Demenz ist eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit, insbesondere angesichts einer alternden Gesellschaft. Die Alzheimer-Krankheit, eine Form der Demenz, betrifft allein in Deutschland etwa 1,8 Millionen Menschen. Dr. Eckart von Hirschhausen begibt sich in seinen Dokumentationen auf eine aufschlussreiche Spurensuche, um das Thema Demenz aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Dabei spricht er mit Betroffenen, Angehörigen, Pflegenden und Forschenden, um Antworten auf drängende Fragen zu finden: Was ist Demenz überhaupt? Was passiert im Gehirn? Wie kann die Krankheit diagnostiziert werden? Und wie können Betroffene ein gutes Leben mit der Krankheit führen?
Was ist Demenz und Alzheimer?
Der Begriff "Alzheimer" ist heutzutage ein geflügeltes Wort für Vergesslichkeit. Doch weitgehend unbekannt ist der Mensch Alois Alzheimer, der diese Krankheit vor über hundert Jahren entdeckt hat. Alzheimer ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die das Gehirn betrifft und zu einem allmählichen Verlust von kognitiven Fähigkeiten führt. Zunächst verlieren Betroffene ihr Gedächtnis, später sogar ihre Identität.
Ursachen und Risikofaktoren der Alzheimer-Krankheit
Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, umweltbedingten und Lebensstilfaktoren eine Rolle spielt. Zu den Risikofaktoren gehören:
- Alter: Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter.
- Genetik: Familiäre Vorbelastung erhöht das Risiko.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bluthochdruck, hoher Cholesterinspiegel und Diabetes können das Risiko erhöhen.
- Kopfverletzungen: Schwere Kopfverletzungen in der Vergangenheit können das Risiko erhöhen.
- Lebensstilfaktoren: Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung und Rauchen können das Risiko erhöhen.
Diagnose von Alzheimer
Die Diagnose von Alzheimer kann komplex sein und umfasst in der Regel eine Kombination aus:
- Kognitiven Tests: Diese Tests prüfen das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, die Sprache und andere kognitive Fähigkeiten.
- Neurologischen Untersuchungen: Diese Untersuchungen prüfen die Reflexe, die Muskelkraft und andere neurologische Funktionen.
- Bildgebenden Verfahren: MRT- und PET-Scans des Gehirns können Veränderungen im Gehirn aufzeigen, die typisch für Alzheimer sind.
- Biomarker-Tests: Diese Tests messen bestimmte Proteine im Blut oder in der Rückenmarksflüssigkeit, die auf Alzheimer hinweisen können.
Therapieansätze bei Alzheimer
Obwohl es derzeit keine Heilung für Alzheimer gibt, gibt es verschiedene Therapieansätze, die dazu beitragen können, die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.
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- Medikamentöse Therapie: Es gibt Medikamente, die die Symptome wie Gedächtnisverlust und Verwirrtheit verbessern können. In Europa wurde 2025 das Medikament "Lecanemab" neu zugelassen. Es wirkt ursächlich auf die Erkrankungsprozesse von Alzheimer im Gehirn und kann zu einer Verlangsamung des Fortschreitens der Krankheit führen.
- Nicht-medikamentöse Therapie: Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie und Psychotherapie können dazu beitragen, die Lebensqualität von Menschen mit Alzheimer zu verbessern.
- Kognitives Training: Gehirntraining kann dazu beitragen, die kognitiven Fähigkeiten zu erhalten und zu verbessern. Die Super-Ager-Studie der Uni Magdeburg zeigt, welche Rolle Gehirntraining und Fitness bei der Prävention spielen können.
- Musiktherapie: Musik kann Erinnerungen wecken und die Stimmung verbessern. Musik schafft sehr stabile Erinnerungen. Und die Musik, die wir so zwischen 15 und 25 gehört haben, die bleibt sehr lange im Gedächtnis erhalten. Ein Mann, den ich für meine Doku getroffen habe, der gar nicht mehr wusste, wohin er gereist ist, wusste noch, wie Bob Dylan klingt und wie das Lied weitergeht. Das hängt damit zusammen, dass Erinnerungen, die schon lange her sind, also vor allem solche aus der Kindheit, oft stabiler sind und stärker in mehreren Hirnarealen verankert. Das ist auch ein wichtiger Hinweis auf eine therapeutische Dimension, denn wir können unser Musikgedächtnis nicht nur trainieren, indem wir Musik hören, sondern auch aktiv werden, singen, tanzen, musizieren - und auch wenn man das als Jugendlicher nicht gemacht hat, das lohnt sich in jeder Lebensphase.
- Ernährung und Bewegung: Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung können dazu beitragen, die Hirngesundheit zu fördern.
Leben mit Demenz: Herausforderungen und Unterstützung
Ein Leben mit Demenz stellt Betroffene und ihre Angehörigen vor große Herausforderungen. Die Krankheit verändert die Persönlichkeit, die Fähigkeiten und die Lebensqualität der Betroffenen. Angehörige stehen oft vor der schwierigen Aufgabe, die Pflege und Betreuung zu übernehmen. Neun von zehn Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut, nur zehn Prozent im Heim.
Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu unterstützen. Dazu gehören:
- Beratungsstellen: Beratungsstellen bieten Informationen und Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.
- Selbsthilfegruppen: Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.
- Pflegedienste: Pflegedienste bieten professionelle Unterstützung bei der Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz.
- Tagespflegeeinrichtungen: Tagespflegeeinrichtungen bieten Menschen mit Demenz die Möglichkeit, tagsüber betreut zu werden.
- Wohn- und Pflegeheime: Wohn- und Pflegeheime bieten eine umfassende Betreuung und Pflege für Menschen mit Demenz, die nicht mehr zu Hause leben können.
Der Reminiszenz-Effekt
Wir bilden ja beim Erinnern immer wieder neue Erinnerungen. Wir rufen also Dinge aus dem Gedächtnis auf, stellen uns Dinge dazu vor und speichern dann beides wieder ab. Da gibt es den Reminiszenz-Effekt. Der ist auch therapeutisch wichtig, indem Menschen, die sich an bestimmte Dinge über einen Alltagsgegenstand, ein Musikstück oder über ein Foto erinnern können, sich dann auch wieder an andere Dinge erinnern können. Auch eine gute Heimversorgung versucht darauf einzugehen, dass man dann zum Beispiel die Tapeten aus der Zeit hat oder auch Fotos von den großen Stars aus der Zeit. Insofern ist dieser Reminiszenz-Effekt therapeutisch wichtig, weil er Sicherheit und Vertrauen geben kann.
Forschung und Prävention
Die Forschung zur Alzheimer-Krankheit ist in vollem Gange. Wissenschaftler arbeiten daran, die Ursachen der Krankheit besser zu verstehen, neue Diagnosemethoden zu entwickeln und wirksame Therapien zu finden. Darüber hinaus wird auch an Präventionsstrategien geforscht, die das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, verringern können.
Fazit
Die Alzheimer-Krankheit ist eine komplexe und herausfordernde Erkrankung, die Millionen von Menschen weltweit betrifft. Obwohl es derzeit keine Heilung gibt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität von Menschen mit Alzheimer und ihren Angehörigen zu verbessern. Es ist wichtig, sich frühzeitig über die Krankheit zu informieren, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Durch Forschung und Prävention können wir dazu beitragen, die Belastung durch Alzheimer in Zukunft zu verringern.
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