Ein Apoplex, umgangssprachlich auch Schlaganfall genannt, ist eine plötzlich auftretende Störung der Hirnfunktion, die durch eine Unterbrechung der Blutversorgung des Gehirns verursacht wird. Diese Unterbrechung kann entweder durch einen Verschluss eines Blutgefäßes (ischämischer Schlaganfall) oder durch eine Blutung im Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht werden. Die Folgen eines Schlaganfalls können vielfältig sein und hängen stark von der betroffenen Hirnregion und dem Ausmaß der Schädigung ab. Wenn die linke Hemisphäre des Gehirns betroffen ist, können spezifische Symptome auftreten, die in diesem Artikel näher beleuchtet werden.
Grundlagen des Gehirns und seiner Funktion
Das menschliche Gehirn besteht aus zwei Hälften, den sogenannten Hemisphären. Diese sind durch den Corpus callosum miteinander verbunden und tauschen ständig Informationen aus. Die Großhirnhemisphären bestehen aus einer grauen Rinde (Cortex) und weißem Mark. Die Capsula interna, eine wichtige Bahn, verbindet das Großhirn mit dem Rückenmark und zieht zwischen verschiedenen Basalganglien hindurch.
Die Aufgaben im Gehirn sind meist auf der Gegenseite angeordnet. Das bedeutet, dass beispielsweise die rechte Gehirnhälfte die linke Körperhälfte steuert und umgekehrt. Eine Ausnahme bildet die Sprache, die bei den meisten Rechtshändern (98 %) links lokalisiert ist, während sie bei Linkshändern in etwa 66 % der Fälle rechts angelegt ist.
Das Gehirn ist von einer knöchernen Hülle, dem Schädel, geschützt und schwimmt in einer Flüssigkeit, dem Liquor. Dieser wird in den Ventrikeln im Inneren des Gehirns gebildet und fließt über Kanäle zum äußeren Liquorraum. Die Durchblutung des Gehirns beträgt etwa 700-900 ml/min, was etwa einem Fünftel des Herzminutenvolumens entspricht. Diese Durchblutung wird durch eine Autoregulation sehr konstant gehalten, da das Gehirn sehr empfindlich auf Schwankungen reagiert.
Halbseitenlähmung (Hemiplegie/Hemiparese)
Eine Halbseitenlähmung ist die Lähmung einer Körperhälfte, die vollständig (Hemiplegie) oder unvollständig (Hemiparese) ausgeprägt sein kann. Sie ist immer ein Symptom einer Grunderkrankung, wie z. B. eines Schlaganfalls oder einer Schädigung des Gehirns aufgrund anderer Ursachen. Einseitige Kraft- und Bewegungsstörungen (Motorik) sowie Muskelverkrampfungen im Gesicht oder an Armen und Beinen können den Alltag erheblich einschränken und Betroffene psychisch enorm belasten.
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Eine Halbseitenlähmung wird durch Schädigung einer Gehirnhälfte verursacht, meist durch Schlaganfall oder unfallbedingte Schädel-Hirn-Verletzungen, seltener durch bakterielle oder virale Gehirnentzündungen oder Tumoren. Sie kann aber auch aufgrund genetischer Erkrankungen angeboren sein oder durch Verletzungen bei der Geburt entstehen. Eine Schädigung der rechten Gehirnhälfte oder des rechten Stammhirns führt zu einer Lähmung der linken Körperhälfte. Ist die linke Gehirnhälfte oder das linke Stammhirn geschädigt, tritt die halbseitige Lähmung rechts auf. Selten kann eine halbseitige Schädigung des Rückenmarks die Ursache sein.
Bei einer vollständigen Halbseitenlähmung (Hemiplegie) sind häufig auch die Gesichts- und Zungenmuskulatur (Faszialparese) der gelähmten Seite betroffen. Die Wahrnehmung von Reizen (Temperatur, Schmerz, Berührung) ist gestört, vermindert oder nicht mehr vorhanden. Die unvollständige Halbseitenlähmung (Hemiparese) kann sich in einer schlaffen oder starken Muskelspannung äußern und zu unkoordinierten oder überschießenden Bewegungen (Spastiken) führen. In manchen Fällen sind vor allem das Gesicht und/oder der Arm und weniger das Bein betroffen, sodass es noch möglich ist, selbstständig mit oder ohne Hilfsmittel zu gehen. Häufig erschweren jedoch Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen die eigenständige Fortbewegung. Lähmungen einer Gesichtshälfte führen häufig zu eingeschränkter Mimik und Sprachstörungen.
Eine plötzlich auftretende Halbseitenlähmung ist immer ein Notfall und muss umgehend untersucht werden, um die ursächliche Erkrankung festzustellen. Auch bei einer Halbseitenlähmung, die sich schleichend über einen längeren Zeitraum entwickelt, suchen unsere Experten der Neurologie zunächst nach der Ursache. In einer ausführlichen Untersuchung ermitteln wir mit Ihrer Hilfe die Vorgeschichte (Anamnese) und prüfen unter anderem Kraft, Reflexe und Spannung einzelner Muskelgruppen sowie Ihre Feinmotorik. Laboruntersuchungen, Blutbild und eine Untersuchung des Nervenwassers (Lumbalpunktion) geben uns weitere Hinweise. Mit bildgebenden Verfahren wie der Computer (CT)- oder der Magnetresonanztomografie (MRT) können wir die Hirnschädigung detailliert darstellen.
Ursachen eines Apoplex in der linken Hemisphäre
Ein Schlaganfall wird in mehr als 80 % der Fälle durch einen Verschluss einer Arterie im Gehirn ausgelöst. Hierdurch erhalten die Nervenzellen des Gehirns zu wenig Blut und Sauerstoff. Seltener liegt dem Schlaganfall eine Hirnblutung durch Einriss eines Gefäßes im Gehirn zugrunde. Mit dem Auftreten des Gefäßverschlusses, der den typischen Schlaganfall auslöst, gehen im Schnitt 1,9 Millionen Nervenzellen pro Minute zugrunde. Die Zeit ist also der wesentlichste Faktor, um die Folgen des Schlaganfalls so gering wie möglich zu halten. Die größte Chance, den Schlaganfall effektiv zu behandeln, besteht innerhalb der ersten Stunden nach dem Beginn der Symptome („time is brain“).
Die Hauptrisikofaktoren für einen Schlaganfall sind Bluthochdruck und Vorhofflimmern. Andere relevante Risikofaktoren sind Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel und Fettstoffwechselstörungen. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Übergewicht und Arteriosklerose der großen und kleinen Gefäße erhöhen ebenfalls das Risiko.
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Ischämischer Insult
Ein ischämischer Insult, der häufigste Typ des Schlaganfalls, entsteht durch eine Mangeldurchblutung des Gehirns. Ursachen hierfür können sein:
- Arteriosklerose der großen Gefäße: Embolusquelle, Stenose, Verschluss (z.B. Karotisstenose)
- Arteriosklerose der kleinen Gefäße: Viele kleine Infarkte, zunächst lange ohne Symptome, oft schleichender Abbau
- Kardioembolische Ursachen: Embolien, die von Herzerkrankungen ausgehen
Hämorrhagischer Insult
Ein hämorrhagischer Insult entsteht durch eine Blutung im Gehirn. Ursachen hierfür können sein:
- Chronischer Bluthochdruck: Führt zum Platzen kleiner Gefäße im Gehirn (intracerebrale Blutung)
- Aneurysmen: Einreißen einer Gefäßaussackung (Subarachnoidalblutung)
- Seltene Ursachen: Gerinnungsstörungen, Angiome, Gefäßmissbildungen
Seltene Ursachen
In seltenen Fällen können auch andere Faktoren einen Schlaganfall verursachen, darunter:
- Vaskulitiden: Entzündungen der Blutgefäße
- Dissektionen der Hirngefäße: Einrisse in der Gefäßwand
- Moya-Moya-Syndrom: Nicht entzündliche und nicht-atherosklerotische Wandverdickung der zerebralen Gefäße
Symptome eines Apoplex in der linken Hemisphäre
Die Symptome eines Schlaganfalls treten meist plötzlich auf, innerhalb von Sekunden bis Minuten. Typische Anzeichen sind:
- Plötzlich einsetzende Schwäche oder Taubheit auf einer Körperseite: Vollständig oder teilweise
- Plötzlich einsetzende Gesichtslähmung: Z.B. hängende Mundwinkel (Fazialisparese)
- Sprachstörungen: Unverständliche oder undeutliche Sprache (Aphasie)
- Sehstörungen: Blindheit auf einem Auge, halbseitige Sehstörungen, Doppeltsehen
- Plötzliche sehr starke Kopfschmerzen: Insbesondere bei Hirnblutungen
Spezifische Symptome bei Schädigung der linken Hemisphäre
Da die linke Hemisphäre bei den meisten Menschen für Sprache und logisches Denken zuständig ist, können folgende Symptome besonders ausgeprägt sein:
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- Aphasie: Sprachstörungen, die das Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben beeinträchtigen können. Es gibt verschiedene Formen der Aphasie, je nachdem, welche Bereiche des Sprachzentrums betroffen sind.
- Rechtsseitige Hemiparese/Hemiplegie: Lähmung oder Schwäche der rechten Körperhälfte.
- Apraxie: Unfähigkeit, bestimmte Handlungen durchzuführen, obwohl die motorischen Fähigkeiten vorhanden sind.
- Logische und analytische Defizite: Schwierigkeiten beim logischen Denken, Problemlösen und der Verarbeitung von Informationen.
Der FAST-Test
Der FAST-Test ist ein einfacher Test, um Schlaganfallsymptome schnell zu überprüfen:
- F (Face): Schiefes Lächeln?
- A (Arms): Kann beide Arme gleichmäßig heben?
- S (Speech): Verwaschene Sprache?
- T (Time): Zeit ist Hirn! Sofort den Notruf 112 wählen!
Diagnose eines Apoplex
Eine frühzeitige und genaue Diagnose ist entscheidend für die Behandlung eines Schlaganfalls. Folgende diagnostische Verfahren werden eingesetzt:
- Klinische Untersuchung: Erhebung der Anamnese und neurologische Untersuchung zur Feststellung von Ausfällen.
- Bildgebende Verfahren:
- Computertomographie (CT): Darstellung der normalen Struktur und krankhafter Veränderungen oder Verletzungen im Schädelbereich. Wichtig zur Unterscheidung zwischen ischämischem und hämorrhagischem Schlaganfall.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Darstellung von Struktur und krankhaften Veränderungen im Hirngewebe und im Schädelbereich. Kann auch frühe ischämische Veränderungen besser darstellen als die CT.
- Funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT): Darstellung der Durchblutung und Stoffwechselaktivität in bestimmten Gehirnregionen während einer Aufgabe.
- CT-Angiographie/MR-Angiographie: Darstellung der Blutgefäße im Gehirn zur Identifizierung von Verschlüssen oder Stenosen.
- Elektroenzephalografie (EEG): Darstellung der elektrischen Hirnaktivität mit hoher zeitlicher Auflösung.
- Ultraschalluntersuchung der Hals- und Hirngefäße: Beurteilung der Blutgefäße auf Verengungen oder andere Anomalien.
- Laboruntersuchungen: Blutbild, Gerinnungsdiagnostik, Entzündungsparameter etc.
Behandlung eines Apoplex in der linken Hemisphäre
Die Behandlung eines Schlaganfalls zielt darauf ab, die Durchblutung des Gehirns so schnell wie möglich wiederherzustellen und weitere Schäden zu verhindern. Die spezifische Behandlung hängt von der Art des Schlaganfalls (ischämisch oder hämorrhagisch) und dem Zeitpunkt des Behandlungsbeginns ab.
Akuttherapie
- Thrombolyse: Auflösung des Blutgerinnsels bei einem ischämischen Schlaganfall. Muss innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn erfolgen.
- Thrombektomie: Mechanische Entfernung des Blutgerinnsels mit einem Katheter. Kann bei großen Gefäßverschlüssen auch nach dem Zeitfenster für die Thrombolyse durchgeführt werden.
- Blutdruckmanagement: Kontrolle des Blutdrucks, um weitere Blutungen oder Schäden zu vermeiden.
- Hirndrucksenkung: Maßnahmen zur Reduktion des Hirndrucks, insbesondere bei großen Infarkten oder Blutungen. In schweren Fällen kann eine operative Dekompression (Hemikraniektomie) erforderlich sein.
- Behandlung von Begleiterkrankungen: Stabilisierung der Vitalfunktionen und Behandlung von Begleiterkrankungen wie Herzrhythmusstörungen oder Lungenentzündung.
Rehabilitation
Nach der Akuttherapie beginnt die Rehabilitation, um die verloren gegangenen Funktionen wiederzuerlangen und die Lebensqualität zu verbessern. Die Rehabilitation umfasst:
- Physiotherapie: Verbesserung der motorischen Fähigkeiten, der Koordination und des Gleichgewichts.
- Ergotherapie: Verbesserung der Alltagskompetenzen und der Feinmotorik.
- Logopädie: Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
- Neuropsychologie: Behandlung von kognitiven Störungen und psychischen Problemen.
- Sozialdienst: Beratung und Unterstützung bei sozialen und beruflichen Fragen.
Medikamentöse Therapie
- Sekundärprophylaxe: Medikamente zur Verhinderung weiterer Schlaganfälle, z.B. Thrombozytenaggregationshemmer (ASS, Clopidogrel) oder Antikoagulantien (Marcumar, NOAKs) bei Vorhofflimmern.
- Spastiktherapie: Medikamente oder Injektionen (z.B. Botox) zur Behandlung von Spastiken.
- Antidepressiva: Behandlung von Depressionen, die häufig nach einem Schlaganfall auftreten.
Spezielle Aspekte bei einem Mediainfarkt links
Ein Mediainfarkt, also ein Infarkt im Versorgungsgebiet der Arteria cerebri media (ACM), kann besonders schwerwiegende Folgen haben, da diese Arterie große Teile der Großhirnrinde, der Basalganglien und der Capsula interna versorgt. Ein Mediainfarkt links betrifft die sprachdominante Hemisphäre und führt häufig zu:
- Aphasie: Sprachstörungen in unterschiedlicher Ausprägung, von Schwierigkeiten, Worte zu finden, bis hin zu einer globalen Aphasie, bei der sowohl das Sprachverständnis als auch die motorische Sprachproduktion massiv geschädigt sind.
- Rechtsseitige Hemiparese/Hemiplegie: Lähmung oder Schwäche der rechten Körperhälfte.
- Gesichtsfelddefekte: Halbseitiger Gesichtsfeldausfall (Hemianopsie) auf der rechten Seite.
- Apraxie: Störungen der Handlungsplanung und -ausführung.
Prophylaxe und Prävention
Die beste Strategie gegen einen Schlaganfall ist die Vorbeugung. Folgende Maßnahmen können das Risiko eines Schlaganfalls deutlich senken:
- Kontrolle des Blutdrucks: Regelmäßige Messung und Behandlung von Bluthochdruck.
- Behandlung von Vorhofflimmern: Medikamentöse Therapie oder Katheterablation zur Verhinderung von Embolien.
- Gesunde Ernährung: Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und wenig gesättigten Fetten.
- Regelmäßige Bewegung: 20-30 Minuten Bewegung pro Tag, bei der man leicht schwitzt.
- Nichtrauchen: Verzicht auf Nikotin.
- Kontrolle von Diabetes: Regelmäßige Blutzuckerkontrolle und Behandlung von Diabetes mellitus.
- Gewichtsreduktion: Abbau von Übergewicht.
- Reduktion des Alkoholkonsums: Nur geringe Mengen Alkohol.
- Regelmäßige ärztliche Kontrollen: Insbesondere bei Vorliegen von Risikofaktoren.
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