Die Migräne mit Aura ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist, denen visuelle, sensorische oder sprachliche Störungen vorausgehen können. Diese "Aura" ist ein Phänomen, das von Medizinern nach Aurora, der römischen Göttin der Morgenröte, benannt wurde, da es, ähnlich wie die aufgehende Sonne den Tag ankündigt, die bevorstehende Kopfschmerzphase ankündigt. Etwa 15 bis 20 Prozent der Migränepatienten erleben ihre Migräne mit einer Aura. Die Aura äußert sich durch neurologische Störungen, die zwischen 5 und 60 Minuten andauern können. Hierbei handelt es sich in den meisten Fällen um Sehstörungen, etwa Flimmern oder Lichtblitzen. Nach der Aura treten bei den meisten Menschen die migränetypischen Kopfschmerzen ein.
Was ist eine Migräne-Aura?
Mediziner unterscheiden zwei Arten von Migräne: die Migräne ohne Aura und die Migräne mit Aura. Von Letzterer sind etwa 15 bis 25 Prozent der Migränepatienten betroffen. Unter einer Migräne-Aura ist eine anfallsartige neurologische Störung zu verstehen, die sich vor allem in Sehbeschwerden äußert und normalerweise zwischen 5 und 60 Minuten andauert. Folgen mehrere Aura-Symptome aufeinander, kann sich die Dauer auch verlängern. Innerhalb einer Stunde nach Beginn der Aura setzen gewöhnlich die Kopfschmerzen ein.
Ursachen der Migräne mit Aura
Bei Migräne mit Aura sind die Ursachen wie auch bei der Migräne ohne Aura bisher noch nicht abschließend erforscht. Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass Menschen mit Migräne eine Überempfindlichkeit der Nervenzellen in der Hirnrinde aufweisen. Im Rahmen einer Attacke kommt es zu einer verstärkten Erregung von Nervenzellen, insbesondere des Trigeminusnervs, der für die Schmerzwahrnehmung im Gesicht hauptverantwortlich ist. Aber was ist mit der Aura? Wie kommt es zu den Wahrnehmungsstörungen? Auch darüber herrscht bisher noch keine Klarheit. Im Vergleich zur Migräne ohne Aura wurde bei Migräne-Patienten mit Aura jedoch eine verminderte Hirndurchblutung in bestimmten Hirnarealen festgestellt. Dementsprechend könnte ein Sauerstoffmangel in betroffenen Hirnregionen für die Aura-Symptome verantwortlich sein. Grundlage dieser Störung ist vermutlich ein genetischer Defekt.
Einig ist sich die Medizin, dass es bestimmte Auslöser - sogenannte Trigger - gibt, die Migräneattacken mit Aura hervorrufen können. Solche Auslöser sind beispielsweise Stress, Wetterumschwünge und bestimmte Gerüche. Auch Östrogen kann zu einer Migräneattacke führen. Mit diesem Hormon lässt sich auch die deutlich höhere Erkrankungsrate bei weiblichen Personen erklären. Umweltbedingte Faktoren: Sinnesüberreizungen, bestimmte Lebensmittel wie Rotwein, Hunger, Stress oder Schlafmangel, Kopfverletzungen und Nackenschmerzen können ebenfalls zu einer Migräne mit oder ohne Aura führen.
Symptome der Migräne mit Aura
Bei Migräne mit Aura sind die Symptome visuelle, sensible und sprachliche (aphasische) Störungen. Bei fast allen Migränepatienten (99 Prozent) mit Aura kommt es zu Sehstörungen. Die Migräne kann beispielsweise folgende Bildstörungen auslösen:
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- Skotom (Sehkraft lässt innerhalb eines Gesichtsfeldes nach oder fällt komplett aus)
- blendende Kreise oder Vierecke (die sich immer weiter ausbreiten)
- Zickzacklinien
- Blitzlichter
- Sternschnuppen
Die Sehstörungen treten unabhängig davon auf, ob die Augen offen oder geschlossen sind. In der Regel bilden sie sich innerhalb von einer Stunde wieder zurück. Bei 30 bis 54 Prozent der Betroffenen treten außerdem Gefühlsstörungen auf. Migränepatienten mit Aura berichten beispielsweise von einem Kribbel- oder Taubheitsgefühl in Händen, Armen oder Wangen. Seltener (in 9 bis 31 Prozent der Fälle) sind auch Sprachstörungen möglich. Diese äußern sich zum Beispiel dadurch, dass die Aussprache und/oder die richtige Verwendung von Worten beeinträchtigt ist.
Atypische Migräne-Aura
Von der typischen Migräne-Aura werden atypische Auren unterschieden. Darunter fällt die Migräne mit Hirnstammaura. Betroffene leiden an Hirnstammsymptomen wie Drehschwindel, Tinnitus, Doppelbildern oder Bewusstseinsstörungen. Eine hemiplegische Migräne diagnostizieren Ärzte, wenn die Aura mit motorischen Störungen wie einer halbseitigen Lähmung einhergeht. Die motorischen Symptome können länger andauern als andere Aura-Symptome, sie bilden sich aber innerhalb von 72 Stunden ebenfalls wieder vollständig zurück. Sind in der Familie (ersten oder zweiten Verwandtschaftsgrades) ähnliche Migränefälle bekannt, wird die Migräne noch spezifischer als familiär hemiplegische Migräne definiert. Eine weitere atypische Form ist die retinale Migräne; „Retina“ ist der medizinische Begriff für Netzhaut. Charakteristisch für diese sehr seltene Migräneform sind vorübergehende, visuelle Phänomene wie plötzliches Flimmern vor dem Auge, Gesichtsfeldausfälle (Skotome) oder eine Erblindung.
Alice-im-Wunderland-Syndrom
Das Alice-im-Wunderland-Syndrom tritt vornehmlich bei Kindern und Jugendlichen während einer Migräne auf, in den meisten Fällen zusätzlich zu einer bestehenden Aura. Bei diesem Syndrom handelt es sich um Wahrnehmungsstörungen des Gehirns, bei denen der eigene Körper ganz klein oder riesengroß im Raum wahrgenommen werden kann. Zusätzlich können Halluzinationen und ein Orientierungsverlust der betroffenen Person auftreten. Bei den Wahrnehmungsstörungen erscheinen den Betroffenen beispielsweise der eigene Körper ganz klein und der umgebende Raum riesengroß. Auch Halluzinationen und Orientierungsverlust können auftreten. Der Name des Syndroms leitet sich von dem gleichnamigen Kinderbuch ab, in dem das Mädchen Alice unter anderem abwechselnd schrumpft und wieder wächst. Wahrscheinlich liegen dem Syndrom organische oder funktionelle Veränderungen in einem bestimmten Bereich des Gehirns zugrunde, dem Temporallappen. Das ist aber noch nicht endgültig erforscht.
Diagnose der Migräne mit Aura
Ob es sich wirklich um eine Aura handelt, kann im Zweifelsfall nur ein Arzt oder eine Ärztin feststellen. Bei vermeintlichen Auren mit visuellen Störungen des Gesichtsfelds könnte es sich ebenfalls um eine Augenerkrankung oder Durchblutungsstörung der Augen und des Gehirns handeln, bei motorischen und Sprachstörungen wie bei einer retinalen Migräne könnte auch ein Schlaganfall vorliegen.
Bei der Diagnose von Migräne mit Aura müssen Ärzte andere mögliche Ursachen ausschließen. Das ist wichtig, weil eine Sehstörung zum Beispiel auch ein Indiz für eine Durchblutungsstörung oder Augenerkrankung sein kann. Besonders problematisch ist die Abgrenzung zum Schlaganfall, da Symptome wie Taubheitsgefühl oder Sprachstörungen auch für einen Schlaganfall sprechen können. Die Diagnose einer Migräne mit Aura sollte bei einem Arzt oder einer Ärztin erfolgen. Diese untersuchen den Patienten bzw. die Patientin körperlich und neurologisch und können hierzu auch bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) zur Entnahme von Nervenwasser einsetzen.
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Migränephasen
Eine Migräne verläuft in bis zu fünf Phasen, die nicht alle Patientinnen und Patienten bei einer Attacke durchlaufen muss:
- Prodromalphase: Noch vor der Migräne mit Aura kündigt sich diese bei etwa 30 Prozent der Migränepatienten durch weitere Vorboten an. Hierzu gehören beispielsweise Heißhunger oder ein Appetitverlust, Übelkeit, Nackenschmerzen oder Stimmungsschwankungen. Dieses Prodrom dauert zwischen 4 Stunden und mehreren Tagen.
- Auraphase: 15 bis 20 Prozent der Patientinnen und Patienten sind von einer Aura vor den eigentlichen migränetypischen Kopfschmerzen betroffen. Die Auraphase dauert, je nach Auratyp, zwischen 5 Minuten und 72 Stunden an. Die meisten Betroffenen erleben während dieser Zeit visuelle, neurologische oder motorische Störungen, die nach der Auraphase wieder verschwinden, bspw. Störungen im Gesichtsfeld.
- Migränephase: In der Migränephase erleiden die Patientinnen und Patienten die für eine Migräne typischen einseitigen oder beidseitigen Kopfschmerzen, die mittelstark oder stark pochen und pulsieren. Zusätzlich können Übelkeit und Erbrechen sowie eine Überempfindlichkeit auftreten. Manche Menschen erleben nur eine Auraphase ohne Kopfschmerzen, andere nur leichte Kopfschmerzen. Doch in den meisten Fällen fallen diese derart stark aus, dass diese den Alltag der Betroffenen stark einschränkt oder diese ihrem Alltag gar nicht mehr nachgehen können.
- Auflösungsphase: In dieser Phase lassen die Symptome zunehmend nach.
- Erholungsphase: Die letzte Phase ähnelt der Prodromalphase. Die Betroffenen fühlen sich angeschlagen und benötigen Zeit, um sich vollständig von ihrer Migräne mit Aura zu erholen.
Behandlung der Migräne mit Aura
Eine Migräne mit Aura kann zwar nicht geheilt, aber mit einigen Maßnahmen gut behandelt werden. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren.
Akutbehandlung
Bei einer akuten Migräneattacke können verschiedene Medikamente eingesetzt werden, um die Schmerzen zu lindern und die Begleitsymptome zu behandeln:
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Attacken können rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS) helfen.
- Triptane: Bei mittelschweren bis schweren Attacken sind Triptane die Mittel der Wahl. Sie wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Entzündungsprozesse hemmen. Triptane sind rezeptpflichtig.
- Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika helfen.
Vorbeugende Behandlung
Wenn Migräneattacken häufig auftreten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kann eine vorbeugende Behandlung sinnvoll sein. Ziel der Prophylaxe ist es, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken zu reduzieren. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:
- Betablocker: Betablocker wie Propranolol oder Metoprolol werden normalerweise bei Herzerkrankungen oder Bluthochdruck eingesetzt, können aber auch einer chronischen Migräne vorbeugen.
- Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin oder Nortriptylin können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
- Antiepileptika: Topiramat und Valproinsäure sind Antiepileptika, die auch bei Migräne wirksam sein können. Topiramat ist für Schwangere und Stillende nicht geeignet!
- Monoklonale Antikörper: Monoklonale Antikörper sind eine neue Art von Medikamenten, die speziell für die Migräneprophylaxe entwickelt wurden. Sie blockieren ein Molekül namens CGRP, das bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt. Diese Medikamente können die Anzahl und Schwere der Migräneanfälle verringern. Es gibt mehrere monoklonale Antikörper, die für die Migräneprophylaxe eingesetzt werden. Erenumab blockiert den CGRP-Rezeptor und kann helfen, Migränetage zu reduzieren. Fremanezumab zielt direkt auf das CGRP-Molekül ab und wird regelmäßig verabreicht, um Migräneanfälle zu verhindern. Galcanezumab, ähnlich wie Fremanezumab, blockiert CGRP und wird zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt. Eptinezumab wird intravenös verabreicht und wirkt ebenfalls gegen CGRP. Die Wirkung dieser Antikörper beginnt oft schon nach wenigen Wochen, und viele Menschen bemerken eine Verbesserung innerhalb von drei Monaten.
- OnabotulinumtoxinA (Botox): OnabotulinumtoxinA ist eine Form von Botox, die bei chronischer Migräne zur Vorbeugung eingesetzt werden kann.
- Neurostimulation des Nervus supraorbitalis: Bei einer Neurostimulation des Nervus supraorbitalis wird jener Nerv, der oberhalb der Augenhöhle liegt, durch elektrische Impulse stimuliert. Studien haben gezeigt, dass diese Methode bei einigen Patienten die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduziert.
- Okzipitale Nervenblockade: Die okzipitale Nervenblockade hat in Studien gezeigt, dass sie kurzfristig wirksam ist und helfen kann, die Anzahl der Migränetage zu reduzieren.
Nicht-medikamentöse Behandlungen
Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Behandlungen helfen, Migräneattacken vorzubeugen oder zu lindern:
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- Stress reduzieren: Entspannungstechniken wie Yoga, Qi Gong oder Meditationen können Stress reduzieren und das Risiko auf eine durch Stress ausgelöste Migräneepisode reduzieren.
- Regelmäßiger Ausdauersport: Sportarten wie Radfahren, Schwimmen und Laufen können laut Studien ähnlich migränevorbeugend wirken wie die medikamentöse Prophylaxe. Allerdings muss der Ausdauersport regelmäßig betrieben werden und darf nicht zu intensiv ausfallen - sonst kann er Migräne-Attacken sogar fördern.
- Entspannungsverfahren: Entspannungsverfahren, zum Beispiel Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training, können den Stresspegel verringern und helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
- Biofeedback: Biofeedback ist eine Methode, bei der man lernt, Körperfunktionen wie Herzfrequenz oder Muskelspannung bewusst zu beeinflussen.
- Verhaltenstherapie: Eine Verhaltenstherapie kann helfen, Stressoren zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, um besser mit Stress umzugehen.
- Akupunktur: Bei einigen Patienten ist auch Akupunktur hilfreich.
- Regelmäßigkeit: Für viele Patientinnen und Patienten hilfreich ist Regelmäßigkeit. Das gilt für Schlafens- und Aufwachzeiten aber auch für Mahlzeiten. Hetze, Unregelmäßigkeit, Naschen und Überspringen von Mahlzeiten können Migränebeschwerden verschlimmern.
- Tagebuch führen: In einem Tagebuch können die Patientinnen und Patienten die Häufigkeit, Dauer, den Zeitpunkt und weitere Faktoren wie mögliche Auslöser und Behandlungsergebnisse protokollieren. Dies kann sie dabei unterstützen, ihre Migräneattacken langfristig besser zu kontrollieren und beispielsweise Auslöser für die Migräne zu vermeiden.
Vermeidung von Triggern
Viele Migränepatienten wissen mit der Zeit, auf welche Dinge oder Situationen bei ihnen eine Attacke folgt. Solch mögliche Auslöser, auch Trigger genannt, sind:
- Aufregung oder Stress
- Entspannungsphasen nach Stresssituationen, z.B. der abrupte Wechsel vom stressigen Alltag in die erholsame Urlaubszeit
- Schlafmangel oder veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus, z.B. durch späteres Zubettgehen oder längeres Ausschlafen am Wochenende
- Körperliche Anstrengung bei Sport, Freizeitaktivitäten oder der Arbeit
- Nackenschmerzen
- Hormonelle Veränderungen durch Periode, Schwangerschaft oder Wechseljahre
- Auslassen von Mahlzeiten
- Lebensmittel, z.B.: Käse, Alkohol, Kaffee und das darin enthaltene Koffein (auch die Reduzierung des Kaffeekonsums), Cola, Schokolade
- Wetterumschwünge und Klimawechsel
- Temperaturanstieg mit plötzlicher Hitze, Luftdruckveränderungen, Föhnwetter
- Düfte und Gerüche
- Parfüm, Zigarettenrauch, Duftbaum im Auto, Raumsprays
- Licht
- Blendende Scheinwerfer, Helles oder flackerndes Licht, Neonlicht
Wenn Sie Ihre Trigger kennen, lassen sich manche davon bewusst vermeiden. Finden Sie Ihre persönlichen Auslöser heraus, indem Sie ein Kopfschmerztagebuch führen.
Chronische Migräne
Von chronischer Migräne spricht man, wenn ein Patient oder eine Patientin seit mehr als 3 Monaten an mindestens 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leidet. Bei einer chronischen Migräne bestehen seit 3 Monaten oder länger Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit Migräne. Haben Sie im Monat mehr Tage mit Kopfschmerzen als ohne, kann das ein Hinweis auf Chronische Migräne sein.
Status migraenosus
Eine der Eigenarten von Migräneattacken aus Sicht der Betroffenen ist, dass sie immer dann auftreten, wenn man sie gerade überhaupt nicht gebrauchen kann. So wenig vorhersehbar der individuelle Verlauf der Migräne ist, sie hält sich jedoch auch an Regeln: spätestens nach 72 Stunden ist die Migräne vorbei. Aber bedauerlicherweise gibt es auch von dieser Regel eine Ausnahme: den Status migraenosus. Mit diesem Begriff bezeichnet man Migräneattacken, die aus welchen Gründen auch immer länger als 72 Stunden anhalten.
Behandlung des Status migraenosus
Vorbeugende Maßnahmen kommen zu spät, wenn ein Status migraenosus bereits eingetreten ist. Die Erfahrung zeigt, dass die Einnahme von Triptanen und/oder Schmerzmitteln im Status migraenosus mit jedem Tag weniger und kürzer wirksam ist und anstatt die Migräne zu beenden, verlängern die Medikamente die Attacke nur noch. Daher gilt die generelle Empfehlung, ab dem vierten Tage einer Migräne auf Schmerzmittel und Triptane zu verzichten. Auch wenn man es sich nicht vorstellen kann, die schnellste Art aus dem Status migraenosus herauszukommen, ist in dieser keine Akutmedikation wie Schmerzmittel oder Triptane mehr einzunehmen, die man bereits vorher eingenommen hat. Zielführender sind Medikamente gegen Übelkeit. Das rezeptfrei erhältliche Dimenhydrinat, u.a. unter dem Handelsnamen Vomex® A bekannt, bietet jetzt gegenüber MCP den Vorteil einer zusätzlich leicht müde machenden Wirkung. Diesen sogenannten sedierenden Effekt erreicht man auch mit schwach wirksamen Neuroleptika wie Promethazin oder Melperon, mit trizyklischen Antidepressiva wie Amitriptylin, Doxepin oder Trimipramin. Im Ausnahmefall kann auch ein Beruhigungsmittel wie Diazepam erwogen werden, diese sollten jedoch wegen der möglichen Gewöhnungsproblematik sehr zurückhaltend eingesetzt werden. Die Substanzen sind durchweg rezeptpflichtig. Ziel ist letztlich über einen schmerzdistanzierenden Effekt dem Betroffenen zu ermöglichen, den Schmerz bewusstseinsfern zu halten, ohne ein Schmerzmittel oder ein Triptan nehmen zu müssen. Müdigkeit und Bettlägerigkeit muss dabei in Kauf genommen werden. Arbeitsfähigkeit wird verständlicherweise in dieser Phase nicht erreicht. Ein weiterer Therapieansatz ist, die dem Migräneschmerz zugrundeliegende Entzündung an den Blutgefäßen der Hirnhäute durch Gabe von Prednisolon oder anderen Kortison-Zubereitungen zu blockieren und damit dem Schmerz die biologische Grundlage zu nehmen. In der Notfallsituation wird das Kortison meist intravenös verabreicht, was den Vorteil eines relativ schnellen Wirkeintritts unter Umgehung der Aufnahme im Magen-Darmbereich bietet. Bei vielen Betroffenen führt aber auch die selbständige Einnahme von Prednisolon 50 bis 100 mg als Tablette zu einer Besserung innerhalb einer akzeptablen Zeitspanne. Gegebenenfalls kann die morgendliche Einnahme für zwei oder drei Tage wiederholt werden, bis die Entzündung ganz abklingt.
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