Zusammenhang zwischen Augeninnendruck, Migräne und Glaukom: Ein umfassender Überblick

Das Glaukom, im Volksmund auch als "Grüner Star" bekannt, ist eine heimtückische Augenerkrankung, die in den Industrienationen die zweithäufigste Ursache für Erblindung darstellt. In Deutschland sind schätzungsweise zwei Prozent aller Menschen über 60 Jahre betroffen, wobei etwa die Hälfte der Erkrankungen unentdeckt bleibt. Das Tückische am Glaukom ist, dass die häufigste Form, das chronische Offenwinkelglaukom, schmerzfrei verläuft und vom Betroffenen oft unbemerkt bleibt. Während die Nervenfasern des Sehnervs langsam absterben, kommt es zu Gesichtsfeldausfällen, die jedoch aufgrund des schleichenden Verlaufs und der kompensatorischen Fähigkeiten des Gehirns oft unbemerkt bleiben.

Das Glaukom: Eine vielschichtige Erkrankung

Unter dem Begriff Glaukom wird eine Gruppe von Augenkrankheiten zusammengefasst, die in späteren Stadien die Nervenzellen der Netzhaut (Retina) und des Sehnerven schädigen können. Unbehandelt kann dies zu einer fortschreitenden Beeinträchtigung des Sehvermögens bis hin zur Erblindung führen.

Risikofaktoren und Früherkennung

Das Risiko, an einem Glaukom zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Es tritt einschließlich seiner Vorstufen bei etwa 2,4 % aller Personen ab dem 40. Lebensjahr auf. Jenseits des 75. Lebensjahres liegt die Häufigkeit bereits zwischen 7 und 8 %, jenseits des 80. Lebensjahres sogar noch höher. Im Gegensatz zum Grauen Star (Katarakt), der meist im hohen Alter auftritt und bei dem sich die Linse trübt, betrifft das Glaukom auch jüngere Menschen ab etwa 40 Jahren. Geschädigt werden die nervalen Strukturen, was zu Ausfällen im Gesichtsfeld führt. Da ein Glaukomschaden nicht rückgängig gemacht werden kann, ist die Früherkennung von entscheidender Bedeutung. Eine regelmäßige Untersuchung beim Augenarzt ab dem 40. Lebensjahr kann eine rechtzeitige Diagnose sichern und eine wirksame Therapie ermöglichen.

Augeninnendruck und seine Bedeutung

Lange Zeit wurde ein erhöhter Augeninnendruck (intraokularer Druck, IOD) als Hauptursache für das Glaukom angesehen. Augenärzte wissen jedoch, dass es Patienten gibt, deren Augeninnendruck höher als 21 mmHg ist (früherer Richtwert für die obere Normaldruckgrenze), die aber nie einen Sehnervenschaden entwickeln. Andererseits haben Reihenuntersuchungen gezeigt, dass bei 50 Prozent der manifesten Glaukome der Augeninnendruck unter 21 mmHg lag.

Kammerwasser und Augeninnendruck

Der Augeninnendruck wird durch das Kammerwasser reguliert, eine Flüssigkeit, die im Inneren des Auges produziert und wieder abgeleitet wird. Störungen im Abfluss des Kammerwassers können zu einem erhöhten Augeninnendruck führen, der den Sehnerv schädigen kann. Es gibt verschiedene Formen des Glaukoms, die mit einem erhöhten Augeninnendruck einhergehen können, wie z.B. das akute Winkelblockglaukom oder das chronische Offenwinkelglaukom.

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Normaldruckglaukom: Eine besondere Form

Beim Normaldruckglaukom kommt es zu einem typischen Glaukomschaden trotz normaler Augendruckwerte. Unklar ist, warum der Sehnerv trotz eines relativ niedrigen Augeninnendrucks geschädigt wird. Menschen mit einem höheren Risiko für ein Normaldruckglaukom haben oft eine familiäre Vorgeschichte mit dieser Erkrankung, sind weiblichen Geschlechts, asiatischer bzw. japanischer Abstammung oder haben eine Vorgeschichte mit systemischen Herzerkrankungen, Migräne oder niedrigem diastolischen Blutdruck.

Migräne und Glaukom: Ein möglicher Zusammenhang

Eine aktuelle Studie hat untersucht, wie häufig die Augenerkrankung Glaukom bei Migränepatienten auftritt. Bisherige Studien zu dieser Frage ergaben widersprüchliche Ergebnisse. Forscher ermittelten dazu Studien zu Migräne und Glaukom (speziell dem sogenannten Offenwinkelglaukom) aus verschiedenen medizinwissenschaftlichen Datenbanken (Embase, Web of Science und PubMed). Insgesamt fanden die Experten 11 Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Glaukom und Migräne.

Studienergebnisse und Interpretation

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Migränepatienten ein relatives Risiko von 1,24 haben, ein Offenwinkelglaukom zu entwickeln. Das heißt, Patienten mit Migräne hatten im Mittel eine um 24 % erhöhte Wahrscheinlichkeit, an einem Glaukom zu erkranken als Menschen ohne Migräne. Es gab allerdings Unterschiede je nach Art der jeweiligen Untersuchung. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass Migräne wahrscheinlich das Risiko für ein Glaukom steigern kann. Dieser Zusammenhang konnte allerdings nicht in allen Arten von Studien gefunden werden, kann also auch weiterhin nicht als abschließend gesichert betrachtet werden.

Migräne als Risikofaktor für das Normaldruckglaukom

Ein Normaldruckglaukom wird weiterhin mit Migräne und niedrigem Blutdruck in Verbindung gebracht und betrifft häufiger Menschen mit dem sog. Raynaud Syndrom, bei dem Finger und Zehen bei Kälte weiß werden.

Mögliche Ursachen für den Zusammenhang

Der genaue Zusammenhang zwischen Migräne und Glaukom ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass bestimmte gemeinsame genetische und vaskuläre Faktoren eine Rolle spielen könnten, die sowohl bei Migräne als auch bei Glaukom auftreten. Auch Durchblutungsstörungen, die bei Migräne auftreten können, könnten den Sehnerv schädigen und das Glaukomrisiko erhöhen.

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Weitere Risikofaktoren und Komorbiditäten

Neben Migräne gibt es noch weitere Risikofaktoren, die die Entstehung eines Glaukoms begünstigen können. Dazu gehören:

  • Komorbiditäten: Diabetes, Bluthochdruck, Fehlfunktionen der Schilddrüse, Autoimmunerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafapnoe und bestimmte neurologische Erkrankungen.
  • Gefäßverkrampfungen (Vasospasmen): Diese äußern sich typischerweise durch kalte Hände, kalte Füße, Migräne oder Ohrensausen (Tinnitus).
  • Abweichende Hornhautdicke: Eine dünne Hornhaut kann das Risiko für ein Glaukom erhöhen.
  • Hohe Kurzsichtigkeit (ab -5 Dioptrien):
  • Starkes Schnarchen mit Atemaussetzern: Dies kann zu einer verminderten Sauerstoffversorgung des Sehnerven führen.

Diagnose und Behandlung des Glaukoms

Die Diagnose des Glaukoms umfasst verschiedene Untersuchungen, wie z.B.:

  • Augeninnendruckmessung (Tonometrie):
  • Untersuchung des Sehnervenkopfes (Papille):
  • Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie):
  • Optische Kohärenztomographie (OCT):
  • Hornhautdickenmessung (Pachymetrie):

Die Behandlung des Glaukoms zielt darauf ab, den Augeninnendruck zu senken und den Sehnerv vor weiteren Schäden zu schützen. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, wie z.B.:

  • Augentropfen: Sie senken den Augeninnendruck, indem sie entweder den Kammerwasserabfluss verbessern oder die Kammerwasserproduktion reduzieren.
  • Laserbehandlung (selektive Lasertrabekuloplastik): Sie verbessert den Kammerwasserabfluss.
  • Operationen: Es gibt verschiedene operative Verfahren, wie z.B. die Trabekulektomie, die Kanaloplastik oder die Implantation von iStents oder Drainageimplantaten.

Bedeutung der Früherkennung und regelmäßigen Kontrollen

Das Glaukom muss heute nicht mehr das Sehvermögen kosten. Nur eine regelmäßige Untersuchung beim Augenarzt kann eine rechtzeitige Diagnose sichern und eine wirksame Therapie garantieren. Diese Vorsorgeuntersuchungen sollte jeder vom 40. Lebensjahr an wahrnehmen. Insbesondere Menschen mit Risikofaktoren wie Migräne, familiärer Vorbelastung oder anderen Erkrankungen sollten ihre Augen regelmäßig kontrollieren lassen.

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