Der Graue Star, medizinisch als Katarakt bekannt, ist eine Trübung der Augenlinse, die normalerweise klar ist. Diese Trübung beeinträchtigt die Fähigkeit des Auges, ein scharfes Bild auf der Netzhaut zu erzeugen, was zu einer Verschlechterung des Sehvermögens führt. Eine Katarakt-Operation ist ein weltweit häufig durchgeführter Eingriff, um das Sehvermögen wiederherzustellen. Nach der Operation müssen sich sowohl das Auge als auch das Gehirn an die neue Situation anpassen.
Was ist ein Grauer Star (Katarakt)?
Die Linse im Inneren des Auges bündelt Lichtstrahlen, um ein scharfes Bild auf der Netzhaut zu erzeugen. Von dort wird das Bild an das Gehirn gesendet, wo es wahrgenommen wird. Bei einer Katarakt trübt sich die Linse, wodurch kein scharfes Bild mehr auf der Netzhaut entsteht. Dies kann zu einer erheblichen Einschränkung der Sehschärfe führen. Der Graue Star entwickelt sich meistens ab dem 60. Lebensjahr.
Die altersbedingte Trübung der Linse beginnt oft mit einer Verschlechterung des Sehvermögens. Viele Patienten berichten von erhöhter Blendempfindlichkeit, besonders beim Autofahren in der Nacht. Das betroffene Auge sieht oft unscharf und alles wirkt mit einem gelblichen Schleier überzogen. Im späteren Stadium der Linsentrübung kann es zu Schwierigkeiten beim Lesen, vermindertem Farb- und Kontrastsehen oder einer erheblichen Verminderung der Sehschärfe kommen. Unbehandelt kann der Graue Star bis zur Erblindung führen.
Die Katarakt-Operation: Ein Überblick
Die Operation des Grauen Stars (Katarakt) ist heute einer der am häufigsten durchgeführten Eingriffe weltweit. Millionen von Patienten haben durch diese Operation ein besseres Sehvermögen und damit eine höhere Lebensqualität erlangt. Bei der Operation wird die trübe Linse entfernt und durch eine künstliche Linse, die Intraokularlinse (IOL), ersetzt.
Operationsmethoden
Als modernstes Verfahren gilt der Einsatz des Femtosekundenlasers. Es gibt verschiedene Modelle von Intraokularlinsen, von einfachen Monofokallinsen ohne Zusatzfunktion bis hin zu Multifokallinsen und Speziallinsen mit verschiedenen Zusatzfunktionen.
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- Standard-OP: Gesetzlich versicherte Patienten haben Anspruch auf eine kostenlose Standardlinse. Diese führt jedoch nicht zu vollständiger Brillenunabhängigkeit im Alltag, sondern verbessert lediglich die Sehqualität.
- Lite-Paket: Hier werden asphärische, aberrationsneutrale Linsen implantiert, die eine gleichmäßige Abbildungsqualität über die gesamte Linsenoptik bieten. Dies führt zu besserem Kontrastsehen und einem geringeren Risiko für Blendung, besonders beim nächtlichen Autofahren.
- Economy-Paket: Dieses Paket ermöglicht die Korrektur der Sehstärke für eine Distanz (Ferne oder Nähe). Es werden asphärische, aberrationskorrigierende Intraokularlinsen verwendet. Bei Hornhautverkrümmung kann eine torische Linse eingesetzt werden.
- Smart Ferne-Paket: Dieses Paket korrigiert den Sehfehler für die Ferne inklusive Hornhautverkrümmung und hat zusätzlich einen Tiefenschärfe-Effekt (Mono-EDoF IOL). Dies ermöglicht ein scharfes Sehen von der Ferne bis zu mittleren Distanzen.
- Business-Paket: Dieses Paket richtet sich an aktive Patienten, die ohne Brille oder Kontaktlinsen von der Ferne bis in den Zwischenbereich oder vom Zwischenbereich bis in die Nähe deutlich sehen möchten. Es werden Linsen mit unterschiedlichen Stärken für verschiedene Sehbereiche verwendet.
- First Class-Paket: Dieses Paket zielt auf maximale Brillenunabhängigkeit im Alltag ab. Es werden diffraktive Intraokularlinsen (IOLs) verwendet, die mehrere Stärkenzusätze besitzen. Eine Alternative ist die Duett-Implantation, bei der zwei Intraokularlinsen implantiert werden.
Ablauf der Operation
- Vorbereitung: Der Patient erhält pupillenerweiternde Augentropfen und wird in einen kurzen Dämmerschlaf versetzt.
- Entfernung der Linse: Durch einen kleinen Schnitt wird die getrübte Linse mit Ultraschall oder einem Nanolaser verflüssigt und entfernt. Der Nanolaser gilt als besonders schonend.
- Implantation der neuen Linse: Die neue Linse wird vorsichtig ins Auge gebracht. Der Schnitt ist so klein, dass er nicht genäht werden muss.
- Abschluss: Das Auge wird mit einem Augenverband oder einer Augenklappe abgedeckt.
Nachsorge
Nach der Operation sind regelmäßige augenärztliche Nachuntersuchungen wichtig. In den ersten Wochen sollten körperliche Anstrengungen vermieden werden. Ein leichtes Drücken, Kratzen oder Brennen am operierten Auge ist normal. Bei stärkeren Schmerzen oder plötzlicher Sehverschlechterung sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.
- Augentropfen: Antibiotische Augentropfen werden für vier Wochen verschrieben, um die Heilung zu unterstützen.
- Alltägliche Aktivitäten: Spaziergänge, Duschen, Bücken und leichte Hausarbeit sind sofort wieder möglich. Schreiben, PC-Arbeit und Lesen sollten in den ersten Tagen eingeschränkt werden.
- Autofahren: Autofahren ist nach ärztlicher Rücksprache wieder möglich, meist nach etwa zwei Wochen.
- Sport: Leichte sportliche Betätigung ist nach einer Woche erlaubt, körperlich anstrengender Sport nach zwei Wochen.
Anpassung des Auges nach der Operation
Nach der Katarakt-Operation benötigt das Auge Zeit, um sich an die neue Linse zu gewöhnen. Zunächst sehen viele Patienten etwas schlechter und unschärfer als gewohnt. Dies ist normal, da sich das Auge an die künstliche Linse anpassen muss. Mit jedem Tag verbessert sich die Sehfähigkeit.
- Fremdkörpergefühl: Ein leichtes Fremdkörpergefühl ist normal.
- Sehverbesserung: Die Sehfähigkeit verbessert sich in den ersten Tagen und Wochen. In seltenen Fällen dauert es mehrere Wochen, bis eine deutliche Verbesserung erreicht ist.
- Trockene Augen: Während der Katarakt-OP kann eine Retrobulbäranästhesie angewandt werden und es werden Schnitte am Auge vorgenommen. Dieses Trockene-Augen-Gefühl (Sicca-Symptomatik) kann mit einem Tränenersatzmittel behandelt werden.
Anpassung des Gehirns nach der Operation
Die Anpassung des Gehirns an die neue Sehsituation ist ein wichtiger Aspekt nach einer Katarakt-Operation. Das Gehirn muss lernen, die Informationen, die es von dem operierten Auge erhält, neu zu interpretieren. Dieser Prozess kann einige Zeit dauern und ist von Person zu Person unterschiedlich.
Neuroadaptation
Bei der Implantation von Multifokallinsen lernt das Gehirn, mit den optischen Nebeneffekten umzugehen und sich an den neuen Seheindruck zu gewöhnen. Das scharfe Sehen ist trotz Nebeneffekten in den unterschiedlichen Distanzen bereits meist direkt in den ersten Tagen nach der Operation problemlos möglich.
Probleme mit dem binokularen Sehen
Einige Patienten haben Schwierigkeiten mit dem binokularen Sehen, d.h. der Zusammenarbeit beider Augen. Dies kann zu Schwindel, Verwirrtheit und dem Gefühl führen, dass das Bild nicht natürlich ist. In solchen Fällen kann ein Sehtraining oder Augentraining hilfreich sein.
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Halos und Blendeffekte
Nach der Operation können Halos (Lichthöfe um Lichtquellen) und Blendeffekte auftreten, besonders bei Nacht. Diese entstehen durch die Beugung des Lichts an den Kanten der Kunstlinse. In den meisten Fällen klingen diese Effekte mit der Zeit ab, da sich das Gehirn daran gewöhnt.
- Erste Woche: Halos sind bei vielen Patienten deutlich spürbar.
- Erste 1-3 Monate: Eine allmähliche Anpassung findet statt, die Halos schwächen sich spürbar ab.
- Nach 3-6 Monaten: Bei den meisten Patienten sind Halos deutlich reduziert oder verschwinden komplett.
Kognitive Funktionen
Eine Studie der Universität Washington hat gezeigt, dass eine Katarakt-Operation positive Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen älterer Menschen haben kann. Diejenigen, die sich einer Katarakt-OP unterzogen, konnten ihr Risiko, an Demenz zu erkranken, um 30 Prozent reduzieren, und das postoperativ über 10 Jahre. Dies liegt daran, dass der sensorische Input eine wichtige Rolle für die Gehirngesundheit spielt.
Linsenoptionen und ihre Auswirkungen auf die Anpassung
Die Wahl der richtigen Intraokularlinse spielt eine entscheidende Rolle bei der Anpassung von Auge und Gehirn nach der Operation.
- Monofokallinsen: Diese Linsen ermöglichen gutes Sehen auf eine Distanz, meistens in der Ferne. Für andere Entfernungen wird weiterhin eine Brille benötigt.
- Torische Monofokallinsen: Diese korrigieren zusätzlich eine Hornhautverkrümmung.
- Bifokallinsen: Diese vereinen zwei Fokuspunkte und ermöglichen scharfes Sehen in der Ferne und Nähe.
- Trifokallinsen: Diese erzeugen drei Fokuspunkte und ermöglichen scharfes Sehen im Fern-, Zwischen- und Nahbereich.
- Asphärische Linsen: Diese verbessern das Kontrastsehen und die Bildqualität, besonders bei großen Pupillen.
- Blaufilterlinsen: Diese schützen die Netzhaut vor kurzwelligem Licht.
- Add-On-Linsen: Diese werden zusätzlich vor eine bereits vorhandene Kunstlinse implantiert, um einen verbliebenen Sehfehler zu korrigieren.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Obwohl die meisten Anpassungsprozesse nach einer Katarakt-Operation normal sind, gibt es Situationen, in denen ein Arzt aufgesucht werden sollte:
- Stärkere und anhaltende Schmerzen
- Plötzliche Sehverschlechterung
- Stark ausgeprägte Halos, die über längere Zeit bestehen bleiben
- Anzeichen einer Infektion (Rötung, Schwellung, Ausfluss)
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