Ulrich Klose, ein Name, der untrennbar mit dem deutschen Fernsehen verbunden ist, verabschiedete sich nach einer beeindruckenden Karriere von den Bildschirmen. Seine Laufbahn führte ihn von den gefährlichsten Krisenherden der Welt bis hin zu den glamourösen Seiten des Lebens, immer mit dem Ziel, die Zuschauer bestmöglich zu informieren.
Frühe Karriere und prägende Erfahrungen
Klose, geboren in Bielefeld, hegte neben Borussia Dortmund eine besondere Zuneigung zu seinem Heimatverein Arminia Bielefeld. Diese Verbundenheit begleitete ihn seine gesamte Karriere. Bevor er jedoch zum bekannten TV-Gesicht wurde, berichtete Klose ab 1988 live von Krisen, Kriegen und Katastrophen rund um den Globus.
Seine Einsätze führten ihn zu den beiden Golfkriegen, den blutigen Kämpfen in Bosnien und Ruanda. Sachlich und kompetent lieferte er Fakten, Emotionen und Stimmungen frei Haus. Als Korrespondent in Israel bewegte er sich trittsicher und souverän auf brisantem, politischem Parkett.
Die Gratwanderung zwischen Kriegsschauplätzen und Boulevard
Klose bewies jedoch, dass er nicht nur ein Experte für politische Brennpunkte war, sondern auch ein Händchen für Lifestyle- und Gesellschaftsthemen hatte. Er glänzte mit launig-unterhaltsamen Reporter-Live-Schalten und schaffte es sogar, sich bis auf einen Meter an Queen Elizabeth heranzupirschen. Auch die großen Sportereignisse waren sein Ding. Ob er nun vom Weiberfastnachts-Karnevals-Trubel, von Fußball-Fan-Skandalen oder dem dramatischen Brand des Affenhauses im Krefelder Zoo berichtete, der TV-Reporter mit der sonoren Stimme traf immer den richtigen Ton. Uli Klose schuf sich als „Hans Dampf in allen Gassen“ einen Namen.
Akribische Vorbereitung und Todesängste
Klose bereitete sich auf jeden einzelnen Einsatz akribisch vor, um das Risiko für sich und seinen Kameramann zu minimieren. „Ich habe den spannendsten Beruf der Welt. Und ich bin immer noch motiviert wie am ersten Tag. Ich möchte die Zuschauer bestmöglich informieren, egal ob ich jetzt vom Terror-Anschlag in Paris oder vom Vorgeplänkel des Champions League-Schlagers Borussia Dortmund gegen Real Madrid berichte. Ich überlasse da nichts dem Zufall. Ich informiere intensiv über das Einsatzgebiet. Die Ausrüstung muss top sein. Ich vertraue mich nur einem Kameramann an, auf den ich mich 1.000prozentig verlassen kann.“
Lesen Sie auch: Klose: Vom Krisengebiet zur Diagnose
Er sah sich auch selbst nie selbst als Held. Und er gibt auch zu, dass er bei seinen Einsätzen ab und an durchaus Todesängste verspürte, beispielsweise als ihm in Mogadischu (Somalia) ein jugendlicher Räuber den Lauf einer Kalaschnikow an den Kopf hielt. Uli Klose und sein Kameramann kamen zum Glück mit dem Leben davon.
Verarbeitung der Kriegserlebnisse
Mit seinen schrecklichen Erlebnissen während seiner Kriegseinsätze wollte er ausschließlich mit Hilfe seiner Freundin Friede und seiner Familie fertig werden, obwohl ihm von RTL professioneller, psychologischer Beistand angeboten wurde: „Gerade beim letzten Golfkrieg habe ich sehr viele Tote gesehen. Auch die Amerikaner, die ich ja bis Bagdad begleitet habe, mussten große Verluste hinnehmen. Da halfen mir Gespräche mit Menschen, die mir nahe stehen."
Anekdoten am Rande der Berichterstattung
Selbst im Krieg gab es kleine Geschichten, über die Ulrich Klose heute schmunzeln muss: „Wir lagen im Irak in einer Stellung, hatten kaum noch Proviant und Wasser. Da habe ich an den Knöpfen meines Welt-Empfängers gedreht und plötzlich hörte ich die vertraute Stimme meines Freundes Manni Breuckmann, damals Sportreporter beim WDR. Er kommentierte da ausgerechnet ein Bundesliga-Spiel meines Heimat-Klubs Arminia Bielefeld."
Eine andere Anekdote erzählt von einem Interviewwunsch mit Palästinenser-Führer Jassir Arafat, der in seiner Residenz Mukata in Ramallah von den Israelis eingekesselt war. Eines nachts um 3 Uhr bekam Klose einen Anruf. Arafat wolle ihm ein Interview geben, er müsse aber sofort kommen. Nach der Ankunft und einer freundlichen Begrüßung fragte der Pressereferent nach den geplanten Fragen. Als Klose erwähnte, Arafat nach seiner Geiselhaft durch Israel zu fragen, wies der Pressereferent dies entschieden zurück.
Bei den Olympischen Spielen in London 2012 stand plötzlich Wunder-Sprinter Usain Bolt vor ihm. Er war vom Münchener Sportarzt Dr. Wilhelm Müller-Wohlfahrt für Olympia wieder fit gemacht worden. Spontan fragte ich ihn, was er denn von Dr. Müller-Wohlfahrt halten würde. Er antwortete auch brav: ‘A very great doctor!’ Ich war so überrascht, dass diese lebende Legende plötzlich vor mir stand, dass ich alle Fragen, die ich ihm eigentlich stellen wollten, von jetzt auf gleich vergessen habe. Das ist mir zum Glück ganz selten passiert. Ein paar Tage später habe ich ihn dann nochmal vor mein Mikrofon bekommen.
Lesen Sie auch: Artikel über Thomas Ulrich und Neurologie
Während des Bosnien-Krieges in Zagreb benötigten Klose und sein Kameramann einen Mietwagen, um nach Sarajevo zu gelangen. Um den Autoverleiher nicht zu beunruhigen, gaben sie vor, eine Rundfahrt durch Österreich und Slowenien machen zu wollen. Der Trick klappte, und sie fuhren mit einem gemieteten, blauen Kastenwagen nach Sarajevo. Bei ihrer Rückkehr nach Zagreb nach Wochen fragte der Autoverleiher nach dem Österreich-Trip. Als Klose herumdruckste, entgegnete der Verleiher grinsend: ‚Reden Sie keinen Unsinn! Sie sind der Reporter Ulrich Klose. Ich habe Sie jeden Abend über Satelliten-Fernsehen bei RTL gesehen.
Jahre nach Ende des Bosnien-Krieges schenkte Kloses Lebensgefährtin Friede ihm eine Reise nach Sarajevo. Auf der Straße wurde er dort immer wieder von wildfremden Menschen angesprochen. Es waren Leute, die während des Bosnien-Krieges nach Deutschland geflüchtet waren und dort in den Lagern die Berichterstattung über ihre Heimat verfolgt haben.
Bundesliga-Trainer Aleksandar Ristic bat Klose während des Balkan-Krieges, nach seinem Vater in Sarajevo zu sehen, von dem er lange nichts gehört hatte. Klose fand das Haus und überbrachte dem alten Mann ein Foto seines Sohnes. Als Klose Aleksandar die gute Nachricht mitteilte, hatte er Tränen in den Augen.
Im Golfkrieg begleitete Klose mit seinem Kameramann die amerikanischen Soldaten in den Irak bis nach Bagdad und schlief sechs Wochen lang unter Panzern. Nach der Rückkehr nach Kuwait und dem Bezug eines 5-Sterne-Hotels stillten sie zuerst ihren Hunger im Restaurant, in verdreckten Klamotten und stinkend.
In Rom sollte Klose über den schwer kranken Papst Johannes-Paul II. berichten. Bei der Live-Schalte hatte er eine schlechte Verbindung zum Sender und hörte nur einzelne Wortfetzen. Um die Zeit zu überbrücken, machte er Trockenübungen, ohne zu ahnen, dass das wirre Zeug live über den Sender ging. Eine Woche lang wurde er von Stefan Raab in seiner Sendung „TV total“ damit veräppelt. Anfangs habe ich mich total darüber geärgert.
Lesen Sie auch: Journalist Ulrich Klose: Rückblick auf sein Leben und seine Herausforderungen
Ein Freund von Klose, Günter Neundorf, der Mannschaftsarzt von Armenia Bielefeld, saß bei den Spielen immer auf der Auswechselbank. Wenn Klose in einem Krisengebiet im Einsatz war, rief er ihn samstagsnachmittags mit dem Satellitentelefon an, und Neundorf informierte ihn aus erster Hand vom Spielfeldrand über das Geschehen auf dem Rasen.
Der Abschied und die Zukunft
Der Abschied von seinem Job und von RTL fiel dem Reporter aus Leidenschaft nicht leicht. Statt mit 65 Jahren in Rente zu gehen, machte er noch drei Jahre lang weiter. Im Mai gab Uli Klose im Kölner Sender eine Abschiedsparty. Dort werden viele Weggefährtinnen und Weggefährten dabei sein.
In einer schnelllebigen Branche, in der Reporter-Typen der Marke „Schwiegermutters Liebling“ kommen und gehen, war der gebürtige Bielefelder eine Konstante, ein Fels in der TV-Brandung.
tags: #ulrich #klose #moderator #schlaganfall