Arm Taubheitsgefühl: Ursachen, Blutaustausch und Behandlung von Durchblutungsstörungen

Ein Taubheitsgefühl im Arm kann beunruhigend sein und verschiedene Ursachen haben. Oftmals sind Durchblutungsstörungen die Ursache, welche wiederum auf unterschiedliche Faktoren zurückzuführen sein können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Arm Taubheitsgefühl im Zusammenhang mit Durchblutungsstörungen, die Rolle des Blutaustauschs in bestimmten Fällen, und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten.

Ursachen von Durchblutungsstörungen und Taubheitsgefühl im Arm

Ein Taubheitsgefühl im Arm kann vielfältige Ursachen haben, die oft mit einer eingeschränkten Blutversorgung oder Nervenfunktion zusammenhängen. Zu den häufigsten Ursachen zählen:

Atherosklerose

Atherosklerose, auch bekannt als Arterienverkalkung, ist eine der Hauptursachen für Durchblutungsstörungen. Fettablagerungen (Plaques) an den Wänden der Arterien verengen oder blockieren die Blutgefäße. Diese Verengungen können die Blutzirkulation beeinträchtigen und zu einem Taubheitsgefühl im Arm führen, da die Muskeln und Nerven nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden.

Rauchen

Nikotin verengt die Blutgefäße und schädigt die Arterienwände. Diese Schädigung fördert die Entwicklung von Atherosklerose und erhöht somit das Risiko von Durchblutungsstörungen. Rauchen trägt erheblich zur Verschlechterung der Blutzirkulation bei und kann zu chronischen Beschwerden wie Taubheitsgefühl in den Extremitäten führen.

Diabetes

Diabetes kann zu einer Gefäßschädigung führen und die Wahrscheinlichkeit für Durchblutungsprobleme erhöhen. Hohe Blutzuckerspiegel können die Innenwände der Blutgefäße schädigen, was die Bildung von Plaques begünstigt und die Blutzirkulation einschränkt. Dies kann zu Taubheitsgefühl, Schmerzen und schlechter Wundheilung führen, insbesondere in den Armen und Beinen.

Lesen Sie auch: Was tun bei Taubheitsgefühl im Schienbein?

Bluthochdruck

Hoher Blutdruck belastet die Blutgefäße und fördert die Entwicklung von Atherosklerose. Der erhöhte Druck kann die Arterienwände schädigen und die Bildung von Ablagerungen beschleunigen, was die Blutzirkulation beeinträchtigt. Dies kann zu verschiedenen Symptomen führen, einschließlich Taubheitsgefühl in den Armen.

Erhöhte Cholesterinwerte

Hohe Cholesterinwerte können Ablagerungen in den Arterien fördern und so die Blutzirkulation einschränken. Cholesterin lagert sich an den Arterienwänden ab und bildet Plaques, die die Blutgefäße verengen. Dies kann zu Durchblutungsstörungen und Taubheitsgefühl in den Armen führen.

Genetische Faktoren

Einige Menschen haben eine genetische Prädisposition für Gefäßprobleme. Genetische Faktoren können die Anfälligkeit für Atherosklerose und andere Gefäßerkrankungen beeinflussen, was das Risiko von Durchblutungsstörungen und Taubheitsgefühl in den Armen erhöht.

Bewegungsmangel und Übergewicht

Bewegungsmangel und Übergewicht fördern die Atherosklerose und verschlechtern die Blutzirkulation. Mangelnde körperliche Aktivität kann zu einer schlechteren Durchblutung führen, während Übergewicht zusätzlichen Druck auf die Blutgefäße ausübt und die Bildung von Plaques begünstigt.

Raynaud-Phänomen

Das Raynaud-Phänomen ist eine Erkrankung, bei der es zu einem vorübergehenden Verlust der Blutzirkulation in den Fingern und/oder Zehen kommt, oft ausgelöst durch Kälte oder Stress. Es handelt sich um eine sogenannte Vasospasmus-Störung, bei der sich die Blutgefäße in den betroffenen Bereichen plötzlich verengen, wodurch die Blutzufuhr gestört wird. Dies kann auch die Arme betreffen und zu Taubheitsgefühl führen.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Taubheitsgefühl in den Füßen

Ursachen des Raynaud-Phänomens

  • Primäres Raynaud: Tritt ohne eine zugrunde liegende Erkrankung oder Verletzung auf. Die genaue Ursache ist unbekannt, aber man nimmt an, dass es durch eine übermäßige Reaktion der Blutgefäße auf Kälte oder Stress verursacht wird.
  • Sekundäres Raynaud: Tritt als Symptom im Rahmen einer anderen zugrunde liegenden Erkrankung auf, meist einer Autoimmunerkrankung oder einer Bindegewebserkrankung. Beispiele hierfür sind systemische Sklerose (Sclerodermie), Lupus erythematodes, rheumatoide Arthritis, Atherosklerose und Vibrationseinwirkungen.

Symptome des Raynaud-Phänomens

Die Symptome des Raynaud-Phänomens treten in typischen Anfällen auf, die durch bestimmte Auslöser ausgelöst werden:

  • Blass oder weiß: Die Blutgefäße verengen sich, und die Blutzufuhr wird reduziert, wodurch die Haut blass wird.
  • Blau oder violett: Durch die reduzierte Blutzufuhr gelangt weniger Sauerstoff in das Gewebe, wodurch die Haut blau wird.
  • Rötung: Nachdem sich die Blutgefäße wieder erweitern und der Blutfluss zurückkehrt, kann sich die Haut rot färben.
  • Kältegefühl und Taubheit: Betroffene Körperteile fühlen sich kalt an, oft begleitet von einem Taubheitsgefühl aufgrund der verminderten Blutzufuhr.
  • Schmerzen: Während eines Anfalls kann es zu Schmerzen kommen, die mit der verminderten Durchblutung zusammenhängen.

Symptome von Durchblutungsstörungen

Die Symptome von Durchblutungsstörungen hängen davon ab, welches Gebiet des Körpers betroffen ist, und können in ihrer Intensität variieren:

  • Schmerzen in den Beinen (bei pAVK): Diese Schmerzen treten oft beim Gehen oder Treppensteigen auf (Claudicatio intermittens) und bessern sich meist nach kurzer Ruhepause.
  • Kälte und Taubheit: Betroffene Körperteile fühlen sich oft kalt oder taub an, vor allem Hände und Füße.
  • Blasse oder bläuliche Haut: Durch eine eingeschränkte Blutzufuhr kann sich die Hautfarbe ändern.
  • Schwächegefühl und Krämpfe: Besonders in den Beinen sind Krämpfe und Schwächezeichen häufig.
  • Schlechtere Wundheilung: Die eingeschränkte Durchblutung führt dazu, dass Wunden langsamer heilen und sich häufiger Infektionen bilden.

Arten von Schmerzen bei Durchblutungsstörungen

  • Belastungsschmerzen: Treten auf, wenn die Muskeln bei Aktivität mehr Sauerstoff benötigen und durch die Engstellen in den Arterien nicht ausreichend versorgt werden können.
  • Ruhe-Schmerzen: In schweren Fällen kann auch im Ruhezustand ein konstanter, brennender Schmerz bestehen, der auf eine kritische Minderdurchblutung hinweist.
  • Brennende oder kribbelnde Schmerzen: Oft typisch für periphere Nervenschäden durch Minderdurchblutung, besonders bei Diabetikern.

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ist eine Erkrankung, bei der die Arterien, die die Beine und andere periphere Körperteile mit Blut versorgen, durch Ablagerungen von Fett, Cholesterin und anderen Substanzen (Atherosklerose) verengt oder blockiert werden. Diese Verengung führt zu einer verminderten Blutzufuhr in den betroffenen Bereichen, was Schmerzen und andere Symptome verursacht, besonders bei körperlicher Belastung.

Symptome der pAVK

  • Schmerzen beim Gehen (Claudicatio intermittens): Dies ist das charakteristische Symptom der pAVK. Es handelt sich um Schmerzen in den Waden, Oberschenkeln oder Hüften, die beim Gehen auftreten, insbesondere bei körperlicher Belastung. Die Schmerzen bessern sich in Ruhe.
  • Kältegefühl und Taubheit in den Beinen: Aufgrund der unzureichenden Blutzufuhr können die betroffenen Beine sich kalt oder taub anfühlen.
  • Blasse, glänzende Haut: Die Haut kann aufgrund der schlechten Blutzirkulation blass oder glänzend erscheinen.
  • Schlechte Wundheilung: Wunden an den Füßen, Beinen oder Zehen können langsamer heilen oder sich infizieren.
  • Gangrän (Gewebeabsterben): In schweren Fällen kann es aufgrund der unzureichenden Blutzufuhr zu Gewebeabsterben kommen. Dies betrifft meist die Zehen und Füße und kann zu Nekrosen führen, die eine Amputation erforderlich machen können.
  • Schwache oder nicht tastbare Pulse: Bei pAVK sind die Arterien oft so stark verengt, dass die Pulse in den Füßen und Beinen nicht mehr spürbar sind.

Stadien der pAVK (nach Fontaine)

Die pAVK wird in vier Stadien eingeteilt:

  • Stadium I: Keine Beschwerden
  • Stadium IIa: Schmerzen beim Gehen nach mehr als 200 Metern Gehstrecke
  • Stadium IIb: Schmerzen beim Gehen nach weniger als 200 Metern Gehstrecke
  • Stadium III: Beschwerden selbst in Ruhe, z. B. beim Liegen
  • Stadium IV: Absterben von Gewebe, es bilden sich nichtheilende/offene Wunden

Blutaustausch (Plasmapherese)

Der Blutaustausch, auch Plasmapherese genannt, ist ein Verfahren, bei dem Blut aus dem Körper entnommen, die Blutbestandteile getrennt und das Plasma (der flüssige Teil des Blutes) entfernt wird. Das Plasma kann dann durch ein Ersatzplasma oder eine gereinigte Lösung ersetzt werden, bevor das Blut wieder in den Körper zurückgeführt wird.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Knieprellung und Taubheitsgefühl

Anwendung des Blutaustauschs

Der Blutaustausch wird in verschiedenen medizinischen Situationen eingesetzt, insbesondere bei Autoimmunerkrankungen, bei denen schädliche Antikörper oder andere Substanzen im Plasma vorhanden sind.

In Bezug auf Durchblutungsstörungen und Taubheitsgefühl im Arm ist der Blutaustausch jedoch nicht die Standardtherapie. Es gibt jedoch seltene Fälle, in denen ein Blutaustausch in Betracht gezogen werden könnte, z.B. bei bestimmten Autoimmunerkrankungen, die zu schweren Gefäßentzündungen führen und die Durchblutung der Arme beeinträchtigen.

Faktor V Leiden und Thrombose

Ein Benutzer erwähnte den Faktor V Leiden, eine genetisch bedingte Thrombophilie, die das Risiko für Thrombosen erhöht. Bei Personen mit Faktor V Leiden kann es zu einer erhöhten Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln kommen, was zu Durchblutungsstörungen führen kann.

Es gibt derzeit keine Möglichkeit, den Faktor V Leiden direkt aus dem Blut zu entfernen. Die Behandlung von Thrombosen bei Personen mit Faktor V Leiden umfasst in der Regel die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten wie Marcumar oder direkten oralen Antikoagulanzien (DOAKs), um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern.

Behandlung von Durchblutungsstörungen und Taubheitsgefühl im Arm

Die Behandlung von Durchblutungsstörungen und Taubheitsgefühl im Arm zielt darauf ab, die Durchblutung zu verbessern, die Symptome zu lindern und die zugrunde liegende Ursache zu behandeln.

Konservative Behandlung

  • Lebensstiländerungen:
    • Rauchstopp: Rauchen ist ein wesentlicher Risikofaktor für Durchblutungsstörungen und sollte unbedingt vermieden werden.
    • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit wenig gesättigten Fetten und Cholesterin kann helfen, die Bildung von Plaques in den Arterien zu reduzieren.
    • Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität fördert die Durchblutung und kann helfen, die Symptome zu lindern. Angeleitetes Gehtraining kann besonders bei pAVK im Anfangsstadium (Stadium II) hilfreich sein.
    • Gewichtsreduktion: Übergewicht belastet die Blutgefäße und kann die Durchblutung verschlechtern. Eine Gewichtsreduktion kann helfen, die Symptome zu lindern.
  • Medikamentöse Therapie:
    • Gerinnungshemmende Medikamente: Bei Personen mit einem erhöhten Thromboserisiko (z.B. aufgrund von Faktor V Leiden) können gerinnungshemmende Medikamente wie Marcumar oder DOAKs eingesetzt werden, um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern.
    • Thrombozytenaggregationshemmer: Medikamente wie Aspirin können helfen, die Verklumpung von Blutplättchen zu verhindern und die Durchblutung zu verbessern.
    • Durchblutungsfördernde Medikamente: In einigen Fällen können Medikamente eingesetzt werden, die die Blutgefäße erweitern oder die Fließeigenschaften des Blutes verbessern. Die Wirksamkeit dieser Medikamente ist jedoch umstritten, insbesondere bei der Behandlung von Hörsturz.
    • Schmerzmittel: Bei Schmerzen können Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eingesetzt werden.

Interventionelle und chirurgische Behandlung

In fortgeschrittenen Fällen von Durchblutungsstörungen kann eine interventionelle oder chirurgische Behandlung erforderlich sein, um die Blutgefäße zu erweitern oder zu umgehen.

  • Kathetergestützte Verfahren:
    • Ballondilatation: Ein Ballonkatheter wird in das verengte Blutgefäß eingeführt und aufgeblasen, um das Gefäß zu erweitern.
    • Stentimplantation: Ein Stent (eine kleine Gefäßstütze) wird in das Blutgefäß eingesetzt, um es offen zu halten.
    • Lysetherapie: Bei einem akuten Verschluss des Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel kann eine Lysetherapie eingesetzt werden, um das Gerinnsel aufzulösen.
    • Atherektomie: Ablagerungen in den Blutgefäßen werden mit einem speziellen Katheter entfernt.
  • Chirurgische Verfahren:
    • Bypassoperation: Eine Umgehungsleitung (Bypass) wird um das verengte oder verschlossene Blutgefäß gelegt, um die Durchblutung wiederherzustellen. Für den Bypass kann eine körpereigene Vene oder ein Kunststoffbypass verwendet werden.
    • Ausschälungsplastik: Die verengte Arterie wird freigelegt, eröffnet und die Kalkablagerung entfernt. Die Öffnung an der Arterie wird mit einem "Flicken" (Patch) wieder verschlossen.
    • Hybridoperation: Eine Kombination aus offener Operation und kathetergestützter Methode.

Behandlung des Raynaud-Phänomens

Die Behandlung des Raynaud-Phänomens zielt darauf ab, die Anfälle zu reduzieren und die Durchblutung zu verbessern:

  • Vermeidung von Auslösern: Kälte und Stress sollten vermieden werden. Das Tragen von warmer Kleidung, insbesondere Handschuhen und Socken, kann helfen, die Anfälle zu reduzieren.
  • Medikamentöse Therapie:
    • Kalziumkanalblocker: Diese Medikamente können die Blutgefäße erweitern und die Durchblutung verbessern.
    • Alpha-Blocker: Diese Medikamente können ebenfalls die Blutgefäße erweitern.
    • Vasodilatatoren: In schweren Fällen können Vasodilatatoren eingesetzt werden, um die Blutgefäße zu erweitern.

Durchblutungsfördernde Infusionstherapie beim Hörsturz

Es gibt Hinweise darauf, dass Durchblutungsstörungen im Innenohr eine Rolle bei einem Hörsturz spielen könnten. Daher werden manchmal durchblutungsfördernde Infusionen als Therapie angeboten. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser Therapie umstritten ist und von den Krankenkassen in der Regel nicht übernommen wird.

Bewertung der durchblutungsfördernden Infusionstherapie beim Hörsturz

Der IGeL-Monitor bewertet die durchblutungsfördernde Infusionstherapie beim Hörsturz mit "negativ". Studien haben gezeigt, dass die Gabe von durchblutungsfördernden Mitteln wie Pentoxifyllin und Dextran nicht besser wirkt als eine Infusion mit Kochsalzlösung. Zudem können diese Medikamente Nebenwirkungen haben.

Leukämie und ähnliche Erkrankungen

Die Informationen über Leukämie und ähnliche Erkrankungen sind in diesem Kontext relevant, da einige der genannten Symptome (Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Blässe, Blutungen) auch bei Durchblutungsstörungen auftreten können. Es ist wichtig, diese SymptomeDifferentialdiagnostisch zu betrachten und andere Ursachen auszuschließen.

Symptome von Leukämien

  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit
  • Blässe
  • Fieber
  • Schmerzen
  • Blutungen
  • Häufige Infektionen

Myelodysplastische Syndrome (MDS)

Bei MDS reifen Blutvorläuferzellen im Knochenmark nicht zu funktionstüchtigen Zellen aus oder sterben früh ab. Betroffene leiden unter Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Blässe und häufigen Infektionen.

Myeloproliferative Neoplasien (MPN)

Bei MPN kommt es zu einer Vermehrung von einer oder mehreren Arten reifer, myeloischer Blutzellen. Da die Zahl der Blutzellen insgesamt zu hoch ist, müssen Betroffene mit verschiedenen Komplikationen rechnen, zum Beispiel Durchblutungsstörungen, Blutungsneigungen oder auch Müdigkeit und Abgeschlagenheit.

tags: #arm #taubheitsgefuhl #blutaustausch #krankheit