Viele Menschen leiden unter Migräne-ähnlichen Beschwerden, deren Ursache oft im Bereich der Halswirbelsäule, insbesondere des Atlaswirbels, liegt. Eine Fehlstellung oder Blockade dieses obersten Halswirbels kann vielfältige Symptome im ganzen Körper auslösen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Atlasfehlstellung, Migräne und anderen Beschwerden und gibt Hinweise zur Selbsthilfe und zur professionellen Behandlung durch Atlastherapeuten.
Der Atlaswirbel: Funktion und Bedeutung
Der Atlas (C1) ist der oberste Halswirbel und bildet zusammen mit dem Schädel und dem zweiten Halswirbel (Axis, C2) die Kopfgelenke. Diese Gelenke ermöglichen die vielfältigen Bewegungen des Kopfes. Im Gegensatz zu den anderen Wirbeln hat der Atlas keinen Wirbelkörper. Er besteht aus einem vorderen und einem hinteren Wirbelbogen, die durch seitliche Knochenmassen miteinander verbunden sind. Durch den Kanal in der Mitte des Atlaswirbels verläuft das Rückenmark.
Der Atlas spielt eine zentrale Rolle für die Statik des Körpers und die Verarbeitung von Informationen aus dem Nackenrezeptorenfeld. Dieses System aus Nerven, Muskeln und Bändern steuert die Kopfstellung, die Spannung der Nackenmuskulatur und die Verarbeitung von Schmerzsignalen.
Ursachen und Auswirkungen einer Atlasfehlstellung
Eine Atlasblockade oder -fehlstellung kann durch verschiedene Faktoren entstehen:
- Überlastungen: Arbeiten am PC, Zugluft, falsche nächtliche Lagerung und sonstige Fehlhaltungen können zu Verspannungen führen, die eine Atlasblockade verursachen.
- Traumata: Stürze, Autounfälle, Kopfanschläge oder starke Erschütterungen können den Atlaswirbel verschieben.
- Stress: Anspannung der Nackenmuskulatur durch Stress kann ebenfalls zu einer Fehlstellung führen.
Die Folgen einer Atlasfehlstellung können vielfältig sein:
Lesen Sie auch: Vergleichende Analyse: Migräne vs. Epilepsie
- HWS-Syndrom: Eine einseitige Anspannung der Muskulatur durch die Fehlstellung kann ein HWS-Syndrom (Halswirbelsäulen-Syndrom) verursachen.
- Nackenschmerzen: Häufig treten Nackenschmerzen plötzlich nach ruckartigen Bewegungen oder bei unkontrollierten Rotationsbewegungen auf.
- Kopfschmerzen und Migräne: Kopfschmerzen, Schwindel, Migräne und Übelkeit können durch eine Atlasblockade ausgelöst werden. Studien zeigen, dass Kopfschmerzen oft mit Störungen im Zusammenhang mit der Halswirbelsäule und dem Atlaswirbel stehen.
- Schwindel und Tinnitus: Eine Fehlstellung kann die Wirbelarterie auf Höhe des Atlas reizen oder Druck auf sie ausüben, was zu Schwindel und Tinnitus führen kann.
- Körperstatik: Ein verschobener Atlaswirbel kann die gesamte Statik des Körpers durcheinanderbringen und zu einem Beckenschiefstand führen.
Symptome einer Atlasfehlstellung
Die Symptome einer Atlasfehlstellung können vielfältig sein und sich im ganzen Körper bemerkbar machen. Häufige Symptome sind:
- Kopfschmerzen
- Migräne
- Nackenschmerzen
- Schwindel
- Tinnitus (Ohrgeräusche)
- Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich
- Bewegungseinschränkungen im Kopf- und Nackenbereich
- Übelkeit
- Konzentrationsstörungen
- Herzrhythmusstörungen
- Beckenschiefstand
Selbsthilfe bei Atlasblockade und Migräne-ähnlichen Beschwerden
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden, um die Beschwerden zu lindern:
- Wärme: Wärme im Hals-Nacken-Bereich kann Verspannungen lösen.
- Dehnübungen: Neigen Sie den Kopf nach rechts und links sowie nach vorne und hinten, um die Nackenmuskulatur zu dehnen.
- Massage: Massieren Sie die Bereiche unter den Ohren und im Nacken mit Zeige- und Mittelfinger.
- Achtsame Körperhaltung: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung, besonders bei sitzenden Tätigkeiten. Vermeiden Sie eine übermäßige Vorwärtsneigung des Kopfes und eine gerundete Rückenhaltung.
- Ergonomischer Arbeitsplatz: Gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz ergonomisch, um Fehlhaltungen zu vermeiden.
- Entspannung: Stress kann Verspannungen verstärken. Entspannungsübungen wie Yoga, Meditation oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen.
- Schlafhygiene: Achten Sie auf eine gute Schlafhygiene. Verwenden Sie ein Kissen, das nicht zu hoch ist, und eine Matratze, die weder durchgelegen noch zu weich ist. Die Rückenlage mit gestreckten Beinen kann die Muskeln und Faszien optimal entspannen.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung und Sport können helfen, die Muskulatur zu stärken und Verspannungen vorzubeugen.
- Kiefergelenksentspannung: Da das Kiefergelenk eine direkte Verbindung zur Halswirbelsäule hat, können Entspannungsübungen für den Kiefer helfen, Spannungen im Nackenbereich zu reduzieren.
Professionelle Hilfe durch Atlastherapeuten
Wenn die Selbsthilfe-Maßnahmen nicht ausreichend helfen, ist es ratsam, einen Experten aufzusuchen. Speziell ausgebildete Atlastherapeuten verfügen über die notwendigen Kenntnisse und Techniken, um eine Atlasblockade erfolgreich zu lösen.
Atlastherapie
Die Atlastherapie ist eine manuelle Behandlungsmethode, die darauf abzielt, die Fehlstellung des Atlaswirbels zu korrigieren und die natürliche Beweglichkeit der Kopfgelenke wiederherzustellen. Die Behandlung erfolgt in der Regel durch sanfte, gezielte Impulse.
Atlasreflexth.
Die atlasreflexTh. ist eine spezielle Form der Atlastherapie, die auf der Grundlage der Atlasreflexe arbeitet. Diese Reflexe sind neurologische Verbindungen zwischen dem Atlaswirbel und anderen Körperregionen. Durch die Behandlung der Atlasreflexe können Blockaden gelöst und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden.
Lesen Sie auch: Neurologische Expertise bei Migräne
Weitere Therapieansätze
Neben der Atlastherapie können auch andere Therapieansätze hilfreich sein:
- Osteopathie: Die Osteopathie betrachtet den Körper als eine funktionelle Einheit und behandelt nicht nur den Atlaswirbel, sondern auch andere beteiligte Strukturen wie Muskeln, Faszien und Organe.
- Physiotherapie: Physiotherapeutische Übungen können helfen, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und Fehlhaltungen zu korrigieren.
- Manuelle Therapie: Die manuelle Therapie umfasst verschiedene Techniken zur Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates.
- Pohltherapie®: Diese Therapieform kann bei verspannungsbedingten Ohrbeschwerden wie Tinnitus, Hörsturz oder Druckgefühl im Ohr helfen.
Auswahl eines Atlastherapeuten
Bei der Auswahl eines Atlastherapeuten sollten Sie auf folgende Punkte achten:
- Ausbildung und Qualifikation: Der Therapeut sollte eine fundierte Ausbildung in Atlastherapie oder einer verwandten manuellen Therapieform haben.
- Erfahrung: Fragen Sie nach der Erfahrung des Therapeuten in der Behandlung von Atlasfehlstellungen und Migräne-ähnlichen Beschwerden.
- Zertifizierung: Einige Therapeuten sind durch bestimmte Fachgesellschaften zertifiziert.
- Empfehlungen: Fragen Sie Ihren Arzt oder andere Therapeuten nach Empfehlungen.
- Persönlicher Eindruck: Vereinbaren Sie ein Vorgespräch, um den Therapeuten kennenzulernen und Ihre Fragen zu besprechen.
Hier ist eine unvollständige Liste von Orten, wo Atlastherapeuten zu finden sind (es wird empfohlen, diese Liste durch eigene Recherche zu ergänzen):
- Baden-Württemberg
- Bayern
- Berlin
- Brandenburg
- Schleswig-Holstein
- Hamburg
- Hessen
- Niedersachsen
- Nordrhein-Westfalen
- Rheinland-Pfalz
- Thüringen
- Saarland
- Sachsen
- Sachsen-Anhalt
- Mazedonien
- Ukraine
- Cyprus
- Schweiz
- Österreich
Ursachenforschung und ganzheitliche Betrachtung
Es ist wichtig zu betonen, dass Nackenschmerzen und Migräne-ähnliche Beschwerden oft komplexe Ursachen haben. Neben der Atlasfehlstellung können auch andere Faktoren eine Rolle spielen:
- Orthopädische Ursachen: Bandscheibenverschleiß, Arthrose oder andere Erkrankungen der Wirbelsäule.
- Zahnärztliche Ursachen: Kieferfehlstellungen, Zähneknirschen oder andere Probleme im Kieferbereich.
- Neurologische Ursachen: Nervenschmerzen oder andere neurologische Erkrankungen.
- Innere Organe: Erkrankungen der inneren Organe können sich auf die Halswirbelsäule auswirken.
- Hormonelle Faktoren: Hormonelle Veränderungen, insbesondere der Schilddrüse, können eine Rolle spielen.
- Psychische Faktoren: Stress, Angst oder Depressionen können Verspannungen und Schmerzen verstärken.
Eine ganzheitliche Betrachtung des Patienten ist daher entscheidend, um die individuellen Ursachen der Beschwerden zu erkennen und eine gezielte Therapie zu entwickeln.
Lesen Sie auch: Migräne als Risikofaktor für Demenz?
Die Rolle des bio-psycho-sozialen Modells
Das bio-psycho-soziale Modell berücksichtigt die komplexen Zusammenhänge zwischen biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren bei der Entstehung von Gesundheit, Krankheit und Beschwerden. Dieses Modell betont, dass Schmerzen nicht nur durch körperliche Ursachen, sondern auch durch psychische Belastungen und soziale Umstände beeinflusst werden können.
Daher ist es wichtig, bei der Behandlung von Migräne-ähnlichen Beschwerden nicht nur die körperlichen Aspekte zu berücksichtigen, sondern auch die psychische und soziale Situation des Patienten einzubeziehen.
tags: #atlasknochen #migrane #ahnlich #wie #selber #entlasten