Ashwagandha (Withania somnifera), auch bekannt als Schlafbeere oder indischer Ginseng, ist eine Pflanze, die in der traditionellen ayurvedischen Medizin seit Jahrtausenden verwendet wird. Sie gilt als Adaptogen, also als eine Substanz, die dem Körper hilft, sich an Stress anzupassen und das Gleichgewicht wiederherzustellen. Weltweit gilt Ashwagandha als Wundermittel der Komplementär- und Alternativmedizin. Die Pflanze soll eine heilkräftige Wirkung bei unzähligen Beschwerden besitzen - angefangen bei Erkrankungen der Haut und Haare über Infektionen bis hin zu Nervenerkrankungen und Unfruchtbarkeit. Sehr häufig nutzt man dabei die Wurzel von Ashwagandha. Oftmals sind aber auch andere Pflanzenteile in arzneilicher Verwendung, zum Beispiel die Blätter oder Früchte der Schlafbeere.
In den letzten Jahren hat Ashwagandha auch in der westlichen Welt an Popularität gewonnen, und es gibt zunehmend wissenschaftliche Studien, die ihre potenziellen gesundheitlichen Vorteile untersuchen. Ein Bereich von besonderem Interesse ist die Anwendung von Ashwagandha bei neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose (MS).
Traditionelle Anwendungsgebiete von Ashwagandha
Ashwagandha wird traditionell bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt, darunter:
- Nervensystem: Stress, Schlafstörungen, Angstzustände, nervöse Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, neurodegenerative Erkrankungen (Alzheimer, Parkinson), Epilepsie, Multiple Sklerose
- Herz-Kreislauf-System: Hoher und niedriger Blutdruck, Kreislaufschwäche, Herzprobleme, Regulierung des Cholesterinspiegels, Blutarmut, Hämorrhoiden
- Immunsystem: Infektanfälligkeit, Immunschwäche, Infektionen (Bakterien, Viren), Allergien
- Skelett und Muskeln: Entzündungen, Rheuma, Muskel-, Gelenk- und Rückenschmerzen, Muskelaufbau
- Mann & Frau: Unfruchtbarkeit, Schwäche der Sexualorgane, Aphrodisiakum, Erkrankungen der Gebärmutter, Störungen des weiblichen Hormonzyklus, Ausfluss, Impotenz, vorzeitige Ejakulation, Erhöhung der Spermienzahl
- Haut und Haare: Hautgeschwüre, Furunkel, Krätze, Wunden, Schuppenflechte, Haarausfall, graue Haare
- Weitere Anwendungen: Erkrankungen der Leber und Nieren, Harnwegsprobleme, Arthritis, Fibromyalgie, Husten, Bronchitis, Asthma, Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Migräne, Lähmungen, Diabetes, Infektionskrankheiten, Krebs, allgemeine Schwäche
Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Ashwagandha
Ob und über welche Mechanismen Ashwagandha tatsächlich heilkräftige Wirkungen entfalten könnte, wurde und wird in vielen vorklinischen Studien (z.B. im Reagenzglas, an Tieren) und teils auch in Studien mit Menschen untersucht.
Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Withania somnifera - je nach dem verwendeten Pflanzenextrakt beziehungsweise der Zusammensetzung und dem Gehalt der Inhaltsstoffe - unter anderem folgende Wirkungen haben kann:
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- nervenschützend (neuroprotektiv)
- herzschützend (kardioprotektiv)
- antioxidativ, d.h. wirksam gegen oxidativen Stress - verursacht durch aggressive Sauerstoffverbindungen, die Zellstrukturen wie die "Kraftwerke" (Mitochondrien) und das Erbgut (DNA) schädigen
- immunmodulierend, d.h. Immunreaktionen beeinflussend
- Blutzucker-senkend (hypoglykämisch) bei Diabetes
- antimikrobiell, d.h. wirksam gegen Mikroben wie Bakterien, Viren oder Pilze
- entzündungshemmend
- antidepressiv
- angstlösend
- stresslindernd
Bevor Ashwagandha tatsächlich zur Behandlung bestimmter Erkrankungen empfohlen werden kann, sind weitere und umfassendere Studien nötig - auch zu möglichen giftigen (toxischen) Effekten. Deshalb rät zum Beispiel das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zur Zurückhaltung bei der Einnahme von Ashwagandha.
Ashwagandha und Multiple Sklerose: Was Studien sagen
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der die Myelinscheiden der Nervenfasern angegriffen werden. Dies führt zu einer Vielzahl von neurologischen Symptomen, wie z.B. Empfindungsstörungen, Lähmungserscheinungen, Koordinationsstörungen und Fatigue.
Einige Studien haben die potenziellen Vorteile von Ashwagandha bei MS untersucht, insbesondere im Hinblick auf die Reduzierung von Entzündungen und den Schutz der Nervenzellen.
Neuroprotektive Wirkung
Eine Studie aus dem Jahr 2012 untersuchte die neuroprotektive Wirkung von Ashwagandha-Extrakt gegen Glutamat-induzierte Toxizität in Ratten-Gliomzellen und menschlichen Neuroblastomzellen. Die Ergebnisse zeigten, dass der Ashwagandha-Extrakt die Lebensfähigkeit der Zellen erhöhte und die Expression von Markern der glialen und neuronalen Zelldifferenzierung verbesserte. Dies deutet darauf hin, dass Ashwagandha möglicherweise dazu beitragen kann, Nervenzellen vor Schäden zu schützen, die durch Glutamat verursacht werden, einem Neurotransmitter, der bei MS in erhöhter Konzentration vorhanden sein kann.
Einfluss auf die Neurotoxizität durch Glutamat
So fand die Abteilung für Biotechnologie an der Guru Nanak Dev University in Amritsar beispielsweise heraus, dass ein Extrakt der in Indien als Ashwagandha bekannten Schlafbeere (Withania somnifera) gegen die für neurodegenerative Krankheiten wie MS typische Neurotoxizität durch Glutamat hilft. Der Botenstoff ist zwar ein wichtiger Transmitter für die Lernfähigkeit des Gehirns, kann bei Überschuss aber auch zu einem Untergang von Nervenzellen beitragen, wie er für Multiple Sklerose typisch ist.
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Entzündungshemmende Wirkung
MS ist durch chronische Entzündungen im Gehirn und Rückenmark gekennzeichnet. Ashwagandha hat in einigen Studien entzündungshemmende Eigenschaften gezeigt. Es wird angenommen, dass die Withanolide in Ashwagandha dazu beitragen können, die Produktion von Entzündungsmolekülen zu reduzieren und die Aktivität von Immunzellen zu modulieren.
Stressreduktion und Schlafverbesserung
Stress und Schlafstörungen können die Symptome von MS verschlimmern. Ashwagandha ist bekannt für seine adaptogenen Eigenschaften, die dem Körper helfen, mit Stress umzugehen. Studien haben gezeigt, dass Ashwagandha den Cortisolspiegel senken, Angstzustände reduzieren und die Schlafqualität verbessern kann.
Weitere potenzielle Vorteile
Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Ashwagandha auch andere Vorteile für Menschen mit MS haben könnte, wie z.B.:
- Verbesserung der kognitiven Funktion
- Steigerung der Energie
- Linderung von Schmerzen
Anwendung von Ashwagandha bei MS
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Ashwagandha einzunehmen, darunter:
- Ashwagandha-Pulver: Das Pulver aus der getrockneten Wurzel kann in Wasser, Milch, Smoothies oder Speisen eingerührt werden.
- Ashwagandha-Kapseln: Kapseln enthalten in der Regel einen standardisierten Extrakt und bieten eine bequeme, geschmacksneutrale Einnahme und eine exakte Dosierung.
- Ashwagandha-Tinktur: Ein flüssiger Extrakt, der unter die Zunge getropft oder in Wasser verdünnt eingenommen werden kann.
Die optimale Dosierung von Ashwagandha hängt von der Form und Konzentration des Produkts ab. Basierend auf klinischen Studien liegen die gängigen Dosierungen für einen standardisierten Wurzelextrakt typischerweise zwischen 300 und 600 mg pro Tag, oft aufgeteilt auf zwei Einnahmen (morgens und abends). Es wird empfohlen, mit einer niedrigeren Dosis zu beginnen und diese bei guter Verträglichkeit langsam zu steigern.
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Ayurveda bei Multipler Sklerose
Multiple Sklerose mit Ayurveda heilen kann man nun zwar ebenfalls nicht, jedoch zeigt die indische Heilkunst sehr gute Erfolge gegen die krankheitsbedingten Schmerzen und Entzündungsvorgänge. Anwendung findet Ayurveda gegen Multiple Sklerose deshalb vor allem in der Symptombehandlung, wobei auch gezielte Kuraufenthalte denkbar sind.
Die fortwährenden Nervenentzündungen der MS sorgen bei Patienten für einen großen Leidensdruck. Sie befördern nicht nur starke Schmerzen, sondern auch eine chronische Nervenanspannung, was zu zusätzlichem Stress und seelischer Belastung führt. Auch verursacht der anhaltende Spannungszustand weitere Schmerzsymptome, Entzündungsherde und kann zu Muskelkrämpfen und Bewegungseinbußen führen. Ein Teufelskreis, aus dem viele Betroffene keinen Ausweg finden.
Entspannungsmaßnahmen wie ayurvedisches Yogatraining sind hier ein guter Weg, um die Nervenanspannung zu lösen und Symptome zu entschärfen. Zu diesem Schluss kommt auch eine Studie der Shoolini University of Biotechnology and Management Sciences im indischen Solan aus dem Jahr 2018. Laut Studienergebnis nimmt Yoga vor allem auf Bio-Marker wie Corticoid und Cortisol einen positiven Einfluss. Während Corticoid als Stresshormon nervliche Anspannung begünstigt, ist Cortisol unter anderem für die Unterdrückung von Entzündungsvorgängen im Körper verantwortlich. Eine Regulierung beider Hormone ist bei einer Ayurveda MS Behandlung also sehr wünschenswert.
Um Entzündungsstoffe auszuleiten und den Stoffwechsel gründlich zu reinigen, ist eine ayurvedische Fastenkur genau das Richtige. Die leichten und kleinen Portionen einer Ayurveda Kur erlauben außerdem eine sorgfältige Überprüfung möglicher Entzündungstrigger in der Ernährung. Grundsätzlich gemieden werden sollten in diesem Zusammenhang Lebensmittel, die Glutamat als Geschmacksstoff enthalten. Auch wenn es sich hier um einen natürlich im Körper vorkommenden Botenstoff handelt, kann eine Überdosierung in Lebensmitteln zu schweren Krankheitsschüben und sogar einem Erstausbruch der MS führen.
Die ayurvedische Küche kennt zahlreiche Lebensmittel, die das Vata ausgleichen. Diese zeichnen sich für gewöhnlich durch einen flüssigen, öligen oder wärmenden Charakter aus. Hierzu gehören Suppen, flüssiger Getreidebrei, wasserreiche Gemüsesorten wie Spargel und schleimstoffreiche Lebensmittel wie Vollkornreis oder Haferschleim sowie Linsen und Mungdahlbohnen, die mit reichlich Wasser zubereitet werden. Zu den gesunden Ölen zählen Ghee, Sesamöl und Olivenöl. Vorsicht ist bei Früchten angesagt, denn eigentlich wasserreiche Obstsorten wie Wassermelonen sind zu meiden, wohingegen Früchte wie Kirschen, Trauben oder Pflaumen und Südfrüchte wie Orangen, Mango, Papaya und die ölreiche Avocado bei MS empfohlen sind.
Heilpflanzliche Hausmittel kennt Ayurveda gegen Multiple Sklerose viele. Wie bereits erwähnt, sieht Ayurveda für MS die Behandlung mit Ashwagandha vor. Das Heilkraut wird als wässriger Extrakt oder Tee verabreicht. Und auch andere Kräuter und Gewürze wie Basilikum, Ingwer, Kardamom, Kreuzkümmel, Kurkuma, Muskat, Minze, Oregano, Senf oder Zimt in der Ayurveda Küche als heilpflanzliche Mittel gegen Multiple Sklerose bekannt.
Abgesehen von ernährungsbasierten Maßnahmen sind bei Ayurveda gegen Multiple Sklerose auch Entspannungsmaßnahmen gebräuchlich. Die Nerven müssen krankheitsbedingt in besonderem Maße geschont und beruhigt werden, was sich dank ayurvedischen Traditionen wie Yoga, Entspannungsbädern und entspannenden Ölmassagen wunderbar erreichen lässt. Die westliche Medizin beurteilt das symptom- und schmerzlindernde Potenzial dieser Behandlungsansätze als durchaus positiv und viele MS-Patienten fühlen sich nach einer ayurvedischen Anti-Stress-Therapie deutlich wohler.
Ayurvedische Therapie vermittelt in vielerlei Hinsicht eine heilsame Lebenseinstellung. Geregelte Schlafzeiten, eine entspannte Alltagsplanung, positives Denken - es ist die Gesamtheit aller Maßnahmen zum Verhaltenstraining, die sich schonend und somit entzündungshemmend auf die Nerven auswirkt. Es gibt sogar ein explizites Erfolgserlebnis einer Ayurveda-Therapie bei Multipler Sklerose aus dem Kurort Bad Kissingen. Eine MS-Patientin, die dort wegen schwerer Symptome im Rollstuhl ihre Behandlung begann, tanzte am Ende ihres Aufenthalts überglücklich für ihre Therapeuten.
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Obwohl Ashwagandha für die meisten Menschen als sicher gilt, wenn es in der empfohlenen Dosierung eingenommen wird, ist es kein Wundermittel und nicht für jeden geeignet.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Es gibt Hinweise darauf, dass Ashwagandha wehenfördernd wirken könnte. Daher sollten Schwangere und Stillende Ashwagandha nicht einnehmen.
- Schilddrüsenerkrankungen: Ashwagandha kann die Schilddrüsenhormonspiegel erhöhen. Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen sollten Ashwagandha nur unter ärztlicher Aufsicht einnehmen.
- Autoimmunerkrankungen: Da Ashwagandha das Immunsystem stimulieren kann, sollten Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Lupus oder MS Ashwagandha nur mit Vorsicht und nach Rücksprache mit ihrem Arzt einnehmen.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten: Ashwagandha kann mit bestimmten Medikamenten interagieren, wie z.B. Sedativa, Immunsuppressiva, Schilddrüsenhormonen, Antidiabetika und Blutdrucksenkern. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Ashwagandha einnehmen, wenn Sie Medikamente einnehmen.
- Nebenwirkungen: In seltenen Fällen kann Ashwagandha Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder Schläfrigkeit verursachen.
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