Halbseitige Lähmungen, oft die Folge eines Schlaganfalls, können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Besonders alltägliche Aufgaben wie das An- und Auskleiden stellen Betroffene vor große Herausforderungen. Dieser Artikel beleuchtet, wie Betroffene und ihre Angehörigen diese Herausforderungen meistern können, welche Hilfsmittel zur Verfügung stehen und welche Strategien die Selbstständigkeit fördern.
Ursachen und Auswirkungen der Hemiparese
Eine Halbseitenlähmung (Hemiparese oder Hemiplegie) entsteht meist durch einen Schlaganfall, bei dem die Blutversorgung eines bestimmten Hirnbereichs unterbrochen wird. Dies führt in vielen Fällen zu Beeinträchtigungen der Bewegungsabläufe und der Fähigkeit, Gegenstände zu erkennen und sinnvoll zu nutzen. Oft vernachlässigen Betroffene auch die gelähmte Körperseite. Die Ausfallerscheinungen hängen davon ab, welche Hirnarterien und -bereiche betroffen sind und wie viel Hirngewebe geschädigt wurde.
Die Bedeutung der aktiven Beteiligung beim An- und Auskleiden
Es ist entscheidend, dass Menschen mit Hemiparese beim An- und Auskleiden nicht nur Hilfe erhalten, sondern aktiv in diese Alltagshandlungen einbezogen werden. Je mehr sich der Betroffene einbringt, desto größer ist der Trainingseffekt, was die Chance erhöht, dass er in Zukunft wieder mehr Handgriffe selbstständig ausführen kann. Anfangs sollten nur kleine Bewegungsabläufe ausgeführt werden, auch wenn dies mehr Zeit in Anspruch nimmt. Mit der Zeit kann das Pensum gesteigert werden, ohne den Patienten zu überfordern.
Grundsätze beim An- und Auskleiden
Beim An- und Auskleiden sollten einige Grundsätze beachtet werden, um den Vorgang zu erleichtern und die Selbstständigkeit zu fördern:
- Auskleiden: Beginnen Sie mit der weniger betroffenen Seite.
- Ankleiden: Beginnen Sie mit der stärker betroffenen Seite.
- Führen: Der Patient sollte den weniger betroffenen Arm nutzen, um die betroffene Extremität zu führen.
- Unterstützung: Der pflegende Angehörige sollte von der stärker betroffenen Seite aus helfen.
Es kann hilfreich sein, wenn der Pflegende selbst ausprobiert, wie es ist, sich mit nur einer Hand an- und auszuziehen, um ein besseres Verständnis für die Schwierigkeiten des Patienten zu entwickeln.
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Vorbereitung und Umgebung
Um Stürze zu vermeiden, sollte der Patient beim An- und Auskleiden auf einem stabilen Stuhl sitzen und nicht auf der Bettkante. Es ist auch hilfreich, wenn er sich für einige Sekunden an einem Tisch festhalten und aus eigener Kraft stehen kann. Der Patient sollte niemals nur mit Socken bekleidet stehen, da dies die Sturzgefahr erhöht. Entweder barfuß oder mit Schuhen ist sicherer.
Vor dem Anziehen sollten die Kleidungsstücke in Reichweite der pflegebedürftigen Person platziert werden. Ein Pullover beispielsweise sollte mit der Vorderseite nach unten auf die Oberschenkel gelegt werden, wobei der Halsausschnitt auf den Knien liegt und der Ärmel für den mehr betroffenen Arm zwischen den Beinen hängt.
Schritt-für-Schritt-Anleitungen
Pullover anziehen
- Der Patient greift seinen stärker betroffenen Arm und lässt ihn in den Ärmel gleiten.
- Der andere Arm wird in den entsprechenden Ärmel gesteckt.
- Der Pullover wird dann mit dem kräftigeren Arm ganz angezogen.
Jacken und Hemden werden ähnlich angezogen.
Pullover ausziehen
- Mit der weniger betroffenen Hand wird zunächst der Kragen gegriffen, um das Kleidungsstück über den Kopf zu ziehen.
- Anschließend wird der weniger betroffene Arm und dann die gelähmte Extremität aus dem Pullover gezogen.
Hose anziehen
- Das gelähmte Bein wird zuerst über das weniger betroffene Bein gelegt.
- Die stärker betroffene Hand wird auf dem Oberschenkel platziert, um eine zu starke Belastung der Schulter zu vermeiden.
- Das Hosenbein wird über das stärker betroffene Bein gestreift, das anschließend auf den Boden gestellt wird.
- Erst danach wird das zweite Hosenbein angezogen.
- Mit der beweglicheren Hand kann das Kleidungsstück dann festgehalten werden.
- Indem die pflegebedürftige Person aufsteht, rutscht sie in die Hose komplett hinein und schließt sie mit der weniger betroffenen Hand.
Hose ausziehen
- Im Sitzen wird zunächst die Hose ein wenig heruntergezogen.
- Dann wird das weniger betroffene Bein aus dem Kleidungsstück befreit.
- Erst danach wird das gelähmte Bein aus dem Stoff geholt, indem es auf das weniger betroffene Bein gelegt wird, um dann das Hosenbein abzustreifen.
Hilfsmittel für das An- und Auskleiden
Es gibt eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die das An- und Auskleiden erleichtern können:
- Knöpfhilfen: Erleichtern das Schließen von Knöpfen.
- Klettverschlüsse: Anstelle von Knöpfen oder Reißverschlüssen.
- Kleidung mit weiteren Öffnungen: Vereinfachen das An- und Ausziehen.
- Anziehhilfen für Strümpfe: Erleichtern das Anziehen von Strümpfen.
- Schuhlöffel mit langem Griff: Ermöglichen das Anziehen von Schuhen im Sitzen.
- VELA-Stühle: Spezielle Stühle mit Armlehnen, Bremse und elektrischer Aufstehhilfe für mehr Mobilität und Stabilität.
VELA-Stühle als Hilfsmittel
VELA-Stühle sind speziell für Menschen mit Beeinträchtigungen entwickelt worden und bieten eine Reihe von Vorteilen für Personen mit Hemiparese:
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- Mehr Mobilität: Ermöglichen es, sich trotz einseitiger Beinkraft im Haus fortzubewegen.
- Selbstständige Bewegungsfreiheit: Erleichtern das Umlagern auf andere Möbel oder Hilfsmittel.
- Stabile Sitzposition: Der Sitz und die Rückenlehne können individuell angepasst werden.
- Armlehnen: Bieten zusätzliche Unterstützung beim An- und Auskleiden oder beim Aufstehen.
- Bremse: Sorgt für Stabilität beim Positionswechsel.
Weitere wichtige Aspekte
Lagerung
Die richtige Lagerung ist entscheidend, um Folgeschäden zu vermeiden. Ein höhenverstellbares Pflegebett kann die Pflege erleichtern. Die Lagerung sollte nach der Bobath-Methode erfolgen, um Spasmen zu hemmen, normale Bewegungsmuster vorzubereiten und die Wahrnehmung zu fördern.
Zimmergestaltung
Die Zimmergestaltung sollte so gewählt werden, dass die gelähmte Seite stimuliert wird. Alle Verrichtungen sollten von der gelähmten Seite ausgeführt werden. Rutschige Bodenbeläge sollten vermieden werden, und im Badezimmer sollten stabile Haltegriffe angebracht werden.
Mundhygiene und Ernährung
Bei Gesichtslähmung ist besonders auf die Mundhygiene zu achten. Bei Schluckbeschwerden sollten pürierte Speisen verabreicht werden.
Soziale Kontakte und Selbsthilfegruppen
Es ist wichtig, soziale Kontakte zu pflegen und sich nicht zurückzuziehen. Selbsthilfegruppen bieten Unterstützung und Ermutigung.
Sport und Bewegung
Sport kann das Risiko für einen erneuten Schlaganfall senken. Vor Beginn sollte jedoch Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden.
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Autofahren und Reisen
Bei guter Heilung ist Autofahren möglich. Eine Reisevorbereitung ist besonders wichtig für Menschen, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben.
Sexualität und Partnerschaft
Neben klinischen Faktoren können auch psychosoziale und partnerschaftliche Faktoren Probleme beim Sex verursachen. Ärzte und Therapeuten können zu diesem Thema beraten.
Rehabilitation
Je früher die Therapie bei einem Schlaganfall einsetzt, desto größer sind die Überlebenschancen des Patienten. Die Rehabilitation beginnt bereits in der Akutphase im Krankenhaus und wird idealerweise in stationären oder ambulanten Rehabilitationseinrichtungen fortgesetzt. Auch zu Hause ist die Rehabilitation eine Team-Aufgabe, bei der Hausarzt, Fachkräfte, Therapeuten und Familie zusammenarbeiten müssen.
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