattacken. Dies bedeutet zunächst einmal nicht, dass eine Angsterkrankung besteht. Damit sich aus diesen Symptomen eine tatsächliche Belastung und Einschränkung der Betroffenen entwickelt, müssen weitere Faktoren hinzukommen, die die Ängste aufrechterhalten und eine Besserung behindern.
Das vegetative Nervensystem verstehen
Das vegetative Nervensystem können wir zum Großteil nicht direkt steuern (daher auch „autonom”). Es funktioniert ohne dein willentliches Zutun - und das ist auch gut so. Stell dir vor, du müsstest bewusst daran denken, dein Herz schlagen zu lassen - das wäre ziemlich anstrengend! Das vegetative Nervensystem ist nämlich ständig aktiv und reguliert alle unsere Körperfunktionen, die immer ablaufen müssen, egal ob wir gerade daran denken oder nicht. Der Sympathikus ist wie dein innerer Turbo-Modus: Er aktiviert unseren Körper und bereitet uns auf körperliche oder geistige Leistungen vor (oft als „Kampf-oder-Flucht-Reaktion” bezeichnet). Der Parasympathikus ist dein innerer Entspannungsmodus: Er sorgt für Erholung, aktiviert die Verdauung und kurbelt verschiedene Stoffwechselvorgänge an.
Ein Teil des parasympathischen Nervensystems ist der Vagusnerv („Nervus vagus”) - der längste Hirnnerv deines Körpers. Er ist wie eine „Bremse” für dein vegetatives Nervensystem. Wenn er aktiviert wird, sendet er Signale an Herz, Lunge und andere Organe, um deinen Körper zu beruhigen. Das Besondere: Den Vagusnerv kannst du durch gezielte Übungen wie Atemtechniken, Kältereize oder Summen bewusst aktivieren.
Strategien zur Beruhigung des Nervensystems
- Atemtechniken: Die 4-7-8-Atemtechnik (4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden halten, 8 Sekunden ausatmen) kann schnell beruhigend wirken. Die Zwerchfellatmung (auch Diaphragmatic Breathing genannt) gilt als Goldstandard für Stressreduktion.
- Körperliche Aktivität: Hilft, das ausgeschüttete Adrenalin und Cortisol abzubauen und signalisiert dem Gehirn, dass die Gefahr vorüber ist.
- Vagusnerv-Stimulation: Durch gezielte Übungen wie Atemtechniken, Kältereize oder Summen kann der Vagusnerv bewusst aktiviert werden.
- Meditation und Achtsamkeitsübungen: Können den Geist und das Nervensystem beruhigen und dir bei regelmäßiger, täglicher Übung helfen, deine Stressresilienz zu stärken.
- Yoga: Verbindet körperorientierte Ansätze mit Atemarbeit und kann besonders effektiv sein, um das Nervensystem zu beruhigen.
Veränderungen im Gehirn durch Angst
Zu viel Angst hinterlässt Spuren im Gehirn. Sie verdichtet Synapsen erst hier, dann dort, und dünnt sie an anderer Stelle aus. Angst verändert die Synapsen im Gehirn. Ausstülpungen auf den Zellfortsätzen von Nervenzellen - sogenannte Dornen - wachsen oder schrumpfen. Damit nimmt die Zahl der Synapsen zu oder ab. Kurz nach dem Angst-Erlebnis verdichten sich vorübergehend die Synapsen im Hippocampus. Später kommt es zu dauerhaften Veränderungen im Gyrus cinguli und in der Amygdala. Im präfrontalen Cortex nimmt die Zahl der Dornen und somit der Synapsen ab.
Hohe synaptische Plastizität macht die Spuren der Angst labil. Sie lassen sich leichter ausradieren oder überdecken. Wo Gedächtnisinhalte schon länger bestehen, kann synaptische Plastizität durch Erinnerungsübungen oder mit chemischer Hilfe wieder erhöht werden. Das Extinktionstraining funktioniert dann besser.
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