Karpaltunnelsyndrom: Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) ist eine häufige Erkrankung, die durch die Einklemmung des Nervus medianus im Karpaltunnel des Handgelenks verursacht wird. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnoseverfahren und Behandlungsoptionen des Karpaltunnelsyndroms und stützt sich dabei auf die Expertise von Dr. Hans Assmus und anderen Fachleuten.

Was ist das Karpaltunnelsyndrom?

Beim Karpaltunnelsyndrom (KTS) handelt es sich um eine Einklemmung des Mittelhandnerven (N. medianus) im Handgelenkstunnel (Karpaltunnel).

Ursachen des Karpaltunnelsyndroms

Viele Ursachen werden für das Missverhältnis zwischen dem Tunnel und seinem Inhalt (Nerv und Sehnen) verantwortlich gemacht. Es deutet vieles darauf hin, dass der Tunnel bei manchen Menschen von Geburt an zu eng angelegt wurde. Betroffen sind wahrscheinlich bis zu 10 % der erwachsenen Bevölkerung. Diese Enge kommt familiär gehäuft vor. Berufliche Tätigkeit und unfallbedingte Verletzungen sind nicht ursächlich für die Entstehung eines Karpaltunnelsyndroms. Man wird in besonders gelagerten Fällen allerdings eine Mitwirkung vermuten können.

Typische Symptome

Ein ganz typisches Zeichen für das Karpaltunnelsyndrom ist, wenn die „Hände einschlafen“. Dies erlaubt fast auf Anhieb, die richtige Diagnose zu stellen. Dieses Einschlafen verschwindet meist rasch durch Schütteln, Reiben und Bewegen der Hände (auch "Heraushängen aus dem Bett"), zumindest in den Anfangsstadien. Auch dies ist ein ganz typisches Zeichen.

Das Einschlafen tritt besonders gerne nachts bzw. gegen Morgen auf und kann den Nachtschlaf erheblich stören ("die Hand schläft und der Patient nicht"). Tagsüber kann es bei bestimmten Tätigkeiten wie Radfahren, Autofahren, Zeitunglesen, Halten des Telefonhörers, Handarbeiten auftreten. Bei zunehmender Ausprägung kommt es zu ständigen Kribbelmissempfindungen des Ring- und Mittelfingers, dann auch des Zeigefingers und Daumens. Schließlich können die Finger ständig taub werden und bleiben. Dies kann selten, insbesondere bei älteren Patienten oder in der Schwangerschaft, das erste Symptom sein. Besonders häufig ist das KTS auch bei langjährigen Dialysepatienten. Als Begleiterkrankungen kommen häufig schmerzhafte, geschwollene und auch "schnappende" Finger vor. Es handelt sich hierbei um eine Einklemmung der Beugesehnen in Höhe des Ringbandes.

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Diagnose des Karpaltunnelsyndroms

Zur letztlichen Sicherung der Diagnose des Karpaltunnelsyndroms ist immer eine Untersuchung der elektrischen Leitfähigkeit des Nerven (NLG) erforderlich. Die Untersuchung wird im Allgemeinen von Neurologen und Neurochirurgen durchgeführt und kann ohne Nadelelektroden weitgehend schmerzlos vorgenommen werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung des Karpaltunnelsyndroms richtet sich nach dem Ausmaß der Beschwerden und der Dauer der Symptome.

Konservative Behandlung

Zur Überbrückung des Zeitpunkts bis zur Operation kann das Handgelenk nachts auf einer Schiene ruhiggestellt werden. Selten kann auch eine Einspritzung eines Cortison-Präparates in den Handgelenkstunnel angebracht sein. Diese ist wegen des Risikos einer Nervschädigung jedoch einem erfahrenen Arzt vorbehalten. Der Wert einer medikamentösen Behandlung ist eher zweifelhaft. Spontane Besserungen, insbesondere wenn die Belastung der Hand verringert wird, sind möglich. Man kann sich jedoch keineswegs darauf verlassen. In den allermeisten Fällen treten die Symptome wieder auf und schreiten fort.

Operative Behandlung

Bei anhaltenden, zunehmenden und schmerzhaften bis quälenden Missempfindungen sowie bei permanenter Gefühlsstörung bzw. Taubheit der Finger ist der kleine operative Eingriff zur Behebung des Leidens erforderlich. Leider gibt es immer noch viele Patienten, die erst zur Operation gelangen, wenn sich eine schwere Schädigung des Nerven mit ständiger Taubheit und Schwund des Daumenballens eingestellt hat. Grund für dieses lange Zuwarten ist häufig eine übermäßige Angst der nur unzureichend informierten Patienten. Aber auch in dem sehr fortgeschrittenen Stadium kann man den Eingriff noch durchführen. Ein guter Behandlungserfolg ist dann möglicherweise wegen eingeschränkter Regenerationsfähigkeit des Nerven nicht mehr garantiert.

Die Frage, ob der operative Eingriff von dem Ausmaß der Nervenleitgeschwindigkeit bzw. des elektroneurographischen Befundes abhängig zu machen ist, ist mit Nein zu beantworten. Die Veränderungen der Nervenleitgeschwindigkeit gehen zwar häufig parallel mit dem Ausmaß der klinischen Beschwerden, dies ist jedoch nicht immer der Fall.

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Durchführung der Operation und Risiken

Die Operation hat das Ziel, die Einklemmung des Nerven auf Dauer zu beseitigen. Hierzu wird das Band (Retinaculum flexorum) vollständig unter Schonung des Nerven und der Sehnen durchtrennt. Die Operation, die heute im Allgemeinen ambulant und in örtlicher Betäubung durchgeführt wird. Bei ersterer wird ein 2 - 3 cm langer Schnitt vom Handgelenk in die Hohlhand vorgenommen, unter Sicht das Band komplett durchtrennt und der Nerv inspiziert. Der endoskopische Operateur braucht eine besondere Erfahrung, da anderenfalls das Risiko einer Nerv- und Gefäßschädigung höher ist als bei der offenen Methode. Die Komplikationen liegen bei beiden Eingriffen, wenn sie von einem routinierten Operateur durchgeführt werden, unter 1 %. Bei guter Mitarbeit der Patienten - dazu gehört auch, dass nach dem Eingriff die Finger bis zum völligen Faustschluß durchbewegt werden - ist praktisch keine Gefahr gegeben, dass die Hand "steif" wird. Von den nachbehandelnden Ärzten ist darauf zu achten, dass keine schnürenden Verbände angelegt werden, auch keine Gipsschienen. Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit beträgt in der Regel 3 Wochen, für manche schwere körperlichen Tätigkeiten oder bei verstärkter Empfindlichkeit der Narbe auch länger. Besondere Behandlungsmaßnahmen sind nach dem Eingriff in der Regel nicht erforderlich. Viele Patienten sind durch den Begriff „Sudeck-Syndrom“ verunsichert. Hierbei handelt es sich um eine außerordentlich seltene Komplikation, die sich durch frühe Übungsbehandlung, d.h. Bewegungsübungen und Vermeidung einengender Verbände, weitestgehend vermeiden lässt.

Erneutes Auftreten nach Operation

Nach vollständiger Durchtrennung des Bandes und Entlastung des Mittelhandnerven ist ein erneutes Auftreten gleicher Beschwerden wie vor dem Eingriff außerordentlich selten. Oft sind es andere Probleme wie z. B. schnellende Finger oder zusätzliche Beschwerden von Seiten der Halswirbelsäule und der Nervenwurzeln, die dem Patienten Probleme bereiten. Die Behandlung ist in solchen Fällen naturgemäß eine andere. Ein nochmaliger Eingriff am Karpaltunnel ist nicht erforderlich.

Karpaltunnelsyndrom als Berufskrankheit oder Unfallfolge

Im Allgemeinen ist die Frage, ob das Karpaltunnelsyndrom eine Berufskrankheit oder als Unfallfolge zu entschädigen ist, mit Nein zu beantworten. Da es sich um eine in der Regel angeborene Störung handelt ("enger Karpaltunnel"), kommt einem Unfall oder einer beruflich bedingten Überlastung der Hand nur die Bedeutung eines Auslösers zu.

Die Praxis für periphere Neurochirurgie in Dossenheim

Die Praxis für periphere Neurochirurgie in Dossenheim bei Heidelberg wurde 1986 von Dr. Hans Assmus zur Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen peripherer Nerven sowie ausgewählter Erkrankungen der Hand gegründet. Anfang 2021 feierte die Praxis ihr 35-jähriges Bestehen. Nach umfangreichem Umbau wurde eine moderne OP-Abteilung innerhalb der Praxis Anfang Juli 2022 in Betrieb genommen.

Das Team

Zum Praxisteam gehören als medizinische Fachangestellte Roya Alibabae, Sandra Bartmann, Julia May, Ilona Michels, Anja Röscher, Antje Sander und Martina Wolfinger. Zur elektrophysiologischen und sonographischen Diagnostik stehen Neurographie-/EMG-Geräte sowie ein hochauflösendes Ultraschall-Gerät zur Verfügung, zur ambulanten operativen Behandlung zwei Operationsräume einschließlich Endoskopie-Einheiten und Operationsmikroskop.

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Diagnostik und Behandlungsschwerpunkte

Die Mitarbeiter der Praxis für periphere Neurochirurgie haben sich auf die Diagnostik und Behandlung von Nervenkompressionssyndromen und Begleiterkrankungen spezialisiert. Durch die große Zahl der Eingriffe sowie die hohe Standardisierung und Routine der Abläufe wird ein höchstes Maß an Sicherheit für die Patienten bei den ambulanten Operationen erreicht.

Qualitätsmanagement

Seit 2006 wurde in der Praxis für periphere Neurochirurgie das Qualitätsmanagement kontinuierlich entwickelt und aufgebaut, im April 2009 wurde die Praxis nach dem KTQ-System zertifiziert. Re-Zertifizierungen erfolgten im April 2012, April 2015, April 2018 und im Oktober 2021.

Wichtiger Hinweis für Patienten

Die Vorstellung in der Praxis erfolgt in der Regel mit einer Überweisung oder auf Empfehlung vom Hausarzt oder einem Facharzt (Neurologen, Orthopäden, Chirurgen). Wenn der Verdacht auf ein Nervenkompressionssyndrom, z.B. Karpaltunnelsyndrom oder Kubitaltunnelsyndrom, besteht, ist die vorherige Untersuchung und Abklärung durch einen Neurologen sinnvoll. Patienten können sich sowohl zur Untersuchung und Beratung als auch direkt zur Operation einer bereits festgestellten Erkrankung vorstellen.

Vorbereitung auf die Operation

Blutverdünnende Medikamente müssen nach Rücksprache mit dem Hausarzt rechtzeitig vor der Operation abgesetzt werden. Nüchtern zu sein, ist nicht notwendig, d.h. Patienten können frühstücken oder bei Eingriffen am Nachmittag auch ein Mittagessen zu sich nehmen. Das selbständige Führen eines Pkw ist nach der Operation nicht möglich, weswegen die Heimfahrt mit einem Chauffeur oder öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgen sollte.

Nach der Operation

Um ein Anschwellen der Hand oder des Armes nach der Operation zu vermeiden und um eine rasche Wundheilung zu erreichen, sollten Hand und Arm in den ersten Tagen in Brusthöhe gehalten und geschont werden. Eine aktive Fingergymnastik ist bei Eingriffen an der Hand oder am Arm frühzeitig erforderlich.

Dr. Hans Assmus: Ein Pionier der peripheren Nervenchirurgie

Dr. Hans Assmus leitete von 1972 bis 1986 die Neurochirurgische Poliklinik der Universität Heidelberg. Er publizierte zahlreiche wissenschaftliche Zeitschriftenartikel und war außerdem als Autor und Herausgeber mehrerer Bücher und Buchbeiträge auf dem Gebiet der Diagnostik und Chirurgie der peripheren Nerven sowie als Koordinator von drei S3-Leitlinien tätig. Im Jahr 2007 wurde federführend von Dr. Hans Assmus unter Beteiligung von sieben Fachgesellschaften die S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Karpaltunnelsyndroms erstellt, seit 2009 liegt die S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Kubitaltunnelsyndroms vor und seit 2013 auch die S3-Leitlinie Versorgung peripherer Nervenverletzungen.

Der NervClub

Vor dem Hintergrund einer relativen Bedeutungslosigkeit der peripheren Nerven für die Fächer Neurologie und Neurochirurgie wurde über die Sinnhaftigkeit eines interdisziplinären Gedankenaustauschs mit Nervenexperten aus verschiedenen Fachrichtungen einschließlich der Grundlagenfächer diskutiert. Am 23. Februar 2011 fand in Würzburg die Gründungsversammlung des NervClub statt. Anwesend waren: Prof. Dr. med. Gregor Antoniadis (Günzburg), Prof. Dr. med. Joachim Weis (Aachen), Dr. med. Hans Assmus (Heidelberg-Dossenheim), Prof. Dr. med. Götz Penkert (Hannover), Prof. Dr. med. Robert Behr (Fulda), Prof. Dr. med. Hermann Krimmer (Ravensburg), Prof. Dr. med. Hans-Eberhard Schaller (Tübingen), PD Dr. med. Michael Becker (Aachen). Geplant wurden jährliche Tagungen und Mitgliederversammlungen. Innerhalb weniger Jahre wuchs die Anzahl der Mitglieder, sodass anlässlich der Mitgliederversammlung in Aachen am 20. Februar 2014 die Umwandlung der Vereinigung in einen eingetragenen Verein mit großer Mehrheit beschlossen wurde.

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