Einführung
Jährlich erleiden in Deutschland etwa 350.000 Menschen einen Schlaganfall (Apoplex). Diese alarmierende Zahl unterstreicht die Bedeutung der Auseinandersetzung mit diesem Thema. Ein Fünftel der Betroffenen verstirbt innerhalb der ersten vier Wochen nach dem Ereignis, während ein Drittel der Überlebenden dauerhaft pflegebedürftig bleibt. Zumeist sind Personen über 65 Jahre betroffen. Der Schlaganfall zählt zu den häufigsten Todesursachen in westlichen Industrienationen und ist die Hauptursache für Pflegebedürftigkeit im Erwachsenenalter.
Obwohl die Bezeichnung "Schlaganfall" auf ein plötzliches Ereignis hindeutet, treten in vielen Fällen bereits im Vorfeld Warnsignale auf, die jedoch oft nicht ernst genommen werden. Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung von Risikofaktoren kann jedoch dazu beitragen, einem drohenden Infarkt vorzubeugen. Die Untersuchung des individuellen Risikoprofils ermöglicht es, wirksame Behandlungen einzuleiten, bevor es zu gefährlichen Durchblutungsstörungen kommt.
Ursachen von Schlaganfällen
Schlaganfälle, auch "Gehirnschläge" genannt, können grundsätzlich drei verschiedene Ursachen haben:
Thrombose: Bei etwa 40 bis 50 % aller Schlaganfälle liegt eine Thrombose vor. Hierbei bildet sich ein Blutgerinnsel an einer meist durch Atherosklerose vorgeschädigten Stelle der Gefäßwand und führt zu einer Verstopfung des Gefäßes. Faktoren wie verminderte Kreislaufaktivität (z. B. im Schlaf) oder eine erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes (z. B. bei Flüssigkeitsmangel) können die Entstehung einer Thrombose begünstigen. Die Folge ist eine Mangeldurchblutung des Gehirns jenseits des Verschlusses.
Embolie: Etwa 30 bis 35 % der Schlaganfälle werden durch einen Embolus, ein verschlepptes Blutgerinnsel, ausgelöst. Im Gegensatz zur Thrombose entsteht der Embolus an anderer Stelle im Körper, meist im Herzen (z. B. bei Herzrhythmusstörungen). Der Embolus wird dann mit dem Blutstrom transportiert und bleibt an einer Stelle hängen, an der sein Durchmesser dem des Gefäßes entspricht. Dies führt zu einer abrupten Unterbrechung der Blutversorgung. Im Rahmen einer Herzerkrankung oder einer Atherosklerose können kleine Blutklümpchen, Fettkristalle oder -tröpfchen winzige Hirnarterien verlegen und somit zu minimalen Störungen in den betreffenden Hirngebieten führen.
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Hirnblutung (Hämorrhagie): In etwa 20 bis 25 % der Fälle wird ein Schlaganfall durch den Austritt von Blut aus einer Hirnarterie verursacht. Ursächlich hierfür sind meist unerkannte Schwachstellen oder Fehlbildungen der Hirnarterien, wie beispielsweise Aneurysmen (Aussackungen). Bluthochdruck und eine verminderte Gerinnungsfähigkeit des Blutes (z. B. durch die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten) sowie intrazerebrale venöse Stauung (z.B. "Sinusvenenthrombose") können Hirnblutungen begünstigen.
Insgesamt sind in 95 % aller Fälle vaskuläre (gefäßbezogene) Ursachen für plötzlich auftretende neurologische Defizite verantwortlich. In 50 % der Fälle handelt es sich um extrakranielle (außerhalb des Schädels gelegene) Gefäßschäden. Seltener sind andere Ursachen wie Hirnentzündungen (Enzephalitiden), Migräne, Stoffwechselstörungen, Hirnödeme, Tumore, Gasembolien oder psychische Ursachen für schlaganfallähnliche Symptome verantwortlich.
Was passiert bei einem Schlaganfall im Gehirn?
Ein Schlaganfall ist die Reaktion des Gehirns auf eine plötzlich auftretende oder sich rasch verstärkende Durchblutungsstörung. Wird der Blutstrom unterbrochen, erhalten die Gehirnzellen nicht mehr ausreichend lebensnotwendige Substanzen, insbesondere Sauerstoff und Glukose. Da das Gehirn nur über geringe Reserven verfügt, verlieren die betroffenen Zellen rasch ihre Funktionsfähigkeit und sterben ab.
Die Symptome eines Schlaganfalls hängen von der Geschwindigkeit der Schädigung, der betroffenen Hirnregion und dem Ausmaß der Schädigung ab. Bei langsam eintretenden Durchblutungsstörungen kann das Gehirn unter Umständen durch die Bildung von Umgehungskreisläufen gegensteuern. Bei einem plötzlichen und vollständigen Verschluss einer Arterie ist dies jedoch nicht möglich.
Das Gehirn ist in verschiedene funktionelle Bereiche unterteilt. Je nach Lokalisation und Ausprägung der Schädigung können einzelne oder mehrere Funktionen betroffen sein, wie beispielsweise motorische Fähigkeiten, Empfindungen, Sinneswahrnehmungen oder das Denkvermögen. Anhand der beobachteten Symptome kann der Arzt Rückschlüsse auf die betroffene Hirnregion ziehen.
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Risikofaktoren für einen Schlaganfall
Ein Risikofaktor ist eine Eigenschaft oder Verhaltensweise, die bei Menschen mit Schlaganfall häufiger vorkommt als in der Normalbevölkerung. Es ist wichtig zu betonen, dass das Vorliegen eines Risikofaktors nicht zwangsläufig bedeutet, dass man einen Schlaganfall erleiden wird. Ebenso wenig kann die Behandlung oder Beseitigung eines Risikofaktors einen Schlaganfall sicher verhindern. Allerdings steigt das Schlaganfallrisiko mit der Anzahl und Schwere der vorhandenen Risikofaktoren. Daher stellt die Identifizierung und Behandlung von Risikofaktoren einen wichtigen Ansatz zur Vorbeugung dar.
Der wichtigste Risikofaktor für einen Schlaganfall ist Bluthochdruck (Hypertonie). Studien haben gezeigt, dass bereits eine Senkung des systolischen (oberen) Blutdruckwertes um 10 mm Hg das Schlaganfallrisiko statistisch um etwa ein Drittel senken kann.
Weitere wichtige Risikofaktoren sind:
- Erhöhte Fibrinogenspiegel (ein Bestandteil des Blutgerinnungssystems)
- Diabetes mellitus (erhöhte Blutzuckerspiegel)
- Rauchen
- Erhöhte Werte von Lipoprotein A (Lp(a)), einer Untergruppe des LDL-Cholesterins
- Erhöhtes Serumcholesterin. Zeigen sich bereits Ablagerungen am Gefäßsystem (sogenannte Plaquebildung) empfiehlt sich der Therapiebeginn mit einem Cholesterinsenker, um die bereits vorhandenen Plaques positiv umzubauen und zu stabilisieren. Denn eine Plaqueruptur führt oft zu einer Verschleppung von thrombogenem Material, welches dann eine periphere Schlagader im Gehirn verstopfen kann.
Weitere Faktoren, die das Schlaganfallrisiko erhöhen können, sind:
- Erniedrigtes HDL-Cholesterin
- Körperliche Inaktivität
- Übergewicht (Adipositas)
- Einnahme von Ovulationshemmern (insbesondere in Kombination mit Rauchen)
- Hoher Alkoholkonsum
- Höheres Alter
- Herzrhythmusstörungen
- Herzmuskelschwäche
- Entzündliche Veränderungen (z. B. durch Chlamydien-Infektionen). In diesem Zusammenhang kann auch das C-reaktive Protein (CRP) als Entzündungsmarker bestimmt werden.
- Arteriosklerose. Arteriosklerose (oder Atherosklerose) ist die häufigste Ursache für Durchblutungsstörungen bei Menschen über 50 Jahre. Bei der Arteriosklerose bilden sich Ablagerungen, sogenannte Plaques, in den Arterien und verengen diese, wodurch das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Das Risiko für die Bildung von Ablagerungen in den Arterien steigt mit zunehmendem Alter, wobei Männer ein höheres Risiko als Frauen haben. Weiterhin gibt es genetisch bedingte Faktoren, die das Risiko für die Bildung von Durchblutungsstörungen erhöhen. Insbesondere wenn Sie oder ein Angehöriger rauchen, unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Bluthochdruck leiden oder Diabetes und hohe Blutfettwerte haben, steigt das Risiko. Die Wahrscheinlichkeit einer Bildung von arteriosklerotischen Gefäßverengungen ist hierbei sehr hoch. Diese bleibt häufig zunächst unbemerkt.
Vorboten eines Schlaganfalls
Vorboten für einen Schlaganfall sind passagere Durchblutungsstörungen im Gehirn, die sich typischer Weise in einem fokal neurologischen Defizit äußern: Sehstörungen auf einem Auge („wie blind, alles ist schwarz“), die von kurzer Dauer sind und danach das Sehen wieder „ganz normal ist“. Ebenso können sich reversible Sprachstörungen, ein hängender Mundwinkel oder Gefühlsstörungen an einem Arm bemerkbar machen. Schwindel oder Schleiersehen auf einem Auge gehören hingegen nicht zu typischen Symptomen einer Durchblutungsstörung im Gehirn. Im Rahmen einer Herzerkrankung oder einer Atherosklerose können kleine Blutklümpchen, Fettkristalle oder -tröpfchen winzige Hirnarterien verlegen und somit zu minimalen Störungen in den betreffenden Hirngebieten führen. Ebenfalls infolge einer Atherosklerose kann auch der Zustrom durch größere hirnzuführender Arterien durch eine zunehmende Engstelle behindert werden, und vorübergehende Durchblutungsstörungen hervorrufen. Dies wird als "transitorische ischämische Attacke" (TIA) bezeichnet.
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Folgende Warnsignale können auf einen drohenden Schlaganfall hindeuten:
- Plötzliche Lähmung, Schwäche oder Empfindungsstörung im Bereich von Gesicht, Arm, Bein oder einer Körperseite
- Plötzliche (meist einseitige) Sehminderung, Gesichtsfeldausfälle, Doppelbilder
- Plötzliche Schwierigkeiten, zu sprechen oder Sprache zu verstehen
- Plötzliche Hör-, Geschmacks- oder Schluckstörungen
- Plötzliche starke Kopfschmerzen ohne erkennbare Ursache
- Plötzlicher unerklärlicher Schwindel, Gangunsicherheit, Schwanken oder Umkippen
- Erhebliche Müdigkeit ohne erkennbaren Anlass
Diese Symptome können nur kurzzeitig auftreten und wieder verschwinden. Diese Fehleinschätzung ist jedoch fatal! Ein Schlaganfall ist sozusagen eine Zeitbombe mit unbekanntem Zündungszeitpunkt, die nach Möglichkeit entschärft werden sollte! Wer eines dieser Anzeichen bei sich selber, Angehörigen, Freunden und Kollegen wahrnimmt, sollte sofort an die Notwendigkeit einer ärztlichen Untersuchung denken!
Diagnostik
Ziel der Diagnostik ist es, bereits Frühstadien von Schlaganfall-begünstigenden Gefäßerkrankungen festzustellen, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten. Während am Beginn Befragung und körperliche Untersuchung sowie die "einfachen" diagnostischen Methoden wie Blutdruckmessung und Laboruntersuchungen stehen, folgen danach apparative Techniken für die exakte Statuserhebung und Diagnose. Die Beschaffenheit der Arterien, insbesondere der großen Arterien im Halsbereich, kann sehr gut mittels Ultraschall beurteilt werden. Die Farbdopplersonographie zeigt Gefäßwände, Blutfüllung und Strömungseigenschaften zugleich an. In frühen Stadien einer Atherosklerose - Jahre oder Jahrzehnte vor den ersten Symptomen! - misst man bereits eine Verdickung der Gefäßinnenschicht (Intima). Mit Spezialsonden können per Hautkontakt sogar Gefäße tief im Inneren des Schädels untersucht werden (transkranieller Doppler bzw. Farbdoppler). Ultraschalltechniken dienen auch am Herzen zur Suche nach Thromben und Herzfehlern (Echokardiographie). Rhythmusstörungen werden in EKG und Langzeit - EKG dargestellt. Das Gehirn selbst kann bildgebend sehr aussagestark mit MR - Techniken (MR = Magnetresonanz; synonym: Kernspin) untersucht werden. Areale mit frischen oder chronischen Durchblutungsstörungen sind gut erkennbar. Zugleich können die Hirngefäße bildlich dargestellt werden. Diese Methode ist zwar in vielen Zentren verfügbar, jedoch nur selten rund um die Uhr für Notfalleinsätze besetzt.
Eine ähnliche Untersuchung des Schädels ist die Computertomographie (CT, Röntgenverfahren). Sie zeigt frühe Infarktstadien und Blutungen sehr sensibel. Bei Unfällen (sog. Schädel-Hirn-Traumen) ist dies die Standardmethode der Primärdiagnostik. Die gegenwärtig aussagekräftigste Methode zur Darstellung der Gefäße des Halses und des Hirngebietes ist die Angiographie. Sie erfolgt heute in digitaler Subtraktionstechnik, die eine erhebliche Reduktion der Strahlendosis bei hervorragender Detailerkennbarkeit gestattet. Über eine Punktion im Leistenbereich (in lokaler Schmerzfreiheit) wird ein spezieller Miniaturschlauch ("Katheter") bis in die Brustschlagader vorgeschoben und hierüber Kontrastmittel eingebracht, welches die Gefäße im Röntgenbild erkennbar macht. Bei Erfordernis kann mit noch weiter miniaturisierten Systemen bis in einzelne, kleine und kleinste Gefäße des Hirngebietes ("selektiv") weiter untersucht werden. Über alle Untersuchungen, die spezielle Risiken tragen - und sei es nur die Anwendung von Magnetwellen - erhält der Patient eine spezielle schriftliche Aufklärung, d.h. eine detaillierte Information, der ein Gespräch mit dem Behandler folgt. Nur bei bewusstlosen oder nicht reaktionsfähigen Patienten darf von der "Aufklärung" abgesehen werden, wenn eine Maßnahme keinen Aufschub duldet. Um die Durchblutungssituation zum Gehirn beurteilen zu können, empfiehlt sich eine duplexsonographische Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern. Hier können die Carotiden gut beurteilt werden, einerseits wenn es um den Beginn einer Arteriosklerose Behandlung geht (meist Entscheidungsfindung vor Therapieeinleitung mit einem Cholesterinsenker), andererseits lässt sich hier eine Durchblutungsstörung zum Gehirn direkt detektieren.
In unserer Praxis stehen alle Möglichkeiten zur Diagnostik einer Durchblutungsstörung zu Verfügung. Beginnend mit einer ausführlichen ärztlichen Anamnese, kann meist schon die klinische Untersuchung erste Hinweise auf eine Durchblutungsstörung ergeben: sind die Pulse alle regelrecht tastbar? Besteht ein Temperaturunterschied? Anschließend wird eine farbkodierte Duplexsonographie durchgeführt, in der sich die Gefäße genau darstellen lassen und mögliche Ablagerungen, Engstellen oder Gefäßverschlüsse festgestellt werden. Bei Unklarheiten oder vor einer geplanten Intervention wird diese Methode noch durch eine andere Bildgebung ergänzt (z.B. Computer- oder Kernspintomographie). Oft führen wir auch eine Belastungsuntersuchung auf dem Laufband durch, um bewegungsabhängige Schmerzen die durch eine Durchblutungsstörung der Beine entstehen z.B. von orthopädischen Problemen besser abgrenzen zu können. Typisch für einen Durchblutungsstörung der Beine ist ein Schmerz, der Beim Gehen auftritt - nicht in Ruhe - und nach einer kurzen Pause wieder verschwindet. Daher der Name „Schaufensterkrankheit“: Nach einer kurzen Wegstrecke wird vor einem Schaufenster pausiert und stehen geblieben bis der Schmerz vergeht, danach ist ein Weitergehen möglich.
Maßnahmen zur Vorsorge
Je früher ein Risikofaktor für einen Schlaganfall behandelt wird, desto eher läßt sich das fatale Geschehen abwenden. Alle genannten Risikofaktoren sind behandelbar: Blutdrucksenkung, Normalisierung der Blutfette, Gewichtsreduktion, Behandlung einer Herzerkrankung, Aufgabe von Rauchgewohnheiten. Die Kunst des Therapeuten ist es, diese Maßnahmen so durchzuführen, daß der Patient an Lebensqualität spürbar gewinnt. Nur dies sichert die langfristige Beständigkeit der Maßnahmen und ihrer Wirkung. Um die Verklumpungsneigung von Blutplättchen zu vermindern, eignet sich u.a der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS, Produkt: z.B. Schon mit geringen Mengen ASS (100 - 200 mg pro Tag) sinkt das Schlaganfallrisiko um bis zu 20 Prozent. Der neue Wirkstoff Clopidogrel (z.B. Plavix ®) ist noch etwas wirksamer, jedoch auch wesentlich teurer. Bei Patienten mit einem besonders hohen Embolie- und Apoplexrisiko (z.B. nachgewiesene Thromben im Herzen oder vorausgegangene Arterienverschlüsse) bevorzugen die meisten Ärzte die "Blutverdünnung" mit einem Medikament, das die Gerinnungsfähigkeit des Blutes wesentlich herabsetzt (z.B. Marcumar ®). Ist eine höhergradige Stenose (Engstelle) an einem Blutgefäß am Hals Ursache eines Schlaganfall - Vorbotens, sollte diese durch eine Operation oder "Schlüsselloch - Techniken" (Ballondilatation, Stenting) beseitigt werden. Um den Gefäßalterungsprozess, die Arteriosklerose, möglichst positiv zu beeinflussen, empfiehlt sich ein sportlich aktiver Lebensstil mit dem Ziel einer Normalgewichtigkeit und dem Verzicht auf Nikotin. Die Blutfette, insbesondere das Serumcholesterin, sollten optimal eingestellt sein, ebenso der Blutdruck und Blutzucker. Weiter empfiehlt sich eine moderate körperliche Aktivität (z.B. 3 x wöchentlich 30 min. leichtes Ausdauertraining). Liegt eine manifeste Durchblutungsstörung der Beine vor und besteht ein aktiver Nikotinkonsum, muss dieser dauerhaft eingestellt werden. Die Durchblutungsstörung der Beine entspricht dann einem sogenannten „Raucherbein“. Neben einer medikamentösen Behandlung und einem gesunden Lebensstil kann man selbst seine Durchblutungsstörung behandeln, in dem man die Beine trainiert. Hier handelt es sich um ein strukturiertes Gehtraining, mindestens 3 x wöchentlich besser täglich 30 min. Spazierengehen. Sollten hier für eine Durchblutungsstörung typische, bewegungsabhängige Schmerzen auftreten, wird bis zum Auftreten der Schmerzen weiter trainiert, dann stehen geblieben bis der Schmerz wieder vergeht und dann weiter gelaufen. Das Gehen ist hier besonders wichtig, Fahrradfahren erzielt nicht den gewünschten Effekt. Allein mit dem Gehtraining kann die maximale Gehstrecke verlängert und die Lebensqualität deutlich verbessert werden. Zur Dokumentation des Behandlungserfolgs hat sich das Führen eines Tagebuches bewährt, in dem die max. Gehstrecke pro Trainingseinheit festgehalten wird. Liegt bereits eine ausgeprägte Durchblutungsstörung der Beine vor, ist vor allem auf einen konsequenten Extremitätenschutz zu achten. Die Füße und Zehen müssen hier immer warm gehalten werden. Wollsocken eignen sich deutlich besser als reine Baumwolle, die die Wärme nicht speichern kann. Geeignetes Schuhwerk ist besonders wichtig, um Bagatellverletzungen vorzubeugen.
Notfallbehandlung
Ein Schlaganfall ist ein Notfall, daher sollte sofort der Rettungsdienst gerufen und eine Krankenhauseinweisung veranlasst werden. Bei sofortiger Behandlung lässt sich der Schaden im Gehirn begrenzen. Die Art der Behandlung richtet sich nach der Entstehungsweise des Schlaganfalls. Ist die Ursache ein Blutgerinnsel im Gehirn selbst oder in einem der großen, hirnversorgenden Blutgefäße, so kann bei Erfordernis entweder die Verstopfung mit einer Lysetherapie (hochwirksame Medikamente, die über kleine Schläuche direkt in die Verstopfung gegeben werden; Risiko: Blutungen) oder je nach Lage ggf. auch operativ beseitigt werden. Verschleppte feste Gefäßablagerungen, Fettkristalle oder -tröpfchen sind auf diese Weise nicht zu entfernen, so dass nur eine Begleitbehandlung (Vermeidung einer Gehirnschwellung, Blutdruckregulation) bleiben. Wenn die Ursache eine Hirnblutung ist, muss diese rasch gestillt werden (Blutdrucksenkung, Beeinflussung der Blutgerinnung). Ist sehr viel Blut ausgetreten, kann eine operative Ausräumung zur Entlastung erforderlich werden. Dies geht umso einfacher, je weiter außen gelegen und je umschriebener die Blutung war.
Ein Schlaganfall äußert sich durch Zeichen ähnlich der "Vorboten" mit dem wesentlichen Unterschied, daß sie heftiger ausfallen und nicht binnen Sekunden vorübergehen:
- Plötzliche Lähmung und/oder Empfindungsverlust im Bereich von Gesicht, Arm, Bein oder einer Seite des Körpers
- Plötzliche Erblindung oder Ertaubung (vollständig oder partiell)
- Plötzliche Sprachstörung
- Bewusstseinsstörungen
Schweregrade von Schlaganfällen
Durchblutungsstörungen im Bereich des Gehirns können in verschiedenen Verlaufsformen (akut - chronisch) und in unterschiedlichen Schweregraden (asymptomatisch bis zum dauerhaften Funktionsverlust) entstehen. Unter klinischen Gesichtspunkten spricht man von einer "zerebrovaskulären Insuffizienz". Sie kann in Stadien eingeteilt werden, wobei unter Medizinern einige Abkürzungen gebräuchlich sind:
- I: asymptomatisch
- IIa: TIA (= transitorische ischämische Attacke, innerhalb 24 h voll reversibel)
- IIb: PRIND (= prolongiert/partiell reversibles ischämisch - neurologisches Defizit, Restdefizit verbleibt)
- III: ischämischer Schlaganfall (ohne Bewusstseinsverlust)
- IV: PS (= progredienter Schlaganfall; dauerhaftes neurologisches Defizit, z. T. Bewusstseinsstörungen)
Bildet sich infolge einer Minderperfusion eine zerebrale Nekrose, so nennt man dies Hirninfarkt. Der Infarkt ist das "Endstadium" einer Durchblutungsstörung. Folgeereignisse in anderen Arealen sind nicht auszuschließen. 70% der Infarkte betreffen das Versorgungsgebiet der sog. Arteria cerebri media.
Vaskuläre Demenz
Vaskuläre Demenz ist nach der Alzheimer-Krankheit die häufigste Demenzerkrankung. Bei der vaskulären Demenz ist es sehr unterschiedlich, welche Symptome im Vordergrund stehen oder auftreten. Dies hängt von der Art der Schädigung im Gehirn ab und davon, wo sie entstanden ist. Je nach Ursache können die Symptome plötzlich, schleichend oder schrittweise auftreten. Die vaskuläre Demenz wird durch eine Schädigung der Blutgefäße im Gehirn verursacht. Die Gefäße können das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen, wodurch wichtige kognitive Funktionen eingeschränkt werden. Zu den typischen Ursachen einer vaskulären Demenz gehören: Schlaganfälle, die eine Hirnarterie verschließen, können eine ganze Reihe von Symptomen verursachen, zu denen auch eine vaskuläre Demenz gehören kann. Stille Schlaganfälle, die ohne spürbare Symptome verlaufen, erhöhen ebenfalls das Demenzrisiko. Sind Arterienverkalkung (Arteriosklerose) oder Bluthochdruck die Ursache, machen sich die Beschwerden meist eher schleichend bemerkbar. Auch im weiteren Verlauf können sich die Symptome entweder schleichend oder plötzlich verschlechtern. Dazwischen kann es auch längere stabile Phasen geben.
Die Lebenserwartung bei einer vaskulären Demenz variiert stark und hängt davon ab, wie schwer die Erkrankung ist und ob weitere Erkrankungen vorliegen. Einer vaskulären Demenz beugt man vor, indem man einem Schlaganfall vorbeugt. Wer sich regelmäßig bewegt, kann (weiteren) Schlaganfällen vorbeugen. Eine Demenzerkrankung kann nur durch eine Ärztin oder einen Arzt diagnostiziert werden. Für eine Diagnose werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Am Anfang der Diagnostik steht das ärztliche Gespräch über die persönliche Krankengeschichte. Besonders wichtig sind dabei frühere oder aktuelle Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Hirngefäße, Bluthochdruck und Diabetes. Die Ärztin oder der Arzt erkundigt sich nach Beschwerden und Problemen im Alltag, nach Stimmungsschwankungen sowie nach den Lebensumständen. Nach dem Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung, um festzustellen, ob Durchblutungsstörungen vorliegen. Mit bildgebenden Verfahren wie CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie) können Veränderungen im Gehirn festgestellt werden. Bei einem Verdacht auf eine vaskuläre Demenz wird vor allem das Herz-Kreislauf-System untersucht, also Blutdruck, Herzgeräusche und Herzgröße. Ebenso wichtig ist der neurologische Status, der die Koordination, Motorik, den Tastsinn und den Gleichgewichtssinn umfasst. Medizinische Demenztests dienen der Beurteilung der geistigen Leistungsfähigkeit. Dabei werden bestimmte geistige Leistungsbereiche, wie Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit getestet.
Eine vaskuläre Demenz ist nicht heilbar. Die im Gehirn entstandenen Schäden können nicht rückgängig gemacht werden. Ziel der Therapie ist es, weiteren Schäden vorzubeugen und eine Verschlimmerung der Beschwerden aufzuhalten, beziehungsweise zu verlangsamen. Bei der vaskulären Demenz werden Durchblutungsstörungen im Gehirn mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt. So kann weiteren Schlaganfällen vorgebeugt werden. Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel und erhöhter Blutzucker können ebenfalls medikamentös behandelt werden. Da die Symptome einer vaskulären Demenz sehr unterschiedlich sein können, ist die Behandlung sehr individuell. Es gibt verschiedene Ansätze, eine vaskuläre Demenz ohne Medikamente zu behandeln. Behandlungsmöglichkeiten wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie können helfen, die kognitiven Fähigkeiten und somit die Lebensqualität der Patientin oder des Patienten zu verbessern. Auch Musiktherapie, Erinnerungsarbeit und Krankengymnastik können Betroffenen helfen. Vaskuläre Demenz kann mit Gesprächen (kognitive Stimulation) oder Erinnerungsarbeit (autobiographische Arbeit) behandelt werden. Körperliche Betätigung oder Kunsttherapie können geeignete Behandlungsmethoden darstellen.
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