Astrozytom Grad II: Sechs Jahre Therapie – Ein umfassender Überblick

Astrozytome sind Hirntumoren, die von den Astrozyten ausgehen, einer Art von Gliazellen, die das Stützgewebe des Nervensystems bilden. Diese Tumoren können in verschiedene Grade eingeteilt werden, wobei der Grad II eine besondere Herausforderung darstellt. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Einblick in Astrozytome Grad II, ihre Diagnose, Behandlung und die langfristigen Perspektiven, insbesondere im Kontext einer sechsjährigen Therapie.

Einleitung

Hirntumoren sind seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Erkrankungen. Astrozytome, die von den Astrozyten ausgehen, sind die häufigste Form der Gliome. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Astrozytome in vier Grade, wobei Grad I die gutartigste und Grad IV die bösartigste Form darstellt. Astrozytome Grad II sind gutartig, haben aber eine erhöhte Neigung zu wiederholtem Auftreten; der Übergang in bösartige Tumoren ist möglich. Dieser Artikel beleuchtet die Besonderheiten von Astrozytomen Grad II und die Herausforderungen einer sechsjährigen Therapie.

Was ist ein Astrozytom Grad II?

Ein Astrozytom Grad II ist ein диффуses Astrozytom, das durch langsames, aber infiltratives Wachstum gekennzeichnet ist. Diese Tumoren treten vor allem bei jungen Erwachsenen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren auf und befinden sich meist im Marklager des Großhirns. Im Gegensatz zu höhergradigen Astrozytomen zeigen Grad II Tumoren in der Regel keine Kontrastmittelaufnahme im MRT.

Diagnostik

Die Diagnose eines Astrozytoms Grad II umfasst mehrere Schritte:

  • Klinische Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte und neurologische Untersuchung.
  • Bildgebung: Magnetresonanztomographie (MRT) ist die Methode der Wahl, um den Tumor zu lokalisieren und seine Ausdehnung zu beurteilen. In einigen Fällen kann eine Computertomographie (CT) durchgeführt werden, wenn ein MRT nicht möglich ist.
  • Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur histologischen Untersuchung und Bestimmung des WHO-Grades.

Symptome

Die Symptome eines Astrozytoms Grad II können vielfältig sein und hängen von der Lokalisation des Tumors ab. Häufige Symptome sind:

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  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Sehstörungen, Doppelbilder
  • Krampfanfälle
  • Neurologische Ausfälle (z.B. Schwäche, Sensibilitätsstörungen)
  • Konzentrationsstörungen
  • Gangunsicherheit

Die Beschwerden können sich über einen längeren Zeitraum entwickeln und werden oft erst spät erkannt.

Therapieoptionen bei Astrozytom Grad II

Die Therapie eines Astrozytoms Grad II zielt darauf ab, den Tumor zu kontrollieren, Symptome zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die wichtigsten Therapieoptionen sind:

  • Operation: Die operative Entfernung des Tumors ist das Ziel der ersten Behandlung. Da Astrozytome Grad II diffus wachsen, ist eine vollständige Entfernung oft nicht möglich. Das Ausmaß der Resektion hängt von der Lage des Tumors und seiner Nähe zu wichtigen Hirnstrukturen ab.
  • Strahlentherapie: Nach der Operation kann eine Strahlentherapie eingesetzt werden, um verbleibende Tumorzellen zu zerstören und das Tumorwachstum zu verlangsamen.
  • Chemotherapie: Die Chemotherapie kann in bestimmten Fällen in Betracht gezogen werden, insbesondere wenn der Tumor nach der Operation und Strahlentherapie weiterwächst.

Der Fall eines inoperablen Astrozytoms Grad II

In einigen Fällen, wie im vom Benutzer beschriebenen Fall, kann ein Astrozytom Grad II als inoperabel eingestuft werden, da es sich im Zentrum des Gehirns befindet und eine Operation mit einem hohen Risiko für neurologische Schäden verbunden wäre. In solchen Fällen konzentriert sich die Behandlung auf die Kontrolle des Tumorwachstums und die Linderung der Symptome.

Sechs Jahre Therapie: Was bedeutet das?

Eine sechsjährige Therapie bei einem inoperablen Astrozytom Grad II deutet auf einen langfristigen Behandlungsplan hin, der darauf abzielt, den Tumor über einen längeren Zeitraum zu stabilisieren und die Symptome zu kontrollieren. Diese Therapie kann eine Kombination aus verschiedenen Ansätzen umfassen:

  • Regelmäßige Bildgebung: MRT-Untersuchungen werden in regelmäßigen Abständen durchgeführt, um das Tumorwachstum zu überwachen und die Wirksamkeit der Behandlung zu beurteilen.
  • Symptomkontrolle: Medikamente werden eingesetzt, um Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und neurologische Ausfälle zu lindern.
  • Palliative Maßnahmen: Unterstützung durch Physiotherapie, Ergotherapie und Psychotherapie, um die Lebensqualität zu verbessern.
  • Experimentelle Therapien: In einigen Fällen können klinische Studien mit neuen Therapieansätzen in Betracht gezogen werden.

Herausforderungen und Perspektiven

Eine langfristige Therapie bei einem inoperablen Astrozytom Grad II ist mit verschiedenen Herausforderungen verbunden:

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  • Tumorprogression: Trotz der Behandlung kann der Tumor weiterwachsen und sich in einen höhergradigen Tumor umwandeln.
  • Nebenwirkungen der Behandlung: Strahlentherapie und Chemotherapie können Nebenwirkungen verursachen, die die Lebensqualität beeinträchtigen.
  • Psychische Belastung: Die Diagnose und langfristige Behandlung eines Hirntumors können eine erhebliche psychische Belastung darstellen.

Trotz dieser Herausforderungen gibt es auch positive Perspektiven:

  • Stabilisierung des Tumors: In vielen Fällen kann die Therapie das Tumorwachstum über einen längeren Zeitraum stabilisieren und die Lebensqualität erhalten.
  • Fortschritte in der Forschung: Die Forschung im Bereich der Hirntumoren macht stetige Fortschritte, und es werden immer wieder neue Therapieansätze entwickelt.
  • Individuelle Behandlungsansätze: Die Behandlung von Astrozytomen Grad II wird zunehmend individualisiert, um die bestmögliche Therapie für jeden Patienten zu gewährleisten.

Fallbeispiele und Erfahrungsberichte

Der Bericht von Christiane, einer Patientin mit einem Inselgliom (Astrozytom), die in Deutschland als inoperabel eingestuft wurde, aber in Australien erfolgreich operiert wurde, zeigt, dass es immer Hoffnung gibt und dass es wichtig ist, verschiedene Meinungen einzuholen und alternative Behandlungsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen.

Die Rolle der Gliazellen und Tumorentstehung

Das menschliche Gehirn besteht etwa zur Hälfte aus Nervenzellen, die übrigen 50 Prozent bilden Gliazellen. Ihre Bezeichnung stammt aus dem griechischen Wort für Leim (gr. gliocyti), da sie ursprünglich nur als Stützzellen für die Nervenzellen angesehen wurden. Im zentralen Nervensystem lassen sich diverse Gliazellen unterscheiden. Neben den Neuroglia, zu denen Astroglia (und Astrozyten), Oligodendroglia (und Oligodendrozyten) sowie Ependymzellen gehören, gibt es noch Radia- und Mikroglia. Radiaglia stellen eine spezielle Form von Astrozyten dar. Bei Menschen bestehen die Gliazellen vor allem aus Astrozyten. Die sternförmigen Zellen regulieren den Flüssigkeitshaushalt und den pH-Wert im Gehirn. Oligodendrozyten bilden das Myelin, sorgen also für die elektrische Isolation der Nervenzellen. Gemeinsam mit den Astrozyten werden sie häufig als Makroglia bezeichnet. Ependym­zellen kleiden die inneren Hirnkammern im ZNS aus und bilden den Zentralkanal des Rückenmarks. Neben den Gliazellen gibt es noch die Plexusepithelzellen, die ein spezielles Adergeflecht, den Plexus choroideus auskleiden. Prinzipiell können sich aus allen Zell­populationen im Gehirn Tumoren ent­wickeln. Die Nervenzellen selbst, die Neuronen, bilden allerdings nur sehr selten Tumoren. Vermutlich, weil sie sich im ausgereiften Hirngewebe in der Regel nicht mehr teilen.

Ursachenforschung

Bei der Ursachenforschung tappen die Wissenschaftler noch weitgehend im Dunkeln. Es sind kaum Faktoren bekannt, die die Entstehung von Gehirntumoren begünstigen. Weder die Ernährung noch Rauchen, Alkoholkonsum oder Stress spielen eine Rolle. Ein leicht erhöhtes Risiko ist lediglich für Patienten bekannt, die aufgrund anderer Erkrankungen, zum Beispiel einer akuten Leukämie, einer direkten radioaktiven Bestrahlung des Nervensystems ausgesetzt werden. Etwas häufiger zeigen auch Patienten mit bestimmten Erbkrankheiten einen primären ZNS-Tumor.

Die WHO-Klassifikation und ihre Bedeutung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Klassifikation der Tumoren des zentralen Nervensystems herausgegeben, die für die Diagnose und Behandlung von Astrozytomen von entscheidender Bedeutung ist. Der WHO-Grad I bedeutet ein gutartiges, langsames Tumorwachstum und eine sehr gute Prognose. Tumoren im WHO-Grad II sind noch gutartig, haben aber eine erhöhte Neigung zu wiederholtem Auftreten; der Übergang in bösartige Tumoren ist möglich. Im WHO-Grad III sind die Tumoren bereits bösartig; nach der Operation sind Strahlen- und/oder Chemotherapie notwendig. Der WHO-Grad IV beschreibt ein sehr bösartiges, rasches Tumorwachstum. Nach der Operation sind Strahlen- und/oder Chemotherapie notwendig; die Patienten haben eine schlechte Prognose.

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Differenzialdiagnose

Es ist wichtig, Astrozytome von anderen Hirntumoren zu unterscheiden, da dies Auswirkungen auf die Behandlung und Prognose hat. Zu den wichtigsten Differenzialdiagnosen gehören:

  • Oligodendrogliome
  • Ependymome
  • Meningeome
  • Hirnmetastasen

Innovative Therapieansätze

Parallel zu den gängigen Therapieschemata werden neuere Ansätze in Studien getestet. Dazu zählt etwa der monoklonale VEGF-Antikörper Bevacizumab. Der Angiogenesehemmer soll den Tumor quasi »aushungern«, indem er die Neubildung von Blutgefäßen unterdrückt. Erste Studien an Patienten mit Glioblastom-Rezidiven verliefen so hoffnungsvoll, dass der Antikörper in der GLARIUS-Studie nun auch an Patienten mit Primärtumoren getestet wurde. Auch an anderen Zentren wird intensiv an neuen Therapiemöglichkeiten geforscht. So testet man am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tübingen die Wirkung von Mistel­extrakten auf Gliomzellen (3). In der Zellkultur zeigten sich mehrere positive Effekte, beispielsweise eine verminderte Fähigkeit der Zellen zu wandern oder eine bessere Immunreaktion. Ebenfalls am HIH versucht man, speziell konstruierte Adenoviren im Kampf gegen Tumorzellen einzusetzen. Die Viren sollen die Krebszellen zerstören und sie zudem sensibler gegenüber der Chemotherapie machen. Etwas hoffnungsvoller stimmen Versuche, gegen das Glioblastom zu impfen. Die Impfung wird nach der etablierten Behandlung eingesetzt und soll Rezidive verhindern. Einer der untersuchten Ansätze scheint Patienten zu helfen, deren Hirntumoren unter dem Einfluss eines sehr aggressiven Krebsgens stehen (epidermal growth factor receptor variant III, EGFRvIII). Die geimpften Patienten zeigten in einer kleinen Studie eine signifikant längere Gesamtüberlebenszeit von durchschnittlich 26 Monaten, verglichen mit nicht geimpften Probanden, die im Mittel nur 15 Monate überlebten (4).

Bedeutung molekularbiologischer Marker

Fachleute diskutieren derzeit über die Bedeutung eines Biomarkers (Methylierung des Promotors des O6-Methylguanyltransferase (MGMT)-Gens) als prädiktiver Marker bei älteren Glioblastom-Patienten. Generell leben die Patienten mit MGMT-Promotor-Methylierung l deutlich länger, wenn sie zusätzlich zur Strahlentherapie mit Temozolomid behandelt werden. Ältere Patienten (ab 70 Jahren) scheinen jedoch von der Kombination nicht zu profitieren. Dennoch wird ihr MGMT-Status für die Therapieentscheidung herangezogen. Denn ältere Patienten mit MGMT-Promotor-Methylierung zeigten ein verlängertes Gesamtüberleben, wenn sie nur Temozolomid bekamen, nicht aber, wenn sie bestrahlt wurden. Insgesamt sprechen Hirntumorzellen sehr unterschiedlich auf die Therapien an. Während sich etwa anaplastische Oligodendrogliome häufig auch langfristig gut in Schach halten lassen, erweisen sich Glioblastome meist als therapieresistent.

Supportive Therapie und Lebensqualität

Weil man den aggressiv wachsenden Glioblastomen bislang kaum etwas entgegensetzen kann, werden sie mit modernen molekularbiologischen Methoden näher analysiert. Warum den Forschern die genaue Unterscheidung der einzelnen Tumorgruppen so wichtig ist, erklärt der Studienleiter Professor Dr. Daher empfehlen die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN, 2008), Patienten mit erhöhtem Hirndruck mit hoch dosierten Cortico­steroiden und gegebenenfalls mit Osmotherapeutika (Mannit, Glycerin) zu behandeln. Leidet der Patient unter starken Schmerzen, sind mittelstarke und starke Opioide angeraten.

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