AstraZeneca und Migräne mit Aura: Ein Überblick

Die Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung, von der viele Menschen betroffen sind. Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel bietet spezielle Therapien für Migräne mit und ohne Aura sowie für Migräne-Komplikationen und andere Kopfschmerzarten an.

Migräne und ihre Erscheinungsformen

Migräne ist eine häufige Form von Kopfschmerzen, die in Deutschland relativ häufig diagnostiziert wird. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Formen der Migräne. Frauen sind häufiger von Migräne betroffen als Männer. Die typische Migränepatientin ist die berufstätige, aktive Frau zwischen 35 und 45 Jahren. Als Ursache gilt eine komplexe Störung im Zusammenspiel des Gefäß- und Nervensystems des Gehirns. Zumindest für eine spezielle Ausprägung der Migräne konnte ein Gendefekt nachgewiesen werden. Für die allgemeine Migräne sind genetische Ursachen aber bisher schwer einzugrenzen.

Migräne mit Aura

Die Migräne Aura kann zusätzlich zu den typischen Migräne-Kopfschmerzen auftreten. Etwa 15 Prozent erleben dabei die Migräne-typische Aura mit visuellen Erscheinungen, zum Beispiel Flimmern vor den Augen oder Gesichtsfelddefekten. Durch Erregung von Nerven unterschiedlicher Hirnareale treten die Aura-Erscheinungen meist schon vor einem Migräneanfall auf. Die Aurasymptome richten sich hierbei nach der Lokalisation der ausbreitenden Erregungswelle. Häufige Auren sind Sehstörungen und Sensibilitätsstörungen, seltener kommt es zu motorischer Beeinträchtigung, Koordinationsstörungen oder Doppeltsehen.

Visuelle Aura

Am häufigsten tritt die visuelle Aura auf. Dabei kommt es zu Flimmern oder Lichtblitzen im Blickfeld. Meist tritt diese Form der Aura als Zackenkranz auf, der hell in der Mitte des Gesichtsfeldes beginnt und nach außen wandert. Dabei rahmen die Lichterscheinungen einen Bereich normaler bis verschwommener Wahrnehmung ein, außerhalb der Lichterscheinung fehlt die Wahrnehmung in den meisten Fällen. Diese Erscheinung ist beweglich und wandert meist von der Mitte nach außen, wo sie dann verschwindet. Oft wird dies wie das Sehen im Wasser beschrieben, manche Objekte können vergrößert, verkleinert, verzerrt oder unscharf erscheinen. Auch Teilausfälle beim Sehen, sogenannte Skotome, sind häufige Aura-Formen. Diese können entweder als dunkles Feld oder auch als eine Art Halluzination erscheinen. In schweren Fällen kann es zu einem kurzzeitigen Ausfall einer kompletten Hälfte des Gesichtsfeldes kommen. Dabei sehen Betroffene auf der rechten oder linken Seite eine schwarze Fläche oder nehmen diese nicht wahr. Dies lässt nach maximal 30 Minuten nach und geht wieder in ein normales Sehen über.

Sprachliche Beeinträchtigungen

Auch die Sprache kann betroffen sein: Bei der sogenannten "Aphasie" kommt es durch eine Störung der Nerven aus dem Sprachzentrum zu Wortbildungs- oder Wortfindungsstörungen. Betroffene können in diesem Zustand stottern, unzusammenhängende Sätze oder Laute hervorbringen oder aber kaum noch zum Sprechen in der Lage sein. Die Spracharmut kann auch durch vorübergehende Verständnisprobleme bedingt sein - je nach betroffenem Gehirnareal wäre das Verstehen der Wörter und Sätze eingeschränkt, Aufforderungen beispielsweise werden nicht mehr verstanden. Diese Erscheinung kann als Veränderung der Persönlichkeit missverstanden werden, hat damit aber nichts zu tun und geht nach wenigen Minuten wieder vorbei, das Sprachverständnis und die Sprachbildung sollten danach wieder wie zuvor sein.

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Neurologische Ausfälle

Dazu kommen oft neurologische Ausfälle, die unterschiedlich auftreten: Leichtes Kribbeln, Gefühlsstörungen, Taubheit oder Lähmung können in verschiedenem Ausmaß vorhanden sein. Dabei handelt es sich meist um einseitige Erscheinungen, sie betreffen vor allem die Gliedmaßen.

Schwindel und Koordinationsstörungen

Ein weiteres Aurasymptom ist der Schwindel, welcher drehend oder schwankend auftreten kann und wie andere Aurasymptome langsam zunimmt und meist vor Beginn des Migränekopfschmerz verschwindet. Seltenertreten Koordinationsstörungen auf, die zu Gangunsicherheit mit sehr starkem Schwindel führen. Auch die Ohren können betroffen sein, es kommt vorübergehend zu Schwerhörigkeit und Tinnitus.

Therapie in der Schmerzklinik Kiel

Die Klinik für neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerztherapie in Kiel bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und anderen Kopfschmerzen an. Um einen Aufnahmetermin zu planen, sind folgende Schritte erforderlich:

  1. Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
  2. Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
  3. Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
  4. Alle Unterlagen und Kopien relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. werden an die angegebene Anschrift gesendet.

Je nach Krankenkasse gelten unterschiedliche Regelungen für die Kostenübernahme. Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit dem Behandlungsnetz der Klinik vertraglich geregelt.

AscoTop® Nasal: Ein Nasenspray gegen Migräne

AscoTop® Nasal ist ein Nasenspray, das den Wirkstoff Zolmitriptan enthält. Es wird zur Behandlung von Migräne mit und ohne Aura sowie von Cluster-Kopfschmerzen eingesetzt. Der Hersteller AstraZeneca empfiehlt AscoTop® Nasal 5 mg als Nasenspray gegen mittelschwere bis schwere Migräneschübe sowie bei der Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen einzusetzen.

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Vorteile des Nasensprays

Der Vorteil bei der Anwendung eines Nasensprays liegt in erster Linie darin, dass der Wirkstoff nicht den Magen-Darm-Trakt durchlaufen muss, um in die Blutbahn zu gelangen. AscoTop® Nasal 5 mg ist ein Triptan. Es bekämpft typische Migränesymptome. Im Zuge eines Migräneanfalls weiten sich die Blutgefäße im Kopf. AscoTop® Nasal 5 mg sorgt für eine entsprechende Verengung.

Anwendung von AscoTop® Nasal

Vor der Anwendung dieses Medikaments gegen Migräne sollte der Patient seine Nase gründlich putzen. Dies ist insbesondere in Zeiten einer Erkältung sehr wichtig. Vor Gebrauch des Nasensprays muss der Schutzdeckel abgenommen werden. Dann wird die Spitze des Sprays in das freie Nasenloch eingeführt. Die Flasche des Migräne-Medikaments sollte dabei zwischen zwei Fingern und Daumen gehalten werden. Das andere Nasenloch wird zugehalten. Der Kopf sollte nun in den Nacken gelegt und der Mund geschlossen werden. Jetzt erfolgt ein Druck auf den Stempel. Der Wirkstoff tritt dann mit einem Klick-Geräusch aus der Spitze des Nasensprays heraus. Danach wird die Spitze aus der Nase gezogen. Der Patient sollte den Kopf noch einen Moment nach hinten geneigt halten und die Nase hochziehen. Danach sollte zehn Sekunden lang gleichmäßig durch den Mund geatmet werden.

Dosierung

Die empfohlene Einzeldosis, die in ein Nasenloch gesprüht werden darf, liegt bei 5 mg. Wenn keine ausreichende Linderung der Migränesymptome eintritt, so kann eine zweite Dosis verabreicht werden. Allerdings muss zwischen den beiden Sprühstößen ein Zeitraum von zwei Stunden eingehalten werden. Voraussetzung ist allerdings, dass nach dem ersten Schub keine Nebenwirkungen beobachtet wurden. Sollten sich die Symptome bei einem Migräneanfall nach der einmaligen Anwendung des Präparats innerhalb der nächsten zwei Stunden nicht legen, so kann ein weiterer Sprühstoß in ein Nasenloch durchgeführt werden. Gleiches gilt für den Fall, dass innerhalb von 24 Stunden ein erneuter Migräneanfall auftritt. Die maximale Tagesdosis Zolmitriptan sollte allerdings 10 mg, was zwei Sprühstößen innerhalb eines 24-Stunden-Zeitraums entspricht, nicht übersteigen.

Wechselwirkungen und Nebenwirkungen

Wie bei den meisten Arzneimitteln kann es auch bei Migräne medikamenten zu schweren Wechselwirkungen kommen - in diesem Fall beispielsweise, wenn AscoTop® Nasal 5 mg in Kombination mit sogenannten MAO-A- oder MAO-B-Hemmern eingenommen wird. Auch die gleichzeitige Einnahme von SSRIs (selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern), anderen Triptanen wie Imigran, Antidepressiva oder Medikamenten, die Ergotamin enthalten, wie Methysergid oder Dihydroergotamin, sollte nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Von einer gemeinsamen Einnahme von Cimetidin zur Behandlung von Magengeschwüren, Johanniskraut-Präparaten und Chinolonen-Antibiotika wie Ciprofloxacin ist abzuraten, da es auch hier zu Nebenwirkungen kommen kann. Ausführliche Informationen zu den Risiken und Nebenwirkungen von AscoTop® Nasal finden Sie in der Packungsbeilage. Zu den Nebenwirkungen von Zolmitriptan gehören zudem Nesselsucht mit Blasenbildung und Brustschmerzen, die auf Herzinfarkt, Verengung der Herzkranzgefäße bzw. Sollte der Anwender von AscoTop® Nasal 5 mg eine dieser Nebenwirkungen bemerken, sollte sofort ein Arzt zurate gezogen werden. Insbesondere bei Kurzatmigkeit und Brustschmerzen ist der Gang zum Arzt unumgänglich.

Neue Entwicklungen in der Migränebehandlung

Zukünftig sollte man sich beim Thema Migräne zwei neue Klassen merken: Ditane und Gepante. Mit Lasmiditan (Rayvow®, Lilly) hat ein Ditan bereits die EU-Zulassung erhalten und könnte bald auf dem deutschen Markt verfügbar sein. Auch ein Gepant hat diese Zulassung aufzuweisen: Rimegepant (Vydura®, Biohaven Pharmaceutical Ireland).

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Ditane

Die Ditane wirken wie die seit Jahren bekannten Triptane am Serotoninrezeptor, allerdings nicht an den Subtypen 5-HT1B und 5-HT1D, sondern selektiv an 5-HT1F. Der Vorteil: Während Triptane nicht nur an den Blutgefäßen im Gehirn, sondern auch in den peripheren Blutgefäßen vasokonstriktiv wirken, haben die Ditane dort keine gefäßverengende Wirkung. Die neue Gruppe kann daher auch bei einer zusätzlichen Herz-Kreislauf-Erkrankung eingesetzt werden. Zugelassen ist Lasmiditan zur Akutbehandlung von Migräneattacken mit oder ohne Aura bei Erwachsenen (Standard-Initialdosis 100 mg peroral, maximal 200 mg innerhalb von 24 Stunden). Allerdings können Nebenwirkungen im zentralen Nervensystem auftreten. In einer Studie im Fahrsimulator mit gesunden Probanden beeinträchtigte der Wirkstoff die Verkehrstüchtigkeit signifikant. Die Patienten sollten darauf hingewiesen werden, nach jeder Einnahme für mindestens acht Stunden kein Fahrzeug zu führen und keinen anderen Aktivitäten nachzugehen, die eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordern.

Gepante

An der Pathophysiologie der Migräne ist unter anderem das Neuropeptid Calcitonin-Gene-Related Peptide (CGRP) beteiligt. Es reguliert die nozizeptive Signalübertragung und wirkt gefäßerweiternd. Während eines Migräneanfalls steigt der CGRP-Spiegel. Die neue Klasse der Gepante hebt ebenfalls die Wirkung von CGRP auf. Es sind Antagonisten an dessen Rezeptor. Sie kommen damit dem CGRP-Antikörper Erenumab am nächsten. Das bereits zugelassene Rimegepant soll entweder zur Prävention von episodischer Migräne bei Erwachsenen (alle zwei Tage 75 mg) oder zur Akuttherapie der Migräne mit oder ohne Aura (einmal täglich 75 mg) zum Einsatz kommen. Der Vorteil gegenüber CGRP-Antikörpern: Rimegepant kann auch als Akutmedikament verwendet werden und ist oral bioverfügbar. Es wurde in Studien gut vertragen.

COVID-19-Impfung und Migräne

Im Zusammenhang mit der COVID-19-Impfung gab es Bedenken hinsichtlich möglicher Komplikationen, insbesondere bei Frauen unter 60 Jahren, die mit dem AstraZeneca-Impfstoff geimpft wurden. Aufgrund von Berichten über seltene Fälle von Hirnvenen-Thrombosen (Sinusvenenthrombose) in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen in zeitlicher Nähe zu Impfungen mit dem COVID-19-Impfstoff AstraZeneca wurde die Impfung mit diesem Impfstoff zeitweise ausgesetzt.

Empfehlungen und Einschränkungen

Nach einer Prüfung durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) wurden die Impfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca wieder aufgenommen, da die Vorteile des Impfstoffs bei der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie die Risiken von Nebenwirkungen weiterhin überwiegen. Allerdings gab es in Deutschland und anderen Ländern Empfehlungen, den Impfstoff von AstraZeneca vorzugsweise bei Personen über 60 Jahren einzusetzen. Jüngere Personen konnten nach ärztlicher Beratung und individueller Risikoakzeptanz ebenfalls geimpft werden.

Kopfschmerzen nach COVID-19-Impfung

Kopfschmerzen können, wie bei anderen Impfungen auch, bei über 50 % der Geimpften auftreten. Die Internationale Kopfschmerzklassifikation ICHD-3 klassifiziert bisher keine Kopfschmerzen, die sich im Zusammenhang mit einer Impfung entwickeln. Eine internationale Forschergruppe der Schmerzklinik Kiel, des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und der Universität Sharjah, Vereinigte Arabische Emirate, analysiert diese Kopfschmerzen erstmals präzise über eine Online-Erhebung.

Wichtiger Hinweis

Personen, die den COVID-19-Impfstoff AstraZeneca erhalten haben und sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen, sollten sofort einen Arzt aufsuchen. Prof. Dr. Hartmut Göbel betont: "Das Neuauftreten von Kopfschmerzen meist über vier und mehr Tagen in Verbindung mit neurologischen Ausfällen wie Schwindel, Sehstörungen, Tinnitus und Augenmuskellähmungen und variierenden Bewusstseinsstörungen ist die entscheidende Leitsymptomkonstellation für die Sinusvenenthrombose. Diese Kopfschmerzen unterscheiden sich deutlich von typischen Kopfschmerzen nach einer Covid-Impfung. Letztere treten bei rund 50% innerhalb von 17 h nach der Impfung im Mittel mit einer Dauer von 18 h auf."

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