Migräne und Gelenkschmerzen sind weit verbreitete Gesundheitsprobleme, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Während die Standardtherapie oft auf Medikamenten basiert, wächst das Interesse an nicht-medikamentösen Behandlungsformen. Dieser Artikel beleuchtet die Wirksamkeit von Armbändern, insbesondere des Nerivio-Armbands gegen Migräne, sowie andere alternative Ansätze zur Linderung von Migräne und Gelenkschmerzen.
Migräne: Eine Volkskrankheit und ihre Behandlung
Migräne ist weltweit eine recht häufige Erkrankung, die sich durch wiederkehrende starke Kopfschmerzattacken mit Übelkeit sowie erhöhter Licht- und Lärmempfindlichkeit äußert. In Deutschland sind etwa acht bis zehn Millionen Menschen betroffen, und zwar fast 15 % aller Frauen und 6 % aller Männer.
Die Standardtherapie bei Migräne beruht bislang überwiegend auf Medikamenten. Zur akuten Behandlung werden Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure sowie Migränemittel aus der Gruppe der Triptane eingesetzt. Zur Vorbeugung können Betablocker, Antiepileptika oder bestimmte Antidepressiva verschrieben werden. Diese Präparate helfen vielen Patienten, stoßen jedoch auch an Grenzen: Manche Betroffene sprechen nicht ausreichend darauf an, andere leiden unter Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden, Müdigkeit oder Kreislaufproblemen. Zudem kann ein übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln selbst zu chronischen Kopfschmerzen führen.
Vor diesem Hintergrund wächst das Interesse an nichtmedikamentösen Behandlungsformen, etwa Entspannungsverfahren, Akupunktur, Biofeedback - oder der Neuromodulation.
Das Nerivio-Armband: App-gesteuerte Neuromodulation zur Migränebehandlung
Als innovative Alternative bietet das Nerivio-Armband eine nicht-invasive Therapieoption, die ohne Medikamente auskommt und sowohl bei akuten Migräneattacken als auch zur Vorbeugung eingesetzt werden kann. Das Nerivio-Armband wird am Oberarm getragen und über eine Smartphone-App gesteuert.
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Das Nerivio-Armband ist ein medizinisches Gerät zur Behandlung von Migräne, das am Oberarm getragen und über eine Smartphone-App gesteuert wird. Es nutzt die Technologie der Neuromodulation, um Migräneattacken zu lindern und vorzubeugen. In den USA ist das Armband bereits seit 2019 zugelassen, in Deutschland ist es seit Frühjahr 2024 verfügbar.
Die Selbstbehandlung dauert 45 Minuten und wird akut bei einer beginnenden Migräneattacke oder präventiv jeden zweiten Tag durchgeführt. Jedes Gerät ist auf 18 Anwendungen ausgelegt.
Für wen ist das Nerivio-Armband geeignet?
Das Armband ist für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen. Es eignet sich insbesondere für Menschen, die Migräne-Medikamente nicht vertragen, bei denen diese nicht ausreichend wirken oder die eine nichtmedikamentöse Therapie bevorzugen. Allerdings sprechen nicht alle Patienten gleichermaßen auf die Behandlung an.
Funktionsweise des Migräne-Armbands
Das Nerivio-Armband basiert auf dem Prinzip der Remote Electrical Neuromodulation (REN) und nutzt elektrische Impulse, um die körpereigenen Mechanismen zur Schmerzlinderung zu aktivieren. Diese Impulse werden vom Patienten nicht als Schmerz wahrgenommen, aktivieren jedoch die natürliche Schmerzlinderung im Hirnstamm, wodurch die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Serotonin und Noradrenalin gefördert wird, was die Migräneschmerzen reduziert sowie Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit lindert. Zudem reduziert das Neuromodulations-Armband nachweislich den Bedarf an Schmerzmedikamenten.
Studienergebnisse zur Wirksamkeit des Nerivio-Armbands
Mehrere klinische Studien, darunter Yarnitsky et al. (2019) und Tepper et al. (2023), belegen die Wirksamkeit des Nerivio-Armbands. Rund zwei Drittel der Teilnehmer berichteten innerhalb von zwei Stunden nach der Anwendung über eine spürbare Schmerzreduktion. Bei vorbeugender Nutzung verringerte sich zudem die Zahl der Migränetage pro Monat. Nebenwirkungen wurden in den Studien nicht festgestellt. Diese Ergebnisse unterstreichen das Potenzial der REN-Technologie, eine wirksame und gut verträgliche Alternative in der Migränetherapie zu bieten.
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Kosten und Verfügbarkeit in Deutschland
Das Nerivio-Armband ist seit Frühjahr 2024 in Deutschland erhältlich. Es handelt sich um ein verschreibungspflichtiges Medizinprodukt, das nur nach ärztlicher Verordnung genutzt werden darf. Die Kosten werden derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Damit müssen Patienten die Behandlung bislang aus eigener Tasche finanzieren. Ein Gerät ist auf 18 Anwendungen ausgelegt, danach muss es ersetzt werden. Je nach Anbieter ergibt sich dadurch ein Preis von etwa 80 bis 100 Euro pro Monat, wenn das Armband regelmäßig eingesetzt wird.
Manche private Krankenversicherungen prüfen im Einzelfall, ob die Kosten übernommen werden können. Eine pauschale Erstattung gibt es bislang jedoch nicht. Patienten sollten daher im Vorfeld bei ihrer Krankenkasse nachfragen, ob eine Kostenübernahme oder zumindest ein Zuschuss möglich ist.
Um den Markteintritt zu erleichtern, wird das Gerät in Deutschland im Rahmen einer Einführungsaktion vergünstigt angeboten. Anbieter werben damit, dass Neukunden das Armband zu einem reduzierten Preis erwerben können. Wie lange diese Sonderaktion verfügbar bleibt, ist allerdings nicht festgelegt.
Weitere Fragen und Antworten zum Nerivio-Armband
Laut Studien wurden beim Nerivio-Armband keine Nebenwirkungen beobachtet. Theoretisch können jedoch leichte Hautirritationen durch die Elektroden auftreten. Menschen mit Herzschrittmachern oder schweren neurologischen Erkrankungen sollten die Anwendung vorher mit ihrem Arzt abklären.
Klassische Medikamente wirken direkt auf Schmerzrezeptoren oder Blutgefäße, können aber Nebenwirkungen haben. Das Nerivio-Armband setzt dagegen auf Neuromodulation und aktiviert körpereigene Mechanismen zur Schmerzlinderung. Es ist damit eine nichtmedikamentöse Ergänzung oder Alternative.
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Neben Nerivio existieren andere Ansätze, zum Beispiel Stirnbänder oder Elektroden, die am Kopf angebracht werden. Nerivio unterscheidet sich, da es am Oberarm getragen wird und per App gesteuert ist. Damit gilt es als besonders alltagstauglich.
Magnetarmbänder bei Gelenkschmerzen: Was ist dran?
Magnetarmbänder sind Armbänder, Ketten, Ringe oder Anhänger mit kleinen eingebauten Magneten. Die Idee, arthritischen Beschwerden durch das Tragen von Magneten zu Leibe zu rücken, ist mehr als 2000 Jahre alt. Alljährlich werden mehr als eine Milliarde Euro weltweit für so genannte Magnettherapien ausgegeben.
Eine britische Studie zeigt, dass Magnetarmbänder tatsächlich Arthroseschmerzen lindern. Die Schulmedizin erklärt die Wirksamkeit von Magnetschmuck gern mit dem Placeboeffekt. Doch eine Untersuchung mit 194 Arthrosepatienten in Großbritannien bestätigt jetzt den Metallreifen, dass sie Schmerzen der Gelenkentzündung deutlich mildern. Die Ergebnisse veröffentlichte das British Medical Journal.
Wissenschaftler der Penninsula Medical School hatten die Probanden mit drei verschiedenen Metallarmbändern ausgestattet. Ein Drittel bekam ein Band mit starken Magneten, ein Drittel eines mit schwachen Magneten und die dritte Gruppe ein Armband ohne Magnetwirkung. Alle sollten das Band zwölf Wochen lang tragen und die Stärke ihrer Schmerzen auf einer standardisierten Skala notieren.
Die Auswertung zeigte, dass alle drei Gruppen mit dem Band weniger Schmerzen spürten. Die 65 Träger der starken Magneten gaben allerdings eine deutlich größere Verbesserung ihrer Schmerzen an. Die Ergebnisse waren unabhängig von den eingenommenen Schmerzmitteln und auch davon, welche Meinung die Arthrosekranken zu den Magnetbändern hatten.
Studienleiter Tim Harlow zieht aus den Daten den Schluss, dass nur Magneten mit einer Kraft von mehr als 170 mTesla (1700 Gauss) eine schmerzlindernde Wirkung erzielen, die über den Placeboeffekt hinausgeht. Jetzt müssen größere Untersuchungen seine Ergebnisse bestätigen.
Die britische Arthritis Research Campaign hatte die Untersuchung finanziert, will aber keine allgemeine Empfehlung für Magnetarmbänder zur Schmerztherapie abgeben. Dafür sei die Datenbasis zu klein. Aber: „Wir wollten sehen, ob den Leuten mit Magnetschmuck nicht nur das Geld aus der Tasche gezogen wird.
Keine Wirkung von Kupfer- und Magnetarmbändern bei rheumatoider Arthritis
Die bei Patienten mit rheumatoider Arthritis beliebten Kupfer- oder Magnetarmbänder erzielten in einer randomisierten doppelblinden Studie in PLoS ONE (2013; 8: e71529) keine Wirkung. Dabei wären sie die sicherste und nebenwirkungsärmste Therapie, die Rheumatologen ihren Patienten anbieten könnten, wenn man von allergischen Reaktionen auf das Kupferarmband absieht.
Für mehr als eine Milliarde Euro sollen jährlich Kupfer- oder Magnetarmbänder verkauft werden. Kulturgeschichtlich lässt sich die Magnettherapie auf Anton Mesmer zurückführen, der Anfang des 19. Jahrhunderts seine Patienten durch Wunderheilungen verzauberte.
Stewart Richmond von der University of York in England konnte in seiner Studie an 70 Patienten mit rheumatoider Arthritis dagegen keinerlei Wirkung feststellen. Die Patienten hatten nacheinander vier Armbänder getragen. Eines war mit etwa 2.200 Gauss stark, das zweite mit etwa 300 Gauss nur schwach magnetisiert. Das dritte war vor der Studie demagnetisiert worden und das vierte bestand aus Kupfer.
Die Patienten trugen ein Armband über jeweils 5 Wochen und wechselten nach einer Woche Pause auf ein anderes. Die Patienten wussten nicht, welches Armband sie trugen und auf Nachfrage stimmten ihre Vermutungen zur Echtheit oder dem Placebo-Charakter des Armbands in allen Gruppen überein.
Überein stimmten auch die Angaben auf den visuellen Analogskalen zum Ausmaß der Gelenkschmerzen. Die beiden magnetischen Armbänder und das Kupferarmband unterschieden sich in ihrer analgetischen Wirkung nicht von dem Placebo-Armband.
Auch das C-reaktive Protein als Entzündungsparameter zeigte keine Reaktion auf die Armbänder ebenso wenig wie die Plasmaviskosität. Die Ärzte stellten keine Unterschiede in der Zahl der geschwollenen Gelenke fest, und der McGill Pain Questionnaire gab keinen Hinweis, dass die Armbänder die Behinderung der Patienten durch die Erkrankung gemildert hätten.
Die Armbänder, die im Durchschnitt über 16 Stunden am Tag getragen worden waren, erwiesen sich als sicher. Allerdings kam es bei sieben Patienten beim Tragen des Kupferarmbands zu Hautirritationen, ein Patient litt unter Kopfschmerzen und einer hatte einen unangenehmen metallischen Geschmack im Mund bemerkt.
Das Ergebnis ist eindeutig: Die Effekte der beiden magnetischen und die des Kupferarmreifens auf Schmerzen, Entzündung, Funktionsfähigkeit der Gelenke, Krankheitsaktivität oder Medikamentenverbrauch unterschieden sich nicht von der Kontrolle, also dem entmagnetisierten Placeboarmband.
Kupferarmreifen gibt es bereits für wenige Euro. Aber selbst wer sich damit nur schmückt, sollte sie vorsichtshalber nicht direkt auf der Haut tragen. Jeder Zehnte bekam in der Studie Hautreizungen. Dabei hatten die Wissenschaftler alle Personen mit bekannter Kupferallergie vorab von der Untersuchung ausgeschlossen.
Alternative Behandlungsansätze bei Migräne und Gelenkschmerzen
Neben Armbändern gibt es eine Reihe weiterer alternativer Behandlungsansätze, die bei Migräne und Gelenkschmerzen in Betracht gezogen werden können:
- Medizinalcannabis (THC25:CBD25): Die Behandlung chronischer Schmerzen mit Medizinalcannabis erreichte in der klinischen Praxis bei Erkrankungen wie Migräne, Gelenkschmerzen, MS-Schmerz oder diabetischer Neuropathie vielversprechende Linderung der Schmerzen und Verbesserung der Lebensqualität über 6 Monate.
- Omega-3-Fettsäuren: Eine Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren kann, so das Fazit eines systematischen Reviews mit Metaanalyse über 41 Studien, eine klinisch relevante, Zeit-abhängige Linderung chronischer Schmerzen ermöglichen. Die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA gelten als vielversprechend zur Prophylaxe der Migräne.
- Physiotherapie: Angesichts der hohen Belastung durch Migräne und der begrenzten Wirksamkeit medikamentöser Therapien rücken physiotherapeutische Konzepte zunehmend in den Fokus der Forschung. Ein multimodaler Therapieansatz, bestehend aus Schmerzaufklärung, manueller Therapie und Übungen für die Halswirbelsäule, war bei Menschen mit Migräne langfristig wirksamer als einzelne Behandlungsformen.
- Wechselatmungstraining: Eine aktuelle Studie konnte zeigen, dass regelmäßiges Wechselatmungstraining die Häufigkeit von Migräneanfällen sowie die damit verbundene Beeinträchtigung deutlich reduzieren kann.
- Probiotika und Vitamin D: Eine Nahrungsergänzung mit Probiotika und Vitamin D über 12 Wochen wirkte sich positiv auf unterschiedliche Aspekte der Migräne aus, fand eine randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie mit 72 Teilnehmern.
- PEA (Palmitoylethanolamid): Die Einnahme des Endocannabinoid-artigen PEA konnte in einer randomisiert-kontrollierten Studie mit 64 Teilnehmern sicher und wirksam Migräneschmerzen und -dauer sowie die Einnahme zusätzlicher Medikamente reduzieren.
- Myofasziales Release: Die manuelle Therapie-Methode des myofaszialen Release kann bei Spannungs- und zervikogenem Kopfschmerz sowie Migräne signifikant Schmerzen lindern.
- Akupunktur: Die Akupunktur ist eine alternative Behandlungsmethode, die ihre Ursprünge in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) hat. Sie beruht auf der Annahme, dass festgelegte Leitbahnen (sogenannte Meridiane) im Körper existieren, denen Einflüsse auf Körper- und Organfunktionen zugeschrieben werden. Entlang dieser Meridiane werden spezielle Nadeln an fest definierten Akupunkturpunkten gesetzt. Es gibt Nachweise, dass durch diese Stimulation bestimmte Botenstoffe ausgeschüttet werden, die schmerzhemmend wirken. Einige Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Akupunktur bestimmte Schmerzen lindern kann. Dazu zählen beispielsweise Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen bei Arthritis oder Kopfschmerzen. Zudem soll Akupunktur Übelkeit lindern können, z. B. bei Krebspatienten oder in der Schwangerschaft.
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