AstraZeneca, Epilepsie und Impfungen: Ein umfassender Überblick

Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Impfungen, insbesondere mit dem AstraZeneca-Impfstoff, und dem Auftreten von Epilepsie oder Krampfanfällen ist ein wichtiges Thema, das viele Menschen beschäftigt. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Datenlage, um ein besseres Verständnis zu ermöglichen.

Einführung

Seit Beginn der COVID-19-Pandemie wurden weltweit Milliarden von Impfdosen verabreicht, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Im Zuge dessen wurden auch mögliche Nebenwirkungen der Impfstoffe intensiv untersucht. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf neurologischen Ereignissen wie Krampfanfällen und Epilepsie.

Krampfanfälle im Zusammenhang mit COVID-19-Impfungen

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), die deutsche Bundesbehörde für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, erfasst und bewertet Verdachtsfälle von Impfnebenwirkungen und Impfkomplikationen. Krampfanfälle nach Impfungen gehören laut PEI zu den Ereignissen von besonderem medizinischen Interesse (Adverse Event of Special Interest), die für die Überwachung der Sicherheit von Vakzinen sehr relevant sind.

Dem PEI wurden nach Impfung mit einem COVID-19-Impfstoff bis zum 30. Juni insgesamt 1169 Verdachtsfallmeldungen eines Krampfanfalls berichtet. Bei 146 dieser Fälle war eine vorliegende Erkrankung wahrscheinlich Auslöser des Anfalls, etwa eine Sinus-/Hirnvenenthrombose, ein Hirninfarkt oder eine Enzephalitis.

Von den verbleibenden 1023 Ereignissen wurden 741 Fälle nach Impfung mit Comirnaty (BioNTech/Pfizer) und 131 Fälle nach Impfung mit Spikevax (Moderna) gemeldet. Dies entspricht einer Melderate von 0,5 Fällen pro 100.000 Comirnaty-Impfungen und 0,4 Fällen pro 100.000 Spikevax-Impfungen. 113 Meldungen erfolgten nach Impfung mit Vaxzevria (AstraZeneca) und 38 Meldungen nach Impfung mit Jcovden (Johnson & Johnson). Dies entspricht einer Melderate von 0,9 Fällen pro 100.000 Vaxzevria-Impfungen und 1 Fall pro 100.000 Jcovden-Impfungen.

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Es ist wichtig zu beachten, dass es sich bei diesen Zahlen um Verdachtsfallmeldungen handelt. Das bedeutet, dass ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Impfung und Krampfanfall besteht, aber nicht zwangsläufig ein ursächlicher Zusammenhang. Die Bewertung, ob die Impfung tatsächlich den Krampfanfall verursacht hat, erfordert eine individuelle medizinische Untersuchung.

AstraZeneca und Sinusvenenthrombosen

Im Zusammenhang mit dem AstraZeneca-Impfstoff wurden seltene Fälle von Sinusvenenthrombosen (Hirnvenenthrombosen) beobachtet. Dabei handelt es sich um Blutgerinnsel, die sich in den Venen der Hirnhaut bilden. Diese Komplikation trat vorwiegend bei jüngeren Menschen auf und führte in einigen Fällen zu schweren gesundheitlichen Schäden oder sogar zum Tod.

Die Leiterin der Medizinischen Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main, Prof. Dr. Sandra Ciesek, erklärte in einem Interview, dass Sinusvenen die harte äußere Hirnhaut (Sinus durae matris) sind, in denen sich venöse Blutleiter befinden. Wenn es hier zu einer Thrombose, also zu einem Gerinnsel kommt, dann nennt man das Sinusvenenthrombose. Dies kann zu einer Abflussstörung führen, die wiederum eine Stauungsblutung oder eine Schwellung des Gehirns verursachen kann.

Im Vergleich zu arteriellen Verschlüssen oder Schlaganfällen sind Sinusvenenthrombosen sehr selten. Auch im Vergleich zu Beinvenenthrombosen treten sie deutlich seltener auf.

Typische Symptome einer Sinusvenenthrombose sind Schmerzen im Nasen-Augenwinkel, Sehstörungen, starke Kopf- und Nackenschmerzen. Zeitlich verzögert können auch neurologische Symptome wie Krampfanfälle auftreten.

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Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine Bildgebung des Gehirns (CT oder MRT) mit Darstellung der Gefäße (Angio-CT oder Angio-MRT). Hinweise können auch im Blut gefunden werden (erhöhte D-Dimere).

Die Behandlung zielt darauf ab, die venöse Abflussstörung zu beheben, beispielsweise mit Heparin.

COVID-19, Epilepsie und Impfungen: Empfehlungen für Menschen mit Epilepsie

Menschen mit Epilepsie fragen sich möglicherweise, ob die COVID-19-Impfung ihre Anfallssituation verschlechtern kann. Aktuell gibt es keine Hinweise darauf, dass für Menschen mit Epilepsie ein besonders hohes Risiko für Nebenwirkungen bei einer Impfung zur Vorbeugung der COVID-19-Erkrankung besteht.

Die Wirksamkeit der Impfung kann möglicherweise bei einer bestehenden Immunschwäche oder bei einer Behandlung, die die Immunantwort vermindert, beeinträchtigt sein. Hierzu zählen insbesondere Kortikosteroide, Azathioprin oder auch monoklonale Antikörper. In diesen Fällen sollte das Ansprechen auf die Impfung und die Nutzen-Risiko-Abwägung mit dem behandelnden Arzt vor der Impfung erörtert werden.

Nach jeder Impfung kann es zu Fieber kommen, dies kann bei einigen Patienten mit Epilepsie anfallsauslösend wirken. Hierauf wäre also nach einer Impfung zu achten, insbesondere wenn in der Vergangenheit in zeitlichem Zusammenhang mit Impfungen oder mit vorhergehenden Infekten epileptische Anfälle aufgetreten sind. Gegebenenfalls könnten fiebersenkende Mittel eingesetzt werden. Alternativ könnte vorübergehend die Dosis der Antiepileptika erhöht werden.

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Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt generell, dass Menschen mit Epilepsie den gleichen Impfschutz erhalten wie andere Menschen auch. Zuvor in zeitlichem Zusammenhang mit Impfungen aufgetretene epileptische Anfälle sind keine Kontraindikation für eine Impfung zur Vorbeugung der COVID-19-Erkrankung.

Eine generelle Priorisierung für die Impfung liegt bei Menschen mit Epilepsie nicht vor, relevante Komorbiditäten oder schwere Grunderkrankungen können jedoch zu einer Priorisierung führen.

Bewertung der Sicherheit von Arzneimitteln und Impfstoffen

Das Paul-Ehrlich-Institut erfasst und bewertet im Rahmen des Spontanmeldesystems Verdachtsfälle von Impfnebenwirkungen und Impfkomplikationen. Dies dient dazu, Hinweise auf mögliche Signale für schwerwiegende Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und ggf. Maßnahmen zur Risikominimierung zu ergreifen, zu koordinieren oder zu veranlassen. Dazu gehören beispielsweise Änderungen der Indikation oder die Aufnahme dieser Nebenwirkung in die Produktinformation, wenn sich ein Signal als bestätigte Nebenwirkung herausstellt. Weitere Maßnahmen können ein Ruhen oder auch ein Widerruf der Zulassung des Impfstoffs sein.

Fallbeispiele und persönliche Erfahrungen

Die Berichte von Menschen, die nach einer COVID-19-Impfung gesundheitliche Probleme entwickelt haben, sind ein wichtiger Bestandteil der Diskussion um Impfnebenwirkungen. Ein Beispiel ist die Geschichte von Tobias Jentsch, der nach einer Impfung mit AstraZeneca schwer erkrankte und einen Impfschaden erlitt.

Jentsch, ein sportlicher und gesundheitsbewusster Mann, ließ sich impfen, um sich und andere zu schützen. Kurz nach der Impfung entwickelte er hohes Fieber, Schwindel und Erbrechen. Später wurde bei ihm eine Hirnvenenthrombose diagnostiziert, die lebensbedrohliche Folgen hatte. Er musste operiert werden und leidet seitdem unter den Folgen der Hirnschädigung, darunter epileptische Anfälle, Teilblindheit und Konzentrationsstörungen.

Sein Fall zeigt, dass Impfnebenwirkungen real sein können und das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen können. Es ist wichtig, diese Erfahrungen ernst zu nehmen und die Betroffenen zu unterstützen.

Impfschaden-Klagen und Anerkennung

In Deutschland haben Menschen, die einen gesundheitlichen Schaden durch eine Impfung erlitten haben, die Möglichkeit, einen Antrag auf Anerkennung eines Impfschadens zu stellen. Die Bewilligung eines solchen Antrags ist jedoch oft ein langwieriger und schwieriger Prozess.

Mandy Klöckner, eine Erzieherin, die nach einer AstraZeneca-Impfung eine Sinusvenenthrombose erlitt, hat den Impfhersteller auf Schmerzensgeld und Rente verklagt. Sie hofft, dass ihr Fall vor Gericht anerkannt wird und sie eine angemessene Entschädigung für ihre gesundheitlichen Schäden erhält.

Häufige Impfreaktionen und Nebenwirkungen

Die bislang zugelassenen Corona-Impfstoffe sind nach derzeitigem Stand insgesamt gut verträglich. Allerdings treten bei relativ vielen Geimpften Impfreaktionen auf. Dabei handelt es sich streng genommen nicht um Nebenwirkungen, sondern um die natürlichen Reaktionen des Immunsystems auf die Impfung. Dazu gehören beispielsweise grippeähnliche Symptome, die nach zwei bis drei Tagen abklingen, oder Schmerzen und Rötungen in der Impfregion.

Häufige Impfreaktionen sind:

  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Milde bis moderate Schmerzen und Schwellungen an der Einstichstelle
  • Müdigkeit
  • Schmerzen in einer Extremität

Allergische Reaktionen auf Impfungen sind echte Nebenwirkungen. Sie sind grundsätzlich keine Seltenheit und können auch nach Verabreichung der Corona-Impfstoffe auftreten. Schwere allergische Reaktionen als Nebenwirkung auf diese Impfstoffe sind jedoch sehr selten.

Missverständnisse und Fake News zu Nebenwirkungen

Im Zusammenhang mit der Corona-Impfung sind verschiedenen Fehlinformationen aufgetaucht. Es ist wichtig, diese Falschmeldungen zu widerlegen und aufzuklären.

Einige Beispiele für Falschmeldungen sind:

  • Die Impfung gefährdet die Fruchtbarkeit.
  • Corona-Impfungen verändern das Erbgut.
  • Die Impfstoffe wirken nicht, denn es sterben auch Geimpfte.

Diese Behauptungen sind wissenschaftlich nicht haltbar und dienen dazu, Verunsicherung zu stiften.

Post-Vac-Syndrom

In letzter Zeit gibt es vermehrt Berichte von Menschen, die nach einer COVID-19-Impfung Long-COVID-ähnliche Beschwerden verspüren. Diese werden als Post-Vaccine-Syndrom (Post-Vac-Syndrom) bezeichnet. Typische Beschwerden sind Müdigkeit, Gedächtnisstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, verminderte körperliche Belastbarkeit, Schlafstörungen, Gelenk- und Kopfschmerzen.

Das Paul-Ehrlich-Institut hat sich mit dem Phänomen beschäftigt, konnte aber bisher kein Sicherheitssignal für das Post-Vac-Syndrom identifizieren. Gleichwohl werden entsprechende Meldungen weiter intensiv überwacht und ggf. in Studien untersucht.

Fazit

Die COVID-19-Impfstoffe haben sich als wirksames Mittel zur Bekämpfung der Pandemie erwiesen. Wie bei allen Medikamenten und Impfstoffen können jedoch auch Nebenwirkungen auftreten. Im Zusammenhang mit dem AstraZeneca-Impfstoff wurden seltene Fälle von Sinusvenenthrombosen beobachtet, die vor allem jüngere Menschen betrafen.

Krampfanfälle im Zusammenhang mit COVID-19-Impfungen sind ebenfalls gemeldet worden, aber die Melderaten sind insgesamt niedrig. Für Menschen mit Epilepsie gibt es aktuell keine Hinweise darauf, dass ein besonders hohes Risiko für Nebenwirkungen besteht.

Es ist wichtig, sich umfassend zu informieren und die Nutzen-Risiko-Abwägung der Impfung mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Auch wenn Impfnebenwirkungen real sein können, überwiegt in den meisten Fällen der Nutzen der Impfung bei weitem die Risiken.

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