Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden. Allein in Deutschland haben etwa 54 Millionen Menschen mindestens einmal im Jahr Kopfschmerzen. In den meisten Fällen sind sie harmlos und auf Verspannungen, Wetterfühligkeit oder andere harmlose Ursachen zurückzuführen. Dennoch hegt schätzungsweise jeder Zweite, der wegen Kopfschmerzen eine neurologische Praxis aufsucht, die Angst vor einem Hirntumor als Ursache. Diese Angst ist in den allermeisten Fällen unbegründet, da Hirntumoren relativ selten sind.
Hirntumoren: Selten, aber ernst zu nehmen
Hirntumoren treten in Deutschland jährlich etwa 14.000 Mal auf. Rund die Hälfte davon ist gutartig und bereitet meist keine Probleme. Anders als bösartige Tumore wachsen gutartige Tumore nur selten in das umgebende Gewebe hinein und bilden keine Metastasen. Bösartige Hirntumoren sind mit etwa 7.300 Neuerkrankungen im Jahr 2020 deutlich seltener als beispielsweise Darmkrebs (ca. 54.770 Neuerkrankungen im selben Jahr).
Es gibt Hirntumoren, die direkt im Gehirngewebe entstehen (primäre Hirntumoren), und solche, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns abstammen - Fachleute sprechen von Hirnmetastasen. Primäre Hirntumoren können sich aus verschiedenen Zellen im Gehirn entwickeln, am häufigsten aus den Stützzellen, den sogenannten Gliazellen. Mediziner bezeichnen solche Tumoren als "Gliome". Hirnmetastasen sind im Erwachsenenalter häufiger als primäre Tumoren des Gehirns.
Häufige Tumortypen
Zu den häufigsten Arten von Hirntumoren gehören:
- Gliome: Diese Tumoren entstehen aus Gliazellen und werden je nach Zelltyp in Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome unterteilt. Das Glioblastom ist ein besonders aggressiv wachsendes Astrozytom.
- Meningeome: Sie entwickeln sich aus Zellen der Hirnhäute und machen etwa 20 Prozent aller Hirntumoren aus.
- Neurinome/Schwannome: Diese Tumoren entstehen aus den Zellen, die die Hirnnerven umhüllen. Am häufigsten ist der achte Gehirnnerv betroffen, der für den Gehör- und Gleichgewichtssinn zuständig ist (Akustikus-Neurinom oder Vestibularis-Schwannom).
- Medulloblastome: Diese Tumoren entstehen aus unreifen (embryonalen) Zellen im Kleinhirn und treten vor allem im Kindesalter auf.
- Lymphome: Obwohl das Gehirn kein lymphatisches Organ ist, können sich auch Tumoren aus Lymphzellen im Gehirngewebe bilden.
- Hypophysenadenome: Diese Tumoren entstehen im Bereich der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und können sich gegen den Sehnerv sowie Anteile der Gehirnbasis ausdehnen. Sie werden im engeren Sinn nicht zu den Hirntumoren gezählt.
Ursachen und Risikofaktoren
Über die Ursachen von Hirntumoren ist bisher wenig bekannt. Einige Risikofaktoren sind jedoch identifiziert worden:
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- Erbliche Krankheitsbilder: Bestimmte Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom sowie Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose erhöhen das Risiko für einen Hirntumor.
- Strahlentherapie: Hirntumoren können bei Erwachsenen und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen viele Jahre nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich oder des Schädels auftreten.
- Familiäre Vorbelastung: Erkranken Patienten jung an einem Hirntumor, ist das Risiko für Verwandte ersten Grades zu erkranken ebenfalls leicht erhöht.
- Computertomografie (CT) im Kindesalter: Bei einer solchen diagnostischen Untersuchung der Kopf-Hals-Region kann sich das Risiko für Hirntumoren geringfügig erhöhen.
Symptome: Wann sollte man hellhörig werden?
Ein Hirntumor kann sich durch vielfältige Symptome bemerkbar machen, die jedoch oft unspezifisch sind und auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Die Art der Symptome hängt von der Größe und Lage des Tumors ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Kopfschmerzen: Sie sind das häufigste Erstsymptom bei Hirntumoren. Typischerweise treten sie während der Nacht oder in den frühen Morgenstunden auf und bessern sich zunächst im Lauf des Tages. Sie können von Übelkeit und Erbrechen begleitet sein. Im Verlauf von wenigen Tagen bis Wochen werden sie immer stärker und lassen sich durch normale Schmerzmittel nur kurz oder gar nicht beeinflussen. Sie nehmen zu, wenn der Betroffene liegt.
- Neurologische Ausfälle: Dazu gehören Sinnes-, Bewegungs- oder Sprachstörungen, die durch den Druck des Tumors auf bestimmte Hirnareale entstehen.
- Epileptische Anfälle: Etwa 20 Prozent der von einem Gehirntumor Betroffenen erleiden ohne Vorwarnung epileptische Anfälle. Dabei kann es sich um fokale Anfälle (die von einer bestimmten Hirnregion ausgehen) oder um generalisierte Anfälle (bei denen mehrere Hirnregionen und schließlich das gesamte Großhirn beteiligt sind) handeln.
- Persönlichkeitsveränderungen: Tumoren im Stirnlappen des Gehirns können zu Persönlichkeitsveränderungen, Verhaltensstörungen und Änderungen im Antrieb führen.
- Sehstörungen: Je nach Lage des Tumors sind auch Sehstörungen möglich.
- Hormonelle Störungen: Bei manchen Patienten kommt es aufgrund des Hirntumors und seiner Lage im Gehirn auch zu hormonellen Störungen.
Es ist wichtig zu betonen, dass Kopfschmerzen in den wenigsten Fällen ein Warnhinweis für einen Hirntumor sind. Die Wahrscheinlichkeit liegt unter eins zu tausend. Allerdings können sie andere Gesundheitsprobleme wie Entzündungen im Kopf, Probleme mit den Nasennebenhöhlen, den Augen oder hohen Blutdruck anzeigen. Dringend untersuchen lassen sollte man sich daher, wenn die Schmerzen sehr stark sind, plötzlich oder erstmalig auftreten.
Diagnose: Wie wird ein Hirntumor festgestellt?
Wenn bei Ihnen Hirntumor-Symptome vorliegen, ist zunächst eine fachärztliche Untersuchung nötig. Der Arzt wird in einem ausführlichen Gespräch nach Ihren aktuellen Beschwerden fragen und wie lange Sie diese schon haben. Er wird sich auch danach erkundigen, welche Krankheiten Sie früher bereits hatten und welche Sie vielleicht gerade haben.
Zur Diagnose von Hirntumoren stehen verschiedene bildgebende Verfahren zur Verfügung:
- Computertomographie (CT): Diese spezielle Röntgenuntersuchung zeigt den Körper im Querschnitt und informiert darüber, wo der Tumor sich befindet und wie groß er ist.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist ein sehr genaues bildgebendes Verfahren, das detaillierte Aufnahmen des Gehirns liefert und auch kleine Tumoren erkennen kann.
- Positronenemissionstomographie (PET): Dieses bildgebende Verfahren macht die Stoffwechselaktivität der Zellen sichtbar und kann helfen, Gewebe mit besonders aktivem Stoffwechsel (z.B. Krebszellen) von solchem mit weniger aktiven Zellen zu unterscheiden.
Besteht auch nach der MRT ein Tumorverdacht, wird in der Regel während einer Operation aus dem verdächtigen Bereich im Gehirn Gewebe entnommen (Biopsie). Nach der Biopsie untersucht ein Facharzt die Gewebeproben unter einem Mikroskop. Dadurch lässt sich der Tumortyp und ebenfalls mögliche Erbgutveränderungen mit molekularbiologischen Tests feststellen.
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In manchen Fällen ist bei Verdacht auf einen Gehirntumor eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) erforderlich. Bei einigen Hirntumoren (etwa dem Medulloblastom) können sich Tumorzellen ablösen und über den Liquorraum im Rückenmarkkanal verteilen.
Therapie: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Behandlung von Hirntumoren ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. dem Tumortyp, der Größe und Lage des Tumors, dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Zu den wichtigsten Therapieoptionen gehören:
- Operation: Ziel der Operation ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne dabei wichtige Hirnfunktionen zu beeinträchtigen.
- Strahlentherapie: Bei der Strahlentherapie werden hochenergetische Strahlen eingesetzt, um die Tumorzellen zu zerstören oder ihr Wachstum zu hemmen.
- Chemotherapie: Bei der Chemotherapie werden Medikamente eingesetzt, die das Wachstum von Krebszellen hemmen.
- Zielgerichtete Therapien: Diese Therapien zielen auf bestimmte Eigenschaften der Tumorzellen ab und können das Wachstum des Tumors gezielt hemmen.
Zusätzlich zur spezifischen Tumortherapie ist eine supportive Therapie wichtig, um Beschwerden zu lindern, die durch die Krebserkrankung selbst und/oder die Behandlung entstehen. Dazu gehören z.B. Schmerzmittel, Antiemetika (gegen Übelkeit und Erbrechen) und Kortikosteroide (gegen Hirnödeme).
Nach Abschluss der Krebstherapie und der medizinischen Rehabilitation stehen regelmäßige Nachsorgetermine an. Diese fortlaufende Betreuung wird als Nachsorge oder Verlaufskontrolle bezeichnet. Ziele der Nachsorgeuntersuchungen und Verlaufskontrollen sind:
- Einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Die Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor.
- Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Seelische und soziale Probleme anzusprechen.
Krankheitsangst (Hypochondrie)
Wenn die Angst vor einem Hirntumor oder einer anderen schweren Erkrankung übermäßig stark ist und das Leben beeinträchtigt, kann eine Krankheitsangst (Hypochondrie) vorliegen. Betroffene sind von der Überzeugung durchdrungen, an einer oder mehreren schlimmen Krankheiten zu leiden, und nehmen eine Vielzahl körperlicher Symptome wahr oder beschäftigen sich ständig mit körperlichen Phänomenen, die für diese Krankheit sprechen könnten.
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Symptome der Hypochondrie
Die Symptome der Hypochondrie sind vielfältig und betreffen verschiedene Bereiche:
- Körperliche Symptome: Betroffene nehmen verschiedene körperliche Symptome wahr (z.B. Kopfschmerzen, Herzklopfen, Hautausschläge).
- Gedanken: Die wahrgenommenen körperlichen Symptome werden als gefährlich interpretiert und als Anzeichen für die befürchtete schlimme Krankheit. Die Aufmerksamkeit wird stark auf körperliche Symptome und deren Bedeutung fokussiert.
- Emotionen: Betroffene empfinden eine massive Angst vor der Erkrankung und den Folgen der Erkrankung (z.B. zu sterben). Es kann auch Scham entstehen, dass die Befürchtungen weiterhin bestehen, obwohl Ärzt:innen keine ernsthafte Erkrankung feststellen konnten.
- Verhalten: Betroffene untersuchen den Körper auf Krankheitsanzeichen (Body-Checking), suchen sehr häufig Ärzt:innen oder andere Hilfseinrichtungen auf (Rückversicherungsverhalten), googeln Symptome oder fragen andere Menschen nach ihrer Meinung zu den Symptomen. Es kann auch Vermeidungsverhalten auftreten.
Ursachen und Behandlung der Hypochondrie
Die Ursachen der Hypochondrie sind noch wenig untersucht. Es wird angenommen, dass mehrere Faktoren zusammenkommen, die im Zusammenspiel miteinander die hypochondrische Störung begünstigen und auslösen. Dazu gehören biologische Faktoren (z.B. genetische Veranlagung, höhere Sensibilität für Körperempfindungen, ängstliche Persönlichkeit) und Belastungen (z.B. stressreiche Situationen, Verlusterlebnisse, Mobbingerfahrungen, Überlastung, traumatische Ereignisse, negative Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem).
Die am besten untersuchte und wirksamste Behandlung bei der Hypochondrie ist die kognitive Verhaltenstherapie. Dabei lernen Betroffene, ihre schädlichen Überzeugungen zu verändern und ihre körperlichen Empfindungen und gelegentlichen Beschwerden als Teil eines normalen, gesunden Erlebens zu interpretieren. Zudem wird das Sicherheitsverhalten reduziert, da es die Ängste in der Regel nur kurzzeitig beruhigt und langfristig aufrechterhält.