Zucker: Auswirkungen auf das Gehirn und die Gesundheit

Zucker, von der Industrie oft als "natürliche Süße" angepriesen, ist in Wahrheit weit entfernt von natürlich. Die Verarbeitung von Zuckerrohr oder Zuckerrüben zu Kristallzucker reduziert diese Pflanzen auf die Moleküle Glukose und Fruktose, was im Körper unerwünschte Folgen haben kann. Die Dokumentation "Zucker Wirkung auf Gehirn" auf ARTE Mediathek beleuchtet die potenziellen Gefahren eines hohen Zuckerkonsums und dessen Auswirkungen auf unsere Gesundheit, insbesondere auf unser Gehirn.

Zucker: Mehr als nur eine "natürliche Süße"

Ernährungswissenschaftlerin Marina Lommel betont, dass Zucker, obwohl aus Pflanzen gewonnen, durch die industrielle Verarbeitung weit von seinem natürlichen Ursprung entfernt ist. Der resultierende Kristallzucker besteht hauptsächlich aus Glukose und Fruktose, die im Körper ähnliche Prozesse wie Alkohol auslösen können.

Die Auswirkungen von Zucker auf das Gehirn

Schädliche Stoffwechselprodukte

Beim Abbau von Fruktose entstehen Substanzen wie Methylglyoxal, die Proteine im Körper verändern und im Gehirn zu Gedächtnisschäden führen können. Stoffwechselforscher Marc Tittgemeyer erklärt, dass Zucker unsere Entscheidungen beeinflussen kann, da er direkt mit unserem Überlebenstrieb verbunden ist. Hoher Zuckerkonsum wird auch mit psychischen und demenziellen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Neurologe Dale Bredesen warnt, dass Zuckerkonsum einer der größten Risikofaktoren für die Entwicklung von Alzheimer ist und fordert eine Regulierung von Zucker ähnlich wie bei Tabak oder Alkohol.

Die psychologischen Auswirkungen von Zucker

Der Konsum von Zucker kann zu ähnlichen Reaktionen im Gehirn führen wie bei Morphinen, Kokain und Nikotin. Er aktiviert das Belohnungszentrum und setzt Dopamin frei, was zu Beruhigung, Entspannung und Glücksgefühlen führt. Dies kann zu einer Art "Zuckersucht" führen, bei der Menschen depressiv, ängstlich oder schlaflos werden, wenn sie auf Zucker verzichten.

Konditionierung auf Zucker von Kindheit an

Unser Geschmackssinn wird oft schon in der Kindheit auf Zucker programmiert, sei es durch gesüßte Tees, Babynahrung oder Gebäck. Dies führt zu einer erhöhten Reizschwelle für Süße und einer Konditionierung auf Zucker als Trost, Belohnung oder Mittel zum Glücklichsein.

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Der hohe Zuckerverbrauch in Deutschland

Der Zuckerverbrauch in Deutschland ist im Laufe des Jahrhunderts massiv gestiegen. Aßen die Deutschen um 1900 noch durchschnittlich zwölf Kilo Zucker pro Jahr, sind es heute mehr als 31 Kilogramm. Das entspricht einer täglichen Menge von 88 Gramm oder 22 Teelöffeln Zucker.

Versteckter Zucker in Lebensmitteln

Tim Mälzer deckt auf, wie viel versteckter Zucker in unseren Lebensmitteln steckt. Selbst bei einer normalen Ernährung ohne Süßigkeiten oder Desserts nimmt man schnell 160 Gramm Zucker pro Tag zu sich. Im Supermarkt wird deutlich, dass es neben dem herkömmlichen Haushaltszucker noch viele andere Zuckerarten gibt, die sich hinter verschiedenen Bezeichnungen verbergen. Insgesamt gibt es über 70 verschiedene Bezeichnungen für Zuckerarten.

Die Anziehungskraft von Süße

Professor Matthias Tschöp erklärt, dass die Vorliebe für Süßes evolutionär bedingt ist. In der Steinzeit signalisierte der süße Geschmack, dass eine Nahrung sicher und energiereich ist. Zucker wirkt auch in Gehirnbereichen, die für die Entstehung von Abhängigkeiten verantwortlich sind.

Werbetricks für Kinder

Kinder sind besonders anfällig für die Werbetricks der Industrie, die Comicfiguren auf Verpackungen einsetzt, um sie zum Kauf von Süßigkeiten zu animieren. Obwohl sich viele Hersteller freiwillig verpflichtet haben, keine Werbung für ungesunde Lebensmittel an Kinder unter zwölf Jahren zu richten, wird diese Regelung oft umgangen.

Auswirkungen auf den Körper und Alternativen

Die Wirkung von Fruktose

Professor Andreas Pfeiffer erklärt, dass Fruktose nicht direkt im Stoffwechsel verarbeitet werden kann, sondern von der Leber in Fett umgewandelt wird.

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Der Umgang mit Zucker

Ein Süßigkeitenverbot bei Kindern kann kontraproduktiv sein und Süßigkeiten nur noch attraktiver machen.

Weitere Aspekte und Forschungsergebnisse

Die ARTE Mediathek bietet eine Vielzahl weiterer Dokumentationen und Reportagen zum Thema Gesundheit, darunter solche, die sich mit den Themen Übergewicht, Diäten, mentale Gesundheit und den Auswirkungen unserer Ernährung auf den Körper befassen.

Übergewicht und Diäten

Die Mediathek bietet Einblicke in die Entstehung von Übergewicht, die Gründe für das Scheitern von Diäten und die Möglichkeiten einer nachhaltigen Ernährungsumstellung. Themen wie Low Carb, Intervallfasten und Abnehmspritzen werden kritisch beleuchtet.

Mentale Gesundheit

Dokumentationen beschäftigen sich mit den Wegen zur mentalen Gesundheit, den Ursachen und Auswirkungen von Stress und den Möglichkeiten, das eigene Gedächtnis zu verbessern.

Ernährung und Gesundheit

Die Mediathek bietet Informationen über gesunden Genuss, die Rolle von Influencern im Gesundheitsbereich und die Risiken falscher Diagnosen.

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