Antidepressiva und ihr möglicher Zusammenhang mit Alzheimer

Depressionen sind eine der häufigsten psychischen Störungen im höheren Lebensalter. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Ärzten aktuelle Leitlinienempfehlungen für die Behandlung älterer Menschen, insbesondere im Hinblick auf den Einsatz von Antidepressiva bei Demenz, zur Verfügung zu stellen.

Die Prävalenz von Depressionen in stationären Einrichtungen der Altenpflege wird auf bis zu 50 % geschätzt. Die Suizidrate ist bei Hochbetagten am höchsten - vor allem bei Männern. Späte Manifestationen depressiver Störungen ab dem 60. Lebensjahr können organische Ursachen haben. Bis zu 14,8 % der Personen mit Alzheimer-Krankheit und bis zu 24,7 % der Personen mit vaskulärer Demenz leiden an einer schweren depressiven Störung. Die Depression kann dabei bereits als Frühsymptom einer Demenz vom Alzheimer-Typ auftreten.

Demenz: Ein komplexes Syndrom

Bei einer Demenz handelt es sich um ein komplexes Syndrom, bei dem die kognitiven Fähigkeiten einer Person beeinträchtigt sind. Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Behandlung einer Demenz eingesetzt werden können. Diese Medikamente können die Krankheit nicht heilen, sondern dienen dazu, die Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und damit positiv ins Krankheitsgeschehen einzugreifen.

Antidementiva: Verbesserung der Hirnfunktionen

Antidementiva sind Medikamente, welche die Gedächtnisleistungen, die Lernfähigkeit, die Auffassungsgabe und weitere Hirnfunktionen positiv beeinflussen. Es gibt unterschiedliche Wirkgruppen von Antidementiva.

Acetylcholinesterase-Hemmer

Die erste Wirkgruppe wird als Acetylcholinesterase-Hemmer bezeichnet. Diese hemmen den, bei einer Demenz, knappen Botenstoff Acetylcholin, welcher eine wichtige Rolle für das Lernen und Erinnern spielt. Mithilfe dieser Wirkstoffgruppe bleibt der Botenstoff länger im Gehirn erhalten. Derzeit existieren drei verschiedene Wirkstoffe:

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  • Donepezil (z. B. Aricept®)
  • Rivastigmin (z. B. Exelon®)
  • Galantamin (z. B. Reminyl®)

Die Wirksamkeit von Donepezil konnte durch mehrere internationale Studien bestätigt werden, insbesondere bei einer leichten bis moderaten Alzheimer-Krankheit. Sie zeigten eine Wirksamkeit bei der Verrichtung der Alltagsaktivitäten und eine Besserung der kognitiven Leistungsfähigkeit. Auch für Rivastigmin konnte in diversen Studien ein positiver Effekt in Bezug auf die geistige Leistungsfähigkeit und die Aktivitäten des täglichen Lebens nachgewiesen werden. Neben der Alzheimer-Krankheit wird dieses Medikament auch bei der Lewy-Körper-Demenz und bei Demenz im Rahmen der Parkinson-Krankheit eingesetzt. Das aus Schneeglöckchen gewonnene Alkaloid Galantamin wirkt sich positiv auf die Acetylcholinesterase aus. Es wurde in mehreren wissenschaftlichen Studien hinsichtlich der Wirksamkeit in Bezug auf die Kognition (geistige Wahrnehmung), das Verhalten und die Aktivitäten des täglichen Lebens überprüft. Es wird bei der leichten bis mittelgradigen Alzheimer-Krankheit eingesetzt. Die Auswahl des Acetylcholinesterase-Hemmers sollte sich in erster Linie an den jeweiligen Neben- und Wechselwirkungen orientieren, da keine Hinweise für klinisch relevante Unterschiede in der Wirksamkeit der verfügbaren Substanzen vorliegen.

Memantin

Eine weitere Wirkstoffgruppe ist das Memantin (z. B. Ebixa® oder Axura®). Der Botenstoff Glutamat ist in normalen Mengen unersetzlich für funktionierende Gehirnprozesse, aber in größeren Mengen wirkt er als Zellgift. Bei einer Demenz wird durch gestörte Gehirnprozesse verstärkt Glutamat freigesetzt; dadurch kommt es zum Zellsterben. Memantin kann bei der mittelschweren bis schweren Alzheimer-Krankheit diesen schädigenden Prozess verhindern und somit die Nervenzellen schützen.

Antidepressiva und Neuroleptika bei Demenz

Eine Demenz kann mit einer depressiven Symptomatik einhergehen. Die Betroffenen sind antriebslos, traurig und verzweifelt. Dieses Symptombild kann durch einen Serotoninmangel im Gehirn hervorgerufen werden. Der Botenstoff Serotonin ist für die Stimmung und den Antrieb verantwortlich. Bei Menschen mit Demenz eignen sich die sogenannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (kurz: SSRI). Dazu gehören zum Beispiel die Wirkstoffe Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin und Sertralin. Diese Medikamente haben nur Einfluss auf den Botenstoff Serotonin und greifen nicht in andere Botenstoffsysteme im Gehirn ein.

Neben einer depressiven Symptomatik kann es bei einer Demenz zu psychischen Veränderungen und Verhaltensauffälligkeiten, wie Wahn, Halluzinationen oder Unruhezuständen kommen. Diese können mit Neuroleptika behandelt werden, welche einer ärztlichen Prüfung und Anordnung bedürfen. Entsprechende Wirkstoffe sind zum Beispiel Risperidon, Melperon und Pipamperon. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser Medikamente von Person zu Person unterschiedlich sein kann. Es können Nebenwirkungen auftreten, welche mit der behandelnden Ärztin beziehungsweise dem behandelnden Arzt besprochen werden sollten.

Eine ganzheitliche Behandlung von Demenz umfasst ebenfalls nicht-medikamentöse Behandlungen zur Verbesserung der Alltagsfunktionen, wie beispielsweise Gedächtnistraining, Erinnerungsarbeit, körperliches Training und eine gesunde Lebensweise.

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Antidepressiva und das Demenzrisiko: Eine komplexe Beziehung

Die Frage, ob Antidepressiva das Risiko für die Entwicklung einer Demenz erhöhen können, ist Gegenstand intensiver Forschung und Diskussion. Einige Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Antidepressiva, insbesondere solche mit anticholinergen Eigenschaften, möglicherweise mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden sein könnten.

Potenziell ungeeignete Medikation im Alter

Wer die Medikamentensammlung anderer Menschen (manchmal auch die eigenen) durchsieht, muss sich manchmal sehr wundern. Neben verschiedenen abgelaufenen und veralteten Mitteln, Selbstmedikationen aus der Nachbarschaft und Kräuterextrakten finden sich auch immer wieder, selbst in besser organisierten Giftschränken, Medikamente die schlicht fehl am Platz sind. Nicht immer sind dies echte Fehlbehandlungen. Aber manche der im Englischen potentially inapproriate medication genannten Mittel sind gerade im älteren Körper mit verschiedenen erhöhten Risiken verbunden, deren sich Patienten und Ärzte manchmal nicht bewusst sind. Sie können also mehr Schaden anrichten als Gutes tun. Beispielsweise werden bei älteren depressiven Menschen manche Antidepressiva eingesetzt, die ungünstige Nebenwirkungen haben können (z. B. Bluthochdruck, Schwindel o. ä.), auf die ältere Menschen typischerweise empfindlicher reagieren als jüngere Patienten. Solche Medikamente, die im Alter vermieden werden sollten, werden im Projekt der Priscus-Liste dokumentiert.

Studienergebnisse und Interpretationen

Eine Forschergruppe verschiedener deutscher Universitäten analysierte die Daten einer prospektiven Kohortenstudie nicht dementer Patienten (3239 Patienten) im mittleren Alter von 80 Jahren. Das Risiko für eine Demenz wurde auf der Basis von 8 Folgeuntersuchungen in den folgenden Jahren (bis zu 12 Jahre) geschätzt. Die Daten zeigten, dass die Antidepressiva mit einem erhöhten Risiko für eine spätere Demenz einhergingen. Dieser Effekt wurde allein mit den nicht angebrachten antidepressiven Behandlungen gefunden. Antidepressiva, die aufgrund der entsprechenden Depressionsdiagnostik sinnvoll waren, zeigten kein erhöhtes Risiko in den Folgejahren. Die Studie deutet damit auf ein grundlegendes Problem bei der Behandlung: kann man mehr schaden, wenn ein nicht altersgerechtes Medikament gewählt wird? Im Fall von Antidepressiva, die beim älteren Menschen besonders ungünstige Nebenwirkungen haben, scheint dies nun etwas klarer zu sein - die derart fehlbehandelten Patienten können in der Folge häufiger eine Demenzerkrankung erleiden.

Welche Mechanismen eine solche Schädigung bewirken können, ist noch nicht abschließend geklärt. Blutdruckerhöhende Nebenwirkungen durch das sogenannte anticholinerge System, beispielsweise, könnten zu Schäden an kleinen Blutgefäßen im Gehirn führen und in der Folge zu entzündlichen Prozessen, die mit Demenzsymptomen enden können. Selbst wenn die Ergebnisse nicht eindeutig waren, nachdem die ursprüngliche Denkleistung berücksichtigt wurde, sollten Patienten und Ärzte sich die jeweiligen Medikamente auch darauf hin anschauen, ob sie altersentsprechend sind, oder ob sie als möglicherweise altersunangemessen gelten könnten.

Die Rolle von SSRI bei Demenz

Eine weitere Studie untersuchte die Auswirkungen von Antidepressiva bei Patienten, bei denen bereits eine Demenz diagnostiziert wurde. In die Analyse waren knapp 19.000 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 78 Jahren einbezogen worden, bei denen eine Demenz neu diagnostiziert wurde und denen bis zu sechs Monate vor der Demenzdiagnose Antidepressiva verschrieben worden waren. Während der Nachbeobachtungszeit von im Mittel 4,3 Jahren erhielten 23 Prozent der Patienten ein neues Rezept für ein Antidepressivum. Überwiegend handelte es sich um SSRI (65 Prozent der Verschreibungen). Höhere SSRI-Dosen waren mit einem höheren Risiko für eine schwere Demenz verbunden, definiert als eine stärkere Verschlechterung der MMST-Werte eines Patienten. Die Studie lieferte zudem Hinweise auf ein höheres Risiko für Knochenbrüche und eine höhere Gesamtmortalität bei Patienten, denen bei oder nach der Demenzdiagnose mindestens ein SSRI-Antidepressivum verschrieben wurde.

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Einschränkungen und Interpretationsschwierigkeiten

Wie auch die Forschenden selbst zu bedenken geben, haben die Studien Einschränkungen, und die Ergebnisse sollten durch weitere Analysen geprüft werden. "Die Symptome der Depression können selbst schon zur Verschlechterung der Demenz beitragen", nannte ein Beispiel. "Die Ergebnisse sind extrem schwer zu interpretieren", betonte auch ein anderer Experte.

Anticholinerge Antidepressiva und Demenzrisiko

Anticholinergika sind Medikamente, die den Neurotransmitter Acetylcholin - ein wichtiger Botenstoff im Nervensystem - blockieren. Manche Antidepressiva gehören in diese Arzneimittelgruppe. Längst weiss man, dass diese Mittel bei älteren Menschen bereits nach kurzfristiger Einnahme die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen können. Sie können zu Verwirrtheitszuständen, Schlaf- und Gedächtnisstörungen sowie zu Halluzinationen führen. Daher verhält es sich gemäss den ärztlichen Leitlinien so, dass Anticholinergika gebrechlichen Menschen nicht verschrieben werden sollten.

Eine Studie der University of East Anglia (UK) hat sich gezeigt, dass Antidepressiva aus der Gruppe der Anticholinergika noch 20 Jahre, nachdem man sie längst abgesetzt hat, zur Entwicklung einer Demenz beitragen können. Das Forscherteam hatte die Daten von 40.770 Patienten überprüft, die alle an Demenz litten und über 65 Jahre alt waren.

Ärzte sollten Anticholinergika wirklich nur dann verordnen, wenn es für den jeweiligen Patienten keine Alternative gibt. Als Patient (oder Angehöriger eines Patienten) sollten Sie die Ihnen verschriebenen Medikamente nie ohne vorherige Überprüfung einnehmen (Beipackzettel lesen!). Gehen Sie genauso vor, wenn Sie die genannten Medikamente bereits einnehmen. Falls Sie noch weitere Medikamente nehmen, überprüfen Sie ausserdem, ob sich Ihre Depressionen oder sonstigen Beschwerden nicht erst als Nebenwirkung eines dieser anderen Arzneimittel entwickelt haben. Denn Depressionen können bei etlichen Medikamenten als Nebenwirkung auftreten.

Psychopharmaka und Kognition bei älteren Erwachsenen

Forschende aus Kanada und Irland haben untersucht, wie sich Psychopharmaka auf die Kognition älterer Erwachsene auswirken. Die Untersuchung zeigte, dass gesunde Personen ohne anfängliche kognitive Beeinträchtigungen ein höheres Risiko für kognitiven Abbau haben, wenn sie Antidepressiva einnehmen, verglichen mit Personen, die bereits kognitive Beeinträchtigungen hatten. Hinsichtlich einer Kombination von Psychopharmaka gelangten die Forschenden zu der Erkenntnis: "Bei der Anwendung von Antipsychotika und Benzodiazepine wurde ein signifikanter kognitiver Rückgang beobachtet." Unter den kognitiv gesunden Teilnehmenden, die "länger wirksame Benzodiazepine" einnahmen, wurden häufiger Demenzdiagnosen gestellt als in der Vergleichsgruppe.

REM-Schlaf, Antidepressiva und Gedächtnis

Wie Wissenschaftler der Charité - Universitätsmedizin Berlin jetzt festgestellt haben, beeinträchtigt die Unterdrückung des REM-Schlafes gleichzeitig das Lernen und kann Gedächtnisstörungen hervorrufen. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Sleep veröffentlicht.

Vor dem Zubettgehen sollten sich 25 gesunde Teilnehmer visuelle Muster merken. Anschließend bekamen sie entweder ein Placebo oder das Antidepressivum Amitriptylin verabreicht. Am nächsten Abend wurde der Lernerfolg getestet: Die Probanden mit dem Placebo-Präparat konnten die Muster deutlich schneller erkennen als diejenigen, die Amitriptylin erhalten haben. "Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass kognitive Störungen bei depressiven Patienten durch das Antidepressivum Amitriptylin zumindest mit verursacht werden. Das Eindringen von psychoaktiven Substanzen in die komplizierten Schlafabläufe kann eine Vielzahl der bekannten Nebenwirkungen wie kognitive Defizite, Gewichtszunahme und morgendliche Apathie erklären", sagt der Schlafforscher Dr. Kunz. Weiterhin betont er: „Die Entwicklung von neuen Substanzen, die nicht nur tagsüber das Befinden von depressiven Menschen verbessern, sondern auch deren Schlafqualität fördern, ist voranzutreiben.“

Altersdepression und Demenz: Unterscheidung und Behandlung

Depressionen können in jedem Alter auftreten. Wenn sie erst im höheren Lebensalter beginnen, spricht man häufig von einer Altersdepression. Gemeint ist damit keine eigene Krankheit, sondern eine Form der Depression mit alterstypischen Auslösern - und Symptomen, die oft übersehen werden.

Denn bei älteren Menschen zeigen sich Depressionen oft anders als bei Jüngeren. Die typischen Anzeichen wie Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit treten weniger deutlich auf - oder werden bewusst überspielt. Auch körperliche Beschwerden wie Schmerzen, Schwindel, Schlafprobleme oder Verdauungsstörungen können auf eine Depression hinweisen - und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Zu den häufigsten Auslösern im Alter gehören gesundheitliche Einschränkungen, der Verlust von Selbstständigkeit oder Mobilität sowie einschneidende Veränderungen wie der Renteneintritt, der Auszug der Kinder oder der Tod nahestehender Personen. Depressionen beeinflussen nicht nur die Stimmung, sie können auch das Denken verändern. Viele ältere Menschen mit Depressionen wirken vergesslich, unkonzentriert oder unsicher. Manchmal verlangsamen sich auch Sprache und Bewegungen. Orientierung und logisches Denken bleiben aber meist erhalten. Trotzdem entsteht gerade bei älteren Menschen schnell der Eindruck, es könne sich um eine beginnende Demenz handeln.

Fachleute sprechen in solchen Fällen von einer „Pseudodemenz“ - einer kognitiven Beeinträchtigung, die durch eine Depression entsteht.

Depression vs. Demenz: Unterschiede in der Wahrnehmung

Depressionen und Demenz können sich im höheren Lebensalter auf sehr ähnliche Weise zeigen. Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme, Antriebslosigkeit - all das kann bei beiden Erkrankungen auftreten. Kein Wunder also, dass eine eindeutige Diagnose oft schwierig ist.

Ein zentraler Unterschied: Menschen mit einer Depression nehmen ihre kognitiven Einschränkungen meist sehr bewusst wahr und sprechen diese auch an. Viele äußern Sätze wie „Ich kann mich auf nichts mehr konzentrieren.“ oder „Ich weiß gar nichts mehr.“ Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind, erkennen ihre Ausfälle oft nicht - oder spielen sie herunter.

Auch beim Gedächtnis zeigen sich Unterschiede: Bei der einer Depression treten Gedächtnisprobleme oft nur phasenweise auf und können durch Stress verstärkt werden. Auch bei Menschen mit Demenzerkrankungen wie Alzheimer kann sich im Verlauf zusätzlich eine Depression entwickeln. Gleichzeitig fällt es aufgrund der kognitiven Einschränkungen zunehmend schwer, Gefühle wie Traurigkeit, Schuld oder Hoffnungslosigkeit mitzuteilen.

Insgesamt ähnelt eine Depression bei Demenz in vielen Punkten der Depression ohne Demenz - doch es gibt auch Unterschiede:

  • Sie verläuft oft milder und kürzer.
  • Die Symptome können kommen und gehen.
  • Menschen mit Demenz sprechen seltener über Suizidgedanken.

Eine Depression sollte auch bei Demenz unbedingt behandelt werden. Unbehandelt kann sie die Lebensqualität und die geistige Leistungsfähigkeit zusätzlich beeinträchtigen.

Soziale Unterstützung als Schutzfaktor

Wie gut Menschen mit Demenz mit einer depressiven Phase zurechtkommen, hängt stark von sozialer Unterstützung ab. Was schützt Menschen mit Demenz vor Depressionen? Eine neue Analyse zeigt: Soziale Unterstützung kann depressive Symptome bei Menschen mit Demenz deutlich verringern.

Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl der Kontakte, sondern das Gefühl, dass jemand zuhört, hilft oder in schwierigen Momenten einfach da ist. Menschen, die wenig soziale Zuwendung erlebten, entwickelten im Laufe der Jahre deutlich häufiger depressive Beschwerden. Bei Personen mit starker emotionaler Unterstützung traten depressive Symptome viel seltener auf. Die Wirkung sozialer Unterstützung blieb auch dann bestehen, wenn weitere Einflussfaktoren berücksichtigt wurden.

Kurz gesagt: Zuwendung, Verlässlichkeit und soziale Nähe wirken wie ein Schutzschild. Gerade im frühen und mittleren Stadium der Demenz erleben viele Menschen Unsicherheit, Rückzug oder Ängste. Die Ergebnisse zeigen: Regelmäßige soziale Teilhabe kann depressive Phasen deutlich abmildern - und teilweise verhindern.

Behandlung von Depressionen bei Demenz

Auch wenn die Diagnose manchmal schwierig ist: Eine Depression lässt sich auch bei bestehender Demenz behandeln. Ziel ist es, die Stimmung zu stabilisieren, Unruhe und Rückzug zu verringern - und die Lebensqualität spürbar zu verbessern.

Im Vordergrund stehen nicht-medikamentöse Maßnahmen. Dazu gehören strukturierende Tagesabläufe, Bewegung, Musik, Gespräche, kreative Angebote oder soziale Kontakte. Diese Ansätze sind individuell anpassbar und können sich positiv auf Stimmung, Schlaf und Antrieb auswirken.

In bestimmten Fällen kann auch eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein: Antidepressiva wie Mirtazapin oder Sertralin gelten als gut verträglich und beeinflussen die kognitive Leistungsfähigkeit nicht negativ.

Was tun als Angehörige/r?

Wenn Menschen mit Demenz zusätzlich an einer Depression erkranken, ist das für Angehörige oft besonders belastend. Rückzug, Traurigkeit, körperliche Beschwerden oder Hoffnungslosigkeit lassen sich schwer einordnen, vor allem, wenn die betroffene Person sich nicht mehr klar äußern kann.

Angehörige übernehmen in dieser Situation eine wichtige Rolle: Sie können aufmerksam beobachten, verständnisvoll begleiten und dabei helfen, dass professionelle Unterstützung in Anspruch genommen wird. Ermutigen Sie zu ärztlicher Hilfe. Erklären Sie, dass eine Depression keine Schwäche ist, sondern eine behandelbare Erkrankung.

Achten Sie auf mögliche Nebenwirkungen von Medikamenten. Einige Wirkstoffe können depressive Symptome verstärken - sprechen Sie dies offen im Arztgespräch an, gerade auch, wenn mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen werden. Achten Sie auf regelmäßige soziale Kontakte - sie geben Halt und Orientierung. Achten Sie auf Bewegung. Körperliche Aktivität hilft nachweislich bei depressiven Symptomen. Selbst kleine Bewegungseinheiten können die Stimmung und die mentale Gesundheit verbessern. Vermeiden Sie große Veränderungen. Ein Umzug, der Verlust einer vertrauten Bezugsperson oder andere tiefgreifende Veränderungen können Ängste und depressive Phasen verschärfen. Schaffen Sie Sicherheit. Vermeiden Sie stressige Themen wie Geld, die Demenzerkrankung oder die damit verbundenen Einschränkungen. Auch Lärm oder Orte mit vielen Menschen können überfordern. Bieten Sie einfache, sinnvolle Beschäftigung an. Kochen, musizieren oder gärtnern - das, was früher Freude gemacht hat, kann helfen. Wichtig ist: nicht überfordern. Gestalten Sie den Alltag so ruhig und angenehm wie möglich.

Depressionen als Risikofaktor für Demenz

Wissenschaftliche Studien zeigen: Menschen, die im Laufe ihres Lebens an einer Depression erkranken, haben ein erhöhtes Risiko, im Alter eine Demenz zu entwickeln. Besonders auffällig ist dieser Zusammenhang bei Depressionen, die im mittleren Lebensalter auftreten.

Warum Depressionen das Risiko für eine Demenz steigern, ist noch nicht vollständig geklärt. Fachleute vermuten mehrere Ursachen: Menschen mit Depressionen ziehen sich oft sozial zurück, bewegen sich weniger und vernachlässigen ihre Gesundheit. Zusätzlich steht ein dauerhaft erhöhter Spiegel des Stresshormons Cortisol im Verdacht, Entzündungsprozesse im Gehirn zu fördern und Nervenzellen zu schädigen.

Die gute Nachricht: Wer seine Depression frühzeitig behandeln lässt - ob mit Medikamenten, Psychotherapie oder einer Kombination - kann das Risiko senken.

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