Die faszinierende Verbindung von Auge, Hand und Gehirn beim Malen

Malen ist weit mehr als nur eine künstlerische Tätigkeit. Es ist ein vielschichtiger Prozess, der eine enge Koordination von Auge, Hand und Gehirn erfordert. Diese Koordination ist nicht nur für die Ausführung präziser Pinselstriche notwendig, sondern fördert auch die Kreativität, Konzentration und den emotionalen Ausdruck. Malen ist somit eine wertvolle Aktivität für Menschen jeden Alters, vom Kleinkind bis zum Senior.

Malen als spielerische Förderung der Auge-Hand-Koordination

Schon im frühen Kindesalter spielt das Ausmalen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Auge-Hand-Koordination. Kinder müssen lernen, ihre Farbstifte präzise zu führen, um komplexe Zeichnungen auszufüllen. Diese Tätigkeit stimuliert das Gehirn und fördert die Feinmotorik und Kreativität. Insbesondere für Kinder im Vorschulalter, die bald mit dem Schreiben beginnen, ist das Ausmalen eine ideale Vorbereitung. Sie üben, Stifte richtig zu halten, ihre Bewegungen zu kontrollieren und Linien, Formen und Motiven zu folgen. Somit ist das Ausmalen nicht nur eine kreative Aktivität, sondern auch eine Schulung des Koordinationsvermögens und eine Vorbereitung auf das Schreiben.

Die Entwicklung der Auge-Hand-Koordination beginnt jedoch schon viel früher. Bereits Babys versuchen, nach Gegenständen zu greifen, die sie sehen. Diese frühen Versuche, visuelle Informationen in motorische Handlungen umzusetzen, sind grundlegend für die Entwicklung der visuomotorischen Fähigkeiten, die später für komplexere Tätigkeiten wie Malen, Musizieren oder sportliche Aktivitäten benötigt werden.

Die therapeutische Wirkung des Malens

Malen ist nicht nur eine förderliche Aktivität für Kinder, sondern auch für Erwachsene und Senioren. Es reduziert Stress, regt die Kreativität an und fördert das allgemeine Wohlbefinden.

Stressabbau und Entspannung

Viele Menschen empfinden das Malen als entspannend. Die Konzentration auf die Farbwahl und das Ausmalen der Motive mit zarten Pastelltönen kann helfen, die Seele baumeln zu lassen und das Stresslevel zu senken. Der Körper schüttet Endorphine aus, die für das Wohlbefinden verantwortlich sind. Malen kann somit eine willkommene Pause in der Alltagsroutine sein, um zu Hause oder auf der Arbeit auf andere Gedanken zu kommen.

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Förderung der Kreativität

Malen ermöglicht es, die eigene Kreativität zum Ausdruck zu bringen, indem man Farben auswählt und Details zu den Zeichnungen hinzufügt. Es geht nicht nur darum, Formen und Motive mit Farbe zu füllen, sondern auch darum, mit verschiedenen künstlerischen Stilrichtungen zu experimentieren und mit Farben und Utensilien zu spielen. Ausmalbücher, bei denen jede Zahl für eine Farbe steht, können eine gute Lösung für Kinder und Erwachsene sein, die bei dieser Tätigkeit lieber angeleitet werden.

Schulung des Konzentrationsvermögens

Malen fördert die Konzentrationsfähigkeit, indem es den Geist automatisch auf die zu erledigende Aufgabe fokussiert. Während die Farbstifte über das Papier gleiten, konzentriert man sich auf das Hier und Jetzt. Dies kann eine spielerische Art und Weise sein, um Kindern beizubringen, ihre volle Aufmerksamkeit einer bestimmten Tätigkeit zu widmen. Mandalas, komplexe geometrische Muster, erfordern beispielsweise volle Konzentration, um den Motiven und Einzelheiten zu folgen.

Emotionaler Ausdruck

Malen kann ein hilfreiches nonverbales Mittel sein, um seine Emotionen zu kommunizieren. Kinder können durch die Farbwahl ausdrücken, was sie gerade empfinden. Auffällige Farben können Freude und Begeisterung vermitteln, während dunkle, intensive Nuancen für Traurigkeit oder Wut stehen können. Auf einer tieferen Ebene kann das Ausmalen auch eine therapeutische Aktivität darstellen, wie sie beispielsweise in der Kunsttherapie zur Senkung des Stress- und Angstempfindens eingesetzt wird.

Malen im Alter: Ein Jungbrunnen für das Gehirn

Auch im höheren Alter bietet das Malen zahlreiche Vorteile. Es hält das Gehirn fit, reduziert Stress, weckt die Kreativität, fördert die Feinmotorik und stärkt die Hand-Auge-Koordination.

Gutes Gehirntraining

Je älter wir werden, desto wichtiger wird es, unser Gehirn zu trainieren. Malen kann uns dabei helfen, das Gedächtnis zu verbessern und einen Rückgang der Gehirnleistung zu vermeiden. Es reduziert das Risiko von Demenz und Alzheimer.

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Stressreduktion

Malen fordert uns und gibt uns eine Aufgabe. Man kann sich beispielsweise zum Ziel setzen, zu lernen, ein bestimmtes Tier zu gestalten oder ein Profi im Zeichnen von Landschaften zu werden. Der Prozess gibt uns einen Sinn und gleichzeitig hat das Malen eine meditative Wirkung auf unseren Geist.

Förderung der Feinmotorik

Sich über einen längeren Zeitraum auf eine Aufgabe zu fokussieren, verbessert unsere Konzentration und die Hand-Auge-Koordination. Sie ist dafür verantwortlich, dass wir den Pinsel in das richtige Feld setzen und beim Malen nach Zahlen innerhalb der Linien bleiben. Wir brauchen sie im Alltag ständig, bei allem, was wir mit unseren Händen tun. Deshalb ist es enorm wichtig, unsere Koordinations-Muskeln zu trainieren und zu stärken.

Kommunikative Vorteile

Malen kann auch soziale Kontakte fördern. Man kann speziellen Malen-nach-Zahlen-Gruppen beitreten oder allgemeinere Kunst-Gruppen in der Umgebung suchen. Innerhalb der Gruppe kann man sich mit anderen austauschen, Fragen stellen, Tipps geben und an Treffen teilnehmen.

Eine internationale Studie belegt, dass regelmäßige kreative Aktivitäten wie Tanzen, Malen oder Musizieren das biologische Gehirnalter signifikant reduzieren können. Wer regelmäßig kreativ aktiv ist, dessen Gehirn erscheint bis zu sieben Jahre jünger als das chronologische Alter.

Wie das Gehirn von Kreativität profitiert

Zwei Mechanismen machen die "Gehirn-Verjüngung" möglich: Neuroplastizität und kognitive Reserve. Das Gehirn organisiert sich durch neue Erfahrungen ständig neu und bildet neuronale Verbindungen. Kreative Tätigkeiten fordern verschiedene Gehirnregionen gleichzeitig - von der Feinmotorik über visuell-räumliches Denken bis zur emotionalen Verarbeitung.

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Die kognitive Reserve beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, altersbedingten Schäden standzuhalten. Wer lebenslang geistig aktiv bleibt, baut diese Reserve auf. Kognitive Einbußen treten später und langsamer auf.

Malen lernen: Ein Leben lang möglich

Es ist nie zu spät, mit dem Malen anzufangen. Weltberühmte Künstler wie Vincent Van Gogh und Claude Monet begannen erst im späten Verlauf ihres Lebens damit, Kunstwerke zu schaffen. Ihre bisherige Lebenserfahrung kann Ihnen beim Malen sogar behilflich sein. Im Alter hat man mehr gesehen, gefühlt und erlebt und kann somit auf ein Arsenal an Inspirationen zurückgreifen. Es ermöglicht Ihnen, sich besser auf Ideen und Eingebungen einzulassen und Ihre Kreativität zu akzeptieren.

Malen lässt sich nicht an einem Tag erlernen, doch wer dranbleibt, wird schnell Fortschritte erzielen. Man kann in jedem Alter das Malen lernen. Malen nach Zahlen für Erwachsene ist der perfekte Einstieg. Es gibt uns genaue Vorgaben und hilft uns dabei, ein Bild besser zu verstehen. Man lernt durch das Befolgen der Linien, wie sich ein Werk zusammensetzt, wo welche Farben hingehören und wie man einzelne Striche miteinander kombiniert. Zusätzlich verbessert es die Feinmotorik und trainiert das Gehirn.

Tipps und Übungen zur Verbesserung der Malfähigkeiten

Um die Malfähigkeiten zu verbessern, ist es wichtig, die Grundlagen der bildenden Kunst zu verstehen. Dazu gehören Komposition, Farbenlehre, Licht, Schatten, Perspektive, Anatomie und Form. Es gibt eine Redewendung: „Zeichnen lernen heißt Sehen lernen“. Damit wird im Allgemeinen gesagt, dass das Zeichnen nicht nur eine technische Fähigkeit ist, sondern vor allem die Wahrnehmung schult. Wer Zeichnen lernt, beginnt die Welt mit anderen Augen zu sehen - detaillierter, bewusster und mit einem besseren Verständnis für Formen, Proportionen, Licht und Schatten. Zeichnen zwingt einen dazu, die Dinge nicht so zu zeichnen, wie man sie glaubt zu kennen, sondern wie sie tatsächlich aussehen.

Hier sind einige Übungen, die helfen können, die Malfähigkeiten zu verbessern:

  • Blindzeichnen: Nimm Dir fünf bis zehn Minuten Zeit, um ohne Hinzuschauen zu zeichnen. Diese Übung hilft nicht nur, Deine Hand-Auge-Koordination zu verbessern, sondern aktiviert auch andere Hirnareale, die normalerweise beim Zeichnen nicht so stark beansprucht werden.
  • Zeitlich begrenztes Malen: Setze dir das Ziel, innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens von etwa 30 Minuten Striche zu ziehen und Farbe aufzutragen. Es geht nicht darum, ein vollendetes Kunstwerk zu schaffen, das dir gefällt. Vielmehr ist das Ziel, einfach kontinuierlich weiterzuarbeiten.
  • Arbeiten mit einer begrenzten Farbpalette: Arbeite mit einer begrenzten Farbpalette, beispielsweise nur drei Primärfarben und Weiß. Dies zwingt Dich, intensiv über Farbmischungen nachzudenken, und Du lernst die komplexen Beziehungen zwischen den Farben besser zu verstehen.
  • Schnelle Skizzen: Setz Dir ein Zeitlimit für Deine Skizzen - etwa eine bis fünf Minuten pro Motiv. Diese Technik hilft Dir, in kurzer Zeit die wesentlichen Formen und Proportionen zu erfassen und verbessert Deine Fähigkeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
  • Rückwärtszeichnen: Beginne Dein Motiv einmal von den Details bis zu den Grundformen und dann umgekehrt zu zeichnen.
  • Kopieren von Werken alter Meister: Kopiere ein Werk eines alten oder modernen Meisters. Durch diese Auseinandersetzung erkennst Du, wie sie Komposition, Licht und Schatten, Farbe und Pinselstriche eingesetzt haben.
  • Zeichnen von Referenzbildern: Fotografiere interessante Szenen oder Objekte und benutze diese Fotos als Referenz, um sie zu zeichnen oder zu malen. Um die Genauigkeit zu verbessern, muss jeder Künstler lernen, seine Zeichnungen von vorgefassten Meinungen über das Dargestellte zu trennen. Um die Genauigkeit zu verbessern, muss jeder Künstler lernen, seine Zeichnungen von vorgefassten Meinungen über das Dargestellte zu trennen. Mit der Zeit und zunehmender Übung entwickelst du ein besseres Verständnis dafür, wie sich Objekte und Formen verhalten, und der Prozess des Nachzeichnens wird zunehmend intuitiver. Bevor du dieses Selbstvertrauen erlangst, gibt es eine bewährte Übung zur Schulung deiner Augen: Zeichne von einem Referenzbild, das auf dem Kopf steht.
  • Kombination verschiedener Medien: Scheue nicht davor zurück, verschiedene Medien zu kombinieren. Zeichne zunächst mit Bleistift und füge dann Schichten mit Aquarellfarben, Tinte oder Pastellkreiden hinzu.
  • Farbcode-Übung: Nimm einen Farbcode und versuche, diese Farbe mit einer selbst kreierten Mischung anzupassen.
  • Verwendung unterschiedlicher Farbschemata: Nimm dir eine Referenz und fordere dich heraus, sie dreimal einzeln mit jeweils einem anderen Farbschema zu malen (oder einen Kugelschreiber oder Buntstift zu verwenden).
  • Kritzeln: Ohne Druck ein leeres Blatt mit zufälligen Linien oder Mustern zu füllen, kann sehr entspannend sein und Dir gleichzeitig neue Ideen liefern.
  • Drucktechniken: Drucktechniken wie Linolschnitt oder Monotypie fordern Dich dazu auf, Negativbereiche aktiv zu gestalten und bieten eine ganz neue Herangehensweise an Deine Kunstkreationen.
  • Geschichten erzählen mit Skizzen: Nutze Deine Skizzen oder kleinen Zeichnungen, um eine kurze Geschichte zu erzählen.
  • Zentangle: Zentangle ist eine Methode des meditativen Zeichnens, bei der wiederholte Muster auf kleine Flächen gezeichnet werden. Diese Praxis hat nicht nur beruhigende Wirkungen, sondern verbessert auch Deine Präzision und Konzentrationsfähigkeit.

Motorikförderung als Grundlage für kreatives Schaffen

Die Entwicklung der Grob- und Feinmotorik ist eng mit der Fähigkeit zum kreativen Schaffen verbunden. Kinder mit gut entwickelten motorischen Fähigkeiten treten selbstsicherer auf und erleben weniger Frustrationsmomente. Es geht nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern darum, Bewegung ganz natürlich und mit viel Spaß in den Familien- oder Kita-Alltag zu integrieren.

Die Ergebnisse der Motorik-Modul (MoMo) Längsschnittstudie vom KIT sind alarmierend: 35 % der Kinder und Jugendlichen schafften es nicht, drei Schritte rückwärts auf einem nur drei Zentimeter breiten Balken zu balancieren. Das ist ein klares Zeichen für erhebliche motorische Defizite und zeigt, wie dringend wir gezielte Bewegungseinheiten im Alltag brauchen.

Hier sind einige Ideen, wie man die Motorik im Alltag fördern kann:

  • Bewegungsinseln: Ein Balancierpfad aus Kissen im Flur, eine Mal-Station direkt auf dem Boden oder ein lustiges Fangspiel im Garten.
  • Hindernisparcours im Wohnzimmer: Ein Kissen-Berg, ein Stuhl-Tunnel oder eine Balancier-Brücke.
  • Waldspaziergänge: Auf Baumstämmen balancieren, Tannenzapfen werfen und fangen.
  • Sensorisches Spielzeug: Balanciersteine, Sensorik-Matten.

Es ist wichtig, eine bewegungsfreundliche Umgebung zu schaffen, in der sich Kinder sicher fühlen und Lust haben, sich auszuprobieren.

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